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© Kerem Yucel, sxc.hu

Arbeiten mit aktuellen Camcorder-Videoformaten

Heimvideo HD

Seit dem langsamen Aussterben der kassettenbasierten DV-Videokameras treten günstige, ultrakompakte und HD-fähige Camcorder deren Nachfolge an – und führen eine Vielzahl an neuen Video- und Dateiformaten ein.

Die DV-Kassetten sind als Speichermedium längst abgelöst von Festplatten, DVD-Brennern für Mini-DVDs und vor allem Flash-Speicherkarten (SD bzw. Memory Stick). Darauf findet der Linux-Anwender nach der Aufnahme kryptische Verzeichnisstrukturen und seltsame Dateiendungen. Doch der Formatedschungel ist gar nicht so undurchdringlich, wie er auf den ersten Blick erscheint.

Container & Codecs

Sehr wichtig beim Thema Video ist die Unterscheidung von Codec und Container: Als Codec bezeichnet man das Kompressionsverfahren des Audio- oder Videostroms (auch Elementary Stream genannt, Beispiele: MPEG2, H.264/AVC, VP8, DivX, WMV3, ISO-MPEG4 für Video; MP3, OGG, AAC, MP2, WMA, PCM, Dolby Digital für Audio). Der Container ist nur die Verpackung, in der die Daten ausgeliefert werden (Beispiele: AVI, VOB, WMV, MPEG, MOV, MKV, M2TS). So kann z. B. ein MPEG2-Videostream in einen VOB-, M2TS, MPG-, AVI-, MOV- oder MKV-Container verpackt sein. Die Container-Verpackung ist beliebig änderbar, ohne dass der Video- oder Audiostrom neu kodiert werden muss. Manche Container unterstützen jedoch nur bestimmte Codecs, darum sollten Sie es vermeiden, etwa ein H.264-Video in einen AVI-Container zu verpacken – manche Programme können mit solchen Dateien zwar etwas anfangen, aber da das niemals von Microsoft spezifiziert wurde, ist Ärger meist vorprogrammiert.

Moderne Camcorder zeichnen eigentlich nur in zwei Codecs auf:

  • im älteren, datenintensiveren, aber weniger CPU-lastigen und gut hardwareunterstützten MPEG2
  • und im neuen H.264 (auch AVC genannt), das für kleine Dateigrößen, aber geringere Hardwareunterstützung und starke CPU-Lastigkeit bekannt ist.

Bei den Containern gibt es auch nur zwei echte Optionen: MPG und M2TS. Die von einigen Camcordern von JVC, Canon und Panasonic produzierten MOD- und TOD-Dateien verwenden im Wesentlichen nur andere Dateiendungen.

MOD, TOD und AVCHD

Bei MOD (JVC, Panasonic, Canon) handelt es sich nur um MPEG2 in einem Program-Stream-Container (Dateiendung MPG oder MPEG). Die unterstützten Auflösungen sind identisch mit DVD (720x480 NTSC, 720x576 PAL, 704x480 und 352x480), auch der Container entspricht weitgehend dem auf DVDs enthaltenen VOB-Format. MOD gibt es nur in SD-Auflösungen und entweder im 4:3- oder im 16:9-Widescreen-Format. Die Auflösung ist jedoch dieselbe, 16:9 stellt nur die Pixel breiter dar. Als Audiocodec kommt Dolby Digital (auch AC3 oder a52 genannt) oder auch MPEG2-Audio (MP2) zum Einsatz, abgelegt werden die MOD-Dateien auf dem Datenträger unter /SD_VIDEO/PRGXX. Die verwendeten Codecs und Auflösungen sind Teil des DVD-Standards, das heißt, solche Dateien kann man ohne Neukodierung direkt auf DVD brennen – ein großer Fortschritt gegenüber DV.

Hinter dem TOD-Format (JVC, Canon) versteckt sich ein MPEG2-Video im Transport-Stream-Container (Dateiendung .m2ts oder .m2t), allerdings in HD-Auflösungen. Üblich sind hier 1920x1080 (1080i), 1440x1080 (anamorphes Widescreen mit nicht-quadratischen Pixeln) und 1280x720 Pixel (720p). Im Gegensatz zu MOD gibt es Videos nur im 16:9-Widescreen-Format. Auch dieses Format nutzt Dolby Digital oder MP2-Audio als Audiocodec, und der Speicherort ist derselbe wie bei MOD.

Beim von Sony und Panasonic spezifizierten AVCHD handelt es sich nicht um ein Dateiformat, sondern vielmehr um einen medienübergreifenden Standard, ganz ähnlich wie DV. Das stark an Blu-ray angelehnte Format nutzt Blu-ray-Codecs, -Container und -Verzeichnisstrukturen und unterstützt als Speichermedium sowohl DVDs (Mini-DVD oder normal), SD-Karten, Memorysticks als auch Festplatten. Der Videocodec ist immer H.264 (AVC), der Audiocodec wahlweise Dolby Digital oder unkomprimiertes LPCM – beides auf Wunsch auch mit Surround-Sound. AVCHD unterstützt sowohl SD- als auch HD-Auflösungen: 1920x1080 (interlaced und progressive), 1440x1080, 1280x720 (progressive), 720x480 und 720x576 (beides interlaced). SD gibt es optional auch im Seitenverhältnis 4:3, bei HD ist wiederum 16:9 Pflicht. Als Container kommt ebenfalls ein MPEG2 Transport Stream zum Einsatz (Dateiendung .mts oder .m2ts). Die Dateien finden sich im Ordner /BDMV/STREAM/, der sich je nach Hersteller manchmal statt im Root-Verzeichnis des Mediums auch mal im Verzeichnis /PRIVATE/AVCHD befindet. AVCHD auf optischen Medien, USB-Sticks und Speicherkarten spielen die meisten Blu-ray-Player ab – achten Sie beim Kauf auf das AVCHD-Logo. AVCHD etabliert sich immer mehr als Quasi-Standard, nur noch wenige aktuelle Camcorder nutzen das MOD-Format. Camcorder, die im TOD-Format aufzeichnen, gibt es heute schon nicht mehr zu kaufen.

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