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Fernbedient

Windows und Linux fernbedienen

Alternative NX

Eine Alternative zum unbenutzbaren Krfb bietet die italienische Firma Nomachine [4] mit ihrem freien NX-Server für Linux. Zwar besitzt das Programm keine grafische Benutzeroberfläche, da sich das rudimentäre Einrichten jedoch auf wenige Arbeitsschritte beschränkt, ist diese für den hier vorgestellten Anwendungsfall auch nicht erforderlich. Da der NX-Server den SSH-Server zum Tunneln des Datenstroms verwendet, installieren Sie, falls noch nicht vorhanden, diesen über den Paketmanager Ihrer Distribution. Um ihn zu starten, öffnen Sie ein Terminal mit der Eingabe von konsole im Schnellstartfenster und tippen sudo /etc/init.d/sshd start.

Danach laden Sie von der Downloadseite [5] die für Ihre Distribution passenden Pakete Client, Node und Server herunter. Entgegen der Beschreibung läuft NX problemlos mit modernen Linux-Systemen wie OpenSuse 11.0/11.1, Mandriva 2009 und Kubuntu 8.10. Nach dem Download installieren Sie zuerst den Client, danach den Node und am Schluss den Server. Es ist wichtig, diese Reihenfolge einzuhalten, da andernfalls die Paketmanager die Installation wegen ungelösten Abhängigkeiten abbrechen. Die Installation beginnen Sie am einfachsten mit einem Klick auf die heruntergeladenen Pakete, was automatisch den Paketmanager startet, der eventuelle weitere Abhängigkeiten auflöst. Sollte es zu Problemen kommen, installieren Sie die Pakete manuell mit der Eingabe von sudo rpm -ivh paketname.rpm bzw. sudo dpkg -i Paketname.deb in der Konsole. Nach der erfolgreichen Installation gilt es, die Konfigurationsdatei des Servers anzupassen. Öffnen Sie dafür den Texteditor KWrite mit Root-Rechten mit der Eingabe von kdesu kwrite im Schnellstartfenster [Alt]+[F2]. Öffnen Sie danach die Datei /usr/NX/etc/server.cfg, suchen Sie den Abschnitt #SSHDPort = "22" und entfernen Sie die Raute (#) vor dem Eintrag. Speichern Sie die Änderungen und fahren Sie den Server mit der Eingabe von sudo /usr/NX/bin/nxserver --restart in der Konsole erneut hoch. Danach ist der Dienst einsatzbereit und wartet auf Port 22 auf Verbindungsanfragen. Auch hier gilt: Steht der Rechner hinter einem Router und möchten Sie ihn übers Internet erreichen, müssen Sie die Konfiguration entsprechend anpassen.

Da Nomachine ein eigenes Protokoll verwendet, benötigen Sie zum Kontakt mit dem Server den kostenfreien NX-Client, den Nomachine sowohl für Linux als auch für Windows und Mac zum Download bereitstellt [5]. Starten Sie das Programm nach der Installation mit einem Klick auf den KDE-Menü-Eintrag Internet / NX Client for Linux / NX Client for Linux. Daraufhin erscheint ein Konfigurationsfenster (Abbildung 5), das Ihnen ungleich mehr Einstellungen ermöglicht, als beispielsweise der KRDC. Im Reiter General legen Sie zunächst unter Server die IP-Adresse und Port des Zielservers fest. Unter Desktop stellen Sie das System ein, mit dem Sie sich verbinden möchten. Der NX-Client erlaubt nämlich nicht nur das Verbinden zu Servern, die mit dem eigenen Protokoll arbeiten, sondern unterstützt auch RDP (Windows) und RFB (VNC). Wählen Sie im ersten Feld Unix, erscheint im zweiten die Auswahl zwischen KDE und GNOME. Je nachdem, welche Desktopumgebung der Zielrechner mit dem NX-Server verwendet, wählen Sie eine davon.

Abbildung 5

Abbildung 5: Der NX-Client beherrscht nicht nur das eigene Protokoll sondern eignet sich auch vorzüglich zum Kontakt mit VNC- oder RDP-Servern.

Mit dem darunterliegenden Schiebregler legen Sie fest, mit welcher Bandbreite der entfernte Rechner ans Netz angeschlossen ist. Wählen Sie MODEM, arbeiten Sie zwar auch auf Rechnern mit einer geringen Netzwerkbandbreite noch flüssig, müssen aber einige Abstriche bei der Darstellung in Kauf nehmen. Im Feld Display stellen Sie ein, in welcher Größe der Desktop übertragen wird. Available area öffnet beispielsweise ein Fenster mit der Auflösung Ihres Desktops, und stellt den entfernten Bildschirm darin dar. Ähnlich wie der Windows-Service verwendet NX mit der hier vorgestellten Konfiguration die Login-Daten lokal eingerichteter Benutzer. Um sich anzumelden geben Sie deshalb den Benutzernamen und das Kennwort eines Nutzers des entfernten Systems ein.

Im Betrieb bereitete der NX-Server kaum Probleme. Es kam weder zu Verbindungsabbrüchen noch zu Fehlern in der Darstellung. Auch die Arbeit an Rechnern übers Internet verlief problemlos. Mit einer kleinen Schwäche hat NX aber doch zu kämpfen: Bei viel Bewegung auf dem Desktop steigt die Systemlast auf dem Rechner auf bis zu 80% an. Das liegt daran, dass der NX-Server damit beschäftigt ist, die schnell wechselnden Informationen zu komprimieren, und der SSH-Daemon diese anschließend verschlüsseln muss. Weitergehende Informationen zur Arbeit mit NX finden Sie unter [6].

Fazit

Während der Zugriff auf Windows-Rechner mit Linux-Bordmitteln keinerlei Probleme bereitet, ist der bei vielen Distributionen vorinstallierte Krfb wegen seiner unbrauchbaren Darstellung schlicht ungeeignet, um damit zu arbeiten. Abhilfe schafft hier der NX-Server, den auch ungeübte Anwender mit wenigen Handgriffen auf dem System einrichten. Er stellt den Desktop auf dem Fremdrechner fehlerlos dar und erlaubt aufgrund der transparenten Komprimierung des Datenstroms auch die Arbeit auf Rechnern, die lediglich mit ISDN oder Analogmodem ans Internet angeschlossen sind.

Glossar

RFB

Das Remote Framebuffer Protocol ermöglicht den Zugriff auf die grafischen Benutzeroberflächen (GUI) anderer Computer. Es verwendet als Standardport 5900 und überträgt die jeweiligen Änderungen des Bildschirminhalts als Bitmap-Grafik an den Client.

RDP

Das Remote Desktop Protocol von Microsoft eignet sich dazu, den Desktop auf entfernten Rechnern darzustellen und zu steuern. Es verwendet den Chiffrieralgorithmus RC 4 um die Verbindung zu verschlüsseln.

Infos

[1] Eigene IP-Adresse ermitteln: http://meineipadresse.de

[2] DynDNS: http://dyndns.org

[3] TightVNC: http://www.tightvnc.com

[4] Nomachine: http://www.nomachine.com

[5] NX Downloads: http://www.nomachine.com/select-package.php?os=linux&id=1

[6] NX-Artrikel: Kristian Kissling, "Work@home", LinuxUser 03/2008, S 78 ff., http://www.linux-user.de/ausgabe/2008/03/078/index.html

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