Editorial

Hilfe, die Ribbons kommen

Die Ribbons kommen. Das sind nicht Vater und Mutter Ribbon mit ihrem verhaltensauffälligen Sohn Frank Ribbon, der die Nachbarschaft unsicher macht – nein, die Ribbons sind schlimmer: Sie sind kleine Revoluzzer, wollen die ganze Welt verändern, die Bürger in ihren Gewohnheiten erschüttern… zumindest, was die Benutzung von Programmen angeht.

Ribbons kommen von Microsoft, und wer unter Windows eine aktuelle Office-Version benutzt, kennt sie schon: Vorbei die Zeiten, in denen man sich durch mehrstufige Menüs und Untermenüs hangelte; stattdessen gibt es jetzt kontextabhängig viele hübsche Icons für die Programmfunktionen, die man gerade benötigen könnte.

Manche Usability-Experten, also Leute, die sich mit der Bedienbarkeit von Software beschäftigen, bescheinigen der Ribbon-Methode leichtere Erlernbarkeit für Einsteiger und ingesamt bessere Übersichtlichkeit. Da ist was dran: In einem unbekannten Programm in den verschachtelten Menüstrukturen nach einer Funktion zu suchen, kann schon einige Zeit in Anspruch nehmen. Wer aber bereits einige Jahre Erfahrung mit einem bestimmten Programm hat, dem bricht beim Anblick der eigenartigen Bänder der kalte Schweiß aus: Man findet erst mal nichts, und die großflächigen Ribbons verschwenden Bildschirmplatz.

Für Microsoft Office haben darum findige Drittanbieter Produkte im Angebot, welche die klassischen Menüs zurückbringen (und Office damit für alte Hasen wieder benutzbar machen). Doch jetzt kommt bald Windows 7, der Vista-Nachfolger, und da ziehen die Ribbons in viele der enthaltenen Programme ein.

Geh mir weg mit den Ribbons!

Liebe Entwickler von OpenOffice, Gimp, Firefox und ungezählten anderen Programmen: Bitte springt nicht auf den Ribbon-Zug: Nicht jede Innovation ist eine Verbesserung. Bleibt standhaft und verseht Eure Anwendungen mit klassischen Menüs. Die dürfen dann durchaus nach Usability-Gesichtspunkten optimiert sein und Standardfeatures an den Stellen im Menü anordnen, wo man sie erwartet.

Dann können auch Windows-Anwender, die mit ansehen müssen, wie nach und nach Windows-Anwendungen zum neuen Ribbon-Look wechseln, zu den freien Alternativen aus der Linux-Welt fliehen, denn die gibt es ja oft auch als Windows-Version.

Was halten Sie von Ribbons? Arbeiten Sie mit Software, die bereits welche verwendet? Schreiben Sie uns doch, warum Sie Ribbons gut oder schlecht finden.

Titelthema: Lokale Netze

Im Schwerpunkt dieser Ausgabe geht es um Vernetzung: Wie Sie Ihre heimischen PCs über Kabel oder via WLAN miteinander verbinden, verraten die ersten beiden Artikel ab S. 24 und S. 28 – fehlt Ihnen noch ein passender WLAN-USB-Stick, finden Sie im Testbericht ab S. 45 eine Auswahl passender Geräte.

Steht das lokale Netz, gibt es viele Möglichkeiten, diese Vernetzung praktisch zu nutzen: Unter anderem können Sie auf Dateien eines anderen PCs zugreifen oder eine Maschine fernsteuern. Dazu setzen Sie verschiedene Dienste ein:

  • SSH steht für Secure Shell und war ursprünglich nur dazu gedacht, sich über das Netzwerk auf einem anderen Rechner anzumelden, um dort (Konsolen-)Befehle auszuführen. Das geht auch heute noch, aber SSH erlaubt auch bequemes Datei-Kopieren von einem PC zum anderen. Mehr dazu ab Seite 34.
  • Mit NFS, dem Network Filesystem, speichern Sie alle privaten Dateien auf einem NFS-Dateiserver und binden die NFS-Freigaben auf allen anderen PCs in die Verzeichnishierarchie ein. Wie das geht, lesen Sie ab Seite 39.
  • VNC (Virtual Network Computing) bringt einen kompletten Desktop auf den Bildschirm eines anderen Rechners. So können Sie Maschinen auch mit grafischen Tools fernsteuern. Dabei gibt es VNC für viele Betriebssysteme, u. a. Linux, Windows und Mac OS X.

Hans-Georg Eßer

Chefredakteur

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