Zeiten des Umbruchs

Viele Veränderungen bei Ubuntu 9.10 sind das Resultat langer Planung. Es handelt sich dabei häufig um eher infrastrukturelle Anpassungen. Darunter fällt zum Beispiel, dass Ubuntu 9.10 die Version 2 des Bootloaders Grub benutzt, welche die Programmierer komplett neu geschrieben haben. Allerdings fehlen Grub 2 noch ein paar Funktionen – zum Beispiel die Möglichkeit, den Boot-Prompt per Passwort abzusichern. Wer sein System von Ubuntu 9.04 auf die neue Version aktualisiert, bleibt vorerst verschont; ein Auto-Update von Grub 1.x auf Version 2 ist laut Ubuntu-Projekt nicht vorgesehen.

Ebenso verschwindet der Hardware Abstraction Layer HAL, der bisher dafür verantwortlich war, den Zugriff auf externe Laufwerke sowie die Steuerung von Notebook-Hotkeys, Power-Management-Funktionen und einigen anderen Subsystemen zu koordinieren. Ubuntu 9.10 nutzt stattdessen das als Nachfolger schon feststehende DeviceKit-Framework, eine Neuentwicklung, die auch in anderen Distributionen bald HAL ersetzen wird.

Setzte Ubuntu bisher noch auf das Ext3-Dateisystem, wird Karmic als Standarddateisystem den Nachfolger Ext4 verwenden; Ext4 ist vor allem auf bessere Performance getrimmt und seit einigen Monaten im Linux-Kernel schon als "stabil" markiert. Auch hier gibt es kein automatisches Update; wer also sein altes System auf den Karmischen Koala aktualisiert, muss seine Ext3-Partitionen manuell in Ext4 umwandeln, falls er die Features von Ext4 nutzen möchte – das ist jedoch ohne Neuformatierung möglich.

Eine weitere Änderung betrifft direkt alle KDE-Nutzer: Konqueror hat als Standard-Webbrowser auf KDE-Desktops ausgedient, sein Nachfolger heißt Arora (Abbildung 2). Die Entwickler begründen diesen Schritt mit der Tatsache, dass Arora anders als der Konqueror eine bessere Webkit-Implementierung verwendet. Faktisch verdrängt Arora also mit dem Konqueror zugleich die eigene Referenzbibliothek. Die Kubuntu-Entwickler schließen nicht aus, dass Konqueror in einer späteren Version wieder zum Standard-Browser werden könnte, wenn die KDE-Entwickler bis dahin eine konkurrenzfähige Webkit-Implementierung vorlegen. Tatsächlich gibt im KDE-Projekt Bestrebungen in diese Richtung, brauchbare Resultate hat es bisher aber noch nicht gegeben.

Abbildung 2: Kubuntu 9.10 kommt mit einem neuen Default-Browser namens Arora. Er sieht Konqueror ähnlich, verwendet aber WebKit.

Fazit

Neben den beschriebenen Veränderungen findet auch die übliche Versionspflege statt: Karmic Koala geht mit Linux 2.6.31 sowie KDE 4.3 und Firefox 3.5 an den Start. OpenOffice 3.1 (Abbildung 3) gehört ebenso zum Umfang wie X.org 1.6.3. Wer lieber Gnome verwendet, findet die aktuelle Version 2.27.4 des alternativen Desktops an Bord.

Abbildung 3: Versionspflege nach Maß: Firefox 3.5 und OpenOffice 3.1 gehören zum Lieferumfang.

Kubuntu 9.10 alias "Karmic Koala" ist mit vielen Veränderungen unter der Haube und der typischen Versionspflege ein robuster Nachfolger von Jaunty Jackalope. KDE-Anwender ärgern sich allerdings nach wie vor darüber, dass sie mit dem langweiligen KDE-Standard-Theme abgespeist werden, während es für Gnome-Benutzer ein liebevoll entwickeltes Ubuntu-Theme gibt.

Glossar

Webkit

HTML-Rendering-Bibliothek von Apple, die in Safari für die Darstellung von Webseiten zuständig ist und maßgeblich auf KDEs KHTML, der Rendering-Engine des Konquerors, basiert.

Infos

[1] Ubuntu: http://www.ubuntu.com/

[2] Ubuntu One: http://www.ubuntuone.com/

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