Kubuntu 9.04 ist da und wirkt ausgereifter als die Vorgängerversionen. Ein Grund dafür ist vermutlich, dass es die neue KDE-Version 4.2.2 mitbringt (Abbildung 1). Die hat zwar noch ihre Macken, arbeitet aber stabiler als die Vorgängerversionen und sieht zudem besser aus. Bevor Sie sich der Installation zuwenden, testen Sie Kubuntu erstmal unverfänglich als Live-System. Ihr Rechner lässt das Linux dabei von der DVD laufen, ohne auf die Festplatte zuzugreifen, und Sie schauen sich Kubuntu in aller Ruhe an, ohne es zu installieren. 512 MByte Arbeitsspeicher sollte Ihre Maschine dafür aber mitbringen.
Haben Sie sich ein erstes Bild gemacht, fahren Sie den Rechner wieder herunter und entnehmen die DVD – danach ist alles wie vorher. Live-Systeme arbeiten zwar nicht so zügig wie installierte Versionen, und auch die Spracheinstellungen stimmen noch nicht: Für den ersten Eindruck genügt dieser Modus aber allemal.
Neues @ KDE
Beim optisch eindrucksvoll gemachten Desktop fallen zunächst die überarbeiteten und neuen Desktop-Widgets auf. Die erreichen Sie, indem Sie oben rechts in der Ecke auf Miniprogramm hinzufügen klicken. Zudem passen Sie Kubuntu dank neuer Optionen besser den eigenen Bedürfnissen an. Aus den Systemeinstellungen heraus gelangen Sie neuerdings zur Druckerkonfiguration und zu KPackageKit, dem neuen Paketmanager von Kubuntu (Abbildung 2).
Zur mitgelieferten Software gehört erstmals Digikam für KDE 4, dessen Version 0.10 noch nicht über alle Features der letzten Version für KDE 3 verfügt. Über Digikam befördern Sie unter anderem Fotos von Ihrer Kamera auf die Festplatte. Mit Quassel hat Kubuntu einen IRC-Client an Bord, über den Sie Chaträume im Internet ansteuern. Auch Amarok zeigt sich in KDE 4.2.2 erstmals im neuen Gewand (Abbildung 3): Die aktuelle Version 2.0.2 kann in weiten Teilen das, was Amarok 1.4 bereits unter KDE 3 beherrschte. Per Update aktualisieren Sie die Software auf Wunsch aber auf Version 2.1, die neue Funktionen anbietet [1]. Nicht zuletzt haben die Entwickler am Networkmanager gearbeitet: Der sieht nun robuster und durchdachter als die vorherige Version aus, bringt aber noch ein paar Fallstricke mit. So funktioniert zur Zeit das Anmelden an versteckten WLANs nicht. Auch vor Access Points, die auf die sehr sichere WPA2-Verschlüsselung setzen, sowie vor speziellen VPN-Verbindungen kapituliert die Software – sicherlich eines der gravierendsten Mankos von Kubuntu 9.04.
Sehr langsam laufen unter Umständen Systeme mit ATI-Karten, die auf freie Open-Source-Treiber setzen. Die proprietären (vom Hersteller bereitgestellten) Treiber für neuere Karten funktionieren hingegen. Ebenso werkeln die Grafikchips von Intel wegen Code-Umbauten derzeit langsamer als nötig, weshalb im Moment lediglich Nvidia-Karten uneingeschränkt empfehlbar sind. Die Tastenkombination [Strg-Alt-Rückschritt], die bisher den X-Server neu startete, funktioniert sowohl unter Ubuntu als auch unter Kubuntu nicht mehr. Diese gewollte Entscheidung schmeckt nicht allen Benutzern. Um sie rückgängig zu machen, rufen Sie über das Startmenü den Punkt Systemeinstellungen auf, wählen Anzeige und und setzen ein Kreuzchen bei Ctrl+Alt+Backspace restarts the xserver ([Strg-Alt-Backspace] startet den X-Server neu). Nach einem Klick auf Anwenden und dem Neustart des Systems arbeiten die Tasten wie gewohnt.
Aus alt mach neu
Die Entscheidung, ob Sie ein bereits installiertes Kubuntu auffrischen wollen, liegt bei Ihnen. Als Faustregel gilt aber: Läuft das System zufriedenstellend und liefert der Hersteller nach wie vor Sicherheitsupdates, ist es nicht sinnvoll, den stabilen Zustand in Gefahr zu bringen. Neugierige, abenteuerlustige und unzufriedene Anwender hält dieses Argument natürlich nicht ab, und tatsächlich funktionieren die Upgrades inzwischen recht reibungslos. Von Kubuntu 8.04 können Sie sogar direkt auf Kubuntu 9.04 upgraden, ohne den Umweg über die Version 8.10 zu gehen. Meist werden Sie aber die letzte aktuelle Version (Kubuntu 8.10) auf aktualisieren 9.04 wollen. In beiden Fällen genügt es, über den Paketmanager alle vorhandenen Updates einzuspielen. Danach bietet Adept von sich aus einen Button namens Version Upgrade an. Bevor Sie ihn betätigen, deaktivieren Sie vorsichtshalber externe Paketquellen, die Sie zusätzlich zu Kubuntus Standardquellen nutzen, weil diese oft zu Problemen führen.
Fehlt trotz aller eingespielten Updates das Angebot, die Version zu erneuern, schieben Sie die Aktualisierung manuell an. Drücken Sie dazu [Alt-F2] und geben Sie in die Eingabezeile der Schnellstartleiste update-notifier-kde -u ein. Nun sollte es möglich sein, die neueste Version einzuspielen. Nach einem erfolgreichen Upgrade müssen Sie allerdings das Desktop-Widget für den Networkmanager neu aktivieren, was über den Punkt Miniprogramme hinzufügen oben rechts auf dem Desktop funktioniert.



