Standardsalat
RAW, PNG, JPEG – Grafikformate im Überblick
Rohe Daten
Insbesondere im Kontext von digitaler Fotografie begegnet Ihnen zunehmend der Begriff "Raw data" bzw. "Rohdatenformat". Was hat es mit diesem Rohformat auf sich? Sie wissen bereits, dass Digitalkameras Bilder vor dem Ablegen im Speicher des Geräts in das JPEG-Format umwandeln. Weil JPEG ein verlustbehaftetes Format ist, gehen Bildinformationen verloren. Das betrifft Eigenschaften wie die Farbtiefe und Informationen zu den im Bild auftretenden Helligkeitsverhältnissen.
Mit Gimp oder einem anderen Programm bearbeiten Sie solche Bilder nur auf Basis der Daten, die Ihnen die Software der Kamera übrig gelassen hat. Professionelle Fotografen wollen sich allerdings nicht auf diese Vorauswahl der Kamera-Software verlassen. Sie möchten dort, wo es notwendig ist, selbst Hand anlegen.
Digitalkameras der höheren Qualitätsklassen – zumindest jedoch alle digitalen Spiegelreflex-Kameras, bieten deshalb ein RAW-Format an (siehe Artikel ab Seite 44). Bei diesem Format landen die Daten unkomprimiert auf dem Chip der Kamera. Ein einzelnes Bild nimmt so gut und gerne 12 bis 16 MByte in Anspruch. Ein standardisiertes RAW-Format gibt es nicht – jeder Hersteller kocht sein eigenes Süppchen; außerdem dokumentieren sie die RAW-Formate normalerweise nicht öffentlich. Für die wichtigsten Kamerahersteller gibt es RAW-Interpreter, die auf Basis des so genannten Reverse Engineering entstanden sind. Dabei analysieren findige Bastler den Datenstrom in der Kamera und treffen auf dieser Grundlage Annahmen über das Format. Diese Treiber funktionieren mal besser und mal schlechter.
Der große Vorteil von Rohbildern ist, dass jedwede Komprimierung oder Bearbeitung tatsächlich auf Basis der Originaldaten eines Fotos passiert. Komplexe Programme zur Bildbearbeitung verfügen über eine Vielzahl von Funktionen, die sich in der Firmware einer Digitalkamera praktisch nicht unterbringen ließen. So lässt sich eine Über- oder Unterbelichtung auf einer RAW-Aufnahme beispielsweise wesentlich besser mit den Funktionen von Gimp oder Photoshop korrigieren, als bei einem JPEG-Bild. Überdies verfügen professionelle Programme zur Bildbearbeitung üblicherweise über robustere Implementierungen der gängigen Bild-Codecs, so dass Sie beim Komprimieren auch in Sachen Speicherplatz noch ein paar Bits mehr heraus kitzeln.
Andere Welt: Vektorgrafiken
Bisher war im Artikel ausschließlich von pixelbasierten Grafikformaten die Rede. Die Bilddatei enthält dabei, welcher Pixel bei der Darstellung welche Farbe annimmt. Vektorbasierte Grafikformate unterscheiden sich hiervon grundlegend: Sie speichern nicht für jeden Pixel die Information der Farbe – eine Vektorgrafik ist viel eine große mathematische Gleichung. In ihr stehen Informationen darüber, wie sich die einzelnen Elemente einer Grafik zueinander anordnen und in welchem Größenverhältnis sie stehen. Es gilt das Prinzip, jedes Element einer Grafik auf möglichst einfache Komponenten zu reduzieren und diese einzeln zu beschreiben. Diese Elemente heißen "grafische Primitive" – gemeint sind Linien, Kurve oder auch Polygone. Selbst wenn eine Vektorgrafik ein augenscheinlich komplexes Bild ist, so besteht sie im Wesentlichen aus Linien, Kreisen und ähnlichen Objekten.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Weil sie lediglich Informationen über Form und Farbe einzelner geometrischer Körper sowie deren Lage zueinander enthält, lassen sich die Größenverhältnisse durch simples Multiplizieren ändern. Vektorgrafiken sind also verlustfrei skalierbar. Mit einer Datei, deren Größe unter 1 MByte liegt, erstellen Sie Plakate in der Größe 3 mal 4 Meter. Ein beliebtes Vektorgrafikformat ist SVG (Scalable Vector Graphics). Andere Vektorformate sind das in der Druckwelt bekannte PostScript (häufig als EPS, Encapsulated PostScript) und diverse proprietäre Bildtypen in kommerziellen Anwendungen wie Illustrator.
Bei der Anzeige rastert das Programm Vektorgrafiken im Hintergrund und wandelt sie damit in Pixelgrafiken um. Fotos sind nie Vektorgrafiken – zwar gibt es Anwendungen, die eine Bitmap-Grafik "vektorisieren" (also in eine Vektorgrafik konvertieren), das ist aber nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Vektorgrafiken erstellen Sie unter Linux beispielsweise mit Inkscape (Abbildung 2), dessen Handhabung für Anfänger allerdings kompliziert ist.



