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© Carsten Reisinger, Fotolia

Wie das Audiosystem unter Linux funktioniert

Musikbox

Linux bietet für jeden Geschmack die passenden Programme, so auch für Musikfreunde. Die technischen Grundlagen des Linux-Soundsystems erklärt der folgende Artikel.

Linux ist weithin als hervorragende Basis für Server-Installationen und Desktop-Rechner mit Standardaufgaben bekannt. Als Geheimtipp gilt das freie Betriebssystem jedoch noch immer in vielen Anwendungsbereichen, die sich abseits des Mainstreams von Office, Firefox & Co. bewegen. Auch Multimedia-Applikationen assoziieren die meisten eher mit anderen Betriebssystemen. Dabei hat sich Linux insbesondere im Video-, Audio- und Bildbearbeitungssegment in den letzten Jahren vom Aschenputtel mit schwer zu installierender Hardware und leistungsfähiger, aber gewöhnungsbedürftiger Software zu einem wahren Schmuckstück entwickelt, das in nahezu allen Fällen phantastische Möglichkeiten ohne komplizierte Installationsorgien bietet.

Grund dafür ist die rasante technische Entwicklung, die – wie üblich bei freier Software – bunte Vielfalt statt bleierner Einfalt hervorgebracht hat. So sind beispielsweise im Audiobereich vom einfachen Player bis hin zu professionellen Schnitt- und Mixprogrammen selbst für die exotischsten Formate unzählige Softwarepakete vorhanden, die praktisch alle erdenklichen Anforderungen abdecken. Damit Sie jedoch auch bei selten auftretenden Problemen nicht im Regen stehen bleiben, sollten Sie die Grundfunktionalität der Soundarchitektur von Linux kennen. Mit dem theoretischen Wissen ist es oft möglich, auch nicht-standardkonforme Hardware, wie man vor allem in älteren Notebooks findet, zur Kooperation mit dem Pinguin zu bewegen.

Aufbau des Soundsystems

Die Soundarchitektur ist unter Linux streng modular und besteht vereinfacht aus drei Elementen: den Hardware-Treibern, dem Soundsystem und einem Soundserver. Dabei sind die Treiber für die Hardware bereits in den jeweiligen Kernel integriert, wobei es sich hierbei nicht – wie unter anderen Betriebssystemen – um Soundkarten-spezifische Treiber handelt, sondern um Chipsatz-spezifische. Dies hat den großen Vorteil, dass für verschiedene Soundkarten, die mit demselben Chipsatz arbeiten, ein einziger Treiber ausreicht. Da die Chipsatz-Module bereits im Kernel verankert sind, benötigen Sie zudem bei der Installation einer neuen Soundkarte keine eigens dafür vorhandenen Treiber auf CD oder aus dem Internet: Linux erkennt die Hardware automatisch und lädt das entsprechende Modul.

Historisches

Bis einschließlich der Kernel-2.4.x-Linie war unter Linux das Open Sound System (OSS) für die Audioansteuerung zuständig [1]. Mit dem Wechsel zur Kernel-2.6.x-Serie hat ALSA (Advanced Linux Sound Architecture) OSS abgelöst [2]. Der Umstieg von OSS auf ALSA war sowohl wegen technischer als auch wegen lizenzrechtlicher Probleme nötig: Der Maintainer von OSS war mit zunehmendem Erfolg seines Projektes in der Linux-Welt auf die Idee gekommen, neue Versionen von OSS unter eine proprietäre Lizenz zu stellen und damit den freien Zugang der Programmierer zum Quellcode zu verhindern. Außerdem nutzte OSS nicht den vollen Funktionsumfang moderner Soundkarten und -systeme, wie z. B. die Unterstützung für Dolby Digital. Deswegen wurde das ALSA-Projekt gegründet, das ursprünglich aus der Treiberentwicklung für die Gravis-UltraSound-Karten hervorging. Da es sich hierbei um eine komplette Neuentwicklung handelt, sind die Treiber von OSS nicht mit jenen von ALSA kompatibel. Weil jedoch einige Anwendungen wie beispielsweise das weit verbreitete Audiobearbeitungsprogramm Audacity auf OSS setzen, verfügt ALSA mithilfe eines Plug-ins über einen Kompatibilitätsmodus, der auch den Betrieb solcher Programme unter ALSA ermöglicht. Dank des ALSA-Systems ist es zusätzlich möglich, mehrere Soundkarten gleichzeitig im Rechner zu betreiben, was insbesondere professionellen Anwendern zugute kommt.

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