Meego

Alle bisher vorgestellen Netbook-Distributionen starten die Anwendungen im Vollbildmodus, doch stets lassen sich die Fenster wiederherstellen, so dass sich mehrere von ihnen den Bildschirm teilen. Meego [14] dagegen verzichtet völlig auf ein Fenstersystem, hier ist der Vollbildmodus obligatorisch. Wohl als Folge des Verzichts auf eine Fensterverwaltung liegt der Arbeitsspeicherverbrauch mit nur 68 MByte direkt nach dem Start fast so niedrig wie bei Puppy Linux. Auf der Festplatte belegt Meego dagegen gut 2 GByte und damit beinahe so viel wie die Desktop-Distributionen Ubuntu und OpenSuse.

Der Desktop funktioniert nach dem gleichen Karteireiter-Prinzip wie der Ubuntu-Anwendungsstarter: Am oberen Bildschirmrand befinden sich Buttons für neun Screens. Den ersten belegt der Myzone genannte Startbildschirm, zu dem Meego immer zurückkehrt, wenn Sie die letzte Anwendung schließen (Abbildung 10). Dort finden sich eine Übersicht über Aufgaben und Termine im Kalender, Startbuttons für die wichtigsten Anwendungen, kleine Screenshots der als Favoriten gespeicherten Webseiten und die neuesten Twitter- oder Facebook-Nachrichten. Dies ist eine gelungene Zusammenstellung, welche die Übersichtlichkeit auf Geräten mit einem kleinen Bildschirm deutlich erhöht.

Abbildung 10: Meegos Startbildschirm, der wie auf einem PDA Aktuelles, geplante Termine und Anwendungsstarter vereint, steht auch einem Netbook gut.

Alles neu

Eine herkömmliche Taskleiste suchen Sie unter Meego vergeblich. Stattdessen zeigt der zweite Karteireiter des Meego-Desktops verkleinerte Abbildungen aller laufenden Anwendungen. Dabei handelt es sich nicht um statische Screenshots: Videos oder Spiele laufen in Miniatur ab. Die Anwendungsminiaturen lassen sich per Drag & Drop Gruppen zuweisen, den Zones, von denen dieser Screen in Meego seinen Namen ableitet (Abbildung 11).

Abbildung 11: Das Zones-Panel sorgt für den Überblick über laufende Anwendungen. In übersichtlichen Gruppen lassen sich die kleinen Screenshots per Drag & Drop platzieren.

Der dritte Tab im Meego-Desktop enthält den Anwendungsstarter, der die installierten Programme in sechs Kategorien einteilt, welche nach einen Mausklick aufklappen. Die Auswahl der für Meego verfügbaren Software ist begrenzt; mit Google Chrome, Evolution Mail, Kalender und Adressverwaltung sowie Abiword, Gnumeric, Gimp und Inkscape sind die Grundbedürfnisse jedoch gut abgedeckt. Auch die Hardware unterstützt Meego ebenso zuverlässig wie die anderen vorgestellen Linux-Distributionen. Ärgerlich ist dagegen, dass bei Meego als einzigem System im Test die MP3-Unterstützung fehlt.

Eigene Screens im Desktop spendieren die Meego-Entwickler den Kategorien Last-Fm-, Facebook- und Twitter-Status sowie dem Instant-Messaging, geöffneten Internetseiten, dem Musik- und Videoplayer plus einer zusammengefassten Ansicht aus grundlegenden Computer-Einstellungen und Dateibrowser. Auch für verbundene Bluetooth- und WLAN-Geräte gibt es eine eigene Rubrik. Ein Klick auf die Uhr öffnet die Aufgaben- und Terminverwaltung.

Um das Meego-Installations-Image [15] zu installieren, ist die gleiche Vorbereitung eines USB-Sticks nötig wie bei OpenSuse [5]. Nach dem Booten bleibt die Wahl zwischen einem Live-System zum Ausprobieren und einem komfortablen und selbsterklärenden Installer. Er verkleinert automatisch Windows-Partitionen und installiert Meego so parallel zu Windows auf dem Rechner.

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