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© Matt Buchanan

Editorial

Zeit für ein L-Pad

Liebe Leserinnen und Leser,

Apple ist immer gut für Produktinnovationen – und das nicht erst, seit die Firma Ihre Mac-Rechner mit einem Betriebssystem ausstattet, dessen Unix-Kern mit Linux verwandt ist. Die neueste Erfindung ist das iPad, ein Gerät, das irgendwo zwischen iPod/iPhone und tastaturlosem Netbook (Tablet-PC) anzusiedeln ist. Man kann damit im Internet surfen, mit angepassten Versionen von Apples Officepaket Dokumente bearbeiten (was wohl auch ohne Hardware-Tastatur ganz gut gelingt) und auf die etlichen vom iPod und iPhone bekannten Apps sowie künftige Neuentwicklungen zurückgreifen.

So weit so gut. In den letzten Jahren hatte Apple einen guten Riecher für die Wünsche der Käufer und konnte damit z. B. aus dem Stand zu einem der größten Handyanbieter aufsteigen. Das neue iPad darf auf ähnliche Erfolge hoffen, auch wenn es (wie iPod und iPhone) an einem wesentlichen Punkt krankt: Welche Anwendungen (die auch beim iPad Apps heißen) auf dem Gerät laufen (dürfen), bestimmt alleine Apple durch Aufnahme (oder Nichtaufnahme) der Anwendungen in den App-Store. Schnell ein paar freie Anwendungen herunterladen und nachinstallieren – das ist nicht möglich, ohne den Segen des Herstellers geht nichts. Hätte der erste IBM-PC nur von IBM freigegebene Anwendungen ausgeführt, wäre die ganze PC-Geschichte sicher anders (und weniger erfolgreich) verlaufen.

L-Pad statt iPad

Linux-Anwender, die sich daran gewöhnt haben, auf die große Vielfalt der Open-Source- und Free-Software-Welt zugreifen zu können, dürften sich darum schwer tun, das iPad in ihr Herz zu schließen, auch wenn die Apps gut funktionieren und das Gerät sehr geschmackvoll gestaltet wurde. Hier sind Alternativen gefragt, welche die Anwender nicht in ihren Möglichkeiten beschneiden. Hardware, die mit dem iPad vergleichbar ist, gibt es durchaus – der Tablet-PC an sich ist ja kein neues Konzept. Schon 2002 hat etwa Microsoft eine Tablet-PC-Erweiterung für Windows XP vorgestellt. Jetzt ist es an der Zeit, dass auch Linux diesen Schritt geht und Distributionen für Tablet-Rechner entstehen. Bei der noch recht jungen Hardwarekategorie Netbook hat das prima geklappt; erst Linux verhalf diesen kleinen Brüdern der Notebooks zum Durchbruch.

Das können wir besser

Was würden Sie von einem Linux-basierten Tablet-PC, nennen wir ihn L-Pad, erwarten? Eine brauchbare Texteingabe – trotz fehlender Tastatur – ist sicher ein Muss, gute Internet-Konnektivität (am besten via WLAN und über Mobilfunk) gehört auch dazu. Aber wie sollte die Oberfläche aussehen? Welche vorhandenen Linux-Anwendungen können Sie sich auf solchen Geräten vorstellen, und wie müssten sie angepasst werden, um die neue Plattform auszureizen? Soll das L-Pad einen klassischen Desktop mit Startmenü oder eher einen Anwendungslauncher wie die Netbook-Oberflächen haben? Möchten Sie auf Ihre Dokumente über einen Standarddateimanager oder anders zugreifen? Braucht das L-Pad auch eine Shell für die schnelle Befehlseingabe oder soll die Bedienung nur mit Berührungsgesten (wie beim iPad) erfolgen?

Werfen Sie doch mal einen Blick auf die Bedienkonzepte von Standard-PCs, Netbooks und dem neuen Apple-Tablet-PC. Und überlegen Sie sich, wie Sie ein künftiges L-Pad bedienen möchten. Stellen Sie Screenshots bestehender Linux-Programme im Grafikprogramm zu einem Entwurf für die neue Oberfläche zusammen, zeichnen Sie Ihre Ideen als Skizzen oder beschreiben Sie einfach in Worten, wie das L-Pad funktionieren soll. Wir sind gespannt auf Ihre Entwürfe, die Sie per Mail mit dem Betreff "L-Pad" an mailto:redaktion@easylinux.de schicken. Die besten Konzepte stellen wir in der nächsten Ausgabe vor, und wir leiten sie auch an Linux-Entwickler weiter, die für Netbooks bereits Großartiges geleistet haben und damit für die künftige L-Pad-Entwicklung prädestiniert sind.

Hans-Georg Eßer

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