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Danke, lokal reicht

14.09.2009

Liebe Leserinnen und Leser,

in die Debatte, ob Windows, Linux, Mac OS X oder etwas ganz anderes das beste Betriebssystem sei, greifen in letzter Zeit häufiger Stimmen ein, die sagen: Es spielt gar keine Rolle – die Zukunft gehört dem Web-OS. Was ist ein Web-OS? Wenn Sie Google Mail [1] (oder einen anderen Web-basierten Mailclient) und vielleicht noch Google Text & Tabellen [2] benutzen, dann gibt Ihnen das schon einen kleinen Vorgeschmack auf ein Web-Betriebssystem (Abbildung 1). Da laufen nämlich alle Anwendungen auf einem Server im Internet, der praktischerweise auch gleich die erstellten Dateien speichert und sich um Backups kümmert; daheim benutzen Sie Ihren Webbrowser, um darauf zuzugreifen. Für viele Aufgabengebiete sind solche Webanwendungen enorm nützlich, denn Sie können von jedem ans Internet angeschlossenen PC, auf dem ein kompatibler Browser läuft, darauf zugreifen. Im Urlaub schnell Mails lesen? Das klappt nur, wenn die Nachrichten über einen solchen Webdienst erreichbar sind, denn ein "richtiges" Mailprogramm zu installieren und die Zugangsdaten für POP- und SMTP-Server einzugeben, dürfte in den wenigsten Internetcafés möglich sein.

Abbildung 1: Google Mail ist so komplex, dass es ein lokales Mailprogramm wie Thunderbird fast ersetzen kann.

Weil manche Webapplikationen nützlich sind, haben wir Ihnen in der letzten Ausgabe z. B. den für diesen Zweck spezialisierten Browser Mozilla Prism vorgestellt [3], der auf Bedienelemente weitgehend verzichtet, damit so viel Platz wie möglich für die Webanwendung bleibt.

Web OS: Alles ist online

Das Web OS geht aber einen Schritt weiter: Anhänger dieses Konzepts glauben, dass in Zukunft alle Anwendungen im Web laufen werden. Der heimische Rechner muss dann nicht mehr besonders leistungsfähig sein, denn er verwaltet ja nur noch eine Reihe von Webbrowser-Fenstern. Dafür reicht dann auch eine 10-GByte-Festplatte locker aus, z. B. als SSD-Platte. Das spart Anschaffungskosten (für einen nicht mehr nötigen schnellen PC).

Soll das wirklich die Zukunft sein? Keine Software-Installation mehr, nie mehr über Updates nachdenken, alle PCs kommen vorinstalliert mit einem Mini-Linux oder abgespecktem Windows, haben dafür aber den schnellsten WLAN-Chip und weitere Netzwerkanschlüsse für alle denkbaren Internetzugangstechnologien?

Wohl kaum. Stellen Sie sich vor, was passiert, wenn der Internetzugang ausfällt. Vielleicht kommen Sie dann noch übers Handy oder ein altes Modem ins Netz, aber die Geschwindigkeit (und die Einwahlkosten) werden kaum dazu animieren, mit den Webanwendungen zu arbeiten, die schließlich genauso komfortabel wie die alten lokalen Programme sein wollen und darum nur über eine fette Leitung brauchbar funktionieren. Auch dürfte es viele Anwender nachdenklich stimmen, wenn sie planen, alle privaten Dokumente auf einem Server im Internet zu speichern. Wer garantiert dann letztlich wirklich, dass nichts verloren geht oder (schlimmer) von Fremden gelesen wird?

Ich glaube, es wird alles mehr oder weniger so bleiben, wie es ist: Der Großteil der Anwendungen läuft lokal, in Form von richtigen Programmen, die Sie auf der heimischen Platte installieren. In einigen nützlichen Nischen werden sich Webapplikationen etablieren, wie es bereits bei E-Mail der Fall ist. Die Frage nach dem richtigen Betriebssystem bleibt damit auch in Zukunft wichtig: EasyLinux gibt Ihnen darauf viermal im Jahr eine Antwort – und wird es auch in Zukunft tun.

Hans-Georg Eßer

Chefredakteur

Infos

[1] Google Mail: http://mail.google.com/

[2] Google Text & Tabellen: http://docs.google.com/

[3] Artikel zu Mozilla Prism: Hans-Georg Eßer, "GMail & Co. im Fenster", EasyLinux 03/2009, S. 120 ff.

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Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer ist Chefredakteur der Zeitschrift EasyLinux, Doktorand an der Uni Erlangen-Nürnberg und seit Mitte der 90er begeisterter Linux-Anwender.


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