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Immer in Bewegung

BitTorrent-Client Transmission

14.09.2009
Wie ein reißender Strom rauschen die Daten durchs Netz. Mit einem BitTorrent-Client wie Transmission stürzen Sie sich in die Fluten und laden ressourcenschonend neue Programme oder Distributionen herunter.

Viele Open-Source-Projekte, darunter auch die von EasyLinux unterstützten Distributionen Ubuntu und OpenSuse, bieten neue Programmversionen längst nicht mehr nur als HTTP- oder FTP-Download an. BitTorrent [1] ist das Stichwort, wenn es um ressourcenschonendes Herunterladen aus dem Internet geht. Anstatt einen oder mehrere Server zu belagern und vielleicht mit einem zu großen Ansturm in die Knie zu zwingen, helfen die Downloader dank des BitTorrent-Protokolls bei der Datenverteilung mit.

Es ist ein ständiges Geben und Nehmen: Teilstücke einer Datei, die ein Anwender bereits vollständig heruntergeladen hat, gibt er an andere Downloader weiter. Diese so genannte Peer-to-Peer-Technik entlastet die großen Server, da die Arbeit gleichmäßig auf die Nutzer verteilt wird. BitTorrent bezeichnet sowohl das Netzwerkprotokoll selbst als auch einen der Clients. Der Name setzt sich zusammen aus "Bit" (der kleinsten Dateneinheit) und dem englischen Wort "torrent", was so viel heißt wie "reißender Strom", "Sturzflut" oder "Sturzbach". Weitere BitTorrent-Vokabeln erklärt der Kasten BitTorrent-Glossar.

Um im BitTorrent-Datenstrom mitzuschwimmen, benötigen Sie einen BitTorrent-Client. Unter Linux stehen Ihnen zahlreiche grafische Programme und Konsolenanwendungen zur Verfügung. Dieser Workshop stellt das Programm Transmission [2] vor und zeigt, wie mitreißend der Download im Torrent-Netzwerk sein kann.

BitTorrent-Glossar

Tracker, Chunks, Leecher und Seeder – BitTorrent-Nutzer verwenden ihre eigene Sprache. Was sich hinter den Begriffen verbirgt, verrät dieses kleine Glossar. Für weitergehende Informationen lohnt sich ein Blick auf die deutsche BitTorrent-FAQ [3].

  • Tracker: Es handelt sich um spezielle Server, welche die Torrents, die Dateien sowie die Clients und die Verbindungen verwalten. Tracker dienen zur Kommunikation zwischen den Seedern (diejenigen, die Datei schon vollständig haben) und Leechern (Teilnehmern, welche die Datei suchen). Der BitTorrent-Client meldet sich regelmäßig mit Informationen über den eigenen Zustand und erhält im Gegenzug vom Tracker eine Liste von Teilnehmern, welche die Datei komplett oder in Teilen haben beziehungsweise daran interessiert sind. Ein Tracker ist nicht direkt in den Datentransfer eingebunden, da er keine Kopie der Datei enthält. Die Tracker stehen nicht miteinander in Verbindung. So gibt es kein gemeinsames Netzwerk, sondern jeweils ein eigenes für jeden Torrent.
  • Chunk: Ein Teilstück der Datei (9 MByte); hat ein BitTorrent-Client ein solches Stück fertig heruntergeladen und anhand der Prüfsumme verifiziert, meldet er sich beim Tracker mit dieser Information zurück. Das Teilstück steht nun anderen Downloadern zur Verfügung. In welcher Reihenfolge die Chunks auf die eigene Platte wandern, spielt übrigens keine Rolle.
  • Prüfsumme: Auch Checksum genannt, eine Art Fingerabdruck, der mit einem bestimmten Algorithmus errechnet wird und dabei hilft, Dateien eindeutig zu identifizieren. Dank der Prüfsumme können die Clients die Integrität der Daten gewährleisten: Nach dem Download eines Chunks rechnen sie dessen Prüfsumme aus und vergleichen sie mit dem Original. Weichen die beiden Checksum-Werte voneinander an, verwirft der Client das Teilstück und startet einen neuen Download von einer anderen Quelle.
  • Seeder: Dies sind die Clients (Peers), die bereits die komplette Datei fertig heruntergeladen haben. Sie verteilen nur noch an andere Clients (englisch "to seed" = "säen"). Clients können von mehreren Seedern gleichzeitig herunterladen. Vor dem Download einer Datei über BitTorrent lohnt es sich, nach der Anzahl der Seeds zu schauen: Gibt es für einen Download keine Seeds, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Datei nicht vollständig heruntergeladen werden kann.
  • Leecher: Clients (Peers), die noch nicht den gesamten Torrent-Inhalt heruntergeladen haben, nennt man Leecher (englisch "leech" = "Blutegel"). Oft wird der Begriff auch abwertend benutzt und bezeichnet dann Clients, die nur "saugen", ohne selbst Teile der Datei zur Verfügung zu stellen. Als Leecher werden auch Anwender beschimpft, die direkt nach dem erfolgreichen Download die Datei entfernen, ohne sie noch eine Weile für die Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen.
  • Peer: Ein Client, der mit einem anderen Client verbunden ist. Peer heißt auf Deutsch "Gleichgestellter" oder "Ebenbürtiger"; die BitTorrent-Benutzer laden gegenseitig voneinander herunter, daher spricht man auch von einem Peer-to-Peer-Netzwerk.
  • Swarm (Schwarm): Dies ist die Menge aller Clients, die an demselben Torrent interessiert sind. Jeder Schwarm verteilt nur die Dateien, die der Ersteller der Torrent-Datei eingetragen hat.
  • Torrent: Diese Dateien tragen meistens die Endung .torrent und enthalten die IP-Adresse oder den Hostnamen des Trackers, den Dateinamen, die Größe und eine Liste der Prüfsummen für die einzelnen Chunks. Die Torrents selbst sind meistens nur wenige KByte groß und stehen auf den Projektseiten zum Download zur Verfügung. Nach dem Download der Torrent-Datei öffnet der BitTorrent-Client diese, um mit dem Herunterladen der eigentlichen Datei zu beginnen.
  • Ratio: Das Verhältnis von Upload zu Download; eine Ratio von 1.0 (die englische Notation für die Zahl 1,0) bedeutet, dass ein Client genauso viel hoch- wie heruntergeladen hat. Ist die Ratio dauerhaft zu niedrig, kann es sein, dass der Client weniger Bandbreite von den anderen erhält.

Alles fließt

Transmission ist ein freier, grafischer BitTorrent-Client, der recht intuitiv und leicht zu bedienen ist. Wer unter Linux Gefallen an dem Programm findet und auch mit Mac OS X, OpenBSD oder NetBSD arbeitet, findet auf der Homepage des Projekts auch Transmission-Versionen für diese Betriebssysteme. Ein Client für Windows-Systeme ist nach Angaben der Entwickler ebenfalls in Arbeit. Transmission fügt sich in sämtliche Desktopumgebungen nahtlos ein.

Da Transmission der Standard-BitTorrent-Client unter Ubuntu ist, müssen Benutzer dieser Distribution nicht zu den Installationsmedien greifen. Anwender von OpenSuse rüsten das Programm nach, indem sie das Paket transmission-gtk entweder aus den OSS- oder PackMan-Onlinequellen nachinstallieren. Das Programm nistet sich anschließend in den Startmenüs im Bereich Internet ein; alternativ starten Sie den BitTorrent-Client über Eingabe von transmission in ein Schnellstart- oder Terminalfenster.

Überschwemmungen verhindern

Bevor Sie sich in den reißenden Datenstrom stürzen, sollten Sie sich die Einstellungen anschauen. Sie öffnen den Einrichtungsdialog über Bearbeiten / Einstellungen. Auf dem ersten Reiter (Torrents) passen Sie das Verzeichnis für die Downloads (Zielordner) an, da sonst in der Voreinstellung alle Daten auf dem Desktophintergrund landen. Im oberen Bereich des Reiters bietet Transmission ein praktisches Feature an: Aktivieren Sie die Checkbox Torrents automatisch hinzufügen aus und wählen Sie im Drop-down-Menü ein Verzeichnis aus, nimmt der Client automatisch die Arbeit auf, wenn Sie eine Torrent-Datei aus dem Netz in diesem Ordner speichern.

Die Standardeinstellungen des Reiters Peers können Sie ebenso wie die Konfiguration unter Netzwerk übernehmen. Der Tab Desktop dürfte vor allem für Laptop-Benutzer interessant sein: Hier regeln Sie, ob der Client den Ruhezustand bei aktiven Torrents verhindern darf. Außerdem stellen Sie die Benachrichtigungsfunktionen für den Systemabschnitt der Kontrollleiste und den Arbeitsplatz ein.

Nicht vernachlässigen sollten Sie den Reiter Bandbreite. Hier regeln Sie allgemeingültige Beschränkungen für den Download und den Upload. Je nachdem, wie schnell Ihre Internetverbindung ist, tragen Sie hier Werte ein, die dafür sorgen, dass Transmission nicht Ihre gesamte Bandbreite verschlingt. Egal, was Sie hier angeben – die Werte können Sie später für jeden Torrent noch individuell anpassen. Praktisch sind die Optionen im unteren Bereich des Reiters: Hier können Sie eine andere Bandbreiten-Aufteilung für bestimmte Tageszeiten festlegen und so laufenden Datenübertragungen nachts die volle Übertragungsgeschwindigkeit zur Verfügung stellen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Auf Knopfdruck bringen Sie den Datenfluss nachts so richtig zum Rauschen. Die Bandbreite können Sie außerdem für jeden Torrent individuell einstellen.

Auf dem Reiter Web ist in der Voreinstellung die Weboberfläche aktiviert. Ein Klick auf Weboberfläche öffnen bestätigt dies und zeigt die aktiven Übertragungen im Browser an. Die Einstellungen zu diesem Feature und zum Tracker-Proxy auf dem letzten Tab (Tracker) können Sie im Normalfall so belassen, wie sie sind.

Ab in die Stromschnellen!

Nachdem Sie Transmission an Ihre persönlichen Vorlieben angepasst haben, können die Daten nun fließen. Zunächst gilt es, eine Torrent-Datei aus dem Netz zu fischen und mit dem Client bekanntzumachen. Im Test haben wir von den OpenSuse-Downloadseiten eine Torrent-Datei für die OpenSuse-11.1-DVD heruntergeladen. Da Transmission so eingestellt war, dass es den Ordner downloads im eigenen Home-Verzeichnis auf eintreffende Torrents überwacht, meldete sich der BitTorrent-Client direkt nach dem Download der .torrent-Datei. Wer derartige automatisierte Abläufe nicht mag, lässt die Option im Einrichtungsdialog deaktiviert und zieht neue Torrent-Dateien entweder per Drag & Drop auf das Programmfenster oder wählt sie über einen Klick auf Hinzufügen aus.

Im folgenden Dialogfenster (Torrent-Optionen) legen Sie den Zielordner fest. Außerdem können Sie die Priorität setzen. Wenn Sie in der gleichnamigen Spalte auf den Eintrag Normal klicken, wechseln Sie zu Hoch, dann zu Niedrig und dann zurück auf Normal. Die Priorität passen Sie bei Bedarf jederzeit an und bevorzugen so gezielt Dateien, die Sie dringend benötigen. Sobald Sie auf Hinzufügen klicken, nimmt Transmission die Arbeit dann auf.

Im Hauptfenster sehen Sie alle laufenden und pausierenden Übertragungen. Markieren Sie einen Eintrag mit der linken Maustaste, können Sie den Download über die Symbole in der Werkzeugleiste jederzeit unterbrechen, fortsetzen und ganz abbrechen. Ein Klick auf Eigenschaften bietet nicht nur Informationen zum jeweiligen Torrent (Aktivität, Peers, Tracker, Dateien), sondern auch Möglichkeiten, einige Optionen für diesen neu zu definieren, z. B. die Bandbreiten-Einstellungen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Transmission gibt im Hauptfenster eine Schätzung ab, wie lange der Download bei der aktuellen Übertragungsrate schätzungsweise dauern wird.

Durch die Schwimmbrille

Transmission hilft dabei, nicht die Übersicht zu verlieren. Im Hauptfenster finden Sie in der Filterleiste nicht nur eine Suchfunktion, sondern ordnen die Torrents auch nach ihrem Status (Aktive, Empfangende, Sendende und Angehaltene). Außerdem ermöglicht der Client im Menü Anzeige das Sortieren nach vielen Kriterien.

Praktisch ist auch das Nachrichtenprotokoll: Über einen Klick auf den gleichnamigen Eintrag im Menü Hilfe öffnen Sie einen Dialog mit Logeinträgen. Diese können Sie per Mausklick abspeichern und so den Entwicklern oder erfahrenen Nutzern zur Verfügung stellen, falls der Datenfluss einmal austrocknet. Interessant ist auch die Statistik, die Sie ebenfalls über das Menü Hilfe einblenden: In diesem Dialog sehen Sie ganz genau, wie viele Daten schon hoch- und heruntergeladen wurden, wie das Verhältnis (die Ratio, siehe Kasten BitTorrent-Glossar) zwischen Up- und Download ist und wie lange Transmission schon arbeitet (Abbildung 3).

Abbildung 3: Transmission zeigt sich äußerst mitteilungsfreudig und gibt Auskunft darüber, was hinter den Kulissen passiert.

Wenn Sie im Einrichtungsdialog das Icon für die Kontrollleiste aktiviert haben, quittiert Transmission nicht sofort den Dienst, wenn Sie das Programmfenster schließen. Stattdessen läuft der Client im Hintergrund weiter. Um zu erfahren, wie es im Datenstrom aussieht, reicht es, wenn Sie mit der linken Maustaste über das Symbol fahren. Ein kleiner Tooltip blendet die aktuellen Übertragungsraten ein. Über einen Klick mit der linken Maustaste bringen Sie das Hauptfenster wieder in den Vordergrund. Klicken Sie hingegen mit der rechten Taste auf das Panel-Icon, können Sie über das Kontextmenü neue Torrent-Dateien hinzufügen, das Hauptfenster, die Protokolldateien oder einen Info-Dialog einblenden. Weitere Optionen an diesem Ort sind, alle Übertragungen zu pausieren, wieder fortzusetzen oder den Client vollständig zu beenden.

Nur im Panel

Auf Wunsch startet Transmission direkt in der minimierten Ansicht und nistet sich im Panel ein. Dazu übergeben Sie beim Programmaufruf im Schnellstarter oder Terminal die Option -m. Tippen Sie also [Alt]+[F2] und dann transmission -m. Um alle Torrents beim Start auf den Status Pause zu setzen, steht ebenfalls ein Parameter bereit (transmission -p). Eine Kombination beider Optionen ist möglich:

transmission -mp

Beim Programmstart über [Alt]+[F2] oder ein Terminalfenster können Sie darüber hinaus eine oder mehrere neue Torrent-Dateien als Argument angeben. Anschließend sehen Sie wieder den Dialog, in dem Sie bestätigen, dass die Übertragung beginnen kann.

Fazit

BitTorrent-Clients gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Dennoch schwimmt Transmission in dieser Gruppe ganz vorne mit: Der Client besticht durch eine übersichtliche Oberfläche und ist intuitiv zu bedienen. Auch fortgeschrittene Anwender finden jede Menge nützliche Funktionen. So bietet Transmission beispielsweise an, eigene Torrents zu erstellen und zu einem bestimmten Tracker hochzuladen. Einziger Wermutstropfen ist das Handbuch im Menü Hilfe, das genau wie die FAQ und die anderen Anleitungen leider nur auf Englisch zur Verfügung stehen.

Infos

[1] Wikipedia-Artikel zu BitTorrent: http://de.wikipedia.org/wiki/Bittorrent

[2] Transmission: http://www.transmissionbt.com/

[3] Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Thema BitTorrent: http://www.bittorrent-faq.de/

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Kommentare
dht und clients
Lars Schotte (unangemeldet), Donnerstag, 19. November 2009 17:55:31
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also wie sand am meer gibts die clients nicht, rtorrent ist das einzige ordentliche, ktorrent und transmission wahrscheinlich auch wie eben mtorrent usw. aber das wars dann auch an guten, alles andere wie zB azureus ist scheisse. DHT hast du nicht erwahnt, das ist heute sehr interessant. ansonsten vermisse ich torrent file creatoren. es gibt wenige die gut sind und eigentlich habe ich noch keinen einzigen wirklich guten gesehen, der alles koennte was es so gibt.


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