Tipp: Knoppix: Datenrettung mit PhotoRec

Die Linux-Live-Distribution bringt allerlei praktische Tools mit, die dabei helfen, andere Betriebssysteme des Rechners zu reparieren oder verlorene Daten zu retten. Ein Programm, das Ihnen dabei unter die Arme greift, ist PhotoRec [1,2]. Die Anwendung kann Videos, Dokumente, Archive und Bilder wiederherstellen. PhotoRec kümmert sich nicht um das zugrundeliegende Dateisystem und rettet sogar Daten von schwer beschädigten oder formatierten Datenträgern.

Knoppix 6.1 hat PhotoRec 6.10 mit an Bord. So verwenden Sie den praktischen Helfer der Live-Distribution:

  1. Starten Sie ein Terminalprogramm, zum Beispiel per Klick auf das Shell-Icon im unteren Panel.
  2. Erstellen Sie ein Verzeichnis, in dem Sie die geretteten Daten ablegen wollen, zum Beispiel:

    mkdir rettung
  3. Geben Sie den Befehl photorec am Shell-Prompt ein. Nach einer kurzen Begrüßungsmeldung listet das Programm gefundene Datenträger auf. Mit den Pfeiltasten können Sie in der Liste der Laufwerke nach oben und unten blättern; über [Eingabe] wählen Sie eins aus.
  4. Als Nächstes fragt PhotoRec nach dem Typ der Partitionstabelle. In der Regel erkennt das Tool den Typ automatisch richtig, so dass Sie hier nur mit [Eingabe] bestätigen müssen.
  5. Nun listet das Programm die gefundenen Partitionen des Laufwerks auf. Auch diese wählen Sie über [Pfeil hoch] und [Pfeil runter] gefolgt von [Eingabe] aus. Über die rechte und linke Pfeiltaste erreichen Sie im unteren Menü die Optionen und die File Opt. Über letzteren Punkt schließen Sie bestimmte Dateitypen von der Datenrettung aus: In der Voreinstellung sind alle Erweiterungen angeschaltet; mit der Leertaste wählen Sie einen Typ ab (oder wieder an).
  6. Im Hauptmenü geht es über Search (Suche) weiter. Wählen Sie nun das Dateisystem aus. Die Voreinstellung ext2/ext3 bestätigen Sie über [Eingabe]. Besitzt die Partition ein anderes Dateisystem, wählen Sie Other aus.
  7. Entscheiden Sie nun, ob PhotoRec auf der ganzen Partition (wenn diese stark beschädigt ist) oder nur im nicht zugeordneten Speicherplatz (unallocated space only) suchen soll, die zweite Variante stellt nur gelöschte Dateien auf ansonsten intakten Dateisystemen wieder her.
  8. Im nächsten Schritt wählen Sie das vorher erstellte Verzeichnis rettung als Zielverzeichnis für die geretteten Daten aus. Anschließend drücken Sie [Y] zur Bestätigung.
  9. Während der Wiederherstellung zeigt PhotoRec in einer Statusanzeige den Fortschritt an (Abbildung 2). Die geretteten Daten finden Sie im angegebenen Ordner in Unterverzeichnissen (recup_dir.1, recup_dir.2 usw.). Sie können auf diese sofort zugreifen, auch wenn der Rettungsprozess noch läuft. Wenn PhotoRec fertig mit der Arbeit ist, zeigt das Tool eine Zusammenfassung an.
  10. Über Stop beziehungsweise Quit beenden Sie das Programm. Brechen Sie einen Datenrettungsprozess vorzeitig ab, fragt das Programm netterweise beim nächsten Start, ob es die Arbeit an dieser Stelle wieder aufnehmen soll.

Ein Tipp noch zum Schluss: Die Entwickler weisen in ihrem Wiki darauf hin, dass wiederhergestellte Dateien vor dem Öffnen mit einem Virenscanner auf mögliche Schädlinge untersucht werden sollten, da PhotoRec auch infizierte Dateien oder Trojaner rettet. Das ist vor allem dann relevant, wenn sich auf dem Datenträger Windows-Dateien befinden bzw. befanden.

Abbildung 2: PhotoRec berichtet während der Arbeit, welche und wie viele Dateien es bereits gerettet hat.

Tipp: Ubuntu: Software-Center statt "Hinzufügen/Entfernen"

Seit Ubuntu 9.10 ersetzt das Software-Center das Tool gnome-app-install (Hinzufügen/Entfernen) im Menü Anwendungen. Beide Programme verfolgen einen ähnlichen Ansatz: Sie ermöglichen eine schnelle und unkomplizierte (De-)Installation von Programmen, ohne diese umständlich im Paketmanager suchen zu müssen. Das Software-Center und gnome-app-install sind also schlanke Alternativen, die Pakete nach Kategorien sortiert anbieten.

Wer sich nicht an das neue Software-Center gewöhnen kann oder Features des anderen Tools vermisst, installiert über den Paketmanager das Paket gnome-app-install. In der Voreinstellung landet das Tool dann im Menü System / Systemverwaltung. Um das Programm wieder ins Menü Anwendungen aufzunehmen, starten Sie über einen Rechtsklick auf eines der Panel-Menüs und Menüs bearbeiten den Menüeditor und verschieben den Eintrag an die gewünschte Stelle.

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