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Auf DVD: Knoppix 6.1

Live-Linux mit neuer Technik

01.04.2009 Traditionell erscheint zur CeBIT eine neue Version das Live-Linux-Systems Knoppix – so auch dieses Jahr. Auf unserer Heft-DVD finden Sie die aktuelle Version 6.1, die Sie booten und sofort einsetzen oder bei Bedarf auch auf Platte installieren können.

Knoppix war der Vorreiter der heute zahlreichen Live-Distributionen, die auch ohne Platteninstallation sinnvoll nutzbar sind. Zu den beliebten Knoppix-Features zählt neben der umfassenden Softwaresammlung, die ein spezielles komprimiertes DVD-Dateisystem möglich macht, die Fähigkeit, Systemeinstellung und private Daten (aus /home/) auf einem USB-Stick zu speichern. Ausgestattet mit der Heft-DVD und Ihrem USB-Stick haben Sie so ein portables und doch vollwertiges Linux-System, das Sie überall mit hinnehmen können: Auch bei Freunden und Bekannten, am Arbeitsplatz oder im Hochschulrechnerraum, wo vielleicht nur Windows-Rechner verfügbar sind, können Sie vorgefundene PCs innerhalb einer Minute zum Linux-Arbeitsplatz umfunktionieren. Den installierten Systemen droht dabei im Wesentlichen keine Gefahr, weil es keine Änderungen an der Partitionstabelle gibt. Knoppix bindet allerdings nach dem Booten alle gefundenen Plattenpartitionen ein, und Sie haben auch auf Windows-Datenträger Schreibzugriff.

Wer von Knoppix nicht mehr los kommt, kann das System über den eingebauten Installer auch als reguläre Linux-Distribution dauerhaft auf die Festplatte bringen – das kann man heute sogar guten Gewissens empfehlen, weil damit im Prinzip ein Standard-Debian-System auf der Platte landet. Knoppix 6.1 enthält fast nur reguläre Pakete von Debian 5.0 und lässt, und über das entsprechende Repository können Sie problemlos weitere aktuelle Debian-Pakete nachinstallieren.

Wer bei der Installation auf Platte aber Einfluss auf die Paketauswahl nehmen oder eine komplexe Partitionierung vornehmen will, verwendet besser eine der großen Standarddistributionen: Für Knoppix-Freunde bietet sich da am ehesten Ubuntu (oder Kubuntu) an, denn auch Ubuntu ist Debian-basiert, und die gemeinsame Herkunft führt zu vielen Ähnlichkeiten, etwa bei der Softwareverwaltung mit dpkg (siehe Artikel Direktzugriffauf Seite 122). Fortgeschrittene Linux-Anwender können auch gleich das "Original" (Debian) installieren.

Live-Betrieb

Um Knoppix als Live-System zu verwenden, legen Sie die Heft-DVD mit Knoppix ein und starten den Rechner neu. Achten Sie beim Booten darauf, dass im BIOS die richtige Bootreihenfolge eingestellt ist: Ihr PC muss zuerst auf der DVD nach einem Betriebssystem suchen. Wenn trotz eingelegter Heft-DVD Ihr reguläres System startet, stimmt die Reihenfolge nicht.

Nach dem ersten Zugriff auf die DVD dauert es nur wenige Sekunden, bis der Bootmanager der Heft-DVD erscheint (Abbildung 1). Drücken Sie einfach [Eingabe], um das System zu starten – alternativ können Sie vorab mit [F2] und [F3] einige zusätzliche Hinweise anzeigen: Dann erfahren Sie, mit welchen Optionen Sie den Knoppix-Start beeinflussen können. Dazu gehören die Möglichkeiten,

  • KDE oder Gnome als grafische Oberfläche zu starten: Geben Sie knoppix desktop=kde oder knoppix desktop=gnome ein, um den jeweiligen Desktop zu aktivieren – standardmäßig startet Knoppix mit einer schlanken Oberfläche namens LXDE, die weniger Speicher und CPU-Leistung benötigt als KDE und Gnome.
  • die Auflösung der grafischen Oberfläche festzulegen: Geben Sie z. B. knoppix screen=1280x1024 ein, um mit 1280 x 1024 Pixeln zu arbeiten. Knoppix hat im Test allerdings die maximalen Auflösungen der angeschlossenen Monitore automatisch erkannt, das funktioniert u. a. mit LCD-Monitoren mit 1680 x 1050 und mit 1600 x 1200 Pixeln.
  • eine andere Sprache und Tastaturbelegung zu wählen: Die EasyLinux-Version von Knoppix ist so angepasst, dass Knoppix mit deutschen Programmoberflächen, Menüs etc. startet. Verwenden Sie z. B. eine US-englische Tastatur, geben Sie knoppix lang=us ein.
  • sich dafür zu entscheiden, etwas ganz anderes auszuprobieren: Die Knoppix-DVD enthält auch ein bootfähiges FreeDOS, das ist ein Betriebssystem, das weitgehend kompatibel zu MS-DOS, dem Vorläufer von Microsoft Windows, ist.

Beachten Sie bei der Eingabe, dass die Tastatur vor dem Booten noch eine englische Belegung hat – das Gleichheitszeichen geben Sie damit über ['] (die Akzenttaste neben dem "ß") ein, und die Tasten [Y] und {Z] sind vertauscht.

Abbildung 1: Im Bootmenü der Knoppix-Heft-DVD drücken Sie einfach [Eingabe] oder tippen "knoppix" und dahinter Optionen, wie etwa "desktop=kde".

Knoppix sollte innerhalb sehr kurzer Zeit starten, denn es verwendet einen neuen und beschleunigten Bootmechanismus. Das System erkennt automatisch die meisten Hardwarekomponenten und startet schließlich den schlanken Desktop LXDE. Wenn Sie vor dem Booten die oben beschriebene Zeile knoppix desktop=kde eingegeben haben, erscheint stattdessen ein KDE 4.2.

Im Live-Betrieb stehen Ihnen alle in Knoppix enthaltenen Anwendungen zur Verfügung – über das Startmenü rufen Sie beispielsweise das Officepaket OpenOffice (Büro / OpenOffice.org) oder die Bildbearbeitung Gimp (Grafik / GNU Image Manipulation Program) auf. Dateien auf einem USB-Stick können Sie so problemlos bearbeiten: Stöpseln Sie den externen Speicherriegel einfach ein und warten Sie, bis Knoppix ihn erkennt. Über den LXDE-Dateimanager PCMan greifen Sie dann auf die gespeicherten Dateien zu und öffnen sie in passenden Anwendungen (Abbildung 2, unten).

Abbildung 2: Knoppix mit dem schlanken Standard-Desktop LXDE und einigen aktiven Programmen; links unten der zu LXDE gehörende einfache Dateimanager.

Knoppix bringt auch das Partitionierungsprogramm GParted (Systemwerkzeuge / Partition Editor) mit, das Sie verwenden können, um auf der Festplatte Platz für eine neue Linux-Installation zu schaffen (siehe auch Artikel Mobile Home ab Seite 80); bei den meisten Distributionen ist das nicht nötig, weil deren Installationsprogramme selbständig die Platte neu aufteilen können, kleinere Distributionen verzichten aber oft auf die Integration dieser Tools.

Home-Verzeichnisse?

Als DVD-System hat Knoppix zunächst keine Chance, Ihre persönlichen Änderungen und Dateien zu sichern. Darum konnten Sie in älteren Knoppix-Versionen auf einem USB-Stick oder (ohne Datenverlust) auf einer Plattenpartition ein Home-Verzeichnis einrichten und zudem systemweite Konfigurationsdateien dort speichern [1].

Diese Möglichkeit bietet Knoppix 6.1 nicht mehr; dafür ist es jetzt möglich, das ganze Knoppix auf einen USB-Stick zu verfrachten und dort dann ein Home-Verzeichnis einzurichten. 4 GByte reichen aus, sind aber knapp – ein 8 GByte großer Stick ist die bessere Wahl.

Um dieses Feature zu aktivieren, schließen Sie einen USB-Stick an und rufen den Menüpunkt Systemwerkzeuge / KNOPPIX auf Flash-Disk installieren auf. Es erscheint ein Fenster, in dem Sie zunächst den Stick identifizieren. Wenn Sie ihn erst kurz vor dem Programmaufruf eingestöpselt haben, sollte der letzte Eintrag in der Liste der Datenträger der richtige sein (Abbildung 3). Das Tool installiert dann einen Bootloader auf dem USB-Stick und kopiert anschließend die Dateien. Je nach Schreibgeschwindigkeit kann sich das eine Weile hinziehen; mit einem schnellen Stick dauerte es im Test knapp zehn Minuten.

Abbildung 3: Auf Wunsch installieren Sie Knoppix auf einem bootfähigen USB-Stick – dort ist dann auch Platz für Home-Verzeichnisse.

Danach können Sie den Rechner neu starten und Knoppix vom Stick booten – dafür sind eventuell wieder Einstellarbeiten am Rechner-BIOS nötig, damit der Computer USB-Sticks als Bootmedien akzeptiert und nicht von Platte durchstartet.

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Infos zum Autor

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer ist Chefredakteur der Zeitschrift EasyLinux, Doktorand an der Uni Erlangen-Nürnberg und seit Mitte der 90er begeisterter Linux-Anwender.


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