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Aus Funk und Fernsehen

Mediacenter Elisa unter der Lupe

04.03.2009
Gäbe es eine Top-Ten-Liste von Programmen mit den kürzesten Release-Zyklen, dann würde das Mediacenter Elisa darin vorkommen. Allein im letzten halben Jahr brachte das Elisa-Entwicklerteam fast jede Woche eine neue Version heraus. Grund genug, das Programm unter die Lupe zu nehmen.

Elisa [1] ist ein angehendes Open-Source-Mediacenter mit einfach zu bedienender Oberfläche. "Angehend" deswegen, weil das Programm teilweise noch erheblich in den Kinderschuhen steckt, grundlegende Funktionen nicht vorhanden sind und die Software leicht instabil ist. Bleibt das Projekt aber so aktiv wie bisher, ist schon bald mit einem brauchbaren Produkt zu rechen. Ein weiterer Grund, dies anzunehmen, ist die Unterstützung der Elisa-Entwickler durch die spanische Softwareschmiede Fluendo [2], die Multimedialösungen für viele Betriebssysteme entwickelt.

Ein Mediacenter ist ein Programm zum Abspielen und Aufnehmen verschiedener Medienformate. In dieser Programmliga spielen unter Linux beispielsweise MythTV [3] und LinuxMCE [4] ganz oben mit. Elisa kann momentan Videos, Musikdateien und Radiostreams abspielen und Bilder anzeigen. Damit liegt es, was die Ausstattung angeht, eher im unteren Mittelfeld. Eine Besonderheit ist die grafisch sehr gut umgesetzte Bedienoberfläche, die einen merklichen Kontrast zum Erscheinungsbild anderer Musik- und Videoplayer darstellt. Elisa spielt nicht nur Dateien von Festplatte, USB-Stick und CD/DVD, sondern holt auch Videos, Bilder und Musik von Websites wie YouTube, Flickr und Shoutcast.

Abbildung 1: Das Elisa-Startmenü: Um zu den einzelnen Funktionen zu gelangen, drehen Sie einfach den Menükreis mit den Pfeiltasten.

Pakete für Elisa stehen für Ubuntu, OpenSuse und Mandriva in unterschiedlichen Versionen bereit. Unter OpenSuse erhalten Sie die Pakete aus dem Community-Repository Packman. Bei der Installation des angehenden Multimediacenters ist darauf zu achten, dass Sie neben dem Basispaket elisa auch die drei Plug-in-Pakete von Elisa einspielen, um alle Funktionen nutzen zu können. Wegen der unterschiedlichen Versionen in den Distributionen hinterlässt das Programm je nach Linux-System sehr verschiedene Eindrücke: Auf der einen Seite funktionieren die grundlegenden Features in Ubuntu, OpenSuse und Mandriva gleich. Geht es aber um spezielle Funktionen wie YouTube, Radiostreams oder Flickr, zeigen sich auf der anderen Seite große Unterschiede. In manchen Distributionen funktionieren diese überhaupt nicht, da etwa bei Ubuntu 8.10 das dafür nötige Paket elisa-plugins-ugly nicht installierbar ist. Auch die Stabilität der Playerfunktionen überzeugt nicht in allen Distributionen, zudem unterscheiden sich Aussehen und Einstellungsdialoge. Bei OpenSuse 11.1 verursacht schon der Programmstart Probleme.

Unter der hübschen Oberfläche nutzen die Entwickler die Multimediabibliothek GStreamer, die Funktionen zum Abspielen der verschiedenen Medien bereitstellt. Auch von GStreamer sollten alle Plug-ins und Codecs installiert sein. Damit die grafischen Spielereien der Elisa-Oberfläche richtig zur Geltung kommen, brauchen Sie ein funktionierendes 3D-Grafiksystem, die 3D-Desktopeffekte sollten Sie aber deaktivieren.

Aussehen und Bedienung

Nach dem Start erscheinen zunächst fünf Symbole auf schwarzem Hintergrund, die für die Hauptkategorien Musikplayer (CD), Videoplayer (Regieklappe), Bildbetrachter (Fotoapparat), Plug-in-Verwaltung (Zahnrad bzw. Puzzleteil) und Einstellungen (Maulschlüssel) stehen (Abbildung 1). Ohne die dürftige Dokumentation zu lesen, gelingt die Navigation aber intuitiv. Mit den Pfeiltasten und [Eingabe] wählen Sie die gewünschte Funktion.

Elisa bietet nur wenige Möglichkeiten, das Programm individuell anzupassen. In den Einstellungen können Sie weitere Verzeichnisse angeben, die Elisa nach Medien durchsuchen soll, und die Benutzerdaten für das Flickr-Modul eintragen. Einen Assistenten für die Nutzung einer Fernbedienung, die das Programm unterstützt, gibt es nicht: Hier ist Handarbeit auf der Konsole angesagt. Besonders für den Linux-Einsteiger bedeutet das eine unüberwindbare Hürde. In neueren Versionen schon gut gelöst ist dagegen die Integration neuer Plug-ins, die Sie über das Puzzle-Symbol im Hauptmenü erreichen.

Zur Steuerung des Programms reichen wenige Tasten. Die Pfeiltasten übernehmen im Startmenü und in den Playern die Navigation. Durch die Datei- oder Ordnerlisten hangeln Sie sich mit [Pfeil]+[ab] und [Pfeil]+[auf]. Mit [Pfeil]+[rechts] wechselt die Steuerung auf die Leiste am oberen Rand. Dort können Sie zwischen einfachen Playerbedienelementen wie Play oder Stop wählen. Außerdem können Sie den Ansichtsmodus für die Dateien auf den Schaufenstermodus schalten (Abbildung 2). Die Albencover holt das Programm aus dem Internet – das funktioniert aber nicht immer.

Abbildung 2: Der Elisa-Musikplayer: Besonders schick ist es, Musikalben im Schaufenstermodus durchzublättern.

[Eingabe] wählt einen Menüpunkt aus, öffnet einen markierten Ordner oder startet die Wiedergabe von Musik und Videos. Mit [Rückschritt] gelangen Sie in der Menühierarchie oder in der Verzeichnisstruktur einen Schritt nach oben. Neben der Tastatur ist die Oberfläche auch mit der Maus zu handhaben. Dazu genügt dann jeweils ein Klick auf die Symbole oder Mediensteuerungselemente. Im Wiedergabemodus stellt Elisa nur wenige Bedienelemente bereit (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Bedienelemente der Player bieten nur die grundlegendsten Funktionen.

Unerschöpfliche Quellen

Elisa gibt Videos, Musik und Bilder wieder, die auf der Festplatte, also lokal gespeichert sind. Zunächst müssen Sie aber in den Einstellungen (Maulschlüssel) die Ordner angeben und somit in den Suchpfad einpflegen, in denen Sie die Bilder, Musikalben und Urlaubsvideos gespeichert haben.

Wenn Sie keine interessanten oder lustigen Bilder und Videos mehr haben, sucht Elisa im Internet auf bekannten Plattformen wie YouTube und Flickr nach öffentlichen Mediendateien (Abbildung 4). Auch diese Funktion des Mediacenters ist einfach zu erreichen. Aber hier lauern ein paar Stolpersteine, denn nicht mit jedem Videoformat kann Elisa aus dem Stand umgehen. Nicht jede Kombination von Elisa- und GStreamer-Plug-ins und Zusatz-Codecs funktioniert. Außerdem verabschiedet sich die Anwendung öfter beim Aufruf von unliebsamen Medienformaten. Nachvollziehbar waren viele dieser unwillkürlichen Programmabstürze nicht.

Abbildung 4: Wenn die eigenen Videos zu langweilig werden: Das YouTube-Plug-in von Elisa.

In den Bildbetrachter haben die Entwickler die Foto-Community Flickr integriert. Voraussetzung ist, wie bei den Videos von YouTube und den Film-Trailern, ein schneller Internetzugang. Praktisch ist, dass Sie sich über Elisa auch mit den eigenen Flickr-Account anmelden können (Abbildung 5), dazu müssen Sie aber zunächst Ihre Zugangsdaten in den Einstellungen eingeben.

Abbildung 5: Auch der Zugang in die Foto-Community Flickr ist in Elisa integriert.

Genauso unerschöpflich wie Bilder und Videos aus dem Netz sind die vielen Webradio-Stationen. Elisa stellt auch hier einen einfachen Zugang bereit und nutzt die Sendersammlung von Shoutcast [5]. Sie können aber im Gegensatz zum Video- und Bildbetrachter die Radiosender nicht nach Stichworten durchsuchen. Mit der aktuellen Elisa-Version können Sie auch keine eigenen Playlisten erstellen; dieses Feature ist aber für eine der nächsten Releases vorgesehen.

Einen via USB angeschlossenen MP3-Player erkennt Elisa zwar nicht automatisch, aber unter KDE reicht ja nach dem Anstöpseln ein Mausklick, um den Datenträger ins lokale Dateisystem einzubinden. Danach findet auch Elisa alle Verzeichnisse und Dateien des externen Players. Sie können dann die Dateien auf dem Player abspielen, ohne sie auf die Festplatte zu kopieren.

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