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Eine Tastatur reicht

Mehrere PCs mit einer Tastatur/Maus steuern

06.07.2009 Zwei oder mehr Computer, aber nur eine Tastatur? Kein Problem, wenn Sie Synergy installieren. Mit der Maus fahren Sie einfach über Monitor- und Rechnergrenzen auf die anderen Desktops, und das sogar mit Linux und Windows.

Ohne Maus und Tastatur können Sie die wenigsten Rechner verwenden, Ausnahmen sind lediglich Multimediazentralen, die Sie mit einer Fernbedienung steuern. Benutzen Sie Linux und Windows parallel auf zwei oder mehr Rechnern, wird der Platz auf dem Schreibtisch schnell eng, denn für jeden PC benötigen Sie einen separaten Satz Eingabegeräte.

Für Linux gibt es mit x2x[1] schon länger ein Tool, mit dem Sie mehrere PCs über eine Tastatur und eine Maus ansteuern können. Läuft dieses Programm, fahren Sie einfach mit dem Mauszeiger nach links oder rechts "aus dem Monitor heraus" und landen dann auf dem benachbarten Monitor, der zu einem anderen PC gehört [2]. Das ist sehr praktisch, klappt aber nur mit zwei oder mehr Linux-Systemen.

Das Szenario mit einer Windows- und einer Linux-Maschine unterstützt x2x nicht, wohl aber Synergy [3], ein ähnliches Programm, das betriebssystemübergreifend arbeitet und zusätzlich noch auf Apple-Rechnern unter Mac OS X läuft.

Ein besonderes Highlight von Synergy ist, dass es die Zwischenablagen aller Computer synchronisiert: Sie können also unter Linux mit der Maus einen Text markieren, dann mit der Maus auf den Windows-PC wechseln und den Text dort mit [Strg]+[V] in eine Textverarbeitung oder ein anderes Programm einfügen. Der Weg von Linux nach Windows funktionierte hier problemlos, in der umgekehrten Richtung gingen aber Umlaute und andere Sonderzeichen kaputt. Beim Versuch, aus Word unter Windows Text in OpenOffice unter Linux einzufügen, erhielten wir einen unbrauchbaren längeren HTML-Block mit Stilbeschreibungen (Abbildung 1).

Wenn Sie Synergy ausprobieren wollen, finden Sie die Linux-Version auf unserer Heft-DVD. Die Windows-Version laden Sie von der Projektwebseite [3] herunter.

Abbildung 1: Synergy synchronisiert die Zwischenablagen von Windows und Linux, mag allerdings keine aus Microsoft Word kommenden Texte.

Wer hat das Sagen?

Bevor Synergy läuft, liegen noch alle Tastaturen und Mäuse auf dem Tisch. Die erste Frage, die Sie beantworten müssen, ist nun, welche der Eingabegeräte künftig verschwinden sollen. Der PC, dessen Geräte auf der Tischplatte verbleiben, wird in der Synergy-Sprache zum Server, alle übrigen werden Clients. Diese Begriffsbildung ist sinnvoll, weil der Rechner mit Maus und Tastatur einen Service anbietet: eben die Steuerung der PCs.

Wir beschreiben im Folgenden zwei Szenarien, in denen es genau einen Linux- und einen Windows-PC gibt. Synergy unterstützt prinzipiell beliebig viele dieser Rechner, so dass Sie auch acht Computer nutzen könnten, deren Monitore neben- und übereinander stehen – das führt für diesen Artikel aber zu weit und dürfte auch nur selten Ihrer tatsächlichen Situation entsprechen. Die beiden Standardszenarien, für die wir die Konfiguration erklären, sind:

  • Windows-PC als Server (steuert beide Computer), Linux-PC als Client
  • Linux-PC als Server (steuert beide Computer), Windows-PC als Client

Namensvergabe

Synergy erwartet, dass Sie jeden der beteiligten Rechner mit seinem Namen ansprechen. Im Test war es hilfreich, zunächst eine Übersicht mit Rechnernamen und zugehörigen IP-Adressen anzulegen und diese in der Linux-PC-als-Server-Variante auch in die Synergy-Konfigurationsdatei unter Linux zu schreiben.

Sollten Sie Schwierigkeiten haben, die Rechnernamen herauszufinden, hilft Ihnen der Kasten Probleme mit PC-Namen weiter. Allgemein können Sie sowohl auf Linux- als auch auf Windows-Systemen hostname eingeben, um den Namen herauszufinden:

$ hostname
quad

Unter Windows starten Sie dazu zunächst über Ausführen im Startmenü und Eingabe von cmd in das Schnellstartfenster eine Konsole, in der Sie dann den Befehl eingeben:

C:\Users\esser>hostname
core2

Probleme mit PC-Namen

Sollte es Ihnen nicht gelingen, den Namen des Windows-Rechners herauszufinden, nutzen Sie einen kleinen Trick: Tragen Sie den Windows-PC unter einem Phantasienamen in die Konfigurationsdatei ein, etwa als Unbekannt, und versuchen Sie dann von Windows aus den Verbindungsaufbau. Im Terminalfenster, in dem der Server synergys unter Linux läuft, erscheinen dann verschiedene Meldungen, darunter auch einige Fehlermeldungen:

NOTE: CClientListener.cpp,127: accepted client connection
DEBUG: CClientProxy1_0.cpp,404: received client "core2" info shape=0,0 1680x1050
WARNING: CServer.cpp,265: a client with name "core2" is not in the map
NOTE: CServer.cpp,1908: disconnecting client "core2"
NOTE: CClientProxy1_0.cpp,206: client "core2" has disconnected

Fett gedruckt sehen Sie in dieser Ausgabe, unter welchem Namen sich der Synergy-Client des Windows-Rechners am Server anmelden wollte, im Beispiel also core2. Ersetzen Sie jetzt in der Synergy-Konfiguration unter Linux den Phantasienamen Unbekannt durch den richtigen (hier: core2) und starten Sie beide Synergy-Programme neu, erst unter Linux, dann unter Windows – jetzt sollte es funktionieren.

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Infos zum Autor

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer ist Chefredakteur der Zeitschrift EasyLinux, Doktorand an der Uni Erlangen-Nürnberg und seit Mitte der 90er begeisterter Linux-Anwender.


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