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Multimediafreuden

Audio- und Videocodecs nachrüsten

25.06.2009 Der Multimedia-Support von Linux ist eigentlich ausgezeichnet, gäbe es da nicht ein paar lizenz- und patentrechtliche Probleme. Zum Glück lassen sich diese Hürden mit wenigen Handgriffen überwinden.

Unter Linux gibt es sehr viele Video- und Audioabspielprogramme. Die meisten davon arbeiten als grafische Oberfläche zu einem anderen Tool. Alleinstehende Mediaplayer im engeren Sinn gibt es eigentlich nur drei: MPlayer, VLC und Xine. Der VLC Media Player (ehemals Video Lan Client) unterstützt von Haus aus die meisten Formate, zudem gibt es ihn auch für Windows und Mac OS X. Allerdings integriert sich das Programm nicht besonders schick in KDE und Gnome. MPlayer war lange Zeit der einzige brauchbare Mediaplayer für Linux und gehört noch heute zu den besten Abspielprogrammen. Allerdings benötigen Sie in manchen Fällen zusätzliche Codecs, um zum Beispiel Filme im Windows-Media-Format betrachten zu können. Der Dritte im Bunde heißt Xine. Bei diesem Programm handelt es sich strenggenommen nicht um einen Mediaplayer, sondern eine allgemeine Bibliothek, die Zugriff auf Audio- und Videodateien sicherstellt. Um das Playback kümmern sich grafische Oberflächen, zum Beispiel Kaffeine unter KDE und Totem unter Gnome. Eine Alternative zu Xine stellt Gstreamer dar.

Eine weitere Programmgruppe stellt eine Schnittstelle zwischen den grafischen Programmen und den eigentlichen Abspielprogrammen dar. Dazu gehört zum Beispiel das KDE-Multimediaframework Phonon, das Multimediadateien wahlweise mit Xine oder Gstreamer abspielt. KDE-Programme müssen sich deshalb nicht darum kümmern, welcher Mediaplayer installiert ist – sie können einfach Phonon nutzen.

Alle bisher erwähnten Multimediakomponenten weisen eine Gemeinsamkeit auf: Sie verstoßen in vielen Ländern gegen Softwarepatente, wodurch die Nutzung unter Umständen illegal sein kann. Die großen Distributionen bringen deshalb diese Programme nur in reduzierten Versionen mit, die zwar viele freie Formate unterstützen, aber nicht einmal eine einfache MPEG-2-Datei abspielen können. Um die volle Funktionalität nutzen zu können, müssen Sie entweder zusätzliche Plug-ins installieren (Gstreamer), die komplette Komponente austauschen (Xine) oder zusätzliche Programme und Codec-Pakete installieren, die die Distribution nicht mitbringt (VLC, MPlayer). Dieser Artikel zeigt die dazu nötigen Schritte unter OpenSuse, Kubuntu und Mandriva.

OpenSuse

Von Haus aus spielt die Novell-Version von OpenSuse nur wenige Multimedia-Dateien ab. Es gibt zwar einen Assistenten, der die benötigten Komponenten nachlädt, dieser funktioniert jedoch nur unter dem Gnome-Desktop zuverlässig. Möchten Sie unter OpenSuse auch ab und zu einen DVD-Film anschauen, digital fernsehen oder Windows-Media-Dateiformate abspielen, kommen Sie um zusätzliche Paketquellen aus dem Internet nicht herum. Wenn immer möglich, sollten Sie diese Paketquellen permanent einrichten, da es sonst bei Updates dazu kommen kann, dass die Multimedia-Programme nicht mehr funktionieren.

Wir beschreiben im Folgenden, wie Sie die zwei Repositories (Paketquellen) Packman und VLC einrichten, welche Programmteile Sie austauschen müssen und welche Zusatzpakete EasyLinux zur Installation empfiehlt.

Das Setup der nötigen Paketquellen nehmen Sie über wenige Klicks in YaST vor. Sie benötigen dazu eine Internetverbindung.

  1. Öffnen Sie die OpenSuse-Schaltzentrale über [Alt]+[F2] und die Eingabe des Befehls yast.
  2. Starten Sie das Modul Software / Software-Repositories.
  3. Wählen Sie Hinzufügen / Community/Gemeinschafts-Repositories.
  4. Kreuzen Sie aus der Liste die Einträge Packman Repository und VideoLan Repository an.
  5. Übernehmen Sie die Einstellungen mit einem Klick auf OK, ohne YaST zu beenden.

Nachdem die nötigen Quellen eingerichtet sind, gilt es nun, die passenden Komponenten auszuwählen und zu aktualisieren.

  1. Starten Sie das Modul Software / Software installieren oder löschen.
  2. Stellen Sie den Filter auf Installationsquellen und markieren Sie das Packman-Repository.
  3. Wechseln Sie in die rechte Fensterhälfte und klicken Sie mit der rechten Maustaste auf ein beliebiges Paket. Wählen Sie den Eintrag Alle in dieser Liste / Aktualisieren, falls neuere Version verfügbar (Abbildung 1). YaST spielt so von allen Programmen ein Update ein, die es auch in einer Packman-Version gibt.
  4. Stellen Sie den Filter auf Suche, suchen Sie über die Eingabemaske nach den Paketen libdvdcss und w32codec-all und markieren Sie diese zur Installation.
  5. Klicken Sie auf Annehmen, um die Installation zu starten.

    Abbildung 1: Am einfachsten ersetzen Sie sämtliche vorhandenen Programme durch die entsprechenden Packman-Pakete.

Nach diesen zwei einfachen Schritten sollte Ihr System die meistverbreiteten Multimediadateien abspielen. Haben Sie schon etwas Erfahrung auf der Kommandozeile, können Sie diese zwei Schritte auch mit Root-Rechten und folgenden drei Befehlen durchführen:

zypper refresh
zypper install libdvdcss w32codec-all
zypper dup

MPlayer und VLC

Obige Schritte ersetzen die von OpenSuse mitgelieferte Version der Xine-Bibliothek durch eine unbeschränkte Version, so dass Sie zum Beispiel mit Kaffeine Videos und DVD-Filme schauen können. Unter KDE 4 bietet auch der neue Dragonplayer (Abbildung 2) sehr viele Möglichkeiten. Sie starten das Programm über [Alt]+[F2] und den Befehl dragon.

Abbildung 2: Der KDE-4-Mediaplayer Dragonplayer bietet sich als einfache Alternative zu Kaffeine an.

Möchten Sie anstelle von Kaffeine den Mediaplayer VLC oder MPlayer nutzen, starten Sie YaST erneut und suchen über das Eingabefeld des Moduls Software installieren oder löschen nach vlc oder mplayer.

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Infos zum Autor

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer ist Chefredakteur der Zeitschrift EasyLinux, Doktorand an der Uni Erlangen-Nürnberg und seit Mitte der 90er begeisterter Linux-Anwender.


Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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Kristian Kißling

Kristian Kißling

Wenn Kristian Kißling nicht gerade für die LinuxCommunity schreibt, arbeitet er als Redakteur bei der Zeitschrift EasyLinux und als Chefredakteur für den Ubuntu User. Am liebsten beschäftigt er sich mit Multimedia- und Unterhaltungssoftware im weiteren Sinne und mit neuer Open-Source-Software, die überraschende Fähigkeiten zeigt.

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