Kernige Geschichte

Ubuntu 9.10 kommt mit einem aktuellen Kernel; zu Redaktionsschluss war das Linux 2.6.31 nebst den üblichen, distributionseigenen Patches. Der Kernel bringt für alle Nutzer von Intel-On-board-Grafikchipsätzen eine wichtige Neuerung: Der Intel-Treiber im Kernel verwendet in Zukunft das so genannte Kernel-based Mode Setting. Vereinfacht ausgedrückt übernimmt dabei der Grafikkartentreiber im Kernel viele Aufgaben, die bisher der X-Window-Treiber hatte. Dadurch hat der Kernel zum Beispiel die Möglichkeit, bereits beim Systemstart echte Grafikausgaben durchzuführen, statt dafür auf einen Framebuffer zu setzen. Passend zum neuen Kernel-Treiber ändert sich für die genannten Chipsätze – diese finden sich beispielsweise in fast allen Intel-Notebooks, die keine eigene Grafikkarte besitzen – auch der X-Window-Treiber: Statt des veralteten "EXA"-Treibers kommt der "UXA"-Treiber zum Einsatz, der große Performance-Gewinne verspricht. Im Test machte sich das vor allem beim Suspend und dem anschließenden Resume bemerkbar; auf einem aktuellen Acer-Notebook wachte Karmic fast zehn Sekunden schneller aus dem Schlaf auf als Jaunty Jackalope – im Anschluss stürzte dann aber der Kernel ab. Dies kann jedoch auf die frühe Alphaversion zurückzuführen sein (siehe Kasten Bugs der Alphaversion).

Bugs der Alphaversion

Der Entwicklungszyklus von Kubuntu 9.10 endet offiziell erst mit der für Ende Oktober geplanten Veröffentlichung der endgültigen Version. So konnten wir im Test lediglich die vorletzte Alphaversion genauer unter die Lupe nehmen. Alphaversionen geben Interessierten vorab einen Blick auf die neue Version und dienen Entwicklern als Basis für weitere Tests. Sie sind deswegen oft sehr instabil und fehlerbehaftet, so dass produktives Arbeiten mit dem System nicht sinnvoll möglich ist.

Im Test sind wir über einige Fehler dieser Art gestolpert, die allerdings alle im Fehlerverfolgungssystem von Ubuntu bereits vermerkt waren, so dass die Entwickler sie vermutlich vor der fertigen Release noch beheben werden. Die Stabilität der Alpha-Release lässt also keine Rückschlüsse auf das Verhalten der fertigen Version zu. Ähnliches gilt für das Update von älteren Versionen: Im Test kam es beim Update zu keinen größeren Schwierigkeiten; eine verlässliche Aussage darüber, ob ein Update von Version 9.04 auf 9.10 problemlos ist, ist darum noch nicht möglich.

Eine weitere Änderung ergibt sich auf Kernel-Ebene: Wo bisher das Paket linux-restricted-modules einen riesigen Wust verschiedenster Module und Treiber für den aktuellen Kernel enthalten hat, hält mit Karmic Koala endgültig das Modulverwaltungssystem DKMS Einzug in Ubuntu. DKMS erlaubt es, auf Computern, die ein spezielles Modul benötigen, dieses und nur dieses eine Modul zu kompilieren. Für Sie als Benutzer heißt das, dass Sie künftig tatsächlich nur noch die Module installieren, die Sie brauchen.

Was fürs Auge

Auch optisch hat sich in Karmic Koala einiges getan. Da ist zunächst der Installer zu erwähnen, der Ihnen Kubuntu von der Live-CD direkt auf die Platte bringt (Abbildung 1); diesen hat das Ubuntu-Team zusammen mit Entwicklern des KDE-Projekts grundlegend neu gestaltet. Nach dem Remake fügt er sich nun in die Plasma-Standardoberfläche ein und vermittelt nicht mehr den Eindruck, ein Fremdkörper zu sein.

Abbildung 1: Frisch poliert präsentiert sich der Kubuntu-Installer, den Sie aus dem laufenden Live-System heraus aufrufen.

Weniger erfreulich sieht es bei den Themes für KDE 4 aus: Zwar enthält Kubuntu 9.10 das neue KDE 4.3, auf zu Ubuntu passende Themes werden Benutzer aber noch warten müssen. Während bei Ubuntu, der Gnome-Version der Distribution, ein durchgestyler Gnome-Desktop in typischen Ubuntu-Farben auffällt, wirkt das KDE-Standard-Theme eher langweilig. Auf Anfrage teilten die Kubuntu-Entwickler mit, dass für Kubuntu 9.10 eigentlich ein optisches Remake geplant war – dieses mussten sie allerdings aus Zeitmangel aus dem Release-Plan streichen. Wer in Kubuntu ein peppiges KDE 4.3 haben will, muss also selbst Hand anlegen.

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