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Warum Linux?

06.07.2009

Drucker, Scanner und TV-Karten, die keinerlei Funktion haben; populäre Windows-Programme, die niemals laufen werden, außer in einem Emulatorprogramm mit kompletter virtueller Windows-Installation, Konfigurationstools, die sich von Distribution zu Distribution gravierend und von Version zu Version leicht unterscheiden; inkompatible "Paketformate", die auch die Installation nativer Anwendungen zum Glücksspiel machen – das sind häufige Kritikpunkte in Internetforen, die sich mit Fragen und Problemen neuer Linux-Anwender beschäftigen.

Das Gegenkonzept: Mit dem "Standard"-Betriebssystem arbeiten, das alle Geräte, alle wichtigen Programme unterstützt, und das meist über viele Betriebssystemversionen hinweg. Ein Windows-Programm von 1995 unter Vista installieren? Die Chancen stehen gut, dass es läuft. OK, beim Scanner von 1995 sieht die Treibersituation unter Vista auch nicht gut aus, aber zumindest aktuelle Geräte vom Discounter werden laufen.

Was treibt uns also dazu an, Linux zu benutzen?

Auf die Frage gibt es viele mögliche Antworten, und sie sind oft an ganz persönliche Erfahrungen geknüpft, die man im Laufe der Jahre bei der Arbeit am PC gesammelt hat. Als Beispiel meine eigene Geschichte: Mitte der 90er Jahre musste ich im Rahmen meines Informatikstudiums größere Texte in LaTeX schreiben, das ist eine Textauszeichnungssprache, die vielleicht am ehesten mit HTML vergleichbar ist; mit LaTeX kann man kleine Aufsätze bis hin zu riesigen Büchern in sehr hoher Qualität setzen. Was OpenOffice Writer oder Microsoft Word im Vergleich zu LaTeX an typographischer Qualität liefern können, ist nicht der Rede wert. Aber LaTeX ist etwas umständlich zu verwenden, man braucht einen Text-Editor für den Quelltext, ein Konsolenfenster, in dem man Befehle eingibt, und ein Vorschaufenster, das die fertig gesetzte Version anzeigt. In den 90ern gab es unter Windows keine komfortablen Tools für die Arbeit mit LaTeX – wohl aber für Linux. Das hat mich damals zu dem alternativen Betriebssystem gebracht, und ich bin dort hängen geblieben.

Heute ist Windows komfortabler und auch stabiler als in den 90ern (und auch für LaTeX gibt es inzwischen brauchbare Lösungen). Warum bleibe ich weiterhin Linux treu? Die Macht der Gewohnheit ist sicher eines der Argumente, aber es gibt viele Aspekte von Linux, die ich liebe und bei denen Windows einfach nicht mithalten kann, und die sind wieder ganz persönlich: Ich möchte gerne von jedem PC mit Internetzugang auf meinen heimischen Rechner zugreifen, auch bei langsamer Netzanbindung – dank der Secure Shell SSH kein Problem. Klar, SSH-Server gibt es inzwischen auch für Windows, aber dort ist es Frickelei, und Shell-Befehle unter Windows einzugeben, ist eine Qual, weil die Entwickler schon lange nur die Bedienung über Maus und Fenster im Blick haben. Dann begeistern mich so kleine Dinge, wie etwa die Möglichkeit, dass ich mit KDE und Gnome als Intensiv-PC-Nutzer problemlos 30, 40 Fenster gleichzeitig öffnen und auf die virtuellen Desktops verteilen kann, ohne den Überblick zu verlieren. Für Windows haben einige Programmierer solche Features nachgebaut, aber es ist nicht dasselbe. Dass Linux freie und quelloffene Software ist, bei der ich darauf vertrauen darf, dass eine Unzahl von Entwicklern weltweit einen prüfenden Blick auf den Code wirft und Fehler sowie Sicherheitslücken schneller findet und behebt, als eine einzelne Firma das bei proprietärer Software hinbekommt, ist auch ein wichtiger Grund. Dass ich Linux nicht bezahlen muss, ist für mich hingegen eher unwichtig; so teuer ist eine private Windows-Lizenz nun auch nicht.

In der Beschreibung meiner (kleinen Auswahl der) Gründe, mit Linux zu arbeiten, werden sich vermutlich nur Wenige von Ihnen wiederfinden. Darum frage ich mal ganz direkt: Was begeistert Sie an Linux? Gibt es einen ganz zentralen Punkt, der Sie zu Linux geführt hat? Und wenn Sie schon einige Jahre dabei sind, ist es noch derselbe Grund oder hat er sich geändert? Schreiben Sie mir, was Sie fasziniert, am besten als E-Mail an unsere Redaktionsadresse (redaktion@easylinux.de). Ich bin gespannt auf Ihre Gründe!

Hans-Georg Eßer

Chefredakteur

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Kommentare
Warum ich linux benutze
ecn (unangemeldet), Mittwoch, 24. Februar 2010 14:48:04
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Windows vs. Linux ,BSD,Mac....warum ich windows nicht mehr benutze lag daran dass ich festgestellt habe dass linux eine bessere alternative darstellte. Zunächst muss man erwähnen dass man ein OS nicht nach seiner "optik" beurteilen kann, da ein KDE, Gnome oder sonstige fenstermanager ja nicht ein Betriebsystem ausmachen. Ob mit cygwin KDE unter windows läuft oder bumptop unter linux mit wine, ist für die katz. Windows konnte bei mir zumindest keine tieferen systemveränderungen verkraften als ich damals den schönsten desktop der welt haben wollte(der mich vom arbeiten nicht ablenkte). Vergleicht man jedoch tiefere Funktionsweise der Betriebsysteme so ist Linux nach meinen Kenntissen weit vorraus. Nicht nur was das sicherheitskonzept betrifft ...Man könnte hier nun einen riesenroman dadrüber schreiben. Ich hab zumindest grad keine zeit dazu wiel ich für ne prüfung lernen muss. Was das Softwareangebot unter Linux betrifft ,so kenn ich kaum eine windowssoftware wo es keine gute oder gar weitbessere linuxalternative gibt. Ubuntu war damals meine "einstiegsdroge" und bin mittlerweile eine ganze reihe von distributionen durch. Fedora,Mandriva, Ubuntu sind mir für einsteiger hängen geblieben und sidux,gentoo für fortgeschrittene empfelenswert...ich selbst bin von archlinux überzeugt


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warum linux ?
Eduard R. (unangemeldet), Dienstag, 01. Dezember 2009 02:03:10
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nach dem "obligatorischen" kauf eines PC's mit damals win98, habe ich schnell festgestellt, dass win 98 probleme mit sich selbst hatte...Dachte ich doch, eine win 2000 würde die Sache besser machen, aber auch weit gefehlt, Ende 2004 war ein Rootkit unterwegs. Nur eine Knoppix Live-CD half, die seit 2 Wochen nicht mehr abgerufene mails beantworten zu können, und da habe ich es bemerkt: ich konnte ungestört im internet surfen, ohne jede Nase lang auf Probleme zu stossen. Und, so oft ich die Hardwarekomponenten kombiniere, wäre ein XP längst tot. Mit Linux lernt man wie ein Pc funktioniert, warum dieser funktioniert und vor allem wie man selbst etwas anpassen kann, was unter windows eh nicht zugänglich ist, wobei das Gefühl der Sicherheit alles übertrumpft: was kann schon beim Betrieb mittels live-CD schon schief gehen ?
Habe seit Jahren keine win-Installation mehr im Gebrauch, vermisse aber auch nichts mit Linux, darum bleibe ich auch dabei.
Was zukünftig für Linux wünschenswert wäre ( meiner Meinung nach ) : einheitliche Paketformate und etwas mehr Linux-artige Standardisierung, damit Linux einen leichteren Zugang zu den Anwendern hat, und wenn möglich freie Sonderformate für multimediale inhalte, wie ogg oder Flac für Musik mit existierende Hardware dafür


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Warum ich bei Linux bleibe...
Börzel (unangemeldet), Donnerstag, 09. Juli 2009 15:04:11
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Hallo Herr Eßer,

angefangen mit DOS, weitergemacht mit Windows bis XP habe ich über 20 Jahre PC-Gebrauch aufm Buckel. Nach XP kam Linux, langer Kampf damit, irgendwann, vor allem auch dank EasyLinux und Linuxuser, fiel der Groschen.

Vier Jahre mit Linux, größtenteils Ubuntu, gearbeitet, dann mehrere Monate Windows Vista, Windows 7 - und diese Zeilen schreibe ich wieder mit Linux, diesmal Kubuntu 9.04.

Warum ich dabei bleibe?

Ich arbeite täglich mit dem PC, und bin drauf angewiesen, daß alles funktioniert. Unter Ubuntu 8.10 und 9.04 war das zunächst nicht der Fall, und deshalb bin ich, weil sich keine Lösungen für meine auch hier auf LC geposteten Probleme abzeichneten, aus schierer Verzweifelung zu Windows Vista gewechselt, danach Windows 7 RC.

Da lief auch alles - aber ich hatte ständig das Gefühl, daß mich jemand beobachtet, und ich hatte echte Angst davor, mir irgendwelche Schadsoftware aufs Vista und aufs Win7 zu holen. Dieses Gefühl nervte immer mehr, unter Linux hatte ich es nie - also lud ich mir nach einigen Wochen Kubuntu 9.04, brannte die CD, installierte, stritt mich eine Weile mit KDE 4.2.2, das ich nun mag - und siehe da, es geht alles, Scanner, Drucker usw.

Und ich fühle mich wieder wohl an meinem PC.

Deshalb bleib ich bei Linux. Keine Viren und Co, kein Big-Brother-is-watching-you-Gefühl

Naja, und dann liest man die Tage bei einer anderen guten PC-Zeitschrift, daß das ansich ja hervorragende UAC (Benutzerkonrollzentrum) von Win Vista und Win 7 geknackt worden ist...

Noch ein Grund, bei Linux zu bleiben.

In diesem Sinne frohes Schaffen mit Linux und der EasyLinux und Linuxuser,
Grüsse vom börzel


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Re: Warum ich bei Linux bleibe...
jkowalzik (unangemeldet), Freitag, 24. Juli 2009 21:08:47
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Sehr geehrter Herr Eßer!
Das meiste ist schon gesagt, schon seit Jahren kaufe ich gezielt linuxkompatible Hardware.
Ihre Ansicht, Windows wäre besser geworden kann ich nicht teilen und ich erlebe es täglich an unserem HTPC, der wegen Blu-ray.........(mehr muss ich nicht sagen) Vista als BS hat. Das fängt schon damit an, dass es keine virtuellen Oberflächen gibt und man nie sicher sein kann, ob sich das Multimediacenter oder die (Marken-)TV-Karte sich doch noch aufhängen. Nur in der Theorie lassen sich solche Hänger ohne booten lösen.
Ich habe mir wegen der Unsicherheit dann doch noch einen DVB-S2 Empfänger gekauft.
Die Liste der Unzulänglichkeiten ließe sich beliebig verlängern


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Infos zum Autor

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer ist Chefredakteur der Zeitschrift EasyLinux.


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