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Nicht nur zum Drucken

PostScript- und PDF-Dateien

09.07.2009
PDF und PostScript sind in der Linux-Welt zwei wichtige Dateiformate. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie diese Formate erzeugen, betrachten, konvertieren und ausdrucken.

PDF-Dateien kennen die meisten Anwender, denn PDF hat sich als Standardformat für längere Dokumentation bis zu kompletten Büchern, aber auch für Kontoauszüge, Rechnungen und andere Dinge durchgesetzt. Das PDF-Format hat noch einen älteren Bruder namens PostScript, der in der Linux-Welt – zumindest unter der Oberfläche – eine noch größere Rolle spielt. Wir verraten, welche Möglichkeiten die Formate bieten, was Ansehen, Erzeugen, Ausdrucken und Verändern angeht.

PostScript und PDF

PostScript ist eine so genannte Seitenbeschreibungssprache. Ähnlich wie bei Vektorgrafiken enthalten PostScript-Dateien also überwiegend Beschreibungen des Inhalts, die z. B. angeben, dass an einer bestimmten Position der Text "EasyLinux" in der Schriftart Times New Roman, 13 pt. stehen soll. Grafiken und Bilder kann ein PostScript-Dokument sowohl in einem Pixel- als auch im Vektorformat enthalten – abhängig davon, welches Format das Originalbild hatte. PostScript verstehen viele Laserdrucker direkt, weil sie einen PostScript-Interpreter enthalten. Wer eine PostScript-Datei auf einem solchen Drucker ausgeben will, schickt die Datei darum unverändert an das Gerät, das sie liest und daraus die Druckseiten erzeugt. Auch die Druckmaschinen in Druckereien beherrschen PostScript.

Linux verwendet in seinem Drucksystem für alle internen Vorgänge das PostScript-Format. Wenn Sie also in OpenOffice Writer einen Brief drucken, erzeugt das Officepaket daraus eine PostScript-Datei und stellt sie in die Druckerwarteschlange. Das Drucksystem reicht diese dann – im Falle eines PostScript-fähigen Druckers – direkt an das Gerät weiter. Bei Tintenstrahl- und billigen Laser-Druckern ohne PostScript-Interpreter ist noch eine zusätzliche Verarbeitungsstufe nötig, in der ein Treiber die PostScript-Daten in das native (Bitmap-basierte) Format umwandelt, das der jeweilige Drucker versteht.

PostScript-Dateien können Sie aber auch am Rechner betrachten, dafür gibt es PostScript-Viewer (wie z. B. gv, siehe Abschnitt PostScript-Viewer), und Sie können Sie mit allerlei Tools in andere Formate konvertieren oder beispielsweise einen Ausdruck vorbereiten, der vier verkleinerte Seiten auf einem Blatt enthält. Mehr zur Konvertierung finden Sie im Abschnitt Konverter.

Das PDF-Format ist jünger als PostScript, und Adobe hat es als Dokumentenaustauschformat konzipiert. PostScript-Dateien leiden oft an Darstellungsproblemen, wenn auf einem Rechner nicht alle Schriftarten installiert sind, die der Ersteller der PostScript-Datei verwendet hat. Eine PDF-Datei enthält immer alle verwendeten Schriften, geht dabei aber sparsam vor: Wenn Sie eine Datei erstellen, in der Sie nur die Buchstaben A, B und C verwenden, enthält diese auch nur die Schriftinformationen für diese drei Buchstaben – das spart Platz. Unter Windows und Mac OS X steht zudem mit Adobe Acrobat ein Programm zur Verfügung, das PDF-Dateien komfortabel verändert; bei PostScript sind keine nachträglichen Korrekturen vorgesehen. In der Linux-Welt gibt es noch kein mit Adobe Acrobat unmittelbar vergleichbares Tool; mehr dazu später.

Dateien im PDF- oder PostScript-Format erhalten Sie nicht nur als fertige Dokumente, aus vielen Anwendungen heraus können Sie auch selbst welche erzeugen. Der PDF-Export in OpenOffice ist vielleicht schon allgemein bekannt, weil er ein besonders nützliches Feature ist, aber auch aus fast allen anderen Programmen, die drucken können, erzeugen Sie auf einem kleinen Umweg PDF-Dateien. Die Druckdialoge bieten üblicherweise ein Option In Datei drucken an. Wenn Sie die verwenden, erstellen Sie eine PostScript-Datei, die Sie an beliebiger Stelle ablegen. Mit dem Kommandozeilentool ps2pdf, das wir weiter unten im Abschnitt Konverter vorstellen, wird daraus eine PDF-Datei. Ein Beispiel für die Nützlichkeit: Webseiten im HTML-Format lassen sich in der Regel schlecht archivieren, weil Sie die enthaltenen Bilder separat speichern müssten; zudem passen die Verlinkungen der Bilder in einer lokal gesicherten HTML-Datei nicht zu den neuen Orten der Bildkopien. Einfacher ist es, die HTML-Datei direkt ins PDF-Format zu exportieren, wenn Ihr Browser das beherrscht, oder alternativ der gerade beschriebene Umweg über das Drucken in eine PostScript-Datei.

PDF-Viewer

Der klassische PDF-Betrachter, der für alle wichtigen Betriebssysteme erhältlich ist, ist der Adobe Reader [1]. Das früher Acrobat Reader genannte Programm kommt aus der Schmiede des PDF-Erfinders Adobe, und es ist unter Linux die erste Wahl, wenn es um hundertprozentig korrekte Darstellung von PDF-Dateien geht. Vor allem Dateien, die transparente Objekte enthalten, sehen oft nur im Adobe Reader exakt so aus, wie sie es sollen.

Abbildung 1: Der Adobe Reader ist der Standardviewer für PDF-Dateien – unter Linux genauso wie unter Windows und Mac OS X.

Der Reader kann Dateien auch sehr gut drucken und bietet dabei viele nützliche Optionen, etwa den Druck mehrerer verkleinerter Seiten auf ein Blatt. Wer eine mit Impress oder ähnlichen Programmen erstellte Präsentation im PDF-Format speichert, kann sie mit dem Reader im Vollbildformat präsentieren, die Tastenkombination zum Wechseln zwischen Vollbild- und normaler Darstellung ist [Strg]+[L]. Mit [Strg]+[Umschalten]+[N] rufen Sie ein kleines Fenster auf, in das Sie eine Seitenzahl eintragen – der Reader springt dann zur Seite. Beachten Sie zur Seitennummerierung auch den Kasten Seitenzahlen in PDF-Dateien.

Um ein geöffnetes Dokument im Reader zu rotieren, verwenden Sie die Tastenkombinationen [Strg]+[Umschalt]+[+] (im Uhrzeigersinn) und [Strg]+[Umschalt]+[]+[]+[] (dagegen). Das ist manchmal nötig, wenn ein Dokument falsche Informationen zu seiner Ausrichtung enthält: Schrift, die seitlich von oben nach unten läuft, ist am Bildschirm nicht gut lesbar.

Seitenzahlen in PDF-Dateien

PDF-Dateien können als Zusatzinformation zu jeder Seite auch eine Seitenzahl speichern. Das ist hilfreich, wenn Sie ein großes Dokument (etwa eine komplette EasyLinux-Ausgabe) in Form mehrerer PDF-Dateien erhalten. Das PDF-Dokument, das Seite 119-121 enthält, weiß dann, um welche Seiten es sich handelt. Darum haben Sie in solchen Dokumenten zwei Möglichkeiten, zu einer bestimmten Seite zu springen: Sie können die intern gespeicherte Nummer (also im Beispiel zwischen 119 und 121) eingeben oder alternativ die Zahlen 1 bis 3 verwenden.

Nicht alle PDF-Viewer unterstützen die internen Seitenzahlen. Es klappt u. a. im Adobe Reader und in Evince, nicht aber in Xpdf, kpdf und KGhostView.

Der größte Nachteil des Adobe Readers ist seine Größe – die führt dazu, dass das Laden des Programms auf langsamen Rechnern sehr viel Zeit benötigt. Auch das Navigieren von Seite zu Seite geht das Programm eher gemütlich an. Um schnell einen Blick in eine PDF-Datei zu werfen, gibt es darum bessere Tools, z. B. KDEs kpdf und KGhostView, Gnome's Allesbetrachter Evince [2] (Abbildung 2) oder den schon in die Jahre gekommenen Viewer xpdf[3]. KDE 4 hat auch einen Dateibetrachter für viele Formate: Er heißt Okular [4], ist eine Weiterentwicklung von xpdf und bietet einige besondere Features, darunter die Möglichkeit, Kommentare in verschiedenen Formen im Dokument anzubringen (Abbildung 3). Diese Anmerkungen landen aber nicht in der PDF-Datei, sondern in der persönlichen KDE-Verzeichnishierarchie (genauer: in Dateien im Ordner ~/.kde4/share/apps/okular/docdata/).

Alle genannten Programme starten schneller als der Adobe Reader und wechseln auch schneller von Seite zu Seite, was gerade bei sehr großen Dokumenten von Vorteil ist.

Abbildung 2: Der Gnome-Dateibetrachter Evince zählt zu den schnellsten PDF-Viewern unter Linux.
Abbildung 3: Okular ist das KDE-Gegenstück zu Evince und lässt Sie u. a. Kommentare in PDF-Dateien anbringen.

Auch Evince bietet einen Vollbildmodus. Wollen Sie eine Präsentation vorführen, schalten Sie ihn mit Ansicht / Präsentation oder [F5] ein – dann verschwinden, wie beim Adobe Reader, nicht nur die Bedienelemente von Evince, sondern auch die Startleiste oder sonstige Desktopobjekte. Daneben gibt es noch einen alternativen Vollbildmodus, der auch so heißt: Sie erreichen ihn über Ansicht / Vollbildmodus oder [F11] und sehen dann noch einige wenige Programmelemente, etwa für die Direktwahl der Seite. Die erreichen Sie übrigens jederzeit bequem per Tastenkombination: Mit [Strg]+[L] springt der Cursor in das Seitenzahlfenster, wo Sie nur noch die anzuzeigende Seitenzahl eingeben und mit [Eingabe] bestätigen. Wollen Sie ein Dokument um 90 Grad rotieren, verwenden Sie die Tastenkombinationen [Alt]+[Cursor links] (gegen den Uhrzeigersinn) und [Alt]+[Cursor rechts] (im Uhrzeigersinn). Auch der Druckdialog von Evince überzeugt, da er zahlreiche Einstellmöglichkeiten bietet.

Die meisten PDF-Viewer ermöglichen es Ihnen auch, Inhalte per Copy & Paste in andere Dokumente zu übernehmen. Dabei können Sie sowohl Texte als auch enthaltene Grafiken übernehmen. Je nach Viewer müssen Sie dazu zunächst in einen Auswahlmodus umschalten. Das PDF-Format unterstützt DRM (Digital Rights Management), es gibt also PDF-Dateien, die Sie nicht drucken können oder die das Kopieren der enthaltenen Texte und Grafiken verbieten. Der Adobe Reader und auch die meisten anderen Viewer halten sich an diese DRM-Einstellungen. Wie Sie mit Okular, dem Dateibetrachter von KDE 4, DRM abschalten, lesen Sie in den KDE-Tipps ab Seite 88 dieser Ausgabe.

PostScript-Viewer

Die schon erwähnten Allesbetrachter von KDE und Gnome, also Okular und Evince, öffnen auch problemlos PostScript-Dateien. Eine ältere Alternative, die sich auf PostScript-Dateien spezialisiert hat, ist gv[5]. Das Tool ist vor allem dann interessant, wenn Sie ausgewählte Seiten aus einer PostScript-Datei zu einem neuen ps-Dokument zusammenstellen möchten. Dazu markieren Sie in der linken Seitenübersicht mit der mittleren Maustaste bestimmte Seiten und wählen dann im Menü File / Save Marked Pages (Datei / ausgewählte Seiten speichern).

Abbildung 4: Der PostScript-Viewer "gv" hilft beim Erstellen eines kleineren Dokuments, das nur ausgewählte Seiten enthält.

Drucken können Sie PostScript- und PDF-Dateien aus allen Viewern heraus – oder auch direkt auf der Kommandozeile, indem Sie dem Drucktool lpr den Dateinamen übergeben. Welche Schritte und eventuelle Umwandlungen dafür nötig sind, weiß das Drucksystem selbst.

Konverter

Die vielleicht am häufigsten benötigte Umwandlung ist die von PostScript- in PDF-Dateien. Das Kommandozeilentool, das dies bewerkstelligt, heißt ps2pdf und gehört unter OpenSuse zum Paket ghostscript-library, unter Ubuntu zu ghostscript und unter Mandriva Linux zu ghostscript-common. Sie geben beim Aufruf aus der Shell heraus einfach den Dateinamen der PostScript-Datei an, und ps2pdf erzeugt daraus eine PDF-Datei, bei der sich nur die Dateiendung ändert. Aus dokument.ps wird also dokument.pdf. Die Originaldatei bleibt dabei erhalten.

Für die andere Richtung, also vom PDF- ins PostScript-Format, gibt es entsprechend das Tool pdf2ps, das allerdings oft unbefriedigende Ergebnisse liefert, weil es Schriften in Bitmapgrafiken umwandelt. Die sehen am Bildschirm nicht gut aus und erschweren eine sinnvolle Weiterverarbeitung. Abhilfe schafft hier der Adobe Reader, den Sie auf der Kommandozeile zum Konvertieren ins PostScript-Format verwenden können. Die Befehlssyntax dafür ist:

acroread -toPostScript Datei.pdf

Über diesen Aufruf erzeugt der Adobe Reader eine PostScript-Datei Datei.ps, die in der Regel von etwas besserer Qualität ist als die mit pdf2ps erstellten Dateien.

Neben dem Umwandeln von PostScript und PDF ineinander dienen die meisten Tools dazu, Dinge an einer Datei zu ändern. So fasst z. B. psnup mehrere Seiten einer PostScript-Datei auf einer zusammen, psselect wählt einzelne Seiten aus und setzt sie zu einer neuen Datei zusammen, und psresize ändert das Seitenformat einer Datei – hilfreich, wenn Sie etwa eine in den USA erstellte Datei im US-Letter-Format vorliegen haben. Details zu vielen dieser Konverter verrät ein älterer EasyLinux-Artikel [6].

PDF-Dateien bearbeiten

Um PDF-Dateien zu verändern, wäre eigentlich das Programm Adobe Acrobat nötig – das gibt es aber nicht als Linux-Version. Mit Einschränkungen ist es auch unter Linux möglich, PDF-Dokumente zu bearbeiten: Die aktuelle OpenOffice-Version kann sie importieren, und auch das Vektorgrafikprogramm Inkscape liest PDF-Dateien ein, wie der Artikel Zahlenspiel ab Seite 67 dieser Ausgabe zeigt.

Infos

[1] Adobe Reader: http://www.adobe.com/de/products/reader/

[2] Evince: http://projects.gnome.org/evince/

[3] Xpdf: http://www.foolabs.com/xpdf/

[4] Okular: http://okular.kde.org/

[5] Gv: http://wwwthep.physik.uni-mainz.de/~plass/gv/

[6] Artikel über PostScript-Konverter: Heike Jurzik, "Ordentlich Druck machen", EasyLinux 08/2004, S. 82 f., http://www.easylinux.de/2004/08/082-psutils/

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