Knoppix und Ubuntu

Tipps und Tricks zu Knoppix und Ubuntu

24.09.2009
Ubuntu und Knoppix basieren auf Debian – wir verraten Tricks und Kniffe, welche die Arbeit auf diesen Distributionen angenehmer machen.

Tipp: Knoppix: Einige Extras nachrüsten

Wenn Sie unter der aktuellen Knoppix-Version 6.1 in ein Terminal oder einen mit [Alt]+[F2] geöffneten Schnellstarter den Befehl sudo knoppix-install-extras eingeben, startet ein kleines Skript, das anbietet, verschiedene unter einer nicht-freien Lizenz stehenden Programme nachzurüsten. Das Skript prüft dabei, welche Komponenten auf dem System vorhanden sind, und schlägt nur fehlende Programme vor. Dazu gehören in der Voreinstellung Amarok, Audacity, der Flash Player, Kaffeine, MPlayer und verschiedene unfreie Fonts (Abbildung 1). Voraussetzung ist eine funktionierende und ausreichend schnelle Internetverbindung – je nach ausgewählten Komponenten dauert das Herunterladen der Software und der davon abhängigen Pakete ein bisschen.

Nach dem Anklicken eines oder mehrerer Pakete bestätigen Sie Ihre Wahl über Installieren. Ein Terminalfenster öffnet sich, in dem Sie den Fortschritt verfolgen können: Erst lädt der Paketverwalter die Liste der verfügbaren Pakete herunter, dann die Software selbst, und danach installiert er die ausgesuchten Komponenten. Je nach Paket bittet das Konfigurationstool, das im Hintergrund seine Arbeit verrichtet, um Ihre Mithilfe. In der Regel können Sie dann mit der Eingabetaste die angebotene Voreinstellung übernehmen. Ein Dialog informiert Sie abschließend darüber, dass alles korrekt installiert und eingerichtet wurde.

Abbildung 1: Auf Wunsch installiert das Skript Pakete nach, die wegen Lizenzproblemen nicht Teil der offiziellen Knoppix-Distribution sind.

Tipp: Knoppix: Standardterminal für LXDE auswählen

Wenn Sie im unteren Panel auf das Terminal-Icon klicken, startet in der Voreinstellung LXTerminal, die LXDE-Konsolenanwendung. Welches Terminal hier bei Mausklick den Dienst aufnimmt, regelt der symbolische Link /etc/alternatives/x-terminal-emulator.

Knoppix als Debian-Ableger verwendet auch das Alternativen-System von Debian. Die Idee dahinter ist die folgende: Für die meisten Einsatzbereiche stehen gleich mehrere Anwendungen zur Verfügung. So buhlen zahlreiche Windowmanager, Texteditoren, Browser oder Konsolenprogramme um die Gunst der Benutzer. Um dem Anwender die Wahl zu erleichtern, bestimmen Debian-basierte Systeme wie auch Knoppix und Ubuntu über so genannte Alternativen für eine solche Programmgruppe eine Standardanwendung, die startet, wenn der Benutzer nichts anderes angibt.

Wie erwähnt sind die Dateien in /etc/alternatives/ symbolische Links auf die jeweils zu startenden Standardprogramme. Um einen solchen Link zu verändern und die Prioritäten innerhalb einer Gruppe von Alternativen zu verändern, passen Sie die Verlinkungen aber nicht von Hand an, denn für diese Aufgabe gibt es das Konfigurationswerkzeug update-alternatives. Sie bedienen es auf der Konsole. Geben Sie den Befehl mit dem Aufrufparameter --display in ein Terminalfenster ein, zeigt das Tool den Status, die Priorität und weitere Alternativen an (erster Befehlsaufruf in Listing 1).

Listing 1

"update-alternatives"

sudo update-alternatives --display x-terminal-emulator
 Link verweist zur Zeit auf /usr/bin/lxterminal
…
sudo update-alternatives --config x-terminal-emulator
Es gibt 4 Alternativen, die »x-terminal-emulator« bereitstellen.
  Auswahl      Alternative
———————————————–
          1    /usr/bin/urxvtcd
          2    /usr/bin/urxvt
*+        3    /usr/bin/lxterminal
          4    /usr/bin/gnome-terminal.wrapper
Drücken Sie die Eingabetaste, um die Vorgabe[*] beizubehalten,
oder geben Sie die Auswahlnummer ein:

Ersetzen Sie die Option --display durch --config, können Sie einen neuen Standard für die Gruppe definieren (zweiter Befehlsaufruf in Listing 1). Um nun beispielsweise das Gnome-Terminal auszuwählen, geben Sie die Zahl 4 ein und drücken die Eingabetaste. Künftig startet beim Klick auf das Terminal-Icon im Panel die Gnome-Konsole.

Tipp: Ubuntu: Aufräumen mit dem Hausmeister

Veraltete und von Hand installierte Pakete (also solche, die nicht in den offiziellen Paketquellen enthalten sind), nicht mehr benötigte Konfigurationsdateien (die nach einem Distributionsupgrade übriggeblieben sind) und Pakete, die nur aufgrund von Abhängigkeiten zu anderen Programmen installiert waren, entfernt der Rechner-Hausmeister (englisch: "Computer Janitor") per Mausklick. Sie starten den aufräumwilligen Helfer über System / Systemverwaltung / Rechner-Hausmeister und weisen sich über Ihr eigenes Kennwort als berechtigt aus.

Das Tool präsentiert eine Liste von überflüssigen Dingen – dazu gehören wie erwähnt auch Pakete, die Sie nicht über die Paketquellen installiert haben. Wenn Sie also z. B. eine Anwendung wie Skype als Debian-Paket von der Homepage des Anbieters heruntergeladen und auf der Shell mit dpkg oder GDebi eingespielt haben, taucht diese ebenfalls in der Liste auf. Hier gilt es, genau hinzuschauen und zu prüfen, was wirklich von der Platte geputzt werden soll. Nach einem Klick auf den jeweiligen Listeneintrag blendet der Hausmeister im unteren Bereich ausführlichere Informationen ein und verrät in der Regel, warum er eine Komponente wegfegen möchte (Abbildung 2). Wenn Sie diese behalten möchten, entfernen Sie das Häkchen. Abschließend klicken Sie auf Aufräumen und beantworten die Sicherheitsabfrage mit Klick auf Ja.

Abbildung 2: Alles schön paletti – der Rechner-Hausmeister räumt auf.

Tipp: Ubuntu: Weiter aufräumen mit Synaptic

Es kann vorkommen, dass der Hausmeister mit dem ihm zugewiesenen Job überfordert ist und dpkg-Fehler meldet. In der Regel hilft der Paketverwalter Synaptic aus der Patsche. Starten Sie das Programm über System / Systemverwaltung / Synaptic-Paketverwaltung und geben Sie auf Aufforderung Ihr eigenes Kennwort ein. Dann wechseln Sie in der linken Ansicht zum Punkt Installiert (veraltet oder lokal). Rechts erscheinen die entsprechenden Pakete – Sie sollten hier auch den Kandidaten sehen, der dem Hausmeister Schwierigkeiten bereitet hat.

Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf ein Paket und wählen Sie aus dem Kontextmenü den Punkt Zum Entfernen vormerken. Gibt es Pakete, die vom Löschkandidaten abhängen, öffnet Synaptic ein Dialogfenster mit Paketen, die im Zuge der Deinstallation ebenfalls von der Platte wandern sollen. Sie haben dann die Möglichkeit, die Aktion abzubrechen oder die vorgeschlagenen Pakete ebenfalls zum Löschen vorzumerken.

Tipp: Ubuntu: Synaptic als Geschichtsschreiber

Synaptic bietet über das Menü Datei / Chronik eine nach Datum und Uhrzeit sortierte Auflistung der installierten, aktualisierten und entfernten Pakete. Klappen Sie einfach die jeweiligen Monate auf, um zu einem bestimmten Tag zu springen und rechts die in diesem Zeitraum erledigten Aktionen anzuzeigen.

Praktischerweise bietet die Chronikansicht auch eine Suchfunktion, mit der Sie gezielt nach Paketnamen fahnden. Die Treffer hebt Synaptic im rechten Bereich farblich hervor (Abbildung 3).

Abbildung 3: Synaptic entfernt aufgrund von Abhängigkeiten automatisch installierte Pakete nicht selbstständig. Die Chronik gibt aber Aufschluss, was wann auf dem System geschah.

Tipp: Ubuntu: Informative Logfiles

Wenn Sie außer mit Synaptic ab und zu mit apt-get auf der Kommandozeile arbeiten, einzelne Pakete mit dpkg oder GDebi installieren oder sogar zu aptitude greifen, finden Sie in der Synaptic-Chronik keine Informationen dazu. Angaben dazu gibt es aber in den systemweiten Logfiles unter /var/log/. So fahnden Sie auf der Shell nach weiteren Informationen, die APT und dpkg (und damit auch alle Synaptic-Aktionen und GDebi) betreffen:

  1. Öffnen Sie ein Terminalfenster, zum Beispiel über [Alt]+[F2] und Eingabe von gnome-terminal oder konsole.
  2. Geben Sie am Prompt den Befehl sudo less /var/log/apt/term.log ein und nennen Sie auf Anfrage Ihr Kennwort. Beachten Sie, dass keine Sternchen als visuelles Feedback erscheinen, Sie das Passwort also "blind" eingeben.
  3. Mit [Pfeil runter] und [Pfeil hoch] blättern Sie zeilenweise, mit [Bild runter] und [Bild hoch] seitenweise. [Umschalt]+[G] bringt Sie direkt ans Ende der Datei, [G] an den Anfang. Über [Umschalt]+[7] (also "/") suchen Sie vorwärts nach einem Begriff und mit [Umschalt]+[ß] (also "?") rückwärts. Ein Druck auf [Q] beendet den Dateibetrachter less.

Wenn Sie in der Datei term.log nicht fündig werden, schauen Sie im Verzeichnis /var/log/apt/ nach, ob dort ältere Dateien der Art term.log.1.gz, term.log.2.gz und so weiter sind. Auch diese können Sie auf die gleiche Art betrachten. Ersetzen Sie im Shell-Befehl einfach less durch zless; die Bedienung ist gleich.

Benutzer, die auf Aptitude setzen, werden in diesen Logfiles nicht fündig. Sie werfen stattdessen einen Blick nach /var/log/aptitude beziehungsweise /var/log/aptitude.1.gz, /var/log/aptitude.2.gz und so weiter. Auch hier gilt: Die mit gzip komprimierten Protokolldateien (Endung .gz) betrachten Sie mit zless statt less.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Related content

Kommentare