Wollen Sie unter Linux schnell und vor allem einfach Windows-Spiele nutzen, müssen Sie zahlen: Aktuelle Actionspiele und Strategieknüller laufen zwar unter Cedega und Crossover, doch die kommerziellen Windows-Emulatoren kosten 30 bis 60 Euro – je nach Produkt und Support-Zeitraum. Nach einigen Monaten läuft die Update-Unterstützung aus, und Sie müssen erneut zahlen, um den Emulator auf dem neusten Stand zu halten.
Für Freunde freier Software gibt es mit PlayOnLinux [1] (kurz POL) einen Spieleassistenten, der unter die GPL fällt. Die Software agiert als Frontend für Wine (Abbildung 1), das wiederum die Systemaufrufe von Windows für Linux übersetzt. PlayOnLinux-Pakete finden Sie für die von EasyLinux unterstützten Distributionen auf der Heft-DVD. In einigen Paketquellen ist das Frontend auch schon enthalten, so etwa im Contrib-Repository von Mandriva 2010.0. Sie installieren es einfach über den Paketmanager.
Das herausragende Feature von POL ist, dass es jedem Spiel und jeder Anwendung eine eigene Registry und eine eigene Wine-Version zuteilt. Oft laufen Spiele nur unter einer bestimmten Wine-Version problemlos – POL findet für jedes Spiel die passende Wine-Variante.
Vorarbeiten
Nach der Installation finden Sie den Eintrag PlayOnLinux unter OpenSuse 11.2 im KDE-Menü unter Programme / Spiele / Weitere Programme und unter Kubuntu 9.10 unter Programme / Spiele. Lediglich OpenSuse 11.1 legt keinen Eintrag an. Hier drücken Sie [Alt]+[F2], geben playon ein und drücken [Eingabe], um die Wahl zu bestätigen.
Beim ersten Start erscheint ein Assistent (Abbildung 2). Verwenden Sie für Ihre Grafikkarte noch keine 3D-Treiber, weist Sie PlayOnLinux darauf hin (Abbildung 3). Viele Spiele erfordern den Einsatz der 3D-Beschleunigung, um flüssig zu laufen. Wie Sie diese einrichten, lesen Sie für OpenSuse unter [2] und [3], Kubuntu-Anwender schauen im Ubuntuusers-Wiki [4] nach. Im Anschluss sucht der Assistent im Internet nach neuen Versionen der Software. Dann öffnet er im Hintergrund ein Fenster, in dem er vorschlägt, die Microsoft-Fonts einzuspielen. Technisch ist dieser Schritt etwas ungeschickt gelöst, da POL das Hauptfenster mitunter parallel öffnet, was die meisten Anwender eher verwirren dürfte. Nach dem Einspielen der Schriften wenden Sie sich dem Hauptfenster zu.
Spiele installieren und verwalten
Im Frontend PlayOnLinux (Abbildung 4) finden Sie eine Symbolleiste mit Funktionen zum Starten, Installieren, Deinstallieren und Konfigurieren von Spielen. Zu Beginn enthält der Dialog noch keine Einträge.
Legen Sie im ersten Schritt die Installations-CD/-DVD Ihres Spiels ins Laufwerk und sorgen Sie dafür, dass KDE diese einbindet – andernfalls findet PlayOnLinux den Datenträger nicht. macht sich das Spiel auf zwei CDs/DVDs breit, kopieren Sie eine davon – am besten das Setup-Medium – auf die Festplatte. Grund: Ein Schwachpunkt von PlayOnLinux besteht im Medienwechsel. Der Installer fordert Sie nämlich im passenden Moment dazu auf, das zweite Medium einzulegen. Zugleich blockiert er aber über ein Skript das erste Medium, so dass Sie die CD/DVD nicht auswerfen oder ersetzen können. Kopieren Sie ein Medium auf die Festplatte, lassen Sie PlayOnLinux einfach dort nach der Datei setup.exe suchen. Beim Medienwechsel legen Sie die zweite CD/DVD ganz normal ins Laufwerk.
Liegt die Spiele-CD/DVD im Laufwerk, klicken Sie auf Installiere, was ein Dialogfenster öffnet. Das listet verschiedene Software-Kategorien auf. Wählen Sie Spiele aus, erscheinen eine Reihe von Installationsskripten für verschiedenste PC-Games. Scrollen Sie durch die Liste, bis Sie auf den Namen des Spieles treffen, das Sie gerade installieren wollen. Für den Test spielten wir Grand Theft Auto III (GTA 3), Grand Theft Auto III: Vice City (GTA 3:VC) sowie Midnight Run II und Gothic I auf die Festplatte (Abbildung 1).
No-CD-Patches
Viele Spiele benötigen zum Starten die ins Laufwerk eingelegte Spiele-CD/-DVD. Das ist auf Reisen natürlich unbequem. Leider stellen aus Angst vor der illegalen Verbreitung des Spiels nur wenige Anbieter – wie etwa Blizzard für WarCraft und Diablo II – solche No-CD-Patches bereit. Denn die EXE-Dateien ersetzen die normalen Startdateien der Spiele und sorgen dafür, dass diese auch ohne Originalmedien laufen.
Bestätigen Sie den Installationswunsch mit Anwenden bzw. Apply, holt ein Assistent die optimale Wine-Version für das Spiel aus dem Internet und fragt nach dem Ort, an dem sich das Spiel befindet. Hier dürfte meist cdrom0 oder cdrom die richtige Wahl sein, es sei denn, Sie haben – wie oben beschrieben – die Installations-CD auf den Rechner kopiert. In diesem Fall wählen Sie Andere und geben den Pfad zum Verzeichnis mit der Installationsdatei an.
Beim Einspielen von GTA 3:VC hängte sich der Installer dem Augenschein nach auf (Installation in progress). Nach einer Weile tauchte jedoch ein neues Fenster auf, über das Sie per Klick auf Installieren die Gecko-Engine nachinstallieren. Nach nochmaligem Warten setzte der Installer den Prozess fort und forderte den anfangs erwähnten Medienwechsel. Da wir die erste CD auf die Festplatte kopiert hatten, konnten wir ganz entspannt das zweite Exemplar in das DVD-Laufwerk schieben. In der Regel müssen Sie während der Installation noch eine Lizenz und das vorgegebene Installationsverzeichnis akzeptieren. Am Ende der Installation lassen Sie POL auf Wunsch ein Desktop-Symbol oder einen Menüeintrag erstellen. Später starten Sie die Spiele aus dem Wine-Menü heraus oder über POL, in dessen Hauptfenster Sie auf Starte klicken. Das Laden eines Spiels dauert mitunter einige Zeit, und Sie müssen eventuell [Alt]+[Tab] drücken, damit der Ladebildschirm erscheint.



