Desktop und Anwendungen

Gleich beim ersten Login – egal, ob Sie sich für Gnome oder KDE entschieden haben – begrüßt Sie eines der extra für Version 2010 neu gestalteten Mandriva-Themes (Abbildung 2). Diese Themes können Sie in den Desktop-Einstellungen als Alternativen zu den Standard-Themes von KDE und Gnome auswählen. Die Software-Ausstattung kann sich sehen lassen: KDE 4.3.2, Gnome 2.28, Firefox 3.5, OpenOffice 3.1 mit KDE-Integration und der PC-Emulator VirtualBox in Version 3.0.8. Im Hintergrund arbeitet Kernel 2.6.31, als grafisches System kommt X.org 7.4 mit dem X.org-Server 1.6.5 zum Einsatz.

Abbildung 2: Der KDE-Desktop mit einem der neuen Mandriva-Themes und geöffnetem Plasmoid-Auswahldialog.

Der KDE-Desktop läuft schnell und stabil, bei einigen Anwendungen hätte sich der Distributor aber besser noch für die Versionen der 3er-Serie entschieden. So haben die Entwickler zwar bei Amarok von KDE 4 die Möglichkeit zum Abspielen von CDs reaktiviert, und der Player kommt auch optisch sehr nett daher, er kann aber in Sachen Stabilität noch nicht überzeugen. Auch KOffice 2.0.1 zeigte sich absturzfreudig und je nach ausgewählter Funktion so langsam, dass wir uns fragten, ob das Programm eingefroren sei. Gut gefallen haben uns dagegen die Finanzverwaltung Scrooge, die das instabile KMyMoney ablöst, und ein Plasma-Applet, das in festen Zeitintervallen den Desktop-Hintergrund wechselt.

Gnome 2.28 unterscheidet sich nur minimal von der Vorgängerversion. Nutzer von Instant-Messaging-Clients müssen sich jedoch umstellen, da nun standardmäßig das neue Empathy und nicht mehr Pidgin auf der Festplatte landet. Letzterer lässt sich jedoch aus den Repositories nachinstallieren. Freunde des Videoschnitts sollten dem komplett umgeschriebenen Gnome-Video-Editor Pitivi eine Chance geben, der auch unter KDE läuft. Alternativ lohnt sich auch ein Blick auf das Linux Video Editing System (Lives), das in Version 1.0 beiliegt.

Nicht von Haus aus mit dabei, aber ebenfalls in den Softwarequellen zu finden ist eine Vorabversion der Gnome-Shell, die unter Gnome 3.0 den klassischen Desktop ablösen soll. Diese Oberfläche ist aufgabenorientiert strukturiert und zeigt links eine Liste häufig besuchter Orte, Favoriten und Aufgaben wie "einen Brief erstellen" oder "im Internet surfen" an. Sie erlaubt einen Vorgeschmack auf die Zukunft von Gnome, ist aber noch nicht ausgereift, so dass es eine gute Entscheidung war, sie nicht standardmäßig einzuspielen.

Besser für den Alltagsbetrieb eignet sich der Mandriva Smart Desktop, mit dem Sie Aufgaben definieren und diesen Dokumente, E-Mails, Bilder, Videos und vieles mehr zuordnen können: So haben Sie alles Wichtige für die tägliche Arbeit im Blick. Alle Objekte können Sie dabei kommentieren oder mit Schlagwörtern versehen, die Gnome nicht in den Dokumenten selbst speichert, sondern vom Smart Desktop verwalten lässt.

Fazit

Insgesamt präsentiert sich Mandriva 2010 als runde Version ohne größere Ecken und Kanten. Ein paar Kleinigkeiten gibt es zu bemängeln wie etwa, dass der Distributor beim KDE-Desktop bei einigen Anwendungen nicht die stabilen KDE-3-Versionen einspielt. Auch der Wechsel von Pidgin auf Empathy als Standard-IM-Client unter Gnome dürfte nicht jedermanns Sache sein. Diese Kleinigkeiten lassen sich dank der einfachen Installation und Systemkonfiguration und der riesigen Software-Auswahl jedoch leicht verschmerzen. Ein Manko von Mandriva ist immer noch die geringe Verbreitung der Distribution hierzulande: Für OpenSuse und Ubuntu finden Sie bei Problemen wesentlich leichter deutschsprachige Hilfe im Netz.

Infos

[1] Artikel zu regulären Ausdrücken: Marc André Selig, "Nadel im Heuhaufen", LinuxUser 08/2002, S. 74 ff., http://www.linux-user.de/ausgabe/2002/08/074-regexp/

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