Haben Sie Windows eigentlich schon den Rücken gekehrt, benötigen es aber für die eine oder andere Spezialanwendung noch immer? Dann könnte Ihnen die PC-Emulation, in der Fachsprache: Virtualisierung, sehr nützen. Das Schlagwort steht – stark vereinfacht ausgedrückt – dafür, dass ein physikalischer Computer (Wirtsrechner) ein Programm startet, das selbst wiederum vorgibt, ein physikalischer Computer zu sein. Innerhalb dieses tatsächlich "virtuellen" Computers installieren Sie dann wiederum beliebige Betriebssysteme (Gastsysteme). Auf diese Weise wird es möglich, ein Windows-Betriebssystem als Gast wie ein normales Programm innerhalb eines Linux-Fensters zu betreiben. Das mühsame Booten in ein anderes Betriebssystem entfällt – wenn Sie Ihr Windows brauchen, starten Sie einfach den PC-Emulator.
Virtualisierung hat in den letzten Jahren viele Fortschritte und Verbesserungen erlebt, das Konzept existiert allerdings bereits seit Ende der 50er Jahre. Zu den bekannten Lösungen im Linux-Bereich zählen etwa VMware und Xen. Während VMware aber vorwiegend kostenpflichtige Produkte anbietet, lässt sich Xen für Anfänger nur schwer bedienen. Doch mittlerweile gibt es einige Alternativen, eine davon heißt VirtualBox (Abbildung 1).
Die Software lässt Linux-Anwender gratis virtuelle PCs einrichten und gehört mittlerweile dem Datenbankhersteller Oracle. Ursprünglich wurde VirtualBox von der Firma Innotek entwickelt, dann aber an Sun verkauft. Vor nicht allzu langer Zeit schluckte dann Oracle wiederum Sun.
Obwohl VirtualBox kostenlos ist, überzeugt es mit einer Reihe sehr ausgefeilter Features. Es läuft im Augenblick unter Linux, Mac OS sowie auf Windows. Die Zahl der unterstützten Gastbetriebssysteme ist praktisch kaum beschränkt: Es laufen alle Windows-Versionen, sämtliche auf aktuellen Kerneln basierende Linux-Distributionen und einige Exoten wie die verschiedenen BSD-Derivate. Die jeweils aktuellste Version des PC-Emulators erhalten Sie auf der Seite des Projekts [1].
Features von VirtualBox 3.1
Zu Redaktionsschluss war die Version 3.1.4 von VirtualBox aktuell. Die 3.1er-Serie gibt es seit November letzten Jahres. Sie zeichnet sich – im Vergleich zum Vorgänger – insbesondere durch Performance-Verbesserungen aus. Die Entwickler haben viel an der Handhabung des Arbeitsspeichers durch die virtuellen Systeme geschraubt – als Resultat reagieren die virtuellen Maschinen (kurz VMs) wesentlich flotter.
Zudem haben die Entwickler sich Gedanken über die Snapshot-Funktion gemacht (Abbildung 2). Wie bei einem fotografischen Schnappschuss speichern Sie dabei zu einem beliebigen Zeitpunkt ein Abbild der virtuellen Maschine. Später laden Sie den Snapshot, um genau an den Punkt zurück zu kehren, an dem Sie die Maschine eingefroren haben. Das klappt sogar während der Installation von Software.
Snapshots verbrauchen weniger Platz als die kompletten VMs. Sie können sie auch einsetzen, um Sicherungskopien zu erstellen. Bevor Sie zum Beispiel ein umfangreiches Softwarepaket installieren, legen Sie einen Sicherungspunkt der VM an. Läuft dann bei der Installation etwas schief, kehren Sie per Mausklick zu dem früheren Zustand der virtuellen Maschine zurück.
VirtualBox installieren
Grau ist alle Theorie – Sie wollen VirtualBox ausprobieren? Kein Problem. Es steht für alle von EasyLinux derzeit unterstützten Distributionen in Form vorkonfigurierter Pakete zur Verfügung. Allerdings sollten Sie ältere Versionen von VirtualBox im Vorfeld komplett deinstallieren und zugleich Sicherheitskopien von bestehenden Gastsystemen erstellen. Die virtuellen Maschinen finden Sie im versteckten Ordner .VirtualBox in Ihrem Home-Verzeichnis. Falls es zu Inkompatibilitäten zwischen den VirtualBox-Versionen kommt, spielen Sie wieder die alte Version auf Ihre Festplatte, ohne die einmal installierten Gastsysteme zu verlieren.
Zur Zeit stehen weder für OpenSuse 11.2 noch für die ältere Version 11.1 offiziell unterstützte Pakete der aktuellen Version 3.1.4 bereit. Glücklicherweise bietet des Projekt Pakete von VirtualBox an, die Sie auf der Heft-DVD finden. Um sie zu installieren, sind unter OpenSuse 11.1/11.2 folgende Schritte notwendig.
- Öffnen Sie über [Alt]+[F2] und die Eingabe von
konsoleein Terminalfenster. Geben Siesudo zypper upein, um alle eventuell vorhandenen Updates auf Ihr System zu spielen. Der Befehl fragt nach dem Root-Passwort, lädt dann Software aus dem Internet herunter und installiert sie. Das kann etwas dauern. - Geben Sie dann
sudo zypper in -t pattern devel_kernelein, um die Werkzeuge zum Übersetzen der Kernel-Module von VirtualBox an Bord zu holen. Auch das zieht sich unter Umständen eine Weile hin. Anschließend starten Sie den Rechner neu. - Ist das erledigt, spielen Sie das RPM-Paket von der Heft-DVD gemäß der Heft-Anleitung auf Ihren Rechner.
- Starten Sie dann YaST, um Ihren User um die Gruppe vboxusers zu ergänzen. Dazu wählen Sie Sicherheit und Benutzer und im rechten Bereich Benutzer und Gruppenverwaltung. Sie markieren Ihren Standard-User, wählen Bearbeiten und dann das Register Details. Hier setzen Sie auf der rechten Seite ein Kreuzchen bei vboxusers und klicken zwei Mal nacheinander auf Ok.
Auch für Kubuntu 9.10 bringt die Heft-DVD eine aktuelle Version von VirtualBox mit. Während der Installation der Software beantworten Sie die Frage nach dem Anlegen der Gruppe vboxusers mit Ok und die Frage nach dem Übersetzen eines Kernel-Moduls mit Yes (Abbildung 3). Nach der Installation starten Sie VirtualBox über das K-Menü neu.



