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© Thor Jorgen Udvang, 123rf.com

Ferngesteuert

Grafische Fernwartung leicht gemacht

05.01.2011
Schon 60 Millionen User nutzen die Fernwartungslösung TeamViewer unter Windows und Mac OS. Seit Mitte 2009 kann man auch Linux-Rechner plattformübergreifend steuern – oder steuern lassen.

Seit Version 5 gibt es TeamViewer dank vieler Nachfragen auch für Linux, inzwischen ist Version 6 erschienen. Die Software ermöglicht den einfachen Remote-Zugriff auf andere Rechner über das Netz. Die einzige Voraussetzung dafür ist, dass auf diesen ebenfalls der TeamViewer läuft, wobei alles in einem Stand-alone-Programm vereint ist: Spezielle Client- oder Server-Versionen gibt es nicht.

Auf jedem Rechner erzeugt TeamViewer automatisch eine weltweit eindeutige ID. Bei jedem Start generiert die Anwendung ein neues Passwort, eine Gegenstelle kann dann mit ID und Passwort auf den Rechner zugreifen. Dieses Verfahren verhindert, dass jemand, der sich einmal auf dem Rechner angemeldet hat, in Zukunft auch weiterhin ohne Zutun des Besitzer darauf zugreifen kann. Auf Wunsch können Sie das Passwort aber auch beibehalten oder selbst festlegen, z. B. für den Zugriff unterwegs auf den eigenen Rechner daheim.

Über einen der weltweit verteilten TeamViewer-Server im Internet, der die mit 256 Bit verschlüsselte UDP-Verbindung zwischen den beiden Parteien initiiert, gelingt der entfernte Zugriff ohne Port-Forwarding auch über Router und Firewalls hinweg. Nur falls etwa ein Proxy-Server oder eine Firewall mit Content-Filter dies unmöglich macht, läuft der Transfer direkt über die TeamViewer-Server. Dies erkennen Sie in den Verbindungsinformationen daran, dass dort HTTP statt UDP steht. Falls Sicherheitsbedenken bezüglich der Nutzung firmenfremder Server bestehen, verkauft TeamViewer auf Nachfrage auch einen eigenen Authentifizierungsserver.

Sogar über Modem-Verbindungen lassen sich mit TeamViewer Fremdrechner bedienbar fernwarten. Der deutsche Softwarehersteller hat in Version 5 und jetzt noch einmal in Version 6 die Kompression verbessert, so dass nun noch weniger Daten über die Leitungen wandern. Video, Flash-Banner im Browser und andere Programme, bei denen sich permanent der Bildschirminhalt ändert, erweisen sich dennoch als problematisch. Über eine etwas schnellere DSL-Verbindung funktionieren allerdings auch solche Anwendungen akzeptabel flüssig.

Privatanwender dürfen das Programm kostenlos nutzen, für den kommerziellen Einsatz bietet der Hersteller Lizenzen an. TeamViewer gibt es für Windows, Mac OS und Linux, wobei sich alle Systeme untereinander per Fernzugriff erreichen können. Daneben gibt es auch noch einen iPhone-Client, zudem kann man nach kostenloser Online-Registrierung über ein Flash-Interface mit einem beliebigen Webbrowser einen Rechner fernadministrieren.

Der Web- und der iPhone-Client sind die einzigen Versionen, die nur administrieren können und nicht in beide Richtungen arbeiten. Bei den anderen Varianten kann jeder TeamViewer wahlweise steuern oder gesteuert werden, auch ein Richtungswechsel im laufenden Betrieb ist möglich.

Neuerungen

Die meisten Neuerungen in Version 6 beziehen sich nur auf die Windows-Version, mit der Vereinheitlichung der Versionsnummern von Linux- und Mac-Variante will der Hersteller hauptsächlich Verwirrung bezüglich der Kompatibilität vermeiden. Das einzige, was die Linux- und Mac-Variante in Version 6 hinzugewonnen haben, sind das verbesserte, schnellere Übertragungsprotokoll und geringfügige Verbesserungen in der Oberfläche. Administratoren-Features von Version 6 wie QuickJoin, QuickSupport, das Whiteboard, VoIP oder das anpassbare Hostmodul sind der Windows-Variante vorbehalten. Auch Videochat-Funktionalität ist unter Linux und Mac OS immer noch nur in eine Richtung möglich. Linux-Anwender können nur Bilder einer Windows-Kamera empfangen und darstellen, per V4L angebundene Linux-Webcams unterstützt TeamViewer immer noch nicht. Das ist ärgerlich, zumal die Anwendung hier auf freie Codecs setzt: Speex für Audio, Theora für Video.

Pakete für Linux

TeamViewer stellt RPM- und Debian-Pakete für Linux in Version 6.0.9224 zum Download bereit. Daneben gibt es auch ein 64-Bit-Debian-Paket sowie ein einfaches tar.gz-Archiv, das völlig ohne Installation auskommt.

Das Programm basiert auf einer angepassten Wine-Version, es läuft unter Linux also unter Linux als Windows-Programm in einer emulierten Umgebung. TeamViewer hat jedoch einige Linux-spezifische Anpassungen vorgenommen, z. B. um das Auslesen der X-Server-Grafik zu beschleunigen. Es handelt sich also trotz der Verwendung von Wine nicht um eine reine Kopie der Windows-Version. Eine native Linux-Version gibt es derzeit noch nicht, sie wäre aber laut Hersteller abhängig von der Akzeptanz und Popularität der Anwendung durchaus denkbar.

Das Programm bietet eine Vielzahl an integrierten Fernwartungsfunktionen, beispielsweise Richtungswechsel, Rechnerneustart, ein simuliertes [Strg]+[Alt]+[Entf] sowie einen sehr komfortablen Dateitransfer zwischen den verbundenen Rechnern. Selbst der Mehrfach-Login auf einem gemeinsamen Rechner ist möglich – etwa für Schulungszwecke, um mehreren Anwendern gleichzeitig etwas zu demonstrieren.

Daneben gibt es bei der Linux-Version noch die oben erwähnten Einschränkungen: Die Whiteboard-Funktion, mit der die Anwender gemeinsam auf eine Tafel malen, funktioniert ebenso wenig wie die VPN-Unterstützung. Ein X-Server ist Pflicht, die Inhalt der mit [Strg]+[Alt]+[F1],[Strg]+[Alt]+[F2] etc. erreichbaren Textkonsolen überträgt das Programm nicht. Der "Affengriff" [Strg]+[Alt]+[Entf] arbeitet genau wie der Rechnerneustart und Eingabe/Anzeige am entfernten Computer deaktivieren nur dann korrekt, wenn der ferngewartete Rechner Windows verwendet – auch Mac-User schauen hier in die Röhre. Das Entfernen des Desktop-Hintergrunds (um unnötigen Datenverkehr zu vermeiden) gelingt nur mit Windows oder Mac OS als administriertem Rechner; ist der Client ein Linux-System, wird die Funktion nicht unterstützt.

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