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Ein Bündel Neues

Linux-Distributionen: Mandriva 2010

07.01.2010 Neben OpenSuse, Ubuntu und Fedora hat auch Mandriva mit Version 2010 eine aktuelle Fassung ihrer Distribution herausgebracht. Ob es den Franzosen gelungen ist, das System noch benutzerfreundlicher zu machen, verrät unser Test.

Zwar nicht so verbreitet wie OpenSuse oder Ubuntu, genießt Mandriva Linux dennoch besonders unter Linux-Neulingen einen guten Ruf. Der französische Hersteller hat schon immer Wert auf eine einfache Installation, grafische Einrichtungswerkzeuge und eine große Software-Auswahl gelegt. Die aktuelle Version 2010 soll an diese Tradition anknüpfen und muss in unserem Distributionstest zeigen, ob sie die Erwartungen in Sachen Einsteigerfreundlichkeit erfüllen kann.

Mandiva Linux 2010 ist wie auch die Vorversionen in drei Varianten erhältlich: Es gibt

  • ein kostenloses DVD-Image mit ausschließlich freier Software,
  • Mandriva One, eine installierbare Live-CD, die wahlweise mit Gnome- oder KDE-Desktop erhältlich ist,
  • sowie das kommerzielle PowerPack, das in der Download-Version rund 50 Euro kostet. Die Kaufversion enthält zusätzliche proprietäre Software wie die Fluendo-Multimedia-Codecs, den Fluendo-DVD-Player, Skype, den Adobe Reader und die Virtualisierungslösung VMWare. Ebenso liegen eine Reihe nicht quelloffener Treiber für WLAN-Karten und Grafikchips von Nvidia und AMD (früher ATI) bei.

Diese Treiber sind auch Bestandteil der Live-CDs und lassen sich in der freien DVD-Version, die Gegenstand unseres Test ist, leicht nachinstallieren.

Einfache Installation

Die Installation des Systems gelang in unseren Tests sowohl auf einem aktuellen Netbook mit Intel-Atom-Prozessor als auch auf einem Core-2-Desktop-System problemlos. Der Installer erfragt lediglich einige Informationen wie Sprache, Zeitzone und Tastaturlayout und richtet standardmäßig die Desktop-Umgebung KDE 4.3.2 ein. Bei der Partitionierung können unerfahrene Anwender die Vorschläge des Installers bedenkenlos übernehmen. Auf unseren beiden Testrechnern ließen wir ihn einmal eine Windows-7-Partition verkleinern, auf dem Desktop-PC entschieden wir uns für die Installation auf einer zweiten Festplatte. In beiden Fällen landeten die bereits vorhandenen Windows-Installationen automatisch im Boot-Menü und starteten daraus problemlos.

Möchten Sie selbst bei der Partitionierung Hand anlegen, etwa um die Größe für die Linux-Partition anzupassen, geht auch das ganz leicht: Die Entwickler haben dem Partitionierungstool ein neues Layout spendiert, das alle Informationen zu Festplatten und Partitionen auch grafisch darstellt. Standardmäßig setzt Mandriva 2011 auf das Dateisystem Ext4, dessen Vorgänger Ext3 steht aber nach wie vor zur Auswahl.

Hardware und System

Schon während der Installation erkennt das System die meiste angeschlossene Hardware automatisch und richtet sie ein. Klappt das einmal nicht, etwa weil im heimischen Netzwerk kein Router arbeitet, sondern der PC direkt am DSL-Modem hängt, können Sie alle Feinheiten nach der Installation im Mandriva-Kontrollzentrum einstellen.

Mandriva 2010 richtet automatisch die Softwarequellen Contrib und Non-Free mit proprietären Treibern ein, aus denen das passende Hardware-Einrichtungsmodul dann selbständig den richtigen Treiber nachlädt, ohne dass Sie dessen kryptischen Namen kennen müssten. Nur die Herstellertreiber für Nvidia- und AMD-Grafikchips sowie die Poulsbro-Treiber für Intels Grafikchipsatz GMA500 (der in Atom-Netbooks der zweiten Generation steckt) müssen Sie manuell über die Paketverwaltung auswählen und einspielen – das System nutzt sie dann beim nächsten Start der grafischen Oberfläche.

Dank der neuen Features im Paketmanager RPMdrake fällt es leicht, die richtigen Pakete zu finden. RPMdrake hat nicht nur ein neues, übersichtlicheres Layout und Screenshots in den Paketbeschreibungen erhalten (Abbildung 1), sondern die Entwickler haben noch mehr Informationen zu den Paketen integriert und die Suche überarbeitet. Dort können Sie nun auch nach Versionsnummern forschen oder reguläre Ausdrücke [1] bei den Suchbegriffen verwenden. Besonders gut hat uns gefallen, dass man die Häufigkeit, mit der das Update-Tool das System aktualisiert, manuell einstellen kann. Dann erhält man Security-Fixes zwar nicht sofort, aber die Option ist praktisch für Systeme, die nicht permanent online sind.

Abbildung 1: RPMdrake hält in der Paketbeschreibung auch einen Screenshot des ausgewählten Programms bereit.

Neben den Verbesserungen in RPMdrake haben die Entwickler auch einigen anderen Modulen des Kontrollzentrums neue Features spendiert. Im Dialog zur Konfiguration des grafischen Systems kann man beispielsweise die Tastenkombination [Strg]+[Alt]+[Rückschritt] zum Abschießen der grafischen Oberfläche deaktivieren, was ein versehentliches Schließen aller Anwendungen verhindert. Das Modul, das die Netzwerkprofile verwaltet, wurde komplett überarbeitet und macht es Nutzern nun noch leichter, Profile für unterschiedliche Umgebungen wie zu Hause, in der Firma und unterwegs einzurichten.

Der "Jugendschutzfilter" erlaubt es Eltern, in Mandriva 2011 einzelne Programme gezielt für den Nachwuchs zu sperren und genau festzulegen, zu welchen Zeiten und wie lange die Kinder ins Internet dürfen.

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Infos zum Autor

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer ist Chefredakteur der Zeitschrift EasyLinux, Doktorand an der Uni Erlangen-Nürnberg und seit Mitte der 90er begeisterter Linux-Anwender.


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