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Angeschaut: Das WeTab im Test

Yes, we tab! …maybe!

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Das Wetab sorgt für Diskussionsbedarf im Netz: Kurz nach der Vorstellung von Apples iPad kündigte ein deutscher Hersteller an, bald sein schon seit Jahren entwickeltes Tablet mit auf Linux basierendem Betriebssystem herauszubringen.

PR-technisch reicht das WeTab bereits fast an den großen Tablet-Platzhirschen, das iPad, heran. Allerdings verbuchte das Linux-Tablet, das im April 2010 angekündigt wurde und zu einem Hoffnungsträger für Apple-Verachter und Linux-Fans aufgestiegen war, mehrheitlich Negativ-PR.

So leistete sich die Herstellerin, die Berliner Neofonie GmbH (siehe Kasten "Der Hersteller"), bei der offiziellen Vorstellung die schreiende Peinlichkeit, das "Linux" des Geräts als unter Windows laufendes Demovideo vorzuführen [1] – eine Windows-Fehlermeldung verriet die Scharade. Auf dem Linuxtag 2010 verriet uns der Hersteller den Grund für diesen PR-Alptraum: Der gezeigte, frisch aus Fernost eingetroffene Prototyp im finalen Design wurde vom Zoll festgehalten und es war keine Zeit mehr, das eigene Betriebssystem aufzuspielen. Die wesentlich unansehlicheren, klobigen Entwicklergeräte mit funktionsfähigem Linux wurden jedoch im stillen Kämmerchen ausgewählten Journalisten gezeigt. Aber es gilt eben das alte Prinzip "Any news is good news", und so diskutiert das deutsche Web an allen Stellen lebhaft über den iPad-Konkurrenten.

Der Hersteller

Ursprünglich stand hinter dem Wetab die Neofonie GmbH, ein Software-Haus aus Berlin. Im April entstand eigens für das Tablet die Wetab GmbH als gemeinsames Unternehmen der Neofonie, die das Gerät produziert, und von der 4tiitoo AG aus München, die große Teile der Software-Entwicklung übernimmt. Helmut Hoffer von Ankershoffen ist Geschäftsführer und Sprecher der Wetab GmbH. Ein weiterer Geschäftsführer heißt Tore Meyer. Er wurde 1973 geboren und war nach seinem Studium der Informatik und Mathematik seit 1998 Geschäftsführender Gesellschafter von Neofonie sowie Sprecher der Geschäftsführung. Seit Dezember 2007 ist er zusätzlich Vorstandsvorsitzender der WeFind AG, eine Suchtechnologie. Der 1976 geborene Tore Meyer ist seit 2003 Absolvent der Betriebswirtschaftslehre, Geschäftsführender Gesellschafter der Sentoris KG und Vorstandsvorsitzender der 4tiitoo AG. Im Laufe der unglücklichen Vorgeschichte des Wetab entstanden für von Ankershoffen (siehe Abbildung) im Netz Spitznamen wie "Herr Hoffnungsanker" und "Baron von Münchershoffen".

Seitdem hatten erwartungsvolle Interessenten und alle anderen reichlich Zeit, zu hoffen und zu ätzen, zum Beispiel auf der offiziellen WeTab-Facebookseite [2] und in dem sich daran anschließenden Forum [3], oder in dem Wetab-Unterforum des Portals Tablet-User.de [4]. Ein weiteres Forum ist die Wetab-Community, die von einem 16-Jährigen geführt wird [5].

Grandioser Fehlstart

Auch die Geschichte des Veröffentlichungstermins ist geeignet, die Augenbrauen nach oben wandern zu lassen. Erst sollte das Gerät im Mai auf den Markt kommen. Dann wanderte der Termin auf den 19. September. In der Zwischenzeit schauten sich einige Medien das Tab, über das immer mehr geredet wurde, in Produktpräsentationen an, stets unter Obhut des Herstellers. Uns wurde das Gerät eine Woche vor Verkaufsstart von Neofonie und 4tiitoo, der Entwicklerfirma für das Wetab OS genannte Benutzerinterface, vorgeführt. Die Präsentation konnte nicht überzeugen, da die Geräte scheinbar alle einen unterschiedlichen Entwicklungsgrad sowohl bei Hard- als auch bei Software hatten. Für die meisten interessanten Features musste erst das passende Gerät hergesucht werden, auf dem dieses funktioniert. Wir stießen beim Ausprobieren auf zahlreiche Probleme, bei den meisten versicherte uns der Hersteller, dass diese bei den im Handel erhältlichen Wetabs behoben sein würden.

Einige Vorbesteller hielten endlich und plangemäß am 21. September ihr WeTab (Siehe Kasten "Hardware") in der Hand. Andere wurden jedoch vertröstet. Und als dann auch noch der allgemeine Verfügbarkeitstermin für den Handel auf die Folgewoche verlegt wurde, sah es um die Reputation des ehemaligen Hoffungsträgers bereits sehr düster aus. Doch endlich bekamen wir am 24. September unser lange versprochenes Testgerät und begannen sofort damit, dies auf Herz und Nieren zu prüfen.

Hardware

Abbildung 1: Das Wetab von der Seite mit eingestecktem USB-Stick in der optional erhältlichen Halterung.
Abbildung 2: Der sogenannte Die des Atom-Prozessor N450 – das Platinchen in seinem Innern, das die Chips enthält – ist kaum größer als ein Cent-Stück.

Das Wetab (Abbildung 1) kostet 450 Euro und misst 30 mal 19,5 mal 1,5 Zentimeter. Es wiegt 990 Gramm. In der teureren Version für 570 euro, die sich auch ins Mobilfunknetz verbindet, sind 1020 Gramm angegeben. Das 11,6-Zoll-Farbdisplay löst 1366 mal 768 Pixel auf und ist multitouchfähig. Im Innern des WeTab arbeitet ein Intel Atom N450 zu 1,66 GHz. Der einkernige Atom-Prozessor N450 kam Ende 2009 auf den Markt und misst 2,2 Zentimeter Kantenlänge, denn auf seiner inneren Platine, "Die" genannt (Abbildung 2), sitzen nur zwei Chips für drei Funktionen (Rechnen, Grafik und Speichercontroller). Der Arbeitsspeicher fasst 1 GByte, der Festspeicher je nach Preis 16 oder 32 GByte. Er lässt sich mit SD- und SDHC-Speicherkarten auf bis zu 32 GByte erweitern. Zu der integrierten 1,3-Megapixel-Kamera kommen zwei USB-Schnittstellen, ein HDMI-Ausgang, ein Audioausgang und ein integriertes Mikrofon. An Funkschnittstellen hat das Gerät Bluetooth 2.1, WLAN 802.11 b/g/n und in der großen Version 3G (UMTS/HSDPA) mitsamt GPS.

Der erste Start

Das erste, was uns schon bei der Auswahl der Sprache auffällt ist, dass der Bildschirm wie in den ersten Anwenderberichten angemerkt wirklich extrem blickwinkelabhängig ist. Betrachtet man das Display von unten, wie es bei einem Tablet desöfteren vorkommt, beispielsweise wenn es flach auf dem Tisch liegt, sind die Farben schon bei geringer Neigung klar verfälscht. Ein kleiner Trick bringt Linderung: Die Drehung des Wetabs um 180 Grad (der Bildschirminhalt dreht sich mit) behebt die Farbverfälschung bei der Ansicht von schräg unten, macht das Bild frontal betrachtet aber wiederum etwas kontrastloser und die Farben flauer. Der Grund hierfür ist in der TN-Paneltechnik zu suchen: Das Display ist aus mehreren Schichten aufgebaut, die nicht symmetrisch sind. Viele Desktop-TFTs zeigen ein ähnliches Verhalten, jedoch werden diese im Gegensatz zu Mobilgeräten fast nie von schräg unten betrachtet. Immerhin erweist sich das Wetab-Display zumindest in der Horizontalen als recht farbstabil.

Abbildung 3: Der gut gemachte Wetab-Einrichtungsassistent beim ersten Start.

Ein Assistent führt den Anwender durch die Einrichtung, die im Endeffekt aus Eingabe der Anwenderdaten, Bestätigung der AGBs und Einwahl in bestehende WLAN-Netze besteht. Danach werden noch die ersten Updates geladen und dann ist auch schon alles bereit zum ersten Boot. Dieser geht in etwa 20 Sekunden recht flott vonstatten, der Anwender wird von der Wetab-OS GUI begrüßt, die aus der sogenannten Pinnwand (Abbildung 4) mit den Widgets und den beiden Seitenleisten links und rechts besteht, welche man in der üblichen Tab-Haltung mit den zwei Daumen bedient. Hierbei ist die linke Leiste für programmspezifische Funktionen und Buttons vorgesehen, die rechte für systemeigenes und globale Bedienung.

Abbildung 4: Auf der Pinnwand finden Sie die Programm-Widgets.

Viele Widgets/Anwendungen sind schon vorinstalliert, beispielsweise ein Wetter-, Übersetzungs- Nachrichten- oder Tagesschau-Widget (mit Video direkt im Widget), ein eBook-Reader (FBreader), ein Kalender-, Adressbuch- und Mailprogramm (Claws Mail) sowie eine Mediengallerie und zwei Mediaplayer (Totem und Banshee). Interessant fanden wir die Wahl von Microsofts Bing als Karten-Widget. Der Webkit-basierte Browser ist direkt rechts über den Knopf "Internet" zu starten. Das Gerät soll von Haus aus Java, Flash und die Adobe-Mobiltechnologie AIR unetrstützen. An Software gibt es neben den üblichen vorinstallierten Programmen einen Store, der verschiedene andere integriert. Das Meego-basierte Betriebssystem Wetab-OS soll Java-, Linux-, Adobe-Air- und Android-Apps unterstützen. Im Lieferzustand funktioniert jedoch vorerst nur der Wetab Market, der Android-Store AndroidPit (auf Googles Appstore hat das Gerät mangels Telefon-Funktionalität keinen Zugriff) wird per Virtualisierung in einem bald kommenden Update nachgeliefert. E-Books sollen als ePub, PDF, TXT, Mobipocket und ab Ende 2010 auch als hauseigene WeBookPremium-Formate zu lesen sein.

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