Die Free-Variante von Mandriva Linux 2010.0 unterscheidet sich in zwei Punkten maßgeblich von der freien One-Version: Zum einen erhalten Sie hier satte 4,3 GByte Software, während sich die One-CD auf 700 MByte beschränkt. Zum anderen besteht die Free-Version – Nomen est Omen – ausschließlich aus freier Software. Das klingt im ersten Augenblick gut, erweist sich aber für den Anwender mitunter als Fallstrick. Frei bezieht sich nicht auf den Preis für das Benutzen der Software, sondern auf deren Aggregatzustand: Freie Software liegt nicht nur in kompilierter Form vor (als ausführbare Datei), sondern auch im Quelltext. Hacker und Bastler dürfen sie modifizieren und verändern, ohne Konsequenzen seitens der Hersteller zu befürchten, müssen den Quellcode aber auf Anfrage herausgeben.
Das Problem: Große Hardwarehersteller wollen, dass Entwickler anderer Unternehmen und Endanwender keinen Einblick in die Funktionsweise ihrer Geräte erhalten. Die Geheimniskrämerei betrifft insbesondere Grafikkarten: So hat Nvidia keine weitergehenden Informationen zur Funktionsweise seiner Chips veröffentlicht und bietet lediglich einen binären Treiber an. Für die ATI-Karten von AMD gilt das weniger: Hier liegen zumindest Teile des Quellcodes offen. Allerdings bringt AMD/ATI mit Catalyst zugleich einen binären, geschlossenen Treiber heraus, der besser funktioniert, als die freien Varianten.
Da sich die genannten Treiber nicht als frei im Sinne freier Software qualifizieren, fehlen sie in der Free-Version von Mandriva. So lange Sie keine Spiele, keine schicken Desktop-Effekte oder Programme mit 3D-Unterstützung nutzen, brauchen Sie die Treiber nicht. Das ist der Fall, wenn Sie gewöhnlich nur im Internet surfen, chatten, mit den Office-Programmen und mit Fotosoftware arbeiten. Wollen Sie jedoch die 3D-Beschleunigung für Ihre Nvidia- oder ATI-Grafikkarten einrichten, müssen Sie nach der Installation selbst die proprietären Treiber einspielen.
In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Mandriva Free grundsätzlich auf die Platte Ihres Computers bringen und anschließend die 3D-Treiber für Grafikkarten installieren. Überdies erklären wir, wie Sie Ihr neues System dazu bringen, MP3- sowie Videodateien klaglos abzuspielen. Los geht es mit den ersten Schritten der Systeminstallation.
Mandriva Free 2010.0 installieren
Um Mandriva neben ein vorhandenes Windows zu platzieren, sollten Sie Windows zunächst defragmentieren. Erst dann beginnen Sie mit der Installation von Mandriva Free 2010.0:
- Stellen Sie sicher, dass in Ihrem BIOS die Bootreihenfolge stimmt. Da Sie von der Heft-DVD booten, muss Ihr Rechner Ihr DVD-Laufwerk in der Bootreihenfolge zuerst ansprechen – vor einem bereits vorhandenen System von der Festplatte. Legen Sie testweise die Heft-DVD ein, und starten Sie den Computer neu. Landen Sie wie zuvor im installierten Betriebssystem, müssen Sie die Bootreihenfolge ändern. Häufig gelangen Sie in das BIOS des Systems, wenn Sie während der ersten Startmeldungen (Hochzählen des verfügbaren Arbeitsspeichers oder Hersteller-Logo auf dem Bildschirm) [Entf] oder [Esc] drücken. Suchen Sie nach einem Menüpunkt wie Boot Sequence, und stellen Sie sicher, dass das BIOS zunächst das DVD-Laufwerk und dann erst die Festplatte überprüft.
- Sie sehen nach dem Start der DVD Mandrivas Bootmenü (Abbildung 1). Wählen Sie mit den Pfeiltasten den Eintrag Install Mandriva 2010 aus. Drücken Sie [Eingabe], um den Installationsvorgang zu beginnen.
- Wundern Sie sich nicht, wenn Sie während der ersten Augenblicke der Installation textbasierte Meldungen sehen; je nach der Geschwindigkeit Ihres Systems dauert es etwas, bis der grafische Mandriva-Installer erscheint.
- Im ersten Schritt der Installationsroutine legen Sie die zu verwendende Sprache fest. Klicken Sie in der Länderliste auf Europe und wählen Sie Deutsch aus. Ein Klick auf Next bestätigt die Auswahl. Damit legen Sie übrigens auch gleich Deutschland als Standort fest; diese Information verwendet das System auch beim Setzen der richtigen Zeitzone.
- Im nächsten Schritt akzeptieren Sie die Mandriva-Lizenz. Setzen Sie einen Haken bei Akzeptieren und klicken Sie auf Weiter.
- Nun wählen Sie – sofern Mandriva diese Option anbietet – den Installationstyp aus: Dieser Artikel beschreibt eine vollständige Neuinstallation, klicken Sie also auf Neuinstallation und dann auf Weiter.
Legen Sie nun das Tastaturlayout fest. Es stehen zwei deutsche Layouts zur Auswahl; die Variante Deutschland (ohne Akzenttasten) sorgt dafür, dass Sie per Tastatur keine Buchstaben mit Akzenten versehen können. Um später Texte in anderen Sprachen zu verfassen, die Akzente verwenden, wählen Sie an dieser Stelle am besten den Eintrag "Deutschland" aus.
Platz auf der Platte
Im nächsten Schritt der Installation landen Sie bereits im Programm zum Aufteilen Ihrer Festplatte (Abbildung 2). Das Beispiel setzt voraus, dass sich ein lauffähiges Windows- oder Linux-System auf der Festplatte befindet, zu dem Sie Mandriva parallel verwenden wollen. Der Installer erkennt vorhandene Systeme: Findet er ein Windows, schlägt er vor, dessen Platz zu beschränken, um Freiraum für Linux zu schaffen.
Im Normalfall übernehmen Sie den Vorschlag des Partitionierungsassistenten unverändert. Eine unpartitionierte Festplatte teilt der Installer in der Regel in sda1, sda5 und sda6 ein. Existiert bereits ein System oder ein Partitionierungsschema, wählen Sie Bestehende Partitionen und bestimmen selbst, wo Mandriva welche Partition einhängt.
Linux verwendet – wie jedes aktuelle Betriebssystem – eine hierarchische Struktur von Ordnern und Dateien. Das Trennzeichen für Ordner und Unterordner ist ein Schrägstrich (/) – das Wurzelverzeichnis des gesamten Systems heißt entsprechend /. Sie haben die Möglichkeit, einzelne Ordner in dieser Struktur auf verschiedene Partitionen auszulagern. Das bietet sich etwa für den Ordner /home an, in dem Sie später Ihre persönlichen Daten ablegen.
- Setzen Sie einen Haken in den Kästchen vor den Partitionen, die der Installer mit einem neuen Dateisystem versehen soll und klicken Sie auf Weiter. Die Mandriva-Setup-Routine legt die Dateisysteme an, was je nach Geschwindigkeit der Platte mehrere Minuten dauern kann.
- Nun legen Sie Ihr Installationsmedium fest. Mandrivas Installer erkennt die DVD im Laufwerk selbstständig und fragt, ob Sie über weitere Installationsquellen verfügen. Wählen Sie den Eintrag Keine aus, und dann Weiter.
- Im nächsten Dialog entscheiden Sie sich für einen Desktop, zur Auswahl stehen KDE und GNOME (Abbildung 3). Unser Beispiel setzt auf das in Europa wesentlich weiter verbreitete KDE. Klicken Sie dann wieder auf Weiter, um die tatsächliche Installation anzuschieben. Der Vorgang kann sich je nach Hardware eine sehr lange Zeit hinziehen.
Passt Ihnen aber die vorausgewählte Größe des Laufwerks nicht, verändern Sie diese, indem Sie auf Benutzerdefinierte Partitionierung klicken und die Größen der einzelnen Partitionen entsprechend festlegen. Oder Sie bügeln Mandriva über Komplette Platte löschen ... als einziges System über die gesamte Festplatte.



