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Musikbox

Wie das Audiosystem unter Linux funktioniert

Aufgabenteilung

Das ALSA-Soundsystem dient bei der Audioansteuerung als Mittler zwischen dem Kernel und der Hardware: Es identifiziert die im System verbaute Sound-Hardware und lädt das dazu passende Kernelmodul. Zusätzlich kann man ALSA auch, sofern das dmix-Plug-in installiert ist, als Soundserver verwenden (Abbildung 1). Soundserver dienen unter Linux dazu, die Audiowiedergabe und -bearbeitung zu flexibilisieren: So ist es ohne Soundserver nicht möglich, akustische Signale, die von mehreren Programmen stammen, gleichzeitig zu verarbeiten. Auch das softwaregestützte Abmischen von Signalen aus verschiedenen Quellen übernimmt der Soundserver. Vor allem bei älteren Soundkarten kompensiert er zudem Schwächen der Hardware: Viele betagtere Modelle beherrschen noch nicht die simultane Signalübertragung.

Abbildung 1: ALSA arbeitet auch als Mixer, regelt also verschiedene Audio-Ein- und -Ausgänge.

Unter Linux haben sich – je nach verwendetem Desktop – verschiedene Soundserver etabliert: Gnome nutzte lange Zeit der Enlightened Sound Daemon (ESD), der auch unter dem schlanken Window Manager Enlightenment seine Arbeit verrichtet. Ubuntu und Fedora haben den ESD-Server inzwischen durch den PulseAudio-Server ersetzt, der eine deutlich bessere Latenz aufweist und daher das stufenlose Abmischen von Signalen aus verschiedenen Quellen in Echtzeit bietet.

KDE setzte in den Versionen 3.x durchgängig auf Arts als Soundserver, mit KDE 4.0 haben die Entwickler Arts wegen technischer Probleme und seiner unklaren Zukunft durch Phonon ersetzt, wobei Phonon kein Soundserver herkömmlicher Art ist, sondern eine Abstraktionsschicht, die es ermöglicht, auch andere Soundserver anstelle von Arts unter KDE 4 zu nutzen. Zudem erleichtert Phonon durch seine flexible Architektur die Portabilität von Multimediaprogrammen, die auch auf anderen Plattformen laufen sollen.

Die beiden großen Distributionen OpenSuse und Mandriva verwenden inzwischen statt Arts in ihren KDE-Varianten das Duo Phonon/PulseAudio. Eine Sonderrolle nimmt der Jack-Soundserver ein, der vor allem wegen seines enormen Funktionsumfangs und seiner überragenden Echtzeitfähigkeiten im professionellen Bereich beliebt ist.

Praktisches

Für Endanwender sind die technischen Grundlagen in den meisten Fällen unwichtig, da moderne Linux-Distributionen die komplette Audioumgebung eigenständig ohne Zutun des Nutzers installieren und konfigurieren. Nur in sehr seltenen Fällen (vor allem bei nicht mehr ganz taufrischen Notebooks mit ihren oft proprietären Komponenten) kann es vorkommen, dass die Installationsroutine versagt und Sie die Soundunterstützung von Hand einrichten müssen. Dann hilft es meistens auch nicht weiter, wenn Sie sich auf die Herstellerangaben verlassen: Viele der in älteren Notebooks verbauten Soundkarten werden als "SoundBlaster-kompatibel" beworben. Das heißt aber nicht, dass die Karte tatsächlich vollständig zur SoundBlaster von Creative Labs kompatibel ist und mit dem Original-SoundBlaster-Treiber laufen wird. In der Praxis hat sich gezeigt, dass (neben den Steckkarten mit Creative-Labs-Chipsätzen) nur solche mit MAD16- oder ESS688/1688-Chipsatz voll SoundBlaster-kompatibel sind.

Probleme mit der Hardware können auch auftreten, wenn Sie eine uralte Soundkarte nutzen, die einen ISA-Steckplatz belegt. Solche Karten müssen in aller Regel von Hand gejumpert werden, um anderen Komponenten im Rechner nicht in die Quere zu kommen. Bei modernen PCI-Soundkarten oder den in neueren Notebooks mit Intel-Centrino-Technologie verbauten Chipsätzen funktioniert die Soundunterstützung dagegen unter Linux out of the box, da hier in aller Regel der Chipsatz bereits die Akustikunterstützung implementiert hat.

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