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Entwicklungsmaßnahme

Programme zum Konvertieren von Rohdatenbildern im Vergleich

22.12.2009
Inzwischen bieten diverse Hersteller das professionelle Rohdatenformat auch in Kameras der unteren Preisklasse an. Welches Werkzeug für Sie das richtige ist, um sie zu bearbeiten und zu konvertieren, zeigt der Test.

Wer sich ernsthaft mit digitaler Fotografie beschäftigt, stößt früher oder später auf das Thema RAW. Der englische Begriff bedeutet soviel wie roh oder unbearbeitet, was das RAW-Format relativ gut beschreibt: Es durchläuft nämlich so gut wie keine kamerainternen Filter, sondern gibt das Bild so wieder, wie es der Sensor der Kamera erfasst.

Zwar bieten praktisch alle Kamerahersteller die passenden RAW-Konverter für ihre Produkte an, aber entweder sind sie nur für Windows und Mac OS erhältlich oder sehr teuer. Wer seine RAW-Bilder dennoch unter Linux bearbeiten möchte, hat die Auswahl zwischen diversen kostenlosen Konvertern; drei davon stellt der Artikel vor. Doch zunächst zeigt Ihnen ein kleiner Exkurs die Vor- und Nachteile des RAW-Formats.

Mit Format

Bis vor Kurzem war das Speichern von Bildern im RAW-Format in erster Linie digitalen Spiegelreflexkameras vorbehalten. Prinzipiell kann das jedoch jede Kamera, die Hersteller bauten die Funktion nur aus Marketinggründen nicht in günstigere Modelle ein. Nach und nach kommen aber auch im unteren Preissegment immer mehr Bridge- und Kompaktkameras auf den Markt, die diese Funktion unterstützen und sie damit der großen Masse zur Verfügung stellen. Umso wichtiger ist es für den Anwender, die Vor- und Nachteile des Formats zu kennen.

Eine RAW-Datei besteht in der Regel aus dem Bild im TIFF-Format und einer Textdatei, welche die Metadaten enthält. Darüber hinaus enthalten viele Rohdatenaufnahmen auch ein Bild im JPEG-Format, das die Kamera und Bildbearbeitungsprogramme zur Vorschau verwenden. Um Platz zu sparen, komprimieren einige Hersteller die Bilder verlustfrei mit Werkzeugen, die ähnlich wie Zip oder Linux' gzip arbeiten. Die Bildbearbeitungssoftware liest die Einstellungen in der enthaltenen Textdatei aus und wendet sie bei der Anzeige und beim Konvertieren in andere Formate auf die Aufnahme an. Da die Originaldateien dabei immer unverändert bleiben, tragen sie auch den Beinamen "digitale Negative", die RAW-Konverter heißen entsprechend "digitale Dunkelkammern".

Einer der Hauptvorteile des Rohdatenformats begründet sich in seiner Fähigkeit, wesentlich mehr Bildinformationen zu speichern als beispielsweise JPEG. Während dieses nur maximal 256 Helligkeitsstufen pro Farbkanal aufnimmt (8 Bit), speichert RAW, je nach Art, bis zu 16384 davon (14 Bit). Zwar sind die meisten Wiedergabemedien, etwa handelsübliche Monitore, nicht in der Lage, diese Helligkeitsstufen in vollem Umfang anzuzeigen, beim Nachbearbeiten erweisen sich die zusätzlichen Bildinformationen aber als unschätzbarer Vorteil. Sie erlauben nämlich das nachträgliche Anpassen der Helligkeit von RAW-Bilder um bis zu zwei Blendenstufen, ohne dass störende Artefakte auftreten.

Dateien im JPEG-Format durchlaufen bei der Aufnahme in der Kamera eine Reihe von Filtern, etwa um das Rauschen zu reduzieren, die Farbsättigung zu erhöhen oder den Tonwert des Bildes anzupassen. Diese Modifikationen schreibt die Kamera direkt in das Bild. Wurde die Aufnahme beispielsweise mit einem falsch eingestellten Weißabgleich erstellt, ist es beinahe unmöglich, das Bild vollständig zu rekonstruieren. Anders beim RAW-Datenformat: Hier bleibt das Bild als solches unverändert, sämtliche Einstellungen schreibt die Kamera in die Metadatenfelder der Aufnahme. Das erlaubt umfangreiche nachträgliche Änderungen am Bild, ohne dass die Qualität darunter leidet.

Einer der Hauptnachteile von Rohdatenbildern ist, dass die Hersteller eigene Formate verwenden, die nicht zueinander kompatibel sind. Darüber hinaus statten sie häufig auch neue Modelle mit veränderten Formaten aus und stellen die Unterstützung nicht mehr vertriebener Modelle ein. Das hat zur Folge, dass Anwender unter Umständen nach zehn Jahren ihre Bilder nicht mehr "entwickeln" können, weil es keine Software mehr gibt, die es könnte. Abhilfe schafft hier das Konvertieren der Aufnahmen ins zwischenzeitlich allgemein anerkannte und offene DNG-Format von Adobe [1]. Wie so oft stellt die Firma die benötigte kostenfreie Software nur für Windows und Mac OS zum Download bereit, die Windows-Version lässt sich jedoch mit Wine installieren und starten.

Des Weiteren belegen RAW-Dateien wesentlich mehr Speicherplatz als JPEG-Bilder, die selbst bei voller Auflösung oftmals nicht einmal die Hälfte benötigen.

Picasa

Seit einigen Jahren bietet Google das Bildverwaltungsprogramm Picasa [2] (Abbildung 1) an. Die für Linux zum Download angebotene Version bringt eine eigene Wine-Umgebung mit, in der die Windows-Software startet. Derzeit steht die Betaversion 3 in englischer Sprache zum Download bereit. Diese erwies sich im Test jedoch als stabil und fehlerfrei. Die von Google angedachte Hauptaufgabe für Picasa ist das Verwalten lokal gespeicherter Bilder. Was nur wenige wissen: Das Programm kennt nicht nur generische Formate wie GIF, JPEG, PNG, sondern auch die RAW-Formate der meisten Kamerahersteller.

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