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© Octopus Jut, 123RF

Funktionsmonster

Bildverwaltung

21.06.2010 Die Bildverwaltung Digikam strotzt vor Features, die Ihnen helfen, die Fotosammlung zu verwalten. Dank unseres Überblicks behalten Sie im Kampf mit dem Funktionsmonster die Oberhand.

KDE, so heißt es, ist ein Desktop für Menschen, die Features lieben. Wer das nicht glauben will, sollte einen Blick auf Digikam werfen. Die Fotoverwaltung sprengt dank unzähliger Features locker den Rahmen des Artikels (Abbildung 1) – dabei verwaltet Digikam "nur" Fotos. Konkret holt es sie von der Kamera oder einem anderen Speichermedium auf Ihren Rechner, bietet Ihnen Tools an, um sie zu bearbeiten und sie dann bei Online-Diensten oder auf externen Speichermedien zu lagern und zu veröffentlichen.

Abbildung 1: Die grafische Oberfläche von Digikam überwältigt Sie mit ihrer schieren Vielfalt an Funktionen (hier OpenSuse 11.2).

In den Fingern hatten wir gleich drei Generationen der Software. OpenSuse 11.1 bringt noch die KDE-3-Variante 0.9.4 mit, die den KDE-4-Nachfolgern von OpenSuse 11.2 und Kubuntu 10.04 in puncto Funktionen aber kaum nachsteht. Während OpenSuse 11.2 noch die Version 0.10.0 an Bord hat, setzt das Ende April erschienene Kubuntu bereits auf das neue Digikam 1.2.0.

Die beiden OpenSuse-Versionen installieren Digikam vor: Sie finden es im K-Menü unter Programme / Grafik / Fotoverwaltung respektive Programme / Grafik / Photographie / Fotoverwaltung. Lediglich unter Kubuntu 10.04 spielen Sie die Software über den Paketmanager ein.

  1. Dazu klicken Sie zunächst im K-Menü auf Rechner / KPackageKit, um die Paketverwaltung zu starten.
  2. Sie geben digikam in die Suchzeile ein und installieren die Software über einen Klick auf den nach unten weisenden Pfeil.
  3. Der Paketmanager löst zunächst die Abhängigkeiten auf und fragt nach dem Administrationspasswort. Da Digikam einige Pakete nachinstalliert, dauert der Prozess mitunter etwas.

Im Anschluss rufen Sie Digikam über Programme / Grafik / Fotoverwaltung aus dem K-Menü auf. Anders als bei den OpenSuse-Versionen müssen Sie unter Kubuntu zunächst einem Assistenten Rede und Antwort stehen (siehe Kasten Die Fragen des Assistenten).

Die Fragen des Assistenten

Während sich die Digikam-Versionen von OpenSuse 11.1 und 11.2 beim Start lediglich nach einem Ordner erkundigen, in dem die importierten Bilder verstauen, löchert Sie der Assistent der neuen Version 1.2.0 von Kubuntu mit vielen Fragen. Zunächst will die Software wissen, wo sie die Bilder und die Bilddatenbank anlegen soll. Die Informationen und Metadaten zu den Bildern lagert Digikam in einer Bilddatenbank, die Bilder selbst in einem Bilderordner. Im Gegensatz zum Verzeichnis mit den eigentlichen Bilddateien darf sich die Bilddatenbank nicht in einem Netzwerkverzeichnis befinden, das Sie nur per Samba oder NFS erreichen. Diese Einschränkung ist aber nur für Anwender relevant, die auf Netzwerkfreigaben zugreifen.

Nun fragt Sie der Assistent, wie er mit Rohbildern verfahren soll, die im RAW-Format vorliegen. Digikam kann diese direkt öffnen und dabei bereits automatisch anpassen. Entscheiden Sie sich für die zweite Variante, benutzen Sie hingegen das Rohimportwerkzeug und passen die Bilder manuell an Ihre Bedürfnisse an.

Weiter geht es mit den Metainformationen, die sich in den Bildern selbst verstecken und die unter anderem Aufschluss über Größe, Farbtiefe, Brennweite, aber auch den Aufnahmeort, das Motiv und den Fotografen der Fotos geben. Über Digikam ergänzen Sie Bilder auch nachträglich um solche Daten. Der Assistent will nun wissen, ob Sie diese fest mit den Bildern verknüpfen wollen, damit auch andere Programme davon profitieren, oder ob Sie lieber nichts tun.

Es folgen abschließend Fragen zu den Vorschaubildern: Digikam will wissen, ob es die verkleinerte oder vollständige Version eines Bildes auf den Leuchttisch legen oder für die Vorschau nutzen soll. Zudem erkundigt es sich, was bei einem Rechtsklick auf ein kleines Bild starten soll: die Vorschau oder der Bildbearbeitungsmodus. Abschließend fragt der Assistent, ob er beim Berühren der Bilder in der Symbol- und Ordneransicht mit dem Mauszeiger Kurzinfos anzeigen soll.

Importware

Digikam präsentiert sich nach dem Start mit einer komplexen Oberfläche: Neben den zwei zentralen Bereichen links und rechts im Zentrum tummeln sich an den Seiten vertikale Leisten mit Symbolen. Die Fußleiste hält auch noch einige Steuerelemente bereit, und natürlich fehlt auch das obligatorische Hauptmenü oberhalb der Arbeitsfläche nicht, an dem eine weitere Leiste mit Symbolen klebt.

Ignorieren Sie diese Komplexität aber zunächst und stellen Sie sich die Frage, was Sie mit Digikam vorhaben. In der Regel werden Sie im ersten Schritt Fotos importieren. Diese lagern auf CDs, DVDs und USB-Sticks. Sie scannen sie oder holen sie aus dem Internet von Webseiten wie Picasa oder Facebook. Häufig schlummern die Fotos auch noch völlig unberührt auf Ihrer Kamera bzw. auf deren Speicherkarte. Digikam kann mit all diesen Fällen umgehen, der letzte Fall gehört aber traditionell zu den beliebtesten.

Verfügt Ihr Rechner über einen Speicherkarten-Slot, geht es vermutlich am schnellsten, wenn Sie diesen verwenden. Unter Kubuntu 10.04 und OpenSuse 11.2 wählen Sie dann Importieren / Kartenleser, unter OpenSuse 11.1 nehmen Sie den Weg über Importieren / Ordner hinzufügen und wählen den Ort aus, über den OpenSuse die SD-Karte in das Dateisystem einhängt (meist im Verzeichnis /media). Der zweite Weg ist, die Kamera direkt über ein USB-Kabel mit dem Rechner zu verbinden. Eine ganze Reihe von Geräten erkennt Digikam automatisch – etwa die EOS 450D (Abbildung 2) – andere fügen Sie manuell hinzu. Dazu wählen Sie im Importmenü unter OpenSuse 11.1 den Punkt Kamera / Kamera hinzufügen. Unter Umständen listet das Untermenü Ihre Kamera bereits namentlich auf. Im nun öffnenden Fenster erhalten Sie die Möglichkeit, eine automatische Erkennung anzuschieben (wofür Sie die Kamera meist einschalten müssen). Alternativ wählen Sie das Modell aus einer Liste aus (Abbildung 3).

Abbildung 2: Unter OpenSuse 11.1 erreichen Sie die Bilder auf erkannten und per USB-Kabel verbundenen Kameras über das Menü "Importieren".

Abbildung 3: Mitunter suchen Sie zunächst nach einer angeschlossenen Kamera. Diese müssen Sie im Vorfeld einschalten, damit der Rechner sie erkennt.

Unter OpenSuse 11.2 gelangen Sie über Kameras (hinzufügen) / Kamera hinzufügen ans Ziel; alternativ listet Digikam 0.10.0 die bereits identifizierten Modelle unter Importieren / Kameras (automatisch gefunden) auf. Kubuntu-Anwender ergänzen die Kamera ebenfalls über Importieren / Kameras / Kamera manuell hinzufügen. Das Gerät wählen Sie dann über Hinzufügen aus einer Liste aus oder verwenden die automatische Erkennung.

Befinden sich die Bilder auf dem lokalen Rechner, auf einer externen Festplatte oder einem USB-Stick, bieten sich die Optionen Ordner hinzufügen und Bilder hinzufügen an, die Sie in allen Digikam-Versionen im Importieren-Menü vorfinden. Alternativ suchen Sie die Geräte in den neueren KDE-4-Versionen unter dem Eintrag USB-Speichergeräte. Da Linux die Ordner meist ohnehin unter /media einbindet, erreichen Sie die Laufwerke auch über Ordner hinzufügen.

Müssen Sie Ihren Bilderschatz erst einscannen, um ihn auf die Festplatte zu holen, verwenden Sie den Eintrag Importieren / Bilder scannen. Während Digikam 0.94 von OpenSuse 11.1 noch keinen Import von Bildern auf Webseiten vorschlägt, gibt es in Digikam 0.10.0 bereits das Angebot, Fotos von Facebook und SmugMug zu holen, in Digikam 1.2.0 kommt noch PicasaWeb hinzu, was die zunehmende Bedeutung solcher Online-Galerien unterstreicht.

Mit Albenblick

Um eine riesige Sammlung mit hunderten oder tausenden Fotos anzulegen, bietet Ihnen Digikam an, diese in Form von Alben zu verwalten. Indem Sie Ihre Fotosammlung chronologisch oder thematisch sortieren, bringen Sie Ordnung in den Bilderwust. Nach dem Start präsentiert Digikam auf der linken Seite die Inhalte des Registers Alben und zeigt unterhalb von Meine Albenliste die verfügbaren Alben an (Abbildung 1). Während das alte Digikam von OpenSuse 11.1 darauf wartet, dass Sie auf Meine Albumliste klicken und über Album / Neu ein neues Album anlegen, zeigt Digikam für KDE 4 den anfangs gewählten Bilderordner an, auf den Sie klicken müssen, um ein neues Album zu generieren. Das landet dann – unter dem von Ihnen gewählten Namen – als realer Ordner im Dateisystem. So bleibt die Sortierung erhalten, wenn Sie Digikam einmal nicht mehr benutzen oder die Dateien auf eine Backup-Festplatte kopieren.

In den alten und neuen Digikam-Versionen geben Sie dem neuen Album zunächst einen Titel und ordnen es auf Wunsch einer Kollektion (KDE 3) oder Kategorie (KDE 4) zu. Die Software bietet als Kollektionen/Kategorien zum Beispiel die Schlagworte Familie, Feier, Freunde, Reisen, Urlaub an – Sie können aber auch mehrere Schlagworte per Hand eintragen. Zugleich wählen Sie ein Datum für das Album aus, um später den Tag der Aufnahme zu rekonstruieren. Richten Sie etwa ein Album Urlaub in Frankreich ein, verteilen Sie die Bilder kategorisiert nach besuchten Städten oder nach Aufnahmezeitpunkten auf die Unteralben. Das ist sicher eine mühsame Aufgabe, aber später finden Sie die Fotos so im Handumdrehen wieder.

Um ein Album mit Bildern zu betanken, klicken Sie es in Digikam für OpenSuse 11.1 mit der rechten Maustaste an. Sie wählen Importieren / Ordner hinzufügen, um einen neuen Unterordner anzulegen oder Importieren / Bilder hinzufügen, um die Bilder direkt in das Album zu befördern (Abbildung 4). In Kubuntus Digikam 1.2.0 wählen Sie Importieren / Von Fremdrechner importieren – auch wenn die Bilder von Ihrem eigenen Rechner stammen. In dem sich öffnenden Fenster klicken Sie auf das grüne Pluszeichen und markieren die Bilder, die in das Album sollen.

Abbildung 4: Über ein Dialogfenster wählen Sie die Fotos aus, die Sie in ein Album verfrachten wollen.

Auf diese Weise können Sie in Digikam 1.2.0 jedoch keine Ordner importieren. Dafür wählen Sie den Umweg über das Hauptmenü (Importieren / Ordner hinzufügen), wo Sie das Album angeben, in dem der Ordner landen soll. Auf diese Weise füllen Sie auch unter OpenSuse 11.2 Alben mit Bildern.

Besteht bereits eine Albenhierarchie, benutzen Sie Digikam als Dateimanager, um die Fotos neu zu sortieren. Das erledigen Sie, indem Sie die Bilder im rechten Bereich markieren und per Drag & Drop in einen Ordner auf der linken Seite verschieben bzw. kopieren. Während aber gelöschte Ordner im neuen Digikam sofort verschwinden, müssen Sie Digikam für KDE 3 neu starten, bevor sich ein gelöschter Ordner endgültig verabschiedet.

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Infos zum Autor

Kristian Kißling

Kristian Kißling

Wenn Kristian Kißling nicht gerade für die LinuxCommunity schreibt, arbeitet er als Redakteur bei der Zeitschrift EasyLinux und als Chefredakteur für den Ubuntu User. Am liebsten beschäftigt er sich mit Multimedia- und Unterhaltungssoftware im weiteren Sinne und mit neuer Open-Source-Software, die überraschende Fähigkeiten zeigt.

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