Windows 7 im Linux-Netz
Wie die neue Windows-Version sich mit Linux verträgt
Netzwerk: RDP
Hängen ein Windows-7- und ein Linux-PC im selben Netz, können Sie die Windows-Maschine vom Linux-PC aus fernsteuern; dazu benötigen Sie unter Linux nur das Programm rdesktop, das im gleichnamigen RPM- oder Debian-Paket steckt.
Standardmäßig ist die Fernsteuerung aus Sicherheitsgründen abgeschaltet, Sie können sie aber mit wenigen Mausklicks aktivieren. Direkt danach ist ein einfacher Wechsel zwischen Remote- und lokaler Bedienung möglich.
Suchen Sie in der Systemsteuerung nach remote und klicken Sie dann auf Remotezugriff auf den Computer zulassen – im sich öffnenden Fenster wählen Sie unter Remotedesktop die Option Verbindungen von Computern zulassen, auf denen eine beliebige Version von Remotedesktop ausgeführt wird (weniger Sicherheit) (Abbildung 3).
Jetzt können Sie auf dem Linux-Rechner die Remote-Verbindung aufbauen: In einer Konsole geben Sie das Kommando
rdesktop -g 1400x950 192.168.178.35
ein, wobei 1400x950 ein Fenster in der Größe 1400 x 950 Pixel erzeugen wird und das letzte Argument die IP-Adresse des Windows-7-Rechners ist, im Beispiel eben 192.168.178.35. Es erscheint nun ein neues Fenster in der gewünschten Größe, das den Anmeldedialog von Windows 7 zeigt. Hier loggen Sie sich mit Ihren Windows-Zugangsdaten ein, und Windows überträgt die aktuell laufende Sitzung vom Windows-Rechner in dieses RDP-Fenster hinein, alle dort gestarteten Anwendungen finden Sie also anschließend auf dem Linux-Desktop wieder (Abbildung 4). Auf der Windows-Maschine selbst erscheint anstelle des jetzt verschobenen Desktops das Anmeldefenster. Melden Sie sich dort erneut an, unterbricht Windows die RDP-Session, und Sie können direkt am Windows-Rechner weiter arbeiten.
Nicht möglich ist ein echter Mehr-Benutzer-Betrieb über RDP: Versucht ein zweiter Benutzer (mit anderem Benutzernamen), sich via RDP anzumelden – was nur möglich ist, wenn Sie diesen Account unter Windows 7 in die Liste der gültigen Remotedesktop-Benutzer eingetragen haben –, dann erscheint der Hinweis, dass bereits ein anderer Benutzer angemeldet ist. Sie haben dann die Möglichkeit, dessen Session zu unterbrechen. Die Sitzungsdaten des "alten" Benutzers gehen dabei allerdings nicht verloren; nach dem Abmelden des zweiten Benutzers kann der erste sich wieder anmelden und weiter arbeiten.
Unix-Tools – Cygwin
Die Installation der Cygwin-Tools funktioniert genau wie unter älteren Windows-Versionen – wer also auch unter Windows 7 in den Genuss der von Linux bekannten Tools kommen möchte, startet den Installer der Cygwin-Tools von der Herstellerseite [3] und lädt damit eine Bash-Shell, das X Window System und die zahlreichen verfügbaren Anwendungen herunter (Abbildung 5).
Wollen Sie das X Window System nachinstallieren, um beispielsweise über eine Netzwerkverbindung grafische Linux-Anwendungen auf den Windows-7-Desktop zu holen, kreuzen Sie in der Cygwin Paketauswahl das Paket xinit an – es zieht in Form von Abhängigkeiten diverse weitere X-Pakete nach sich. Sie starten X nach Abschluss der Installation aus der Bash heraus durch Eingabe von startxwin.sh oder startxwin.bat. Im Normalbetrieb klappte das allerdings in unseren Tests nicht – während nach Klick auf das Cygwin-Icon oder Auswahl des Menüpunkts Alle Programme / Cygwin / Cygwin Bash Shell zwar ein Bash-Fenster erschien, scheiterte der Versuch, X zu starten. Abhilfe schaffte hier, in den Kompatibilitätsmodus umzuschalten – das gelingt z. B. über einen Rechtsklick auf das Cygwin-Icon, Auswahl von Eigenschaften im Kontextmenü und anschließendes Aktivieren des Kompatibilitätsmodus auf dem Karteireiter Kompatibilität, die Voreinstellung Windows XP (Service Pack 3) passte.
Insgesamt zeigten sich die Cygwin-Programme aber fehlerhafter als beim Betrieb unter Vista oder älteren Windows-Versionen und verweigerten gelegentlich den Start weiterer Anwendungen. Cygwin 1.7 ist derzeit noch im Betatest, und die aktuelle Beta (vom 20.08.2009) zeigte unter Windows 7 dasselbe Fehlverhalten.



