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© Martin Pettersson, 123RF

Linux für unterwegs

Linux-Distributionen für Netbooks

01.10.2010 Ein Netbook macht nur mit passender Software Spaß. Wir stellen fünf Distributionen für Rechner-Leichtgewichte vor.

Handlich und leicht sind Netbooks, jene Kleinst-Notebooks, die sich zum Verkaufsschlager entwickelt haben. Doch auf solcher Hardware mit kleinem Display, stromsparendem Mobil-Prozessor und oft auf 1 GByte beschränktem Arbeitsspeicher macht nicht jede Linux-Distribution Freude, sei sie auf dem heimischen Desktop-Rechner noch so komfortabel. EasyLinux hat eine Reihe von Systemen auf ihre Netbook-Tauglichkeit geprüft.

Ubuntu mit Unity

Ubuntu widmet den Netbooks eine eigene Oberfläche namens Unity, die ab Version 10.10 zum Einsatz kommen soll. Für diesen Artikel haben wir die Betaversion verwendet. Möchten Sie Unity ausprobieren, laden Sie von der Ubuntu-Webseite [1] eine ISO-Abbilddatei herunter, die vermutlich den Namen ubuntu-10.10-netbook-i386.iso tragen wird. Die Datei brennen Sie als Abbilddatei auf eine CD und booten diese über ein externes CD-/DVD-Laufwerk auf Ihrem Netbook. Alternativ können Sie Unity auch unter Ubuntu 10.04 zum Laufen bringen (siehe Kasten Unity unter Ubuntu 10.04).

Unity unter Ubuntu 10.04

Eine frühe Testversion von Unity schauen Sie sich unter Ubuntu 10.04 an, indem Sie eine externe Paketquelle einbinden und den Desktop zusätzlich zu Gnome oder KDE installieren. Um das zu tun, müssen Sie allerdings ein paar Schritte auf der Kommandozeile tun. Ein Artikel unserer Schwesterzeitschrift LinuxUser [2] zeigt, wie es geht. Legen Sie am besten über System / Systemverwaltung / Benutzer und Gruppen einen neuen Benutzer-Account an, um die Oberflächen Gnome und Unity sauber voneinander zu trennen. Unter Kubuntu funktionierte dieser Weg im Test der Redaktion leider nicht.

Um den zusätzlich installierten Desktop später wieder loszuwerden, spielen Sie die Software ppa-purge auf den Rechner und geben sudo ppa-purge ppa:canonical-dx-team/une ein, wie es der Beitrag unter [3] beschreibt.

Auf den ersten Blick erinnert Unity, das wir auf einem Dell Inspiron Mini 1018 getestet haben, an die Desktopumgebung Gnome. Allerdings finden Sie die Programmstarter links in der vertikalen Leiste (Abbildung 1). Die Fenster öffnen sich meist im Vollbildmodus und überlagern die darunter liegenden Anwendungen. Das ist so gewollt: Ein Linksklick auf einen anderen Anwendungsstarter in der linken Spalte holt das gewünschte Programm groß in den Vordergrund.

Abbildung 1

Abbildung 1: Klicken Sie oben links auf das kleine Ubuntu-Logo, zeigt Unity einige verfügbare Programmkategorien an.

Die Anordnung der Anwendungsstarter auf der linken Seite soll den Netbook-Displays gerecht werden. Diese sind oft sehr breit, aber nicht besonders hoch (im Test 1024 x 600 Pixel). Um den Fenstern mehr Platz einzuräumen, verlagert Unity die obere Fensterleiste samt Knöpfchen zum Vergrößern und Verkleinern der Fenster im Vollbildmodus in das Panel. Das ist ungewohnt, aber sinnvoll. Verkleinern Sie ein Fenster, lösen sich die Elemente vom Panel.

Ganz unten stoßen Sie auf die Icons Files & Folders und Applications. Sie zeigen Ihnen nicht nur, dass Unity noch nicht vollständig deutsch übersetzt ist, über sie erhalten Sie auch Zugriff auf eine Art Dateimanager (Abbildung 2). Während Files & Folders die kürzlich genutzten Dateien und die als Lesezeichen gesetzten Ordner anzeigt, stoßen Sie unter Applications auf die installierten Anwendungen. Um ein Programm zu suchen, geben Sie dessen Namen in die obere Suchzeile ein. Während Sie tippen, sucht Unity nach passenden Dateien, grenzt also die Auswahl immer mehr ein. Ärgerlich ist, dass die Suche dort bestimmte Programme wie xkill und gnome-screenshot nicht findet. Schmerzhaft vermisst man an dieser Stelle auch die Möglichkeit, Anwendungen über [Alt]+[F2] aufzurufen. Auch gibt es kein Kontextmenü, wenn Sie mit der rechten Maustaste auf eine der Dateien klicken.

Abbildung 2

Abbildung 2: Anstelle eines Dateimanagers kommt diese Dateiübersicht zum Einsatz. Leider verfügt sie bisher nur über eingeschränkte Funktionalität.

Multimedia funktioniert unter Unity hingegen gut: Rhythmbox meldet sich, wenn Sie versuchen, MP3-Dateien abzuspielen, und schlägt vor, die benötigten Codecs nachzuinstallieren. Anschließend spielt das Programm die MP3-Dateien ab. Stößt Firefox auf Flash-Inhalte, erscheint oben rechts in der Ecke eine Möglichkeit, den Flashplayer von Adobe nachzuinstallieren – auch das klappt. Zum Ansehen von Filmen kommt Totem zum Einsatz. HD-Filme ließen sich auf dem Testrechner nicht abspielen, wegen einer von Ubuntu nicht unterstützten WLAN-Karte empfiehlt sich das Gerät aber ohnehin nicht für Linux-Anwender.

Unity sieht ansprechend aus und bringt interessante Bedienkonzepte aufs Netbook. Einige Fehler stören aber bei der Bedienung empfindlich, etwa das fehlende Kontextmenü der Dateiübersicht. Auch ließ sich ein installiertes Gimp nicht finden. Schaffen es die Entwickler, solche Mängel zu beheben und zudem die Performance zu verbessern, ist Ubuntu mit Unity reif für jedermanns Netbook.

OpenSuse

Anders als bei Ubuntu, das schon länger in eine Netbook-Variante investiert, gibt es für OpenSuse bisher erst frühe Vorabversionen, die für die tägliche Arbeit noch nicht taugen. Doch OpenSuse [4] ist bekannt für seine gute Integration des KDE-Desktops, und KDE 4 bringt eine eigene Netbook-Oberfläche mit, die auch in der normalen Desktop-Distribution enthalten ist.

Die Netbook-Oberfläche lässt sich mit wenigen Mausklicks aktivieren. Starten Sie dazu die Systemeinstellungen, und wählen Sie das Modul Arbeitsfläche. In der untersten Kategorie Systemeinstellungen wählen Sie unter Formfaktor Netbook aus (Abbildung 3). Ähnlich wie unter Ubuntu verwandelt sich der Desktop in einen großen Anwendungsstarter, der das auf kleinen Bildschirmen haklige Hantieren mit dem Startmenü überflüssig macht (Abbildung 4).

Abbildung 3

Abbildung 3: Beim Einsatz von OpenSuse auf Netbooks erleichtert der KDE-Formfaktor "Netbook" die Bedienung.

Leider sind zum Installieren von OpenSuse auf Rechnern ohne DVD-Laufwerk einige Konsolen-Befehle erforderlich. Ein grafisches Programm, das wie unter Ubuntu einen USB-Stick als Installationsmedium vorbereitet, gibt es unter OpenSuse nicht. Die Ubuntu-Software funktioniert auch nicht für OpenSuse-Installations-DVDs. Eine Anleitung unter [5] beschreibt das Erstellen eines bootfähigen USB-Sticks aus einem CD-Image [6]. Gehen Sie dabei sorgfältig vor, falsche Eingaben überschreiben im schlimmsten Fall die Festplatte.

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