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Viel Spaß mit Linux

Spiele für das freie Betriebssystem

21.09.2009 Spielen unter Linux – ein Trauerspiel? Das kommt auf die Perspektive an. Die Gruppe der "Power-Gamer", die den heimischen PC fast ausschließlich als Spielekonsole nutzen, werden mit Linux nicht glücklich, das ist richtig. Für alle anderen hat Linux auch beim Spaßfaktor einiges zu bieten.

Die neusten Spiele, welche die Hersteller auch in Zeitschriften und im Internet bewerben, gibt es für diverse Spielekonsolen, wie Playstation, Wii oder Xbox. Daneben findet sich häufig auch eine PC-Version, die für den Einsatz unter Windows gedacht ist (Abbildung 1). Linux-Anwender (und auch Benutzer des an Popularität gewinnenden Mac OS X) bleiben hier meist außen vor, weil die großen Spielehersteller diese alternativen Märkte als zu unbedeutend empfinden, um den Aufwand einer Portierung zu betreiben. Dass es Linux in allerlei Distributionen mit verschiedenen Paketformaten und abweichenden Bibliotheksausstattungen gibt, verbessert die Lage auch nicht unbedingt.

Abbildung 1

Abbildung 1: "PC-DVD"? Die richtige Bezeichnung sollte wohl "Windows-DVD" sein, denn auf einem PC mit Linux läuft dieses Spiel nicht.

Wer die neusten Spiele auf dem Markt sofort (auf einem PC) verwenden will, kommt darum an einer Windows-Installation nicht vorbei. Die meisten Fertig-PCs bringen das Microsoft-System eh mit, und eine Parallelinstallation von Windows und Linux ist völlig unproblematisch, können doch heute die Installationsroutinen aller großen Linux-Distributionen mühelos eine bestehende Windows-Partition verlustfrei kleiner machen und einen Bootmanager einrichten, der beim Rechnerstart die Wahl zwischen den beiden Betriebssystemen lässt. Für das gelegentliche Spiel hin und her zu booten, ist zwar umständlich, aber machbar.

Wer seinen Linux-PC nicht herunterfahren mag, um Windows zu booten, hat immer noch diverse Möglichkeiten:

  • Portierungen: Einige kleinere Software-Schmieden haben sich darauf spezialisiert, erfolgreiche (Windows-)Computerspiele auf die Linux-Plattform zu portieren. In einigen Fällen entsteht so echter ("nativer") Linux-Code, in anderen Fällen nutzen die Entwickler die Bibliotheken des Windows-Emulator-Projekts Wine [1], um eine Mischung auf Linux- und Windows-Code zu erzeugen. Wichtig ist nur das Endergebnis: Das Spiel läuft unter Linux. Einige portierte Spiele haben wir in den letzten EasyLinux-Ausgaben für Sie getestet, darunter Ankh [2], Jack Keane [3] und in dieser Ausgabe Sacred Gold (ab Seite 96). Auch unsere Schwesterzeitschrift LinuxUser [4] stellt gelegentlich Spiele vor.
  • Windows-Spiele im Emulator: Über Emulation schreiben wir in EasyLinux häufig, meist geht es dabei aber darum, klassische Anwendungen (und nicht Spiele) für Windows unter Linux zum Laufen zu bringen. Die Zusammenfassung: Es gibt zwei Wege, die Emulation eines kompletten Rechners, auf dem dann ein vollständiges Windows installiert wird (VMware Workstation, Parallels, VirtualBox), und die Emulation der Windows-Ausführungsumgebung (Wine). Für Spiele ohne exzessive Anforderungen an die 3D-Performance taugt die PC-Emulation (auch Virtualisierung genannt) prima, während Spiele, welche die neuste DirectX-Bibliothek von Microsoft benötigen, auf diese Weise nicht laufen werden. Wine ist ein tolles Stück Technologie und zudem freie Software, aber was hilft's: Die Kompatibilitätsliste ist schon allgemein recht überschaubar und im Spieleumfeld sehr kurz. Mit Cedega und CrossOver Games stehen aber zwei kommerzielle aufgebohrte Wine-Versionen zur Verfügung, die ungleich mehr Windows-Spielen unter Linux Leben einhauchen. Beide Emulatoren haben wir zuletzt in Ausgabe 02/2009 vorgestellt [5], ein Update zur neuen CrossOver-Version 8 gibt's in dieser Ausgabe ab Seite 102.
  • Freie Spiele: Auch im Open-Source-Bereich tun sich viele Projekte durch interessante Spielideen und gute technische Umsetzungen hervor. Vom Flugsimulator [6] über Autorennen [7] (Abbildung 2), Strategie- und Aufbauspiele (z. B. [8]) bis zu First-Person-Shootern [9] ist hier alles dabei – kleinere Spiele für zwischendurch (wie verschiedene Brett- und Logikspiele) gibt es auch massenhaft. Mit aktuellen Profispielen für 50 Euro, die hochkomplexe Spielewelten und eine kaum überschaubare Anzahl an Non-Playing-Characters erschaffen, können die freien Spiele allerdings meist nicht mithalten, so dass sie für den Profi-Gamer keine Alternative darstellen; insbesondere dann nicht, wenn er oder sie in Spielerligen organisiert ist.
Abbildung 2

Abbildung 2: Autorennen unter Linux? Kein Problem, das gibt es sogar gratis.

Realistisch bleiben

EasyLinux hat schon immer den Ansatz vertreten, sich aus allen Welten das Beste zu ziehen. Darum sollte es Sie nicht verwirren, wenn wir in diesem Artikel schreiben: Ja, Windows ist eine klasse Spieleplattform. Kommt ein Windows-Spiel ohne Netzwerkzugriffe aus, sollten Sie für die Spiele-Sessions den Internetzugang unterbinden. Geht es nicht ohne Netz, sind topaktuelle Virenscanner und eine Firewall Pflicht. Bei Spielen aus offiziellen Quellen sollten sich die mit dem Windows-Einsatz verbundenen Sicherheitsrisiken unter Kontrolle halten lassen.

Übersichten von Linux-Spielen finden Sie im Internet z. B. bei Pro-Linux [10] und Holarse Linux-Gaming [11], darüber hinaus sind die Kompatibilitätsseiten von den Emulatoranbietern Cedega [12] und CrossOver [13] interessant.

Marktmacht demonstrieren

Nichts desto trotz: Wenn Sie ein begehrtes Spiel als Linux-Version entdecken, dann entscheiden Sie sich beim Kauf doch für diese Variante und unterstützen Sie damit die Linux-begeisterten Entwickler, die als Angestellte der Spielehersteller nur zu gerne an Linux-Ports arbeiten würden, es aber bisher nicht können. Nur ein steigender Marktanteil – nicht an Linux-Maschinen allgemein, sondern an verkauften Linux-Spielen – kann langfristig die Situation verbessern. Generell ist es möglich, Hersteller zu überzeugen; betrachten Sie als Beispiel den Adobe Reader (ehemals Acrobat Reader) für PDF-Dateien: Den gab es lange Zeit nur in veralteten Versionen für Linux, heute erscheinen neue Releases zeitgleich für Windows und Linux.

Eine Veränderung wird es hier nicht von heute auf morgen geben, aber sie kann kommen. Bis dahin gehen Sie pragmatisch einen der beschriebenen Wege, auch wenn es bedeutet, ab und zu Windows zu booten.

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Kommentare
Spielen ist doch kein Trauerspiel
GoaSkin , Dienstag, 22. September 2009 03:28:25
Ein/Ausklappen

Warum als Spieler unter Linux nicht glücklich werden? Es gibt mehrere Hersteller, die sich mit Spieleportierungen befassen. Zu dem gibt es den Emulator WINE und dessen Ableger Cedega und Crossover Games, die es auch erlauben, Windows Spiele unter Linux zu nutzen. Da Spiele vergleichsweise wenig Schnittstellen zum Betriebssystem nutzen und i.d.R. keine System-Widgets nutzen, ist die Wahrscheinlichkeit, daß das Spiel im Emulator einwandfrei läuft deutlich höher, als bei Anwendungssoftware. Im Fazit gibt es viele Lösungen die dafür sorgen, daß sich sehr viele Spiele unter Linux so nutzen lassen, daß für jeden genug dabei ist - letztendlich dank WINE.

Die Emulation ist dabei meist die bessere Lösung als die Portierung. Um ein Spiel zu portieren, macht sich eine Portierungsfirma viel Arbeit, um ein Spiel das für Windows entwickelt wurde auf anderen Plattformen verfügbar zu machen. Dabei wird nichts anderes getan, als Wrapper-Funktionen zu entwickeln, die es ermöglichen, den Windows-Code auszuführen. Diese Lösung ist nicht immer unbedingt optimaler, als die Emulation. So läuft z.B. die Windows-Version von "Reise nach Nordland" mit WINE schneller und stabiler als die Linux-Portierung. Gute Emulatoren machen eben Portierungen überflüssig. Zum Vergleich: Die meisten kommerziellen Anwendungen, die es für Windows und Mac OS X gibt sind keine Portierungen, sondern werden unabhängig entwickelt.

Als Apple noch auf die PPC-Architektur setzte, gab es allerdings die Möglichkeit noch nicht, mit WINE-basierten Lösungen Windows-Spiele verfügbar zu machen. Die meisten Spiele-Portierungen laufen deutlich langsamer als die Windows-Versionen und benötigen zu dem mehr Arbeitsspeicher. Da wurde eben auf X86 ausgelegter Quellcode so umgemodelt, daß man ihn mit ach und Krach durch den Compiler jagen kann, um ein PPC-Binary zu erzeugen. So beispielsweise das Spiel Sim City 4. Von diesem Spiel habe ich mir den Assembler-Code der Mac-Version einmal näher angeschaut - eigentlich um neue Ansätze zum Modding zu finden (was man mit der Windows-Version nicht machen kann, weil der Binärcode verschlüsselt ist). Und da fallen schon einem Laien Punkte auf, die erklären warum die Portierung so langsam ist. So habe ich beispielsweise gesehen, daß 32Bit-Integer in 16Bit-Integer zerlegt werden und mit massig Assembler-Instruktionen der 32Bit-Datentyp simuliert wird, als ob der PPC keine 32Bit-Integer kennt.

Auch die Spielehersteller erkennen immer mehr, daß eine Portierung überflüssig ist, wenn die Emulation die bessere Lösung ist. So stellt EA z.B. seinen Code keinen Portierungsfirmen mehr zur Verfügung, sondern bettet die Emulationslösung CIDER von Cedega in seine Spiele ein.


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