Firefox und Thunderbird sind die beiden "großen" Internetprogramme in der Linux-Welt: Das eine ist der Standard-Webbrowser, das andere das zugehörige Mailprogramm. Beide sind Ableger des vor einigen Jahren üblichen Komplettprogramms Netscape und gehören heute zum Mozilla-Projekt. Jetzt hat Thunderbird einen großen Versionssprung gemacht: Dank vieler nützlicher neuer Features wird die Mailverwaltung noch angenehmer.
Installation
Auf der Heft-DVD finden Sie den Release Candidate 2, also die fast fertige Version. Sie können diese installieren und testen, sollten dabei aber beachten, dass die Thunderbird-Entwickler empfehlen, erst die endgültige Version 3 für "produktives Arbeiten" zu nutzen. Die endgültige Version hat es nicht mehr auf die DVD geschafft – Sie finden diese im Thunderbird-Downloadbereich [2].
Um das Programm zu installieren und zu starten, gehen Sie wie folgt vor – und zwar unabhängig davon, ob Sie das RC2-Archiv von der Heft-DVD oder das von der Webseite heruntergeladene Paket von Version 3 nutzen:
- Es gibt noch keine RPM- oder Debian-Pakete, die Sie über die Paketverwaltung einspielen könnten. Entpacken Sie darum das Archiv (thunderbird-3.0.tar.bz2 oder thunderbird-3.0rc2.tar.bz2) mit einem Programm wie Ark direkt in Ihrem Home-Verzeichnis. Dadurch entsteht ein neuer Ordner thunderbird in Ihrem persönlichen Verzeichnis.
Thunderbird bringt keinen Eintrag ins Startmenü mit. Damit Sie das Programm dennoch ohne großen Aufwand starten können, sorgen Sie dafür, dass die Programmdatei thunderbird automatisch gefunden wird. Dazu geben Sie in einem über [Alt]+[F2] und Eingabe von konsole geöffneten Terminalfenster die folgenden Befehle ein:
su
(oder für Ubuntu- und Knoppix-Anwender:
sudo su). Jetzt arbeiten Sie (nach Eingabe Ihres oder des Administratorpassworts) mit Root-Rechten. Der nächste Befehl lautetln -s /home/benutzer/thunderbird/thunderbird /usr/bin/
wobei Sie benutzer durch Ihren Benutzernamen ersetzen müssen. Das Wort thunderbird taucht im Pfad wirklich zweimal auf, einmal als Verzeichnissname und einmal als Name des Programms. Erhalten Sie bei diesem Kommando eine Fehlermeldung (Die Datei existiert bereits), ist schon eine ältere Thunderbird-Version installiert. Denken Sie sich dann einen anderen Namen aus (etwa:
tbird) und wiederholen Sie das Kommando in leicht veränderter Form:ln -s /home/benutzer/thunderbird/thunderbird /usr/bin/tbird
Das Konsolenfenster können Sie danach wieder schließen.
- Öffnen Sie mit [Alt]+[F2] ein Schnellstartfenster und geben Sie darin den Programmnamen thunderbird oder – wenn Sie einen neuen Namen vergeben mussten – tbird ein. Danach sollte das Programm starten.
Einen Account einrichten
Beim ersten Start müssen Sie einen Mail-Account einrichten, damit Sie das Mailprogramm nutzen können. Das funktioniert prinzipiell wie bei allen anderen Mailern, Thunderbird hilft Ihnen allerdings bei der Suche nach den Mail-Servern. So gehen Sie vor:
- Der Einrichtungsdialog für einen Mail-Account startet automatisch, wenn Sie Thunderbird 3 zum ersten Mal aufrufen. Tragen Sie im Dialog einfach einen Namen, Ihre Mail-Adresse sowie das für den Zugriff nötige Passwort ein und klicken Sie auf Weiter: Fertig.
Thunderbird gleicht die Mail-Adresse mit einer Datenbank ab und empfiehlt in vielen Fällen automatisch die richtigen Server für Posteingang und -ausgang, so etwa beim Einrichten einer GMX-Adresse (Abbildung 1). Das Programm weiß sogar, dass GMX keinen IMAP-Zugang anbietet, und schlägt darum direkt den POP3-Server vor. Wenn es geklappt hat, sehen Sie grüne Lämpchen vor den beiden Servern und können die Einrichtung mit einem Klick auf Konto erstellen abschließen. Lesen Sie dann in Schritt 4 weiter.
- Sind die Daten nicht bekannt, versucht das Programm es mit den generischen Namen imap.domain.de und smtp.domain.de für Mail-Adressen in der Domain domain.de. Wenn das nicht funktioniert, erscheinen ein bis zwei rote Lämpchen vor den Servernamen. Klicken Sie dann auf Benutzerdefinierte Einstellungen, um zu den komplexeren Kontoeinstellungen zu gelangen, die wie in früheren Thunderbird-Versionen und Seamonkey / Mozilla aufgebaut sind. Dort haben Sie in der linken Einstellungsübersicht unter Account-Name / Server-Einstellungen und Postausgangs-Server (SMTP) die Möglichkeit, die korrekten Serveradressen von Hand einzutragen.
- Weiter geht es mit der Systemintegration: Hier wählen Sie aus, für welche Aufgaben Thunderbird sich als Standardprogramm empfehlen soll. E-Mail ist vorausgewählt, bei Bedarf setzen Sie noch zusätzliche Häkchen vor Newsgruppen (die heute nur noch wenige Anwender verwenden) und Feeds: Dann nutzen Sie das Programm auch zum Lesen von RSS-Feeds.
Jetzt können Sie Thunderbird bereits benutzen, um Mails abzurufen oder neue zu schreiben. Wir stellen im Folgenden ein paar der neuen Programmfunktionen vor.



