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Sechs auf einen Streich

Ubuntu 9.04 Sixpack installieren

24.09.2009 Mehr drin, mehr dran: Von einem einzigen Ubuntu-System aus starten Sie weitere Ableger der beliebten Distribution. Unsere Spezialmischung bringt verschiedene Ubuntu-Varianten unter einen Hut und lädt zum Ausprobieren anderer Geschmacksrichtungen ein.

Die zweite Heft-DVD dieser Ausgabe enthält eine Auswahl der beliebtesten Ubuntu-Ableger und -Erweiterungen, und das alles auf einem einzigen Medium. Ob Sie die DVD als Live-System booten oder von dem Datenträger Ubuntu 9.04 (Jaunty Jackalope) installieren, spielt keine Rolle. Nach dem Start unserer Sixpack-Ausgabe bietet die mitgelieferte VirtualBox-Installation fertig eingerichtete virtuelle Ubuntu-Maschinen. So kommen Sie per Mausklick in den schnellen Genuss von Kubuntu (der KDE-Variante der Distribution), Xubuntu (mit Xfce-Desktop) und Easy Peasy (einer Spezialversion für Netbooks). Außerdem dabei: ein bootbares ISO-Image von Ubuntu Studio (Multimedia Suite) und Pakete für Edubuntu, eine Sammlung von Lernprogrammen und Spielen für jede Altersstufe.

Um unsere Spezialmischung zu kosten, sollten Sie über einen PC mit mindestens 384 MByte Arbeitsspeicher verfügen. Ob Ihre Grafikkarte, die WLAN-Hardware und andere Geräte unterstützt werden, schauen Sie am besten vor der Installation in der Ubuntu-Hardwaredatenbank [1] nach. Alternativ starten Sie die Heft-DVD zunächst als Live-System und probieren so in aller Ruhe aus, ob Ihre Hardware kompatibel ist. Die Daten auf der Festplatte und damit auch andere Betriebssysteme verändert das System in diesem Modus nicht. In der Live-Variante finden Sie auf dem Desktophintergrund ein Verzeichnis namens Examples. Dieses stellt einige Testdateien zur Verfügung, mit denen Sie sich einen Eindruck von den mitgelieferten Multimedia- und Büroanwendungen verschaffen können.

Stoßen Sie beim Test auf Probleme, bietet die Ubuntu-Community im Netz jede Menge Hilfestellung. Die Release Notes [2] stehen leider nur in Englisch zur Verfügung; dafür bietet die Seite Ubuntuusers.de [3] ein Forum und ein Wiki mit vielen ausführlichen Anleitungen. EasyLinux hat darüber hinaus eine Ubuntu-Mailingliste [4] eingerichtet, auf der sich Einsteiger, fortgeschrittene Anwender und Redakteure austauschen.

Es ist angerichtet

Legen Sie die Heft-DVD ins Laufwerk und booten Sie den Rechner neu. Damit Ihr Rechner von dieser startet, stellen Sie ihn so ein, dass er das DVD-Laufwerk vor der Festplatte auf bootfähige Medien prüft (siehe Kasten Bootreihenfolge). Hat alles geklappt, sehen Sie nach kurzer Zeit das Bootmenü (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Beim Start der Installations-DVD stehen Ihnen zahlreiche Optionen zur Verfügung. Machen Sie sich mit dem System vertraut, bevor Sie es auf die Festplatte spielen.

Mit den Pfeiltasten navigieren Sie durch die Menüeinträge. Ändern Sie zunächst die Menüsprache über [F2] und Auswahl von Deutsch. Über den ersten Eintrag Ubuntu ausprobieren (Rechner bleibt unverändert) können Sie das Live-System zu booten. Mit CD/DVD auf Fehler prüfen überprüfen Sie die eingelegte DVD und mit Arbeitsspeicher testen den eingebauten Arbeitsspeicher. Um das auf der Festplatte installierte Betriebssystem zu starten, wählen Sie hingegen Von der ersten Festplatte starten aus, und die Option Ubuntu installieren spielt Ubuntu ein.

Bootreihenfolge

Nach dem Einschalten entscheidet das BIOS Ihres Rechners, von welchem Laufwerk das Betriebssystem startet, also gebootet wird. Zur Auswahl stehen neben der eingebauten Festplatte und dem DVD-Laufwerk beispielsweise auch USB-Speichersticks oder das Netzwerk.

Startet der Rechner nicht von der DVD, achten Sie beim Systemstart auf einen Hinweis, wie Sie die Bootreihenfolge ändern. Dieser ist in der Regel englischsprachig, suchen Sie also nach Sätzen wie "Press X for boot manager", wobei statt "X" eine Taste (oft ist das [F8]) steht.

Nicht jedes BIOS verfügt über einen Bootmanager. In diesem Fall legen Sie die Reihenfolge in der BIOS-Konfiguration fest. Dazu rufen Sie das BIOS-Menü auf, indem Sie nach dem Einschalten des Rechners beispielsweise [F2] oder [Entf] drücken. Auch hier hängt die richtige Taste vom jeweils eingesetzten BIOS-System ab; sie wird beim Hochfahren angezeigt und steht im Handbuch des eingebauten Mainboards.

Im BIOS-Menü suchen Sie nach einem Punkt, der mit Boot beschriftet ist. Auch hierzu beschreibt das Mainboard-Handbuch die Details; stellen Sie die entsprechende Option so ein, dass das DVD-Laufwerk Priorität vor der Festplatte genießt.

Live ist lecker

Mit der Live-Variante testen Sie Ubuntu und den mitgelieferten Gnome-Desktop. Auch wenn hier noch einige Dialoge auf Englisch statt auf Deutsch erscheinen, erhalten Sie einen guten ersten Eindruck von der Distribution.

Außer dem oben erwähnten Verzeichnis Examples sehen Sie auf dem Desktophintergrund zwei weitere Symbole: Über Installieren starten Sie ein grafisches Installationsprogramm, und hinter dem Icon Sun VirtualBox befindet sich unser Picknickkorb mit drei leckeren Ubuntu-Varianten zum Probieren.

Virtuelle Realität

Starten Sie das Virtualisierungs-Programm VirtualBox über das Desktop-Icon. Das Hauptfenster (Abbildung 2) bietet in der linken Leiste drei fertig eingerichtete Ubuntu-Varianten an: Easy Peasy 1.1, Kubuntu 9.04 und Xubuntu 9.04.

Abbildung 2

Abbildung 2: Die Heft-DVD enthält eine fertig eingerichtete VirtualBox-Installation mit drei Ubuntu-Ablegern zum Testen.

Easy Peasy [5] ist ein Ubuntu-Derivat für Netbooks und hieß früher Ubuntu Eee. Das System benötigt weniger Speicher als eine Standard-Ubuntu-Installation und bietet darüber hinaus eine angepasste Arbeitsoberfläche für kleine Displays (Abbildung 3). Außerdem bringt Easy Peasy viele Treiber für typische Netbook-Komponenten (WLAN-Module, Soundchips und Webcams) mit, die Anwender wegen von unfreier Lizenzen bei vielen Distributionen von Hand nachinstallieren müssen.

Abbildung 3

Abbildung 3: Die grafische Oberfläche von Easy Peasy eignet sich bestens für kleine Netbook-Bildschirme.

Kubuntu [6] ist die KDE-Variante der beliebten Distribution und setzt auf das K Desktop Environment anstelle des Gnome-Desktops. Ob Sie Kubuntu oder Ubuntu verwenden, ist Geschmackssache – für Kubuntu gibt es ebenfalls kommerziellen Support durch Canonical. Beide Systeme schließen sich nicht gegenseitig aus; wenn Sie bereits Ubuntu installiert haben, spielen Sie zusätzlich das Paket kubuntu-desktop ein, um in den Genuss der KDE-Oberfläche zu kommen.

Auf den ressourcensparende Alternativ-Desktop Xfce setzt Xubuntu [7] und eignet sich damit für den Einsatz auf älterer Hardware oder Computern mit wenig Arbeitsspeicher. Die Integration von Gnome- und KDE-Programmen funktioniert in der Regel reibungslos; Xfce bringt darüber hinaus eigene Applikationen mit, wie zum Beispiel den Dateimanager Thunar, den schlanken Texteditor Mousepad und den minimalistischen Mediaplayer Xfmedia.

Reich gedeckte Tafel

Die Live-Variante der Distribution und die drei virtuellen Maschinen (Easy Peasy, Kubuntu und Xubuntu) bieten Ihnen also die Möglichkeit, vier verschiedene Ubuntu-Geschmacksrichtungen zu testen – ohne bereits installierte Betriebssysteme antasten zu müssen.

Weiterhin finden Sie auf der Heft-DVD ein ISO-Image von Ubuntu Studio. Audioproduktion, Bildbearbeitung, Videoschnitt – Ubuntu Studio verwandelt den Rechner in eine Multimediazentrale. Das mitgelieferte ISO-Image (ubuntustudio-9.04-alternate-i386.iso im Verzeichnis /virtualbox/iso/) brennen Sie auf eine DVD und starten mit eingelegtem Medium den Rechner neu. Achten Sie darauf, im Brennprogramm die richtige Option für das Brennen von ISO-Abbildern zu wählen; es reicht nicht aus, die ISO-Datei zu kopieren. Leider gibt es für diese Ubuntu-Variante keine Live-Version zum Testen, so dass Sie eine vollständige Installation zum Probieren durchführen müssen. Ein Test ohne Neupartitionierung ist trotzdem möglich, wenn Sie in VirtualBox (oder einem anderen PC-Emulator) eine virtuelle Maschine konfigurieren und darin Ubuntu Studio installieren.

Die Heft-DVD enthält des Weiteren Edubuntu, die Ubuntu-Variante für das Klassenzimmer. Edubuntu versammelt Lernprogramme und Spiele für große und kleine Kinder und steht als Add-on-DVD zur Verfügung. Alternativ spielen Sie aus einer bestehenden Ubuntu-Installation heraus das Paket edubuntu-desktop über den Paketmanager ein, um in den Genuss der schlauen Programme zu kommen.

Essen fassen!

Haben Sie sich für die Installation von Ubuntu entschieden, genügt ein Klick auf das Symbol Installieren auf dem Desktop der Live-Variante. (Falls Sie bereits den Vorgänger Ubuntu 8.10 auf dem Rechner installiert haben, führen Sie besser ein Distributions-Upgrade durch und bewahren so alle wichtigen Einstellungen des Systems [8].) Es startet ein Assistent, der einige Daten von Ihnen erfragt, bevor er Ubuntu auf die Festplatte bringt.

Geben Sie zuerst die Sprache an, in der der Desktop standardmäßig erscheinen soll. Im nächsten Dialog teilen Sie Ubuntu die Zeitzone mit, in der sich Ihr Rechner befindet. Klicken Sie entweder auf der Landkarte in Ihre Region oder wählen Sie in den Auswahllisten darunter Region und Stadt aus.

Es folgt der Dialog zur Tastaturbelegung. Das System schlägt bereits das zur gewählten Sprache passende Layout vor und geht von einer gewöhnlichen PC-Tastatur aus. Bei Bedarf stehen Varianten wie Tastaturen der Firma Macintosh oder Tastaturbelegungen ohne so genannte "Dead Keys" zur Verfügung; bei Auswahl einer Belegung ohne Dead Keys können Sie Buchstaben nicht mehr mit Akzenten oder anderen ergänzenden Sonderzeichen versehen, erreichen dafür aber verschiedene Akzentzeichen mit einem einzelnen Tastendruck.

Im nächsten Schritt wählen Sie die Festplattenpartition aus, in der Ubuntu landen soll (Abbildung 4). Eine Partition ist ein Abschnitt in der Festplatte, wobei immer mindestens eine Partition existiert. Ist die Platte noch leer, schlägt Ubuntu vor, den gesamten Platz zu verwenden (Use entire disk). Findet es bereits installierte Betriebssysteme vor, belässt die Option Install them side by side, choosing between them each startup diese wo sie sind und verkleinert lediglich deren Größe. Alternativ haben Sie mit Specify partitions manually die Möglichkeit, Partitionen nach eigenem Ermessen zu verkleinern, zu löschen und anzulegen. Tipp: Wenn Sie eine eigene Partition für Ihr Home-Verzeichnis erstellen, können Sie persönliche Daten und Einstellungen bei einer Neuinstallation übernehmen.

Abbildung 4

Abbildung 4: Bei der Partitionierung legen Sie fest, in welchem Festplattenbereich Ubuntu landet und wie groß der Anteil für das Linux-System ausfällt.

Willkommene Gäste

Nach der Partitionierung durchsucht der Migrationsassistent die Festplatte nach weiteren Betriebssystemen. Das Programm bietet dann an, Einstellungen und Dateien aus vorhandenen Windows- und Linux-Systemen auszulesen. Falls mehrere Benutzerkonten existieren, markieren Sie zuerst diejenigen, deren Daten Sie übernehmen möchten. Dann wählen Sie die zu importierenden Informationen: Lesezeichen aus Firefox und dem Internet Explorer importiert der Assistent ebenso wie das Hintergrundbild und die Dateien aus Eigene Dateien eines Windows-Systems. Beachten Sie, dass dies nur funktioniert, wenn das bereits vorhandene System neben Ubuntu auf der Festplatte geblieben ist!

Zum Schluss erfragt die Installationsroutine Ihren Namen. Als Benutzernamen, mit dem Sie sich am System anmelden, schlägt es den Vornamen vor. Ändern Sie diese Einstellungen nach Bedarf und geben Sie darunter zwei Mal das gewünschte Passwort ein. Um es potenziellen Angreifern schwer zu machen, sollte es mindestens acht Zeichen und sowohl Zahlen als auch Buchstaben enthalten. Den Rechnernamen, der im lokalen Netz erscheint, schlägt das System ebenfalls in Abhängigkeit vom Benutzernamen vor. Abschließend aktivieren Sie die Option Automatisch anmelden, wenn Sie möchten, dass der Benutzer nach dem Hochfahren ohne Passwortabfrage automatisch eingeloggt wird. (Achtung: Das ist eventuell ein Sicherheitsrisiko.)

Bevor die Installation beginnt, präsentiert das Installationsprogramm eine Zusammenfassung Ihrer Angaben (Abbildung 5). Lesen Sie diese sorgfältig durch; wenn Sie die Informationen bestätigen, geht es los. Während Ubuntu eingerichtet wird, können Sie das Live-System weiter problemlos benutzen; der Fortschrittsbalken zeigt Ihnen, wie lange Sie sich noch gedulden müssen.

Abbildung 5

Abbildung 5: Prüfen Sie vor der Installation sorgfältig die Zusammenfassung, die Ihnen der Installer anzeigt.

Nachtisch

Ist die Installation abgeschlossen, steht der erste Start der neu installierten Ubuntu an. Nehmen Sie nach dem Herunterfahren des Live-Systems die Heft-DVD aus dem Laufwerk, und betätigen Sie die Eingabetaste. Der Rechner fährt das brandneue Ubuntu hoch, und Sie finden sich im Anmeldefenster wieder, wo Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort eingeben (es sei denn, Sie haben die Automatische Anmeldung aktiviert, dann gelangen Sie direkt auf den Desktop).

Ubuntu ist nach dem ersten Login direkt einsatzfähig. Es gibt jedoch noch einige Nacharbeiten, die den Desktop abrunden. Zunächst empfiehlt sich die vollständige Installation der Sprachpakete – die auf der DVD enthaltenen Dateien decken nicht alle Anwendungen ab. Wenn Sie im Menü System / Systemverwaltung den Punkt Sprachunterstützung aufrufen, informiert das System Sie darüber, ob zusätzliche Dateien zur Verfügung stehen, und das Programm bietet an, diese vom Ubuntu-Server herunterzuladen und zu installieren.

Darüber hinaus gibt es online viele Programmpakete, die bereits in einer aktuelleren Version vorliegen. Es empfiehlt sich deshalb, über System / Systemverwaltung / Aktualisierungsverwaltung den Update-Manager zu öffnen. Damit suchen und installieren Sie Neuerungen, die zur Stabilität und Sicherheit des Systems beitragen. Planen Sie hier den Download von bis zu einigen 100 MByte ein.

Abschließend bleibt noch, viel Spaß beim Testen der Sixpack-DVD zu wünschen. Die Tafel ist reich gedeckt – guten Appetit!

Infos

[1] Ubuntu-Hardwaredatenbank: http://wiki.ubuntuusers.de/Hardwaredatenbank

[2] Release Notes für Jaunty Jackalope (englisch): http://www.ubuntu.com/getubuntu/releasenotes/904

[3] Wiki und Forum Ubuntuusers (deutsch): http://ubuntuusers.de/

[4] EasyLinux-Mailingliste zu Ubuntu: http://www.easylinux.de/Kontakt/Mailinglisten/listinfo/ubuntu

[5] Easy Peasy, Ubuntu für Netbooks: http://www.geteasypeasy.com/

[6] Kubuntu: http://www.kubuntu.org/

[7] Xubuntu: http://www.xubuntu.com/

[8] Upgrade von 8.10 auf 9.04: http://wiki.ubuntuusers.de/Upgrade_auf_Jaunty

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