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Klebrige Sache

World of Goo

16.09.2009
Nur drei Entwickler und eine Spielidee, die klebrige Bälle als Hauptinhalt hat: Kann man da ein gutes Spiel erwarten? Ja, und was für eins! World of Goo kommt mit hübscher Grafk, tollem Sound und viel Spielspaß.

Ein Spiel, das die Herzen von Hardcore- und Gelegenheitsspielern höher schlagen lässt, muss nicht Unmengen an menschlichen und monetären Ressourcen benötigen, das zeigt das kleine Team, das World of Goo [1] entwickelt hat. Kyle Gabler (Design, Story, Grafik und Musik), Ron Carmel (Programmierung, Produktion) und Allan Blomquist (Programmierung) standen in früheren Jahren beim Spielehersteller Electronic Arts unter Vertrag. Was die drei da auf die Beine gestellt haben, kann sich sehen und auch hören lassen. Die Augen verwöhnt eine Grafik im Comicstil auf mehreren Ebenen – so kommt mehr Dynamik ins Spiel (Abbildung 1). Der Sound, der den Spieler durch die verwegene Welt der Goos begleitet, passt perfekt zur kreativen Kulisse des Spiels. Fast schon filmreif ist die Musik. Irgendwie fühlt man sich wie in den skurrilen Filmen von Tim Burton, wie z. B. Corpse Bride.

Abbildung 1: Bilder sagen mehr als Worte: Die Spielegrafik im Comicstil von World of Goo.

Die sagenumwogenen Goos, also die klebrigen Hauptdarsteller von World of Goo, piepsen, quieken und gurgeln begeistert, sobald man mit ihnen ans Werk geht und sie zusammenklebt. Ziel des Spiels ist es nämlich, eine vorgegebene Anzahl von Goos in ein Rohr zu leiten, das sich meist erst durch Überwinden von Hindernissen erklimmen lässt. Und damit diese schleimigen Bälle dort ankommen, baut der Spieler aus ihnen etwa einen Turm, eine Brücke oder sonstige Gerüste (Abbildung 2). Der Clou dabei ist, die durch die Gesetze der Physik stark beeinflussten Gebilde statisch so geschickt zu bauen, dass diese einerseits die Goos zum Ziel führen und anderseits nicht umfallen oder abknicken. Viele Hindernisse müssen überwältigt werden: Mal sind es tiefe Abgründe, manchmal stachlige Wände, ein andermal sogar Feuer. Wackliger Untergrund, starker Wind oder sich bewegende Gegenstände lassen die gummiartigen Gerüste gefährlich wanken.

Abbildung 2: Oft geht es hoch hinaus, und so bleibt dem Spieler nichts anderes übrig, als einen Turm zu bauen.

Der Spieler als Baumeister kann dabei auf verschiedene Mitglieder der Goo-Familie zurückgreifen. Da gibt es den einfachen grauen Goo, der sich im Gerüst nur mit zwei Ankerpunkten verbinden kann und den Sie nur einmal ankleben können. Der grüne Goo hat drei Ankerstellen, und Sie können diesen jederzeit wieder aus dem Gerüst entfernen und an anderer Stelle neu einsetzen. Und wenn es mal zu verzwickt wird, helfen beispielsweise Luftballons, um das Goo-Gerüst in der Luft zu halten, geschützt vor den stacheligen Wänden (Abbildung 3). Wogegen die anderen Familienmitglieder wie die Totenkopf-Goos resistent sind, finden Sie bestimmt selbst bald heraus – so bleibt die Spannung erhalten.

Das Speichern eines Spielstands mitten im Level ist nicht möglich. Stattdessen haben sich die Entwickler aber etwas besonderes einfallen lassen: Manchmal gibt es herumschwirrende Insekten in der Goo-Welt. Diese Zeitkäfer müssen Sie mit der Maus über den Bildschirm jagen. Einmal gefangen, blitzt es auf, und Ihr letzter Konstruktionsschritt wird rückgängig gemacht. So können Sie einen gemachten Fehler auch mal schnell ausbügeln, ohne den Level von vorn beginnen zu müssen.

Abbildung 3: Die Luftballons helfen, das Goo-Gerüst in der Luft zu halten. Aber Vorsicht vor den Stacheln!

Eine Bedienungsschwäche hat das Spiel aber auch: Schwierig wird es vor allem dann, wenn sich viele Goos im Gerüst tummeln. Dann nämlich fällt es mitunter schwer, den richtigen herauszugreifen. Dabei kann es passieren, dass man unbeabsichtigt einen falschen Goo aus dem stabilen Geflecht herausreißt und so das Ganze zum Einsturz bringt.

Langweilig wird es nie in den insgesamt vier Kapiteln plus Epilog, und dabei steigt der Schwierigkeitsgrad nicht stupide an (Abbildung 4). Zuweilen unterbrechen einfache Missionen die Reise durch die Goo-Welt und machen somit Mut für die nächste Herausforderung. Außerdem leiten wunderschöne, aber nicht immer verständliche Zwischensequenzen von Kapitel zu Kapitel. Für Tipps auf seine ganz eigene Art und Weise sorgt der große Unbekannte, der Schildermaler: Verpackt in rätselhafte Umschreibungen weist er auf die Eigenarten eines Levels hin – übrigens immer in deutscher Sprache.

Abbildung 4: Langeweile Fehlanzeige: In höheren Leveln ändert sich nicht nur der Schwierigkeitsgrad, sondern auch das Ambiente.

Ist erstmal das Spiel durchgespielt, müssen Sie es nicht zwangsläufig weglegen. Jede Szene können Sie immer wieder angehen und Ihre Zeit verbessern oder mehr Goos zum Rohr geleiten. Das lohnt sich nämlich: Alle Bälle, die Sie über die Norm ins Ziel bringen, werden Ihnen gutgeschrieben, und Sie können diese in einem Zusatzlevel zum Turmbau verwenden. Diese Turmkonstruktion ähnelt einer Bestenliste, da Sie über eine Internetverbindung sehen können, welche Spieler wie hoch bauen können.

Goos auf dem System

Die klebrigen Bälle kommen gerne und ohne große Überredungskunst auf den Computer. Zum Test steht eine Demoversion auf der Webseite des Herstellers bereit. Die Installationstipps beziehen sich auf dieses Sofwarepaket. Auch die kostenpflichtige Vollversion bekommen Sie so auf Ihren Rechner.

  1. Rufen Sie im Webbrowser die Adresse http://www.worldofgoo.com auf und klicken Sie auf den Link get it here. Scrollen Sie auf der folgenden Seite etwas nach unten und wählen Sie den Link demo for linux aus. Jetzt laden Sie für Ubuntu das DEB-Paket und sowohl für OpenSuse als auch für Mandriva das RPM-Paket herunter.
  2. Öffnen Sie Dolphin. Navigieren Sie in das Download-Verzeichnis, in dem sich das Installationspaket von World of Goo befindet.
  3. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Paketdatei und wählen Sie aus dem Kontextmenü den Eintrag Öffnen mit Installieren von Software (OpenSuse) oder Öffnen mit Software Installation (Mandriva). Unter Kubuntu wählen Sie aus dem Kontextmenü Öffnen mit / KPackageKit. Folgen Sie dann den Anweisungen auf dem Bildschirm.

Konfiguration

Die größte Schwachstelle von World of Goo verbirgt sich in der fehlenden grafischen Konfigurationsmöglichkeit. Weder im Spiel noch in einem separaten Programm können Sie die Auflösung, Sound und Musik oder die Eingabegeräte an die Möglichkeiten des Computers und Monitors anpassen. Dennoch kann der Nutzer Hand anlegen – das aber nur über die Manipulation einer Konfigurationsdatei. Diese liegt im Verzeichnis /opt/WorldOfGoo/properties und heißt config.txt. Am Besten legen Sie in Ihrem Home-Verzeichnis den Ordner .WorldOfGoo an und kopieren die Datei hier hinein. Jetzt können Sie die Konfigurationsdatei ändern, ohne die globalen Spieleinstellungen z. B. für andere Systemnutzer zu gefährden.

Um beispielsweise die Auflösung an Ihren Monitor oder Ihr Display anzupassen (was nicht zwingend notwendig ist), öffnen Sie die Datei config.txt mit dem Editor KWrite oder Kate. Suchen Sie nach der Zeile mit den Inhalten screen_width und screen_height. Diese besitzen momentan noch die Werte 800 und 600, was bedeutet, dass das Spiel mit einer Auflösung von 800 x 600 Pixeln startet. Ändern Sie die Zahlen auf die gewünschten Werte. Andere Veränderungen zu Grafik, Sound, Netzwerk oder Eingabegeräten sollten Sie nur vornehmen, wenn es Probleme damit gibt. Grundsätzlich ist es ratsam, eine funktionierende 3D-Beschleunigung eingerichtet zu haben. Weiterhin sollte der 3D-Desktop abgeschaltet sein.

Im Spiel selber gibt es die Möglichkeit, über die Tastenkombination [Alt]+[Eingabe] in den Fenstermodus zu wechseln. [Alt]+[M] schaltet den Sound auf lautlos. Mit [Alt]+[F4] beenden Sie das Programm sofort, alle Fortschritte in einem Level gehen dabei aber verloren. Besser kehren Sie immer mit einem beherzten [Esc] aus dem Spiel in die Wirklichkeit zurück. Alles andere regeln Sie mit der Maus, was Ihnen auf Anhieb gelingen wird, da die Steuerung leicht ist.

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