Alles, was neu ist, soll in Fedora. So steht es jedenfalls sinngemäß auf der deutschen Wikipedia-Seite zu Fedora Linux, das seine Wurzeln in der Distribution Red Hat Linux hat. Letztere gibt es auch heute noch, aber nur für den Einsatz im Unternehmen; das "einfache" Red Hat Linux wurde unter dem Namen Fedora Core (heute nur noch Fedora) ein Community-Projekt, im Kernteam arbeiten aber noch immer zahlreiche von Red Hat bezahlte Entwickler.
Fedora liegt dabei in verschiedenen Geschmacksrichtungen vor, die das Projekt meist als Spins bezeichnet. Im Fokus steht sicherlich die Desktop Edition, eine installierbare Live-CD, die auf dem Gnome-Desktop basiert und die Sie auf der Heft-DVD finden. Daneben gibt es einen KDE-Spin und für schlanke Rechner mit nur wenigen Ressourcen einen LXDE- und einen Xfce-Spin. Während mit dem Xfce-Desktop auch noch Anfänger zurecht kommen (obwohl der Desktop weniger Komfort als KDE und Gnome bietet), richtet sich der recht neue LXDE-Desktop eher an erfahrene Linux-Nutzer. Die Fedora-Versionen gibt es für 32- und 64-Bit-Rechner.
Installation
Beim Booten der Live-Version sehen Sie zunächst farbige Balken, die sich langsam dem Schriftzug Fedora 13 nähern. Erreichen sie ihn, landen Sie beim Anmeldemanager. Hier ändern Sie über Aufklappmenüs Sprache und Tastaturbelegung. Ein Klick auf Log In bringt Sie dann auf die Gnome-Oberfläche (Abbildung 1). Nehmen Sie sich Zeit und Fedora zunächst etwas unter die Lupe, denn dafür ist der Live-Modus da. Allerdings verfügt er nur über eingeschränkte Möglichkeiten, unterstützt bestimmte Funktionen nicht und arbeitet deutlich langsamer als ein installiertes System. Wollen Sie Fedora 13 auf die Festplatte kopieren, klicken Sie doppelt auf das Icon Auf die Festplatte installieren auf der Arbeitsfläche.
Der grafische Assistent führt Sie durch den Installationsprozess, mit Weiter gelangen Sie zum jeweils nächsten Fenster. Zunächst wählen Sie die Tastaturbelegung aus, im nächsten Schirm die Basis-Speichergeräte, da in der Regel nur die Profis spezielle Speichergeräte benötigen. Der Assistent fragt Sie dann, auf welchem Laufwerk er Fedora installieren soll. Im Test folgte noch eine Warnung (Fehler beim Bearbeiten des Laufwerks), und Fedora schlug vor, das Laufwerk neu zu initialisieren. Dabei gehen aber alle Daten auf dieser Platte verloren. Auf einem Rechner, der bereits eine Windows-Installation oder ein anderes Betriebssystem enthält, sollte dieser Hinweis nicht erscheinen.
Im Anschluss vergeben Sie einen Rechnernamen – bleiben Sie ruhig bei der Vorgabe – und suchen eine Zeitzone bzw. eine Stadt aus. Entfernen Sie das Häkchen bei Systemuhr verwendet UTC, wenn auch ein Windows-System auf der Platte liegt.
Nach der Eingabe eines Root-Passwortes, das Sie sich besser notieren, gelangen Sie zur Auswahl, in der Sie die Art der Installation festlegen. Sie wählen hier die gesamte Festplatte, überschreiben ein vorhandenes Linux (aber kein Windows), verkleinern das System oder nutzen einfach den freien Platz auf der Festplatte. Nicht zuletzt können Sie auch ein angepasstes Layout erstellen, den Platz für das System also per Hand auswählen.
In den ersten beiden Fällen schlägt Fedora 13 vor, einen LVM-Datenträgerverbund anzulegen. Das ist auf dem privaten Rechner eher unüblich: mit LVM arbeiten meist die Profis, um den Server schnell und unkompliziert um zusätzliche Festplatten zu erweitern. Insofern ist es hier sinnvoll, den letzten Punkt zu wählen und von Hand zu partitionieren. Sie suchen die passenden Platten bzw. Partitionen aus und klicken auf Erzeugen, woraufhin sich ein neues Fenster öffnet. Hier klicken Sie auf Standard-Partition und dürfen nun den Einhängepunkt (für die Root-Partition etwa /), den Dateisystemtyp und die Größe der Partition (Abbildung 2) wählen.
Am besten legen Sie drei Partitionen an (Abbildung 3): Als Dateisystem für die Root-Partition (/) empfiehlt sich in der Regel Ext4, an Platz sollten 10 bis 12 GByte genügen. Eine weitere Partition richten Sie als Swap-Bereich ein. Dieser dient als Auslagerungsspeicher: Belegen Programme einmal den Arbeitsspeicher komplett, lagert Fedora die Daten in die Swap-Partition aus. Statten Sie die Partition am besten mit doppelt so viel Speicherplatz aus, wie Ihr Arbeitsspeicher vergibt. Die restliche Festplatte (bis zur maximal erlaubten Größe ausfüllen) sollten Sie für die Benutzerdaten (Verzeichnis /home) verwenden. Wollen Sie diese auch verschlüsseln, setzen Sie zudem an der richtigen Stelle im Fenster ein Häkchen.
Klicken Sie abschließend auf Erzeugen, schlägt der Installationsassistent vor, die Festplatte zu formatieren, und fragt dann gegebenenfalls nach dem Passwort für die verschlüsselte Home-Partition. Danach können Sie die Änderungen auf die Festplatte schreiben. Das dauert einen Augenblick, dann erscheint die Bootloader-Konfiguration und zeigt Ihnen an, welche Systeme sich noch auf dem Rechner befinden bzw. welche der Bootloader nach der Installation präsentieren wird. Fehlt der Eintrag für ein vorhandenes Betriebssystem, fügen Sie ihn hier hinzu. Nach einem Neustart steht das installierte Fedora 13 für Sie bereit. Haben Sie Ihr Home-Verzeichnis verschlüsselt, geben Sie beim Booten des Systems das Passwort ein (Abbildung 4).
Ein paar Dinge tragen Sie über den Setup-Assistenten nach: Sie stellen das aktuelle Datum und die Uhrzeit ein, legen einen Standardbenutzer an und entscheiden, ob Sie Informationen zu Ihrer Hardware an das Fedora-Projekt schicken. Letzteres ist freiwillig: Die Daten helfen dem Projekt, zu erkennen, auf welcher Hardware Fedora 13 im allgemeinen läuft. Schlussendlich landen Sie beim Login-Manager, denn im Gegensatz zu anderen Distributionen meldet Sie Fedora nicht automatisch auf dem Desktop an.
Anwenderzentriert
Neben Neuerungen, die sich den Augen des Benutzers entziehen, bringt Fedora 13 auch solche mit, die Sie bemerken – das beginnt bei der Arbeitsfläche. Den Gnome-Desktop in Version 2.30 (Abbildung 5) verändert das Fedora-Projekt nur wenig, sondern liefert ihn so aus, wie ihn die Gnome-Entwickler konzipiert haben. Lediglich bei der Auswahl der vorinstallierten Software greifen die Fedora-Macher ein.
So ersetzt der Bildbetrachter Shotwell in Fedora 13 Programme wie Gthumb und F-Spot. Als Werkzeug zum Versenden von Kurznachrichten über Twitter kommt das kleine Programm Pino zum Einsatz. Fedora hat zudem eine Datensicherungslösung an Bord: Déjà Dup soll es auch unerfahrenen Anwendern ermöglichen, einfach Daten zu sichern. Dazu bringt es eine grafische Oberfläche mit und versteckt die Komplexität der Materie vor dem Benutzer (Abbildung 6). Es fällt zudem auf, dass Fedora kein OpenOffice vorinstalliert.
Mit Totem und Rhythmbox liefert Fedora zwei Standardprogramme zum Abspielen von Videos und Musik mit. Da Rhythmbox auch Audio-CDs konvertiert, ist die Anwesenheit des Audiokonvertierers Sound Juicer etwas überflüssig. Rhythmbox unterstützt inzwischen dank der aktualisierten Bibliothek libgpod auch Apples iPod Touch und das iPhone. Sie stöpseln die Geräte an den Rechner und synchronisieren die Daten über die Oberfläche des Players.
Der Videoplayer Totem bringt indes eine bessere Unterstützung für das digitale Fernsehen (DVB) mit. So bietet er die elektronische Programmzeitschrift EPG (Electronic Program Guide) an, findet Fernsehkanäle leichter und stellt sie auch per UPNP für andere Nutzer im Netzwerk bereit.
Mit Brasero brennen Sie CDs und DVDs: Die Software meldet sich nun auch, wenn sie einen Codec nicht findet. Sie installieren diesen dann einfach per Klick aufs passende Knöpfchen nach. Dabei kann es sich zum Beispiel um fehlende MP3-Unterstützung handeln. Auch der Archivmanager FileRoller nutzt diese Funktionalität: Trifft er auf ein Archiv, das er nicht entpacken kann, prüft er via PackageKit, ob es dafür ein geeignetes Programm gibt, und schlägt dann dessen Installation vor.
Wollen Sie Dokumente einscannen, greifen Sie zu Simple Scan, das eine einfache Oberfläche dafür anbietet. Als praktisch erweist sich die Laufwerksverwaltung, um Festplatten und USB-Sticks zu verschlüsseln, zu formatieren und auf Unversehrtheit zu überprüfen.
Die Nautilus-Version von Fedora teilt die Ordneransicht im Hauptfenster, sobald Sie [F3] drücken. Dabei öffnet der Dateimanager zwei Ansichten des Verzeichnisbaums, und Sie kopieren Dateien einfach und bequem zwischen diesen hin und her (Abbildung 7). Das klappt mit lokalen, aber auch mit entfernten (über das Netzwerk erreichbaren) Verzeichnissen und Dateien. Zudem startet der Dateimanager nicht mehr im "räumlichen Modus", in dem er für jeden Ordner ein neues Fenster öffnet, sondern im so genannten Browser-Modus, der die Ordner stets im Hauptfenster präsentiert.


