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Musikbox

Wie das Audiosystem unter Linux funktioniert

Codecs

Haben Sie Ihre Wunschdistribution komplett auf die heimische Festplatte gepackt, ist zwar die Grundfunktionalität für die Multimedia-Unterstützung eingerichtet, jedoch können Sie noch längst nicht alle entsprechenden Dateien abspielen oder bearbeiten. Vor allem im Videobereich sind fehlende Codecs ein stetig wiederkehrendes Ärgernis, aber auch im Audiosegment tummeln sich viele verschiedene Codecs. Als Codec wird generell ein Verfahren der digitalen Kodierung und Dekodierung bezeichnet, mit dem man Audio- und Videodateien erstellt bzw. wieder abspielt. Die meisten gängigen Audio-Codecs (z. B. MP3 oder Ogg-Vorbis; Abbildung 2) komprimieren die digitalisierten Daten, speichern also das ursprüngliche Tonsignal nicht verlustfrei. Eine Ausnahme bildet hier der FLAC-Codec, der nicht verlustbehaftet arbeitet.

Abbildung 2: Die Webseite des Vorbis-Projekts informiert nicht nur über den Audio-Codec "Ogg Vorbis", sondern auch über den ebenfalls freien Video-Codec Theora.

Der Vorteil der verlustbehafteten Kodierverfahren besteht in der relativ kleinen Datenmenge, die anfällt. So sind komprimierte Ogg-Vorbis-Musikdateien um ein Vielfaches kleiner als das unkomprimierte Original, wobei sie – ab einer Bitrate von etwa 160 Kbit/s – nur noch in Grenzbereichen für das menschliche Ohr hörbare Unterschiede zum originalen Klang produzieren.

Verlustfreie Codecs wie FLAC hingegen liefern bei einer Rückwandlung in ein analoges Signal zwar eindeutig besseren Klang, produzieren jedoch auch wesentlich größere Datenmengen bei der Kodierung.

Linux unterstützt nahezu alle gängigen und die meisten exotischen Codecs. Fast alle unter Linux etablierten Audiobearbeitungs-, Player- und Ripperprogramme bringen serienmäßig bereits Unterstützung für den FLAC- und den Ogg-Vorbis-Codec mit. Lediglich für den mit Patenten belegten und unter einer proprietären Lizenz stehenden MP3-Codec müssen Sie gelegentlich noch die entsprechenden Dateien aus dem Internet beschaffen. Auch andere proprietäre Codecs wie WMA unterstützen viele Audioprogrammen unter Linux nicht out of the box.

Neben den qualitativen Gründen, die heimische Musiksammlung im hervorragenden Ogg-Vorbis-Format oder im FLAC-Format zu speichern, sprechen für Freunde freier Software noch zwei Argumente gegen MP3, WMA & Co., die eher philosophischer Natur sind: Außer den erwähnten patentrechtlichen Problemen sind diese Formate nämlich auch DRM-tauglich, also so konzipiert, dass sie Anwender in der Nutzung der Dateien einschränken können (siehe Kasten Digitale Restriktionen mit DRM).

Digitale Restriktionen mit DRM

Ein weiteres Problem, das sich aus der Nutzung proprietärer Codecs ergibt, ist das Digital Rights Management (DRM), eine von der Musikindustrie erfundene Technologie, die dem Musik- und Videofreund tatsächlich mehr Rechte nimmt als gibt. Sie erlaubt den Rechteinhabern die uneingeschränkte Nutzungskontrolle ihrer Werke und führt dabei gleichzeitig neue Abrechnungsmodelle ein, die sich durchgängig zum Nachteil des Anwenders herausgestellt haben. Inzwischen haben die meisten Unternehmen der Unterhaltungsindustrie im Audiobereich die DRM-Technologie wieder abgeschafft, da sie von den Anwendern geschmäht wurde. Trotzdem sind nach wie vor DRM-"geschützte" Inhalte verfügbar, die sich unter Linux ohne zusätzliche proprietäre Software nicht abspielen oder bearbeiten lassen.

Bei der Anlage Ihrer privaten Musiksammlung empfehlen sich daher die freien Formate als die bessere Alternative, zumal in der Fachwelt auch unstrittig ist, dass das Ogg-Vorbis-Format dem MP3-Konkurrenten technisch überlegen ist. Da zunehmend mehr Hersteller MP3-Player anbieten, die neben dem MP3- und dem Windows-eigenen WMA-Format auch mit dem freien Ogg-Vorbis-Audioformat umgehen können, ist die Portabilität Ihrer Inhalte gewährleistet. Die freien Codecs sind technisch nicht geeignet, durch DRM oder andere negative Gimmicks den Anwender zu kontrollieren oder ihm nach Belieben in die Tasche zu greifen.

Infos

[1] Open Sound System: http://www.opensound.com/

[2] ALSA-Projekt: http://www.alsa-project.org/

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