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Herdentier

Der Web-2.0-Browser Flock

22.03.2010 Haben Sie Accounts bei Twitter, Facebook & Co.? Diese Dienste sind zwar noch nicht so weit verbreitet wie etwa E-Mail, holen aber auf. Besonders komfortabel bewegen Sie sich mit dem Browser Flock 2.0 in sozialen Netzen.

Die Kommunikation im Netz entwickelt sich beständig weiter: Trieb man sich früher im IRC und später dann in Foren herum, um sich auszutauschen, sind heute soziale Netzwerke und Mitmach-Web angesagt. Man pflegt einen eigenen Blog, netzwerkelt auf Facebook, präsentiert die besten Fotos bei Flickr, und für das Absetzen kurzer Statusmeldungen loggt man sich bei Twitter ein.

Was sich dagegen kaum weiterentwickelt hat, sind die Web-Browser – und genau das wollten die Flock-Entwickler ändern. Das Ziel war ein Browser, der angesagte Web-2.0-Dienste nahtlos integriert und so zur Schaltzentrale für das eigene soziale Netzwerk wird. Diese Fähigkeiten bringt Flock [1] von Haus aus mit, so dass man sie nicht wie beispielsweise bei Firefox über Erweiterungen nachrüsten muss.

Wer dem Web-2.0-Spezialisten Flock eine Chance geben will, muss nicht einmal auf die praktischen Firefox-Helferlein verzichten, denn Flock beruht auf dem Code von Firefox, den die Entwickler um zusätzliche Funktionen erweitert haben. Die meisten Firefox-Extensions laufen problemlos unter Flock, beispielsweise das populäre Add-on Flashblock [2], die Google-Vorschau SearchPreview (ehemals GooglePreview) [3] und Domain Details [4], das Informationen zur gerade angezeigten Website enthält.

Her damit

Leider gibt es kaum eine Distribution, die Flock-Pakete ausliefert, so dass Sie den Browser von der Projektseite [1] herunterladen oder zu unserer Heft-DVD greifen müssen. Auf der DVD finden Sie Version 2.0.3 des Browsers. Es gibt zwar bereits Version 2.5.6, allerdings ist die deutsche Lokalisierung dafür noch nicht fertig. Wer Englisch beherrscht, kann daher auch zur aktuellen Version auf der Projektseite greifen. Sie bietet ein paar zusätzliche Funktionen, auf die dieser Artikel jedoch nicht eingeht. Die meisten hier vorgestellten Funktionen können Sie so wie beschrieben auch unter der aktuellen Version nutzen.

Speichern Sie die Datei flock-2.0.3.de.linux-i686.tar.bz2 auf der Festplatte und wechseln Sie im Konqueror in das Verzeichnis, in dem das Flock-Archiv liegt. Klicken Sie die Datei mit der rechten Maustaste an und wählen Sie aus dem Kontextmenü die Option Entpacken / Hier entpacken. Aus dem beim Entpacken entstehenden Unterverzeichnis namens flock können Sie den Browser per Klick auf die Skript-Datei flock-browser starten.

Tipp: Um den Browser schneller zur Hand haben, ziehen Sie das Start-Skript einfach per Drag & Drop auf den Desktop, lassen es dort fallen und wählen Verknüpfung hier erstellen aus dem aufklappenden Menü. Danach reicht ein Klick auf das Desktop-Icon, um Flock zu starten.

Wenn Sie Flock zum ersten Mal aufrufen, meldet sich der Import-Assistent, der anbietet, Ihre Einstellungen aus Firefox oder Opera zu importieren. So können Sie gleich mit den gewohnten Lesezeichen loslegen und müssen auch bereits gespeicherte Passwörter nicht erneut eingeben. Im nächsten Schritt erfragt der Assistent, ob er auch die Firefox-Startseite übernehmen soll oder seine eigene anzeigen soll. Entscheiden Sie sich hier für die Option Flock, da die Startseite eine praktische Übersicht über alle konfigurierten Dienste bietet. Sagt Sie Ihnen später doch nicht zu, können Sie diese jederzeit über den Optionsdialog wieder ändern.

Erkundungstour

Flock startet standardmäßig mit zwei geöffneten Reitern. Der erste zeigt Tipps zu den ersten Schritten mit dem Browser an, auf dem zweiten namens Mein Flock haben Sie später alles im Blick, was Sie interessiert (Abbildung 1). Als größter Unterschied zu Firefox fallen gleich die zusätzlichen Schaltflächen neben und unter der Eingabeleiste auf. Wir stellen die Funktionen dahinter in diesem Artikel ausführlich vor, einen ersten Überblick verschaffen Sie sich mit Abbildung 2.

Abbildung 1: Die Flock-Startseite bündelt neue Nachrichten abonnierter Feeds, Aktivitäten von Freunden und neue Bilder und Videos der abonnierten Streams.

Abbildung 2: Alle Web-2.0-Funktionen von Flock stehen in der Werkzeugleiste bereit.

Ein Highlight von Flock ist die Medienleiste zwischen den Tabs und der Website: In ihr können Sie die Thumbnails von Foto- und Videostreams einblenden lassen. Um sie zu öffnen, klicken Sie auf das Filmrollen-Icon in der Werkzeugleiste. Oben rechts befindet sich das Suchfeld der Medienleiste, mit der Sie diverse Bild- und Videodienste durchforsten können, darunter Flickr, Picasa und Photobucket sowie YouTube und Truveo. Die Suchergebnisse blendet Flock in einer verkleinerten Vorschauansicht in der Medienleiste ein (Abbildung 3). Dabei findet er sowohl Multimediainhalte, die den Suchbegriff als Schlagwort enthalten als auch Personen, die Ihren Suchbegriff als Spitznamen verwenden. Ein Klick auf eines der Vorschaubilder öffnet das Original.

Abbildung 3: In der Medienleiste zeigt Flock Bilder und Videos in einer Vorschau an.

Sobald Sie den Mauszeiger über eines der Vorschaubilder bewegen, blendet Flock einen kleinen Pfeil ein. Ein Klick darauf öffnet ein Menü, über das Sie den Link per E-Mail verschicken oder darüber bloggen können. Außerdem können Sie über den Eintrag Kopieren die Adresse oder den BBCode der Grafik bzw. des Videos kopieren. Über letzteren lassen sich Bilder und Videos in Foren einbetten, was praktisch ist, wenn ein Forum keinen Datei-Upload erlaubt.

Haben Sie selbst ein Konto bei einem Bild- oder Videodienst, blendet Flock auch Vorschauen der Dateien von Ihnen und Ihren Freunden in der Medienleiste ein. Dazu müssen Sie Flock jedoch zunächst mit Ihrem Konto bekannt machen.

  1. Klicken Sie zunächst auf das Schlüssel-Icon in der Werkzeugleiste. Daraufhin öffnet sich am linken Fensterrand eine Liste aller Dienste, die Flock kennt. Sie sind in die Kategorien Freunde, Medien, Blogging, Lesezeichen und Webmail unterteilt.

  2. Um beispielsweise Ihr Konto bei Photobucket hinzuzufügen, markieren Sie den Fotodienst. Flock öffnet dessen Startseite nun in einem neuen Tab.
  3. Melden Sie sich dort an und bestätigen Sie, dass Flock das Passwort speichern darf.

Ganz oben in der Kontenleiste taucht ab sofort der Photobucket-Zugang mit Links zum Anmelden und zum Löschen des Kontos auf. Letzteres löscht nur lokal in Flock die Zugangsdaten, der Account beim Dienst selbst bleibt bestehen. Haben Sie kein Konto bei einem der Flock bekannten Dienste, ist auch das kein Problem: Der Browser erkennt automatisch, ob sich auf einer Seite Video- oder Fotostreams befinden. Per Klick auf das Medien-Icon links neben der Adresszeile laden Sie den Stream in die Leiste.

Über einen Klick auf den Button Medien-Streams können Sie Lesezeichen setzen und die Einstellungen der Leiste bearbeiten. Im Untermenü Einstellungen verfrachten Sie beispielsweise die Medienleiste an den unteren Fensterrand oder weisen den Browser an, eine erweiterte Auswahl an Schaltflächen anzubieten. Damit können Sie dann zwischen kleinen und großen Vorschaubildern wechseln und festlegen, ob die Titel von Videos oder Fotos unter den Thumbnails erscheinen sollen.

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Infos zum Autor

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer ist Chefredakteur der Zeitschrift EasyLinux, Doktorand an der Uni Erlangen-Nürnberg und seit Mitte der 90er begeisterter Linux-Anwender.


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