Wieder mal ist die Welt zu retten!

Sacred Gold

Echte Linux-Spiele gibt es nur wenige. PC-Games müssen Linux-Anwender oft mit Emulatoren wie Crossover oder Cedega unter Linux spielen. Sacred bildet hier eine Ausnahme: Das Action-Rollenspiel von Ascaron [1] hat Linux Game Publishing [4] auf Linux portiert, aber leider nur in englischer Sprache. Anwendern, die wenig oder gar kein Englisch sprechen, fällt es schwer, sich durch die Missionsziele zu kämpfen. Die Menüs sind jedoch zu bewältigen, und ein kleines Handbuch hilft bei den ersten Schritten. Eine Anleitung im Internet [5] beschreibt einen (komplizierten) Weg, um aus der Windows-Version die deutschen Sprachdateien zu übernehmen.

Für die langen Reisen liegt dem Spiel eine farbenfrohe Karte bei. Die offiziellen Vertriebspartner sind laut Linux Game Publishing [4] in Deutschland ixsoft [2] und Linux-Onlineshop [3], die für die Schweiz aufgeführten Händler boten das Spiel zum Testzeitpunkt nicht in ihren Shops an, und für Österreich ist gar kein Händler aufgeführt. Das Spiel kostet je nach Händler 30 Euro oder mehr.

Sacred ist spannend, bunt und aufregend – vor allem aufregend: Der Spieler hat oft kaum Zeit, die bunten Grafikwelten zu genießen. Wer nicht rechtzeitig Schwert, Streitkolben oder Zauberstab schwingt, kommt hier nicht weit.

Kleiner Einstieg

Sacred unterscheidet sich in einigen Dingen von klassischen Rollenspielen. Die Charakterwahl, die der Spieler zu Beginn ausüben muss, weicht von den üblichen Rollenspielen ab. Zur Auswahl stehen Zwerg, Dämon, Gladiator, Serafin, Waldelf, Dunkelelf, Kampfmagier und Vampir. Es gilt gut zu überlegen, welchen Charakter man wählt. Jeder Typ hat seine Vor- und Nachteile. Besonders kampfstark ist der Gladiator. Einen Vampir zu spielen, hat auch seinen Reiz: Blutdurst inklusive Heldenmut. Die Auswahl eines Charakters lässt sich nicht mehr rückgängig machen.

Wie bei Rollenspielen üblich, beginnen Sie mit einem relativ schwachen Charakter. Mit jeder gelösten Aufgabe und jedem besiegten Monster erhalten Sie Erfahrungspunkte. Ab einer bestimmten Punktzahl steigt der Charakter auf und kann zugleich seine Eigenschaftswerte verbessern. Im Laufe des Spiels finden Sie auch bessere Waffen und Rüstungen. Dazu gibt es Gold oder auch Gegenstände, die Sie verkaufen können. In Shops erhalten Sie dann Waffen, Rüstungen, Tränke und andere nützliche Dinge.

Die Geschichte des Spiels enthält etwa 30 Missionen. Daneben gibt es 200 weitere Missionen ("Sub-Quests"), die Sie optional lösen können. Fast drei Viertel der Spielwelt können Sie nach Lust und Laune erforschen. Der restliche Teil ist im Zuge der Haupt-Quests begehbar. Wälder, Berglandschaften, Wüsten, gefährliche Moore, idyllische Orte und viele verschlungene Höhlen gilt es zu erforschen. Und überall warten Diebe, untote Gestalten und ganz verschiedene Monster.

Wer Konsolenspiele kennt, wird sich über die Möglichkeit freuen, verschiedene Aktionen zu "Combos" zu verbinden. So wird ein Angriff deutlich effizienter. Auch das Benutzen von Bögen und anderen Fernwaffen beim Reiten ist möglich. Magiebegabte Charaktere können im Sattel wirksame Kampfzauber auf den Feind niederprasseln lassen. Ein gelegentlicher Besuch beim Schmied ist auch zu empfehlen. Der Handwerker versieht Waffen und Rüstungen mit nützlichem Zubehör und verbessert diese damit.

Das Spiel installieren

Dank eines mitgelieferten Installationsskripts ist das Spiel schnell auf den Rechner aufgespielt. Ein aktueller Linux-Rechner mit mindestens 1 GHz Taktfrequenz und 256 MByte Arbeitsspeicher genügt bereits. Sacred läuft nur, wenn die Grafikkarte 3D-tauglich ist und der 3D-Treiber korrekt eingerichtet wurde. Das Spiel verschlingt 3,7 GByte Plattenplatz. Eine eingerichtete Soundkarte mit ALSA- oder OSS-Treiber ist nötig, um die akustischen Effekte zu genießen.

Erfüllt Ihr Rechner die genannten Voraussetzungen, steht dem Spielspaß nichts im Weg. Legen Sie die DVD in Ihren Rechner ein, erkennt die KDE-Geräteüberwachung den eingelegten Datenträger. Binden Sie ihn mit einem Mausklick ein, öffnen Sie eine Textkonsole und wechseln Sie mit dem Befehl cd in das Verzeichnis, das den DVD-Inhalt enthält, z. B. /media/Sacred_Linux. Dann starten Sie das Installationsskript:

user@pc:~$ cd /media/Sacred_Linux
user@pc:/media/Sacred_Linux$ ./setup.sh

Es genügt auch ein Klick auf setup.sh aus dem Dateimanager heraus, um die Skriptdatei zu starten. Im Update- und Uninstall-Tool geben Sie den Verzeichnispfad ein. Beide Tools legen nur eine kleine Datei ab. Standardmäßig landet das Spiel in Ihrem Home-Verzeichnis, Sie können dies ohne Bedenken bestätigen. Im nächsten Fenster akzeptieren Sie den Lizenztext. Für die eigentliche Installation gibt es einen weiteren Dialog (Abbildung 1), der etwas farbenfroher gehalten ist. Sie können den Verzeichnispfad, in dem das Spiel landet, anpassen. Wer mag, wirft einen Blick in die Readme-Datei. Ein Klick auf Installation beginnen bringt das Spiel auf die Platte. Über den Fortschrittsbalken verfolgen Sie den Kopiervorgang. Ist die Installation abgeschlossen, klicken Sie auf Quit.

Abbildung 1

Abbildung 1: Im Installationsdialog können Sie die Vorgaben übernehmen.

Um den Programmstart zu erleichtern, können Sie eine symbolische Verknüpfung auf dem Desktop ablegen. Ziehen Sie dazu einfach aus dem KDE-Dateimanager heraus das Startskript sacred im gleichnamigen Unterordner Ihres Home-Verzeichnisses auf einen freien Bereich des Desktops. Nach einem Neustart der grafischen Oberfläche finden Sie auch einen Eintrag im KDE-Menü (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Der Installer legt auch Einträge in den Startmenüs von KDE und Gnome an.

Mit [Alt]+[Eingabe] können Sie im laufenden Spiel auf den Vollbildmodus und zurück schalten. Wer Sacred aus einem Terminalfenster herausstartet, kann die Option -w angeben, um gleich im Vollbildmodus zu landen. Sagt Ihnen das Spiel nicht zu oder haben Sie es durchgespielt, können Sie es mit dem Tool lgp_uninstall deinstallieren.

Registrierung und Einstellungen

Beim ersten Start fordert das Spiel Sie auf, den Registrierungs-Key einzugeben. Sie finden diesen auf der Rückseite des Spielehandbuches. Anschließend legen Sie ein Passwort festm, mit dem Sie die Einstellungen vor ungewolltem Zugriff schützen. Tragen Sie auch Ihre Mailadresse ein: Wenn Sie das Passwort vergessen, erhalten Sie den Zugangscode in einer Mail an die angegebene Adresse. Mit Do not set können Sie auch auf die Angabe der Mailadresse verzichten.

Nun erscheint der LGP Security Manager. Hier können Sie Ihre Angaben überprüfen und korrigieren. Mit Start Game starten Sie Sacred. Bei späteren Starts erscheint direkt der Launcher (Abbildung 3), dort können Sie die Startoptionen des Spiels beeinflussen. Mit einer Option aktivieren Sie die Vollbilddarstellung, Antialiasing (Kantenglättung, verbesserte Grafikdarstellung) oder die Wiedergabe von Videos.

Abbildung 3

Abbildung 3: Im Launcher stellen Sie den Vollbildmodus und die verbesserte Grafikdarstellung (Antialiasing) ein.

Auf geht's

Im Startmenü (Abbildung 4) wählen Sie Ascaria Campaign. Ihren aktuellen Spielstand können Sie später mit Load Game weiter verwenden. Die Underworld Campaign sollten Sie erst spielen, wenn Ihr Charakter Level 25 oder höher erreicht hat, andernfalls sind die Gegner zu stark.

Abbildung 4

Abbildung 4: Das Startmenü bringt Sie ins Spiel, in die Zusatzkampagnen, das Netzwerkspiel und das Einstellungsmenü.

Nun geht es an die Charakterwahl. Welchen Heldentyp möchten Sie spielen? Führen Sie die Maus über einen Charakter, erscheint eine Erklärung. Orientieren können Sie sich auch am Handbuch, das dem Spiel beiliegt. Geben Sie im Eingabefeld einen passenden Namen für Ihre Figur ein. Das Aussehen lässt sich nur durch Wahl einer Farbe verändern. Der Gladiator trägt zu Beginn eine Rüstung in Bronze oder Silber, auf das Spiel hat diese Wahl keinen Einfluss. Lehnen Sie sich zurück und genießen Sie die farbenfrohe Einführung in das Spiel. Ein Tutorial erklärt Ihnen anschließend die Bedienung des Spiels.

Ein wichtiges Spielelement sind die Kämpfe. Ein Kreis um den Kämpfer zeigt die Gesundheit an. Sehen Sie nur noch einen Viertelkreis, sollten Sie schnell einen Heiltrank zu sich nehmen. Auch der Gegner hat eine Kreismarkierung: Per Mausklick darauf starten Sie einen Angriff. Einzelne Klicks reichen oft nicht aus, Sie müssen Ihre Keule schon ein paar Mal schwingen, bis Sie den lästigen Störenfried los sind.

Ein kleines Menü am unteren Rand zeigt wichtige Informationen. Von hier aus erreichen Sie auch das Charaktermenü und können Ihre Rüstung oder Ihre Waffe wechseln.

Über [Esc] und Save Game halten Sie den aktuellen Spielstand fest. Speichern Sie regelmäßig. Wenn Sie später an stärkeren Gegnern scheitern, können Sie es mit dem alten Spielstand noch einmal versuchen. Über [Esc] regeln Sie auch die Grafikoptionen, nehmen andere Spieleinstellungen vor oder verlassen das Spiel.

Der Multiplayermodus ist nur im eigenen LAN nutzbar, weil Ascaron im Februar 2009 den Sacred-Server abgeschaltet hat. Die Firma begründete diesen Schritt mit den geringen Anzahl der Spieler: Anfang 2009 waren nur ein halbes Dutzend Spieler auf dem Spieleserver vertreten. Allerdings betreibt die Portierfirma einen Multi-Player-Server für verschiedene Spiele, der auch Sacred unterstützt [6]; zum Testzeitpunkt war auf diesem allerdings nichts los: Keine laufenden Spiele, niemand auf der Suche nach Spielpartnern. Auch im Solomodus bringt Sacred aber viel Spaß.

Anleitung: Erste Schritte in Anacaria

Sie befinden sich zuerst in einer unterirdischen Halle. Schauen Sie sich ein wenig um und sprechen Sie mit jeder Person. Führen Sie die Maus auf eine der computergenerierten Figuren, blendet das Programm eine Sprechblase ein. Per Klick auf die Person erfahren Sie in einem Fenster, was er oder sie Ihnen zu erzählen hat. Das sollten Sie immer tun: So erhalten Sie wichtige Hinweise und Tipps sowie Aufgaben.

Abbildung 5

Abbildung 5: Frage- und Ausrufezeichen zeigen: Sie müssen jemanden ansprechen. Hier startet die Geschichte. Schauen Sie sich zuvor ein wenig um und leeren Sie die zwei Truhen.

Gleich zu Beginn sehen Sie zwei Truhen. Öffnen Sie diese mit Mausklicks, fällt der Inhalt auf den Boden. Mit einem weiteren Klick landet er in Ihrem Inventar. In Truhen finden Sie Rüstungen, Waffen, Heiltränke und Gold.

Ein Ausrufezeichen über dem Kopf einer Figur zeigt an, dass Sie mit dieser etwas Wichtiges besprechen können. Hier erhalten Sie Informationen zum Haupt-Quest. So müssen Sie zunächst mit Julius sprechen und in der Gladiatorarena zwei Kämpfe bestreiten. Danach sprechen Sie erneut mit Julius.

Sie haben den wertvollsten Kämpfer in der Arena getötet. Das nimmt Ihnen Julius übel. Gerade noch umgänglicher Gesprächspartner, wird Julius nun zu einem Gegner, und auch seine Söldner stürmen auf Sie ein. Verteidigen Sie sich und besiegen Sie die Übermacht. Danach teilt Ihnen jemand mit, dass Sie in der Kaserne erwartet werden. Bis zur Kaserne haben Sie einen Mitstreiter. Verlassen Sie die Gladiatorenarena, schauen Sie sich ein wenig um und reden Sie mit all den Menschen um Sie herum.

Gehen Sie zur Kaserne. Reden Sie hier mit dem Kommandanten. Danach begeben Sie sich zur Brücke Vallum. Hier erhalten Sie die Aufgabe, einen Späher zu retten. Haben Sie den Späher Wilbur befreit, geht es weiter im Spiel.

Mit Wilbur besuchen Sie Prinz Valor im Ort Urkenburgh. Achten Sie darauf, dass die Wache in der Nähe des Prinzen ihren Posten verlässt. Der Prinz beauftragt Sie, zu DeMordrey nach Krähenfels zu gehen. Mit dem Kompass, der zu Ihrer Ausrüstung gehört, finden Sie den Ort schnell. DeMordrey sendet Sie weiter zum Eisbachpass. Hier unterhalten Sie sich mit dem Hauptmann. Danach werden Sie angegriffen, und Ihr Begleiter Wilbur wird getötet. Das gehört zur Handlung des Spiels und ist leider unvermeidlich. Damit endet das erste Kapitel der Haupthandlung.

Fazit

Im April 2007 musste Ascaron Entertainment Insolvenz anmelden. Ob es weitere Spiele von diesem Hersteller geben wird und die bereits vorhandenen (etwa Sacred 2, Darkstar One oder Tortuga) als Linux-Fassungen erscheinen, ist noch unklar. Dass Sacred unter Linux auf deutsche Sprachdateien verzichtet, ist ärgerlich: Gerade die Missionsbeschreibungen sind für Anwender ohne Englischkenntnisse unverständlich. Das Spiel zu bedienen, ist jedoch kein Problem; man findet sich schnell zurecht.

Die Abenteuerwelt Ancaria ist grafisch sehr gelungen, Sound-Kulisse und grafische Effekte bei Zaubersprüchen sind absolut top. Das Spiel ist spannend. Wer mag, kann auch ein Multiplayer-Spiel via Netzwerk oder Internet spielen und mit anderen zusammen gegen die Monsterhorden kämpfen – nur leider nicht mehr über einen offiziellen Server zum Spiel.

Abbildung 6

Abbildung 6: Eine Karte zeigt die Spielwelt. Später finden Sie hier wichtige Orte. Sie können auch eigene Markierungen setzen.

Abbildung 7

Abbildung 7: Die Spielwelt ist sehr farbenfroh gestaltet. Die grauen Burgen und kleinen Verkaufsstände vermitteln ein mittelalterliches Flair.

Abbildung 8

Abbildung 8: Waffen, Rüstungen, Heiltränke und vieles mehr legen Sie im Inventar ab. Hier rüsten Sie den Helden aus, sehen seinen Level und seine Eigenschaftswerte.

Infos

[1] Ascaron Entertainment: http://www.ascaron.com/d/games/

[2] ixsoft: http://www.ixsoft.de/

[3] Linux-Onlineshop: http://www.linux-onlineshop.de/

[4] Linux Game-Publisihing: http://www.linuxgamepublishing.com

[5] Deutsche Sprachdateien übernehmen: http://www.holarse-linuxgaming.de/wiki/Sacred

[6] Penguin Play: http://www.penguinplay.com/

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