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© Alexander Kuzovlev, 123RF

Zwanglos zwitschern

KDE-Plasmoid, Choqok, Qwit und Twitux

07.04.2010
In 140 Zeichen um die Welt – im "Twitterversum" tummeln sich Firmen, Politiker, Schauspieler, Musiker und natürlich zahlreiche Privatanwender. Wer nicht über den Webbrowser zwitschern möchte, greift zu einem Twitter-Client. Wir haben vier Vertreter dieser Gattung getestet.

Ein eigenes Blog gehört schon lange zum guten Ton. Etliche Privatanwender, aber auch viele Unternehmen, veröffentlichen regelmäßig Neuigkeiten in ihren Online-Tagebüchern. Microblogs, wie Twitter [1] oder Identi.ca [2], setzen noch einen drauf: In Echtzeit schicken Anwender kurze, SMS-ähnliche, Textnachrichten an die jeweilige Plattform. Diese Nachrichten sind meistens öffentlich zugänglich, und so tummeln sich dank Twitter und Co. interessante Neuigkeiten und Alltagsbanalitäten im Netz. Die lesen Sie über einen Webbrowser, per E-Mail oder auf dem Handy. Alternativ zwitschern Sie mit einem Twitter-Client komfortabel vom Linux-Desktop aus. Im Test treten das Microblogging-Plasmoid von KDE 4, sowie die Programme Choqok, Qwit und Twitux gegeneinander an.

Kasten 1: Twitter-Glossar

Tweets, Retweets, followen oder faven – Twitterer sprechen ihre eigene Sprache. Was sich hinter den Begriffen verbirgt, verrät dieses kleine Glossar.

  • Tweets: Die Beiträge auf Twitter heißen Tweets (englisch: "to tweet" = "zwitschern") oder auch Updates. Anwender abonnieren die Tweets anderer Benutzer, und die Beiträge tauchen dann im Twitter-Client in der Timeline auf.
  • Reply: Um in Tweets auf andere Twitterer zu reagieren, stellen Sie deren Namen ein @-Zeichen voran, zum Beispiel: @heikejurzik Viel Spaß beim Schreiben!. Beachten Sie, dass dies im Gegensatz zu Direct Messages keine privaten Nachrichten sind, sondern die Beiträge auch in der Zeitleiste auftauchen.
  • Direct Message: Private Nachrichten zwischen zwei Twitterern; aus Sicherheitsgründen sind die DMs, wie sie abgekürzt heißen, nur zwischen Benutzern möglich, die sich gegenseitig folgen.
  • Follower: Tweets sind im Allgemeinen Nachrichten für die breite Öffentlichkeit (es sei denn, man schützt seine eigenen Tweets explizit). Wenn Sie sich für die Nachrichten eines anderen Twitterers besonders interessieren, folgen Sie diesem einfach. In der Twitter-Sprache nennt man dies "followen", und die Abonnenten heißen Follower.
  • Retweet: Wenn Sie in einem Tweet auf einen anderen Tweet verweisen, nennt sich das Retweet. Durch permanentes Retweeten verbreiten sich bestimmte Meldungen rasend schnell im gesamten Twitter-Netzwerk.
  • Timeline: In der Zeitleiste tauchen die Tweets chronologisch sortiert auf. Während die Public Timeline alle öffentlichen Beiträge im "Twitterversum" anzeigt, sehen Sie in der eigenen Zeitleiste nur die Tweets von Benutzern, denen Sie folgen.
  • Hashtag: Ein Tag mit einem vorangestellten Rautezeichen (englisch "hash") und einem abschließenden Leerzeichen, zum Beispiel #nowplaying oder #olympia . Hashtags stehen direkt in den Nachrichten, und die Twitter-Clients heben sie in der Regel farblich hervor. Hashtags dienen dazu, Tweets zu bestimmten Themen zusammenzufassen und zu verschlagworten. Über die Twitter-Suche finden Sie so schnell Tweets zu bestimmten Themen und erkennen Trends in der Twitter-Welt.

Microblogging-Plasmoid

Der KDE-Desktop der vierten Generation heißt Plasma. Zu den interessantesten KDE-4-Neuerungen gehören die Miniprogramme für die Arbeitsfläche und die Kontrollleiste, Plasmoiden oder auch Plasmoids genannt [3]. Diese Widgets gibt es in den verschiedensten Farben und Formen, und sie lassen sich nach Belieben positionieren, skalieren und drehen.

In der Voreinstellung sind bereits viele Plasmoids installiert, darunter auch ein Miniprogramm für die beiden Microblogging-Dienste Twitter und Identi.ca. Während Kubuntu 9.10 das Widget direkt auf der Arbeitsfläche parkt, müssen Sie es unter OpenSuse hinzufügen. Nutzen Sie OpenSuse 11.1, können Sie sich das sparen, denn das Microblogging-Widget funktioniert hier nicht. Unter OpenSuse 11.2 müssen Sie vor dem Einsatz als Aktualisierungen für KDE 4 einspielen. Um es dann zur Arbeitsfläche hinzuzufügen, fahren Sie mit der Maus in die rechte obere Ecke des Bildschirms, klicken mit der linken Maustaste auf den Button und wählen Miniprogramme hinzufügen. Im folgenden Dialogfenster wählen Sie aus dem Drop-down-Menü ganz oben die Kategorie Online-Dienste oder geben als Suchbegriff beispielsweise "Micro" ein – das geht schneller, als die ganze Plasmoiden-Liste durchzublättern. Markieren Sie den Eintrag Microblogging, klicken Sie auf Miniprogramm hinzufügen und dann auf Schließen.

Im Anschluss konfigurieren Sie das Microblogging-Plasmoid über die Schaltfläche Einrichten oder das Schraubenschlüssel-Symbol am Rand. Dieser Rahmen um die Plasmoids erscheint, wenn Sie mit der Maus darüber fahren und bietet neben der Konfiguration auch Icons zum Skalieren, Drehen und Entfernen. In den Plasmoid-Einstellungen entscheiden Sie zunächst unter Dienst, ob Sie einen Twitter- oder Identi.ca-Account einrichten möchten – das Miniprogramm unterstützt beide Plattformen. Darunter tragen Sie in die entsprechenden Felder den Benutzernamen und das Passwort zum Account ein, definieren die Größe der Zeitleiste (Timeline) und das Aktualisierungsintervall. Die kleinste Einheit ist hier zwei Minuten – Benutzer, die schnell und viel zwitschern, dürften damit nicht glücklich werden und kleinere Einheiten bevorzugen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Microblogging-Plasmoid ist nicht besonders flexibel, twittert dafür aber dezent auf dem Desktop-Hintergrund.

Das KDE-Plasmoid ist äußerst spartanisch und noch nicht ganz ausgereift. Was fehlt, sind vor allem Filterfunktionen, welche die Tweets nach eigenen Meldungen, Friends und Favoriten sortieren. Auch wenn das Tool sowohl Twitter als auch Identi.ca unterstützt, zeigt es jeweils nur den konfigurierten Dienst an. Um beide Plattformen zu verfolgen, müssen Sie zwei Plasmoids starten. Schmerzlich vermissen wird der Profi-Twitterer zudem die öffentliche Zeitleiste, eine Suchfunktion und die Anzeige der Trends über Hashtags. Auch Direktnachrichten anderer Nutzer ignoriert das Microblogging-Plasmoid. Hier hilft es nur, die Twitter-eigene Benachrichtigungsfunktion zu nutzen, sich per Mail über eingehende Privatmeldungen informieren zu lassen und diese im Webbrowser zu lesen – elegant ist das allerdings nicht.

Choqok

Der Name des zwitscherfreudigen Clients kommt aus dem Persischen und bedeutet "Sperling" [4]. Choqok ist in Version 0.6.6 im Lieferumfang von OpenSuse 11.2 und Kubuntu 9.10 enthalten und in Windeseile über den Paketmanager installiert. Die für OpenSuse 11.1 angebotenen Versionen liefen im Test hingegen nicht. Der muntere Vogel ist ein Sprössling der KDE-Familie, macht aber auch auf dem Gnome-Desktop eine gute Figur.

Choqok verwaltet auf Wunsch mehrere Dienste und Konten und stellt diese auf verschiedenen Reitern im Hauptfenster dar. Im Einrichtungsdialog klicken Sie im Bereich Zugänge auf Hinzufügen, vergeben einen Alias, wählen den Dienst aus und tragen den dazugehörigen Benutzernamen sowie das Passwort ein (Abbildung 2). Im Bereich Allgemein des Konfigurationsdialogs stellen Sie unter anderem die Anzahl der Nachrichten im Hauptfenster (Number of statuses), den bevorzugten Browser und das Aktualisierungsintervall (Update timeline interval) ein. Hier liegt das Minimum bei einer Minute; Choqok bietet aber auch an, über [F5] die Timeline manuell zu aktualisieren.

Abbildung 2: Choqok verwaltet mehrere Accounts und bietet vorgefertigte Einträge für Twitter- und Identi.ca-Konten an.

Der Sperling nistet nach dem Start als Icon im Systemabschnitt der Kontrollleiste. Ein Linksklick auf das Symbol bringt das Hauptfenster nach vorne und wieder in den Hintergrund. Das Choqok-Icon zeigt außerdem die Zahl der ungelesenen Tweets an.

Choqok bietet alles, was das Twitter-Herz begehrt: Über den Avatar in der Zeitleiste erreichen Sie Funktionen zum Retweeten, zum Favorisieren (um besonders interessante Tweets separat abzulegen), zum Antworten und zum Entfernen eigener Tweets. Auch die Eingabefelder für öffentliche und private Nachrichten, die Tabs für die verschiedenen Konten und die eingebauten Such- und Filterfunktionen überzeugen.

Dazu gibt's allerhand nette Extras. Über das Icon mit der Büroklammer neben dem Eingabefeld hängen Sie beispielsweise Bilder an die Tweets an. Choqok schickt die Grafik dann automatisch an den Twitpic-Server und bindet die URL in den Tweet ein. Ein anderes nettes Schmankerl ist die Zusammenarbeit mit dem Mediaplayer Amarok. Wählen Sie aus dem Choqok-Menü Datei den Eintrag Post Now Listening (oder drücken Sie [Strg]+[L]), pfeift der Sperling von den Dächern, welches Musikstück Sie gerade in Amarok abspielen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Amarok macht Musik, und der Sperling zwitschert den aktuellen Song in die Twitter-Welt hinaus.

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