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Abrakadabra…

Gelöschte Dateien wiederherstellen

18.03.2009 Versehentlich gelöschte Dateien bedeuten nicht zwangsläufig deren Verlust. Mit den passenden Werkzeugen stellen Sie viele davon wieder her.

Datenverlust hat viele Ursachen: Sei es ein technischer Defekt der Festplatte, eine kaputte Partitionstabelle oder einfach nur das versehentliche Löschen von Dateien oder Verzeichnissen. Speziell in letzterem Fall stehen die Chancen gut, mit relativ wenig Aufwand und dem richtigen Programm wieder an Ihre Daten zu gelangen. Das Mittel der Wahl ist das leistungsfähige Tool Photorec [1]. Es verzichtet zwar auf eine schicke grafische Oberfläche, lässt aber mit seinen Programmfunktionen kaum Wünsche offen. Was es zu beachten gilt, wenn die Festplatte einen mechanischen Defekt aufweist, erfahren Sie im Kasten Defekte Festplatte.

Defekte Festplatte

Zum GAU einer jeden Festplatte zählt der so genannte Head Crash. Durch Erschütterung oder einen Sturz im laufenden Betrieb schlägt dabei der Schreib-Lesekopf auf die Magnetfläche auf und macht damit die entsprechende Stelle unbrauchbar. Das für sich wäre allerdings nicht so tragisch, da moderne Festplatten über eine Defektblockverwaltung verfügen. Diese markiert die defekten Bereiche und lagert Schreiboperationen darauf in Reservebereiche aus. Deswegen kommt es häufig vor, dass solche Defekte zunächst gar nicht auffallen. Allerdings lösen sich bei einem Head Crash häufig feine Partikel von der Magnetoberfläche. Trifft der Kopf auf ein solches, kommt es unter Umständen zu einem neuerlichen Head Crash.

Die Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology (SMART) moderner Festplatten kontrolliert permanent deren aktuellen Zustand. Mit Programmen wie den Smartmontools [2] lesen Sie diese Daten aus. Liegen die Werte am oder außerhalb des Toleranzbereiches, sollten Sie die Platte so schnell wie möglich tauschen, da es sonst zu Datenverlusten kommen kann. Treten solche bereits auf, sollten Sie die Platte so wenig wie möglich verwenden und entweder ein Abbild davon erstellen, oder den Inhalt mit Programmen wie Clonezilla auf eine neue Platte kopieren. Führen Sie beim Verdacht auf eine physikalische Beschädigung der Festplatte unter keinen Umständen einen Filesystem-Check (fsck) durch, da der Kopf in diesem Fall über die komplette Platte wandert und sich damit die Gefahr weiterer Beschädigungen erhöht.

Daten wiederherstellen

Löschen Sie eine Datei, entfernt das Dateisystem lediglich den Indexeintrag darauf, in Linux-Dateisystemen Inode genannt. Damit gibt das Dateisystem den entsprechenden Speicherbereich zum Überschreiben frei. Das eröffnet Ihnen die Möglichkeit, die Dateien mit Programmen wie Photorec wiederherszustellen, setzt aber voraus, dass auf dem Dateisystem möglichst wenige oder gar keine Schreiboperationen stattgefunden haben, welche die Bereiche vielleicht überschreiben.

Um das zu verhindern, booten Sie zum Wiederherstellen den Rechner mit dem auf der Heft-DVD enthaltenen Live-Distribution Parted Magic [3] (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Live-Distribution Parted Magic enthält diverse Werkzeuge zum Partitionieren, Klonen und Kopieren von Datenträgern sowie zum Widerherstellen gelöschter Dateien.

Brennen Sie dafür das ISO-Image auf eine CD und und starten den Rechner damit neu. Achten Sie darauf, dass im BIOS das DVD-Laufwerk in der Bootreihenfolge an erster Stelle steht. Da die Partition, auf der sich die gelöschten Daten befinden, nur im Lesemodus eingehängt wird, benötigen sie einen externen Datenträger, etwa einen USB-Stick oder eine externe Festplatte, um sie darauf zu speichern. Sie hängen das externe Medium nach dem Booten des Systems ein, indem Sie das Desktop-Icon Mount Devices anklicken und im Auswahlfenster neben der Gerätebezeichnung den Button Mount betätigen. Danach wechseln Sie im Startmenü in die Rubrik System Tools und starten mit einem Klick auf PhotoRec das gleichnamige Programm.

Das Konsolenprogramm zeigt im ersten Auswahldialog alle erkannten Festplatten an, über die Cursor-Tasten treffen Sie die Auswahl, mit [Eingabe] bestätigen Sie diese. Im folgenden Fenster erscheint eine Abfrage nach der verwendeten Partitionstabelle, die Sie ohne Änderung mit [Eingabe] bestätigen. Danach wählen Sie die Partition aus, auf der sich die Daten befinden (Abbildung 2).

Abbildung 2: Mit den Cursor-Tasten wechseln Sie zwischen den erkannten Partitionen und bestätigen Ihre Wahl mit [Eingabe].

Um die Dateitypen festzulegen, die das Programm berücksichtigt, wechseln Sie im Menü am unteren Fensterrand mit den Cursortasten zu File Opt. Aus der Auswahlliste wählen Sie die Einträge mit der Leertaste an- oder ab. Eine Liste aller unterstützten Dateitypen finden Sie unter [4]. Sie beenden den Dialog mit [Eingabe] und kehren damit in das vorherige Fenster zurück. Nach der Auswahl der Partition wechseln Sie im Menü zu Search und drücken [Eingabe]. Die danach folgende Abfrage nach dem Dateisystem bestätigen Sie ohne Änderungen mit [Eingabe], danach wählen Sie, ob das Programm sämtliche Daten der Partition wiederherstellen soll oder nur die von freien Speicherbereichen. Bestätigen Sie hier die Vorgabe Free. Abschliessend legen Sie im nächsten Fenster den Speicherort der wiederhergestellten Daten fest. Verwenden Sie, wie empfohlen, einen externen Datenträger dafür, wechseln Sie im Dateibrowser ins Verzeichnis media und wählen ihn darin aus. Sie starten den Suchlauf mit der Eingabe von y, was die Frage nach Do you want to save recovered files in /media/externer_datenträger (Möchten Sie die wiederhergestellten Dateien in diesem Verzeichnis speichern) beantwortet.

Je nach Größe der Partition dauert das Wiederherstellen der Dateien zwischen wenigen Minuten und mehreren Stunden. Ein Zähler gibt kontinuierlich Auskunft darüber, wie viele Dateien das Programm bereits gefunden hat (Abbildung 3).

Abbildung 3: Der Counter von Photorec zeigt Ihnen in Echtzeit, wie viele Dateien das Programm bisher wiederherstellen konnte, wie lange die Suche noch läuft und wie viel Restzeit verbleibt.

Ein Nachteil, den alle Wiederherstellungsprogramme teilen ist, dass beim Rekonstruieren der Daten sowohl die ehemelige Verzeichnisstruktur als auch der Dateiname verloren gehen. Photorec ersetzt ihn durch f, gefolgt von einer laufenden Nummer und der Dateiendung, etwa f3738200.jpg. Das liegt daran, dass sich diese Informationen nicht in dem Sektor befinden, den das Programm ausliest, sondern in der Dateizuordnungstabelle (siehe Kasten Aufbau einer Festplatte), die das Programm nicht berücksichtigt.

Aufbau einer Festplatte

Um Daten verwalten zu können, benötigt jede Festplatte eine logische Struktur. Die Grundlage bildet der Master Boot Record, kurz MBR. Er enthält neben dem Bootloader auch die Partitionstabelle. In dieser stehen Informationen darüber, wo sich die Partitionen befinden, wie groß sie sind und welches Dateisystem sie benutzen.

Jede Partition verfügt über ein Dateisystem, unter Windows überlicherweise FAT und NTFS, unter Linux Ext3 und ReiserFS. Erst dieses Dateisystem ermöglicht es, Daten so auf der Festplatte zu speichern, dass sie der Computer wiederfindet. Dazu teilt es die Partition in Blöcke auf auf, deren Adressen in einer Dateizuordnungstabelle stehen. Beim Dateisystem FAT heisst diese File Allocation Table, bei NTFS Master File Table (MFT). Die Dateisysteme von Linux speichern in der Inode-Liste unter anderem die Zugriffesberechtigungen, die Größe und den Dateityp sowie den physikalischen Aufenthaltsort. Die Datei- und Verzeichnisnamen hingegen speichern sie in einer extra Tabelle.

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Thomas Leichtenstern

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