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© sxc.hu, flaivoloka

Linux-Dose

Designrechner auf Atom-Basis

29.06.2009 Einen ungewöhnlichen Linux-Rechner bietet der Hersteller CLVE (römische Schreibweise für "Clue") an: Es ist ein Atom-basierter Nettop im Röhrendesign als Zierde für den Schreibtisch.

Der TVBE (sprich: "Tube") getaufte Desktoprechner versucht, dem Credo bisheriger Nettops zu widersprechen, welches "möglichst klein, billig und unauffällig" zu lauten scheint. In ein für Atom-Verhältnisse doch relativ voluminöses röhrenförmiges Acrylglas-Gehäuse in wählbaren Farben (Abbildung 1) integriert der Hersteller ein Mini-ITX-Board mit Intel Atom 1.6 GHz (wahlweise Dual- oder Singlecore), Intel GMA950 Chipsatzgrafik und 2 GByte RAM sowie eine 500 GByte fassende 3,5-Zoll-SATA-Festplatte und einen 22x-DVD-Brenner. Anschluss an Netz und Peripherie findet der 4,5 Kilogramm schwere Designrechner über sechs USB-Ports (zwei auf der Ober-, vier auf der Unterseite), VGA, Gigabit-Ethernet, LPT, COM, PS/2, S-Video-out und Audio-in/out. Die Ober- und Unterseite des dosenförmigen Rechners ist aus schickem gebürsteten Aluminium.

Abbildung 1: Der CLVE-Designrechner mit Atom-Innenleben.

CLVE liefert ab Werk momentan Ubuntu 9.04 aus, unserem Vorseriengerät lag allerdings noch Ubuntu 8.10 bei. Der in der Redaktion nur "Blumentopf" genannte Rechner erfordert allerdings keinerlei Hand-Anlegen, ein Standard-Ubuntu 9.04 hat alle Komponenten korrekt erkannt und eingebunden.

Der TVBE erinnert entfernt an Apples mit vielen Design-Preisen ausgezeichneten Cube, obwohl er etwas größer ist und nicht passiv gekühlt wird, somit muss man mit einem durchaus hörbaren Lüfter leben. Grund für das größere Volumen und die fehlende Passivkühlung dürfte neben der etwas schwierigen runden Form sein, dass der Hersteller ein mittig vertikal verbautes normales Mini-ITX-Board verwendet. Apple integrierte ein insbesondere für die damalige Zeit äußerst kompaktes, eigens für den Cube entworfenes Motherboard direkt in einen auf Passivkühlung ausgelegten Käfig mit großzügig dimensionierten Kühlrippen. Dennoch sollte mit dem kaum Abwärme produzierenden Atom und der Chipsatzgrafik zusammen mit etwas Luftströmungsoptimierung eigentlich eine passiv gekühlte Lösung möglich sein. Der TVBE teilt nicht nur Vorteile, sondern auch einige der Nachteile mit dem Cube, beispielsweise, dass man zum Anstecken an die unteren Ports den Rechner auf die Seite legen muss.

CLVE liefert ein VGA-Kabel mit, das abgeknickt gerade noch unter den TVBE passt. Besser wäre hier ein Winkeladapter gewesen, wie ihn Apple dem Cube beigelegt hat, dies wäre nicht nur praktischer zum Anstecken, sondern sähe auch schöner aus. Das Platzproblem dürfte bei den anderen Ports dennoch öfter auftreten, denn in die gerade mal fünf Zentimeter Platz, die unter dem Gerät sind, passen weder etwas längere USB-Sticks noch etwas stärker geschirmte starrere VGA-Kabel und schon gar kein gängiger Drucker-Stecker. Ein weiteres Design-Problem sind – zumindest bei unserem Vorserienmodell – die S-Video- und PS/2-Ports: Die Löcher hierfür sind gerade mal so groß wie die Kontakte des Steckers, das Plastikteil des Steckers passt nicht in die Löcher. Bei normal dicken Steckerblenden, wie sie etwa Motherboards beiliegen, wäre dies kein Problem, aber hier handelt es sich um zwei Millimeter dickes gebürstetes Aluminium, so dass die Stecker – je nach Ausführung – gerade noch (PS/2) oder überhaupt nicht (S-Video) halten. Wider Erwarten setzt CLVE kein Slot-in-Laufwerk ein, an der Oberseite (Abbildung 2) ist ein normales Schubladenlaufwerk mit einer optisch passenden Aluminiumblende, das senkrecht aus dem Gehäuse fährt. Die Silberscheiben werden durch Halter beim Einlegen vertikal fixiert, und diese Lösung hat den Vorteil, auch kleinere optische Medien lesen zu können (beispielsweise Scheckkarten-CDs oder Mini-CDs). Aber dennoch würde sich gerade für einen solchen Rechner ein Slot-in-Laufwerk aufdrängen – nicht nur aus optischen Gründen.

Abbildung 2: Die Oberseite des TVBE mit USB-Ports, Belüftungsloch und optischem Laufwerk.

Optionen

In der uns zum Test vorliegenden Konfiguration mit Dualcore Atom und 500 GByte Festplatte kostet das Gerät im Webshop 330 Euro. Wahlweise ist die schwarze Röhre auch in Pink, Gelb, Rot oder Blau für fünf bzw. zehn Euro Aufpreis erhältlich. Standfüße mit getrennt wählbaren Farben schlagen mit weiteren fünf Euro zu Buche. 70 Euro Aufpreis kostet Windows XP Home, 75 Euro Vista Home Premium. 30 Euro sparen Käufer, die sich für die Singlecore-Version entscheiden, für noch einmal 20 Euro weniger ist der TVBE auch mit 320-GByte-Festplatte erhältlich.

Leistung

Die Leistung ist akzeptabel. Auch als Doppelkern ist der Atom zwar alles andere als ein Leistungswunder, aber dank den zwei Kernen, den 2 GByte RAM und der schnellen 3,5-Zoll-Festplatte fühlt sich das System merkbar flotter an als gängige Netbooks. In unserem Benchmark liefen Programme, die beide Kerne nutzen, merkbar schneller. Auch Tests mit vielen Festplattenzugriffen wurden dank Desktop-Festplatte deutlich flotter absolviert als auf Atom-Netbooks. In einigen wenigen Tests kann der TVBE sogar einen einkernigen AMD Neo mit 1.6 GHz schlagen – obwohl AMD offiziell immer noch keine Chips für den Netbook-Markt liefert, ist der Neo noch am ehesten als Konkurrenz zum Atom zu sehen. Unter dem Strich ist der TVBE rund 54 % schneller als ein Atom-Notebook und 22 % langsamer als ein Notebook mit AMD Neo.

Grafikmäßig sieht es, wie bei Systemen mit Intel-Chipsatzgrafik üblich, sehr traurig aus. Sobald es etwas anspruchsvoller wird in Sachen 3D-Grafik, wie beispielsweise bei unseren Grafikbenchmarks, streicht der GMA950 die Segel. Auch für eher anspruchslose Grafik wie bei Google Earth reicht die Leistung nicht.

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