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KDE 3.5, KDE 4.1 und Gnome 2.24 im Vergleich

09.01.2009 Jede Windows-Installation ähnelt allen anderen; Linux bietet mehrere Arbeitsoberflächen mit verschiedenen Konzepten an. Anwender dürfen frei wählen – manche sagen: Sie haben die Qual der Wahl. Wir zeigen Ihnen, was die drei großen Desktops bieten.

Linux entwuchs als Serverbetriebssystem bereits sehr früh den Kinderschuhen. Doch was der private Anwender als Unzulänglichkeit betrachtete, war schlicht das Fehlen einer grafischen Benutzeroberfläche. Arbeiten professionelle Systemadministratoren und auch interessierte Privatanwender nicht nur sehr gern, sondern auch schneller auf einer Kommandozeile, interessieren den allgemeinen Computerfreund die kryptischen Systeminterna recht wenig.

Über den Erfolg eines Betriebssystems in der Masse, möge sein Anliegen der freien Verfügbarkeit auch noch so nobel sein, entscheidet letztendlich die Qualität der grafischen Oberfläche. Sie bestimmt die Bedienbarkeit und Konfigurationsfähigkeit eines Computers.

Nun bietet Linux gleich viele grafische Deskops an, die sich in Konzeption und Benutzerfreundlichkeit sehr unterscheiden. Neben den großen Platzhirschen KDE (K Desktop Environment) [1] und Gnome (GNU Object Model Environment) [2] finden sich auch zahlreiche kleinere Projekte wie Fluxbox oder Enlightenment. Diese zielen durch ihre minimalistische Erscheinung aber eher auf Ressourcenschonung oder spezielle Aufgaben und sprechen daher eher sehr versierte Anwender an.

Die großen Distributionen wählen fast ausschließlich zwischen KDE und Gnome. Doch welche Desktopumgebung ist die richtige für Sie als Anwender? Diese Frage zu beantworten, wird nicht leichter, wenn man das KDE-Projekt betrachtet, das derzeit zwei große Versionen parallel verwaltet und entwickelt: das ältere KDE 3.5.x sowie die neue Version 4.1.x.

Gnome oder KDE?

Die Frage nach dem richtigen Desktop beantworten heute nicht mehr die Distributoren. Galten noch vor wenigen Jahren Softwareschieden wie das OpenSuse-Projekt als KDE-lastig mit lieblos mitgeliefertem Gnome, kann es sich heute kaum eine große Distribution leisten, eine bestimmte Oberfläche zu favorisieren. Dabei gehen die Hersteller durchaus unterschiedliche Wege: OpenSuse und Fedora beispielsweise erlauben bereits während der Installation die Auswahl des Lieblingsdesktops. Das große Ubuntu-Projekt bietet für jeden Desktop eine eigene Installations-CD an: Ubuntu für Gnome und Kubuntu für KDE.

Um es vorweg zu nehmen: Beide Desktops haben Vor- und Nachteile. Die Optik lässt sich angleichen, damit typische KDE-Programme unter Gnome den gleichen Look benutzen [3, 4] wie unter KDE und umgekehrt. Beide Systeme liefern hervorragende Standardprogramme für Dateiverwaltung, Musikhören, Fotoverwaltung und Bildbearbeitung mit.

Menüführung

Unterschiede, welche nur einer kleineren Eingewöhnung bedürfen, beziehen sich zum Beispiel auf die Anordnung der Menüs. Während KDE den alten Windows-Ansatz verfolgt, alle Informationen in eine einzige Kontrollleiste zu packen (Abbildung 1), verteilt der Gnomedesktop seine Startknöpfe, Desktopumschalter und das Systray auf zwei wesentlich schlankere Leisten jeweils am oberen und unteren Rand des Bildschirms (Abbildung 2).

Abbildung 1

Abbildung 1: KDE setzt auf eine große Kontollleiste am unteren Bildschirmrand, über welche Sie das gesamte System steuern.

Abbildung 2

Abbildung 2: Unter Gnome steuern Sie Ihren Desktop über zwei Leisten am oberen und unteren Bildschirmrand.

Dabei finden Sie unter Gnome, je nach Distribution, mehrere Menüs. Das Ubuntu-Projekt liefert je ein Menü für die Anwendungen, die auf dem Rechner oder im Netzwerk zu erreichenden Orte, sowie ein Menü zur Systemsteuerung. Vielen, gerade neueren Anwendern kommt diese klare Struktur sehr entgegen. Start-Icons und das Systray finden Sie, wie auch die "Ausgangstür", ebenfalls in der oberen Kontrollleiste. Die untere Leiste wartet mit dem Desktopumschalter und der Programmliste (den geöffneten Programmfenstern) auf.

Besonders pfiffig wirkt das Menü Orte im Gnome-Desktop: Darüber erhalten Sie per Mausklick einen schnellen Zugriff auf Ihre eingebundenen Festplattenpartitionen, eingesteckten USB-Sticks oder angeschlossenen Digitalkameras. Auch weitere Rechnerfreigaben im Netzwerk erreichen Sie über dieses Menü. Unter KDE müssen Sie für einen ähnlichen Überblick den Dateimanager Konqueror bemühen. Dort geben Sie in das Adressfeld system:/ ein, und es erscheinen Icons zum Durchforsten der Speichergeräte oder des Netzwerks. Freundlicherweise spendierten die Entwickler der Distribution OpenSuse den Protokolleintrag sysinfo:/ (zu erreichen über das Desktopsymbol Arbeitsplatz), das eine benutzerfreundliche und gut strukturierte Übersichtsseite mit Informationen zu den Innereien Ihres Computers, der Auslastung Ihrer Festplatten und einigen anderen nützlichen Informationen aufruft. Trotzdem finden wir gerade für Linux-Einsteiger die Gnome-Variante über den Menüpunkt Orte benutzerfreundlicher.

Dateimanager

Auch unter Gnome öffnet sich letztlich nach einer Orte-Auswahl der hauseigene Dateimanager Nautilus (Abbildung 3). Er dient, wie auch sein KDE-Pendant Konqueror (Abbildung 4), nicht nur dem einfachen Verschieben und Kopieren von Dateien per Drag & Drop, sondern lässt Sie auch auf angeschlossene externe Datenträger und das Internet zugreifen (z. B. FTP-Server aufrufen). Beide verfolgen dabei den Ansatz eines zweiteiligen Fensters. Im linken Bereich erhalten Sie Zugriff auf den jeweiligen Ort der Daten. Der rechte Fensterteil zeigt die Daten an. Je nach Konfiguration erlauben beide Dateimanager Vorschaufunktionen für Fotos, Dokumente und selbst Audiodateien, deren erste Töne erklingen, sobald der Mauszeiger über das Icon fährt. Selbstverständlich ist für beide Lager die Anzeige als Liste, über große Symbole oder einen verzweigten Verzeichnisbaum. Konqueror glänzt noch mit einer Reihe versteckter Funktionen: Über so genannte Protokolle steuern Sie praktischerweise den gesamten Computer und erhalten zum Beispiel über den Adresszeileneintrag print:/ Zugriff auf die Druckersteuerung. Der Eintrag settings:/ führt Sie zu den Konfigurationsmöglichkeiten des KDE-Kontrollzentrums. Weil aber nur wenige Lust verspüren, sich diese Protokollnamen zu merken, nannte das Entwicklerteam diese KDE-Dienste. Sie erreichen alle KDE-Dienste über das Rote-Flaggen-Symbol am linken Rand des Konqueror-Fensters.

Abbildung 3

Abbildung 3: Der Dateimanager Nautilus besticht unter Gnome mit Übersichtlichkeit, während …

Abbildung 4

Abbildung 4: … KDEs Konqueror zusätzlich mit direktem Zugriff auf viele Systemdienste überzeugt.

Alle Konqueror-Funktionen zu beschreiben, würde ein Buch füllen – so komplex ist die Anwendung. Die meisten Funktionen richten sich eher an fortgeschrittene Anwender. Nautilus arbeitet ähnlich, bietet aber einen weniger umfassenden Zugriff auf die Dienste des Rechners. Dafür bleibt der Dateimanager übersichtlicher und dient seiner eigentlichen Aufgabe: dem Dateimanagement.

Arbeitstiere

Die Bürosuite OpenOffice, der Webbrowser Firefox und die Bildbearbeitung Gimp fühlen sich unter Gnome wohler als unter KDE. So bietet etwa OpenOffice seine Schnellstartfunktion über das Systray unter KDE gar nicht an. Die Programme übernehmen zwar die Optik des unter KDE eingestellten Desktop-Stils, weiterführende Funktionen wie transparente Menüs gibt es aber nur in "echten" KDE-Anwendungen. Wollen letztere eine Webseite anzeigen, starten die meisten voreingestellt den Konqueror. Typische Gnome-Programme nutzen stattdessen den weiter verbreiten Browser Firefox. Ihre eigentliche Arbeit verrichten aber alle Programme unter beiden Desktops zuverlässig.

Familienalbum

KDE und Gnome sind, auch wenn man das bei einigen Linux-Distributionen dank angepasster Oberflächenstile nicht mehr bemerkt, von Grund auf unterschiedlich, weil sie verschiedene Bibliotheken verwenden, um die Fenster darzustellen und mit Elementen wie Menüs, Buttons und Symbolleisten zu versehen: KDE nutzt die Qt-Bibliothek von Troll Tech und Gnome die Gtk-Bibliothek, die einst als Basis für das Grafikprogramm Gimp entwickelt wurde. Das ist der Grund, warum Anwendungen wie die Musikverwaltung Amarok oder Gimp als typische KDE- bzw. Gnome-Programme gelten, auch wenn sie mit dem eigentlichen Desktop-Projekt wenig oder gar nichts zu tun haben: Sie benutzen einfach nur dieselben Bibliotheken.

Unter Gnome finden Sie zum Verwalten Ihrer Fotosammlung meist das Programm F-Spot (Abbildung 5). Für den schnellen Klick auf ein Foto haben sich unter den Distributoren verschiedene kleine Tools durchgesetzt. F-Spot geht den eigenwilligen Weg, Ihre Fotos an Hand einer Zeitleiste zu sortieren und über Tags, also Schlagwörter, wie "Freunde", "Familie" oder "Landschaften" zu suchen. Wer die Fotoalben bisher ebenfalls mit großen Jahreszahlen auf dem Umschlag verzierte oder thematisch geordnet in Schuhkartons aufbewahrte, findet in F-Spot einen gelungenen Verwalter für seine Bilder.

Abbildung 5

Abbildung 5: Die Fotoverwaltung F-Spot sortiert Ihre Bilder in einer Zeitleiste.

Wollen Sie allerdings lieber wissen, wo genau auf der Festplatte ein bestimmter Foto-Ordner zu finden ist, greift zum KDE-Programm Digikam (Abbildung 6). Digikam bietet zwar, wie auch F-Spot, die Suche über das Datum oder bestimmter Schlagwörter, ordnet seine Inhalte aber in Alben an, welche den tatsächlichen Ordnern auf Ihrer Festplatte entsprechen. Gerade versierte Computernutzer mit einem "Verzeichnisbaum-Blick" bevorzugen eine solche Ansicht. Außerdem beschleunigt diese Vorgehensweise den Import neuer Fotos erheblich. F-Spot benötigt sogar bei kleineren Alben einige Zeit, um diese in seine Datenbank einzupflegen.

Abbildung 6

Abbildung 6: Digikam verwaltet Ihre Fotos, indem es die Ordnerstruktur auf der Festplatte einliest und daraus Fotoalben macht.

F-Spot und Digikam verfügen über kleine Tools und Plug-ins, mit denen Sie über wenige Mausklicks Ihre Fotos zuschneiden, entfärben oder rote Augen verschwinden lassen. Bedarf es einmal einer aufwändigeren Retusche, starten Sie unter beiden Desktops Gimp.

Stereoanlage

Viele KDE-Anwender verwalten ihre Musiksammlung mit Amarok: Angelehnt an Apples iTunes, bietet das Programm alles, was das audiophile Herz begehrt. Über Plug-ins lässt sich die Software beinahe grenzenlos um Codecs oder Internetfunktionen erweitern. Sie verwalten Ihre Sammlung über die Namen der Interpreten, Albentitel oder Schlagworte, erstellen nicht nur Wiedergabelisten per Hand, sondern lassen Amarok auch "intelligente" Wiedergabelisten nach Ihren Hörgewohnheiten bilden und schließen bequem einen tragbaren MP3-Player zum Befüllen an.

Zwar bietet Gnome gleich mehrere recht gute Programme für diese Zwecke, doch keines davon kommt an die Funktionsvielfalt von Amarok heran. Trotzdem verwalten Sie unter Gnome mit Rhythmbox, Banshee oder Exaile Ihre Musik sehr bequem. Mittlerweile bieten auch die meisten Programme Internetfunktionen, wie etwa Zugriff auf das musikalische Social Network last.fm oder auf Podcasts. Doch fehlen den Gnome-Kandidaten entweder der direkte Wikipedia-Zugriff für Künstlerinformationen oder andere nützliche Plug-ins. Am nächsten an Amarok heran reicht das Programm Rhythmbox, das zum Beispiel die aktuelle Ubuntu-Version als Standardplayer einrichtet.

Im Videobereich halten weder KDEs Kaffeine noch Gnomes Totem mit den Desktop-unabhängigen Programmen Xine, MPlayer und VLC mit. Daher entscheiden sich die meisten Distributoren auch dafür, einen dieser drei Player mitzuliefern, so weit keine rechtlichen Bedenken (etwa wegen integrierter DVD-Entschlüsselungsfunktionen) dagegen sprechen. Um aber eine DVD oder eine avi-Datei (installierte Codecs vorrausgesetzt) anzuschauen, reichen Kaffeine und Totem allemal. Nur wer erweiterte Funktionen, wie das Skalieren des Videobildes, wünscht, muss auf MPlayer oder VLC ausweichen.

Hübscher Desktop

Immer mehr Linux-Anwender finden Gefallen an so genannten Desklets. Dabei handelt es sich um kleine, mehr oder weniger nützliche Tools, welche auf dem Desktop prangen und in Form einer hübschen halbtransparenten Uhr im analogen Bahnhofslook die Zeit anzeigen oder als sich verändernde Wolke vom zukünftigen Wetter berichten. KDE-Anhänger finden in der älteren Version 3.5.x dazu das Programm Superkaramba. Bei aktiver Internetverbindung lädt ein Klick auf den Schalter Neues Design aus dem Internet Miniprogramme herunter, die Sie problemlos über den Schalter Installieren auf Ihre Festplatte bringen. Das neue Desklet erscheint in der Liste und landet nach einem Klick auf Zu Arbeitsfläche hinzufügen auf dem Desktop (Abbildung 7).

Abbildung 7

Abbildung 7: Unter KDE 3.x integriert das kleine Tool Superkaramba Desklets in die Oberfläche.

Ähnlich einfach funktioniert der neue Desktop-Anstrich unter Gnome: Sie benötigen dafür das Programmpaket GDesklets (Abbildung 8). Unter Anwendungen / Zubehör finden Sie nach der Installation den neuen Programmeintrag gDesklets. Ähnlich wie in einem Dateimanager wählen Sie im linken Fensterteil ein Thema, zum Beispiel Fun/Amusements. Rechts erscheinen alle zum Thema gehörenden Desktop-Gadgets. Ein Doppelklick bringt das gewünschte Miniprogramm auf Ihre Arbeitsoberfläche.

Abbildung 8

Abbildung 8: Mit den beliebten Miniprogrammen für Wetter, Nachrichten und Systemüberwachung macht auch Gnome eine gute Figur im Alltag.

Klicken Sie mit der linken Maustaste auf eines dieser Desklets, erscheint im Kontextmenü Desklet konfigurieren unter Gnome oder Design einrichten bei KDEs Superkaramba. Im Internet finden Sie noch viele weitere Desklets für KDE [3] und Gnome [4].

Konfiguration leichtgemacht

Gnome besitzt kein einheitliches Konfigurationswerkzeug: Änderungen am Erscheinungsbild, dem Fenstermanager oder in der Hauptmenüstruktur nehmen Sie über einzelne Programme vor, die Sie meistens unter System / Einstellungen zusammengefasst vorfinden. Jedes Konfigurationstool für sich wirkt zwar verständlich und einfach in der Bedienung, doch verfolgen die Entwickler gerade dabei keinen konsequent gleichen Ansatz. Auch fällt die Suche nach dem passenden Tool auf diese Weise schwerer.

Die KDE-Entwickler hingegen spendierten dem Desktop schon vor geraumer Zeit ein zentrales Konfigurationstool: das KDE-Kontrollzentrum, das Sie gleich im Hauptmenü finden. Darin bewegen Sie sich durch die logisch angeordneten, verschiedenen Themen und passen den Desktop Ihren Vorstellungen an. Dabei lässt KDE eine deutlich tiefer greifende Konfiguration zu. Nicht alle Veränderungen scheinen auf den ersten Blick nützlich, aber Individualisten haben ihre Freude an den vielen Schrauben des KDE-Desktops.

Sonderfall KDE 4

Auf einen ausgereiften Desktop der KDE-3.5.x-Reihe folgten plötzlich erste Preview-Versionen von KDE 4, die den Betastatus noch nicht erreicht hatten, und die Release-Nummern 4.0.x und 4.1.x erweckten den Eindruck, dass das System bereits ausgereift wäre. Tatsache ist jedoch, dass KDE 4 aktuell nicht den vollen Funktionsumfang des alten KDE 3 besitzt, und die Entwickler haben noch nicht alle Anwendungen auf Qt 4 (die Grundlage von KDE 4) portiert. Auch das aktuellste KDE 4 sollte ehrlicherweise einen "Beta"-Stempel tragen.

Dafür legten sich die Entwickler aber beim Design mächtig ins Zeug, was dann doch wieder für einen gehörigen Anwenderzuspruch sorgte. Was kann KDE 4 besser als Gnome und KDE 3? Auf den ersten Blick gibt es hier ein wirklich schickes und in sich schlüssiges Design (Abbildung 9). Superkaramba tauschte das KDE-Team gegen so genannte Plasmoids aus [7]. In der rechten oberen Bildschirmecke finden Sie ein Symbol, das sich vergrößert und auf Klick ein transparentes Kontextmenü erscheinen lässt, wenn Sie mit dem Mauszeiger darüberfahren. Der Rest ist selbsterklärend. Die Plasmoids selbst bilden bei Mauskontakt ebenfalls eine schmale Symbolleiste zum Konfigurieren.

Abbildung 9

Abbildung 9: KDE 4 wartet mit einem schicken, modernen Design auf, erreicht aber noch nicht die Funktionalität seines Vorgängers.

Die Programmvielfalt knüpft an den Vorgänger KDE 3 an. Doch noch nicht alle Anwendungen konnten die einzelnen Unterteams bereits auf KDE 4 portieren. So finden Sie z. B. die KDE-PIM-Reihe, also alle bürorelevanten Programme wie Mail, Adressbuch, Kalender usw., noch in der gleichen Version vor, wie unter KDE 3.5.10. Andere leiden noch unter den Portierungsmaßnahmen und weisen noch nicht alle Funktionen ihrer Vorgänger auf.

Neue Wege geht das KDE-Team beim Dateimanagment: Dolphin löst den immer noch vorhandenen Konqueror ab. Dank Dolphins dreiteiliger Ansicht arbeiten Sie mit diesem benutzerfreundlichen Tool sehr zügig. Die linke Spalte dient der Orientierung auf Ihrem Rechner und ähnelt dem Orte-Menü unter Gnome. Sie können dort aber auch Schlagwörter zu Dateien eingeben oder diese bewerten. Die rechte Spalte zeigt eine Dateivorschau an. In der Mitte finden Sie die Dateien des links ausgewählten Ordners. Diese Ansicht lässt sich im Konfigurationsmenü an Ihre Bedürfnisse anpassen. Die Einstellmöglichkeiten des neuen Dolphin (Einstellungen / Dolphin einrichten) bleiben aber deutlich hinter denen des alten Konquerors zurück. Der Konqueror ist unter KDE 4 in erster Linie ein Webbrowser.

Das alte Kontrollzentrum heißt nun schlicht Systemeinstellungen und bietet ein Programmfenster mit zwei Karteireitern an. Im ersten, Allgemein, stellen Sie die Desktop-relevanten Eigenschaften ein. Der zweite namens Erweitert erlaubt Anpassungen für zusätzliche Dienste, wie die Sitzungsverwaltung oder die digitale Brieftasche, mit der Sie Ihre Passwörter verwalten.

Nicht ganz so neu ist das "neue" K-Menü. Die Distribution OpenSuse bot diese Eigenentwicklung bereits in ihrer Version 10.3 an. Sinn des Novums ist es, alle Programme, Orte und sonstigen Dienste unter einem Dach zu vereinen. Ob die hin- und herrutschenden Kartenreiter nach einer kleinen Eingewöhnung tatsächlich die Arbeit beschleunigen, muss jeder Benutzer für sich entscheiden.

Die goldene Wahl

Eine absolute Empfehlung für KDE 3, KDE 4 oder Gnome gibt es nicht. Brilliert KDE 3.5.x mit seiner großzügigen Konfigurationsfähigkeit und ausgereiften Werkzeugen, so besticht Gnome durch solide Software und ein benutzerfreundliches Layout. Hier gilt: Weniger ist mehr. Für farbenfrohe Designliebhaber ist schon heute KDE 4.1.x ein annehmbarer Desktop, auch wenn man wegen der Instabilitäten auf wichtigen Arbeitsplatzrechnern noch die Finger von der neuen Version lassen sollte. In Gnome sind einige Standardanwendungen wie OpenOffice und Firefox am besten integriert, so dass sich Gnome für Büro-Linuxer empfiehlt. Tüftler und Konfigurationsfreunde sowie Multimedia-Liebhaber, die weder auf Amarok noch auf Digikam verzichten mögen, greifen zum soliden und ausgereiften KDE 3.5.x. (hge)

Die schlanke Alternative: Xfce

Wem Gnome und KDE zu "dick" sind, für den gibt es zwar zahlreiche Alternativen, etwa Fluxbox oder Openbox. Doch eignen sich diese gerade für Linux-Neulinge kaum. Eine positive Ausnahme bildet hier der schlanke Desktop Xfce [5]. Gerade auf älterer Hardware spielt dieser seine ganze Kraft aus und büßt dabei kaum an Benutzerfreundichkeit ein. Auch mit Xfce schieben Sie Ihre Daten bequem per Drag & Drop durch den Dateimanager Thunar und konfigurieren den Desktop über eine zentrale Schaltstelle. Auf entsprechender Hardware unterstützt Xfce auch transparente Fenster (Abbildung 10).

Komplizierte Installationsorgien sind nicht nötig, um Xfce auszuprobieren: Das Ubuntu-Projekt bietet mit Xubuntu [6] eine einsteigerfreundliche Ubuntu-Variante mit einem gut vorkonfiguriertem Xfce als Standard-Desktop.

Abbildung 10

Abbildung 10: Auf betagten Rechnern ist Xfce eine flotte und benutzerfreundliche Alternative zu KDE und Gnome.

Glossar

Systray

Kleiner Abschnitt in der Kontrollleiste, welcher über Icons Zugriff auf laufende Programme erlaubt. So verwalten Sie beispielsweise Ihr Mail-Programm oder den Netzwerkmanager, ohne ihn jedesmal neu starten zu müssen oder ein störendes Fenster auf dem Desktop zu haben.

Infos

[1] KDE: http://de.kde.org

[2] Gnome: http://www.gnome.org

[3] KDE-Themes, -Desklets etc.: http://www.kde-look.org

[4] Gnome-Themes, -Desklets etc.: http://gnome-look.org

[5] Desktop Xfce: http://www.xfce.org

[6] Xubuntu: http://www.xubuntu.org

[7] Plasmoid-Artikel: Kristian Kißling, "Für eine Handvoll Plasma", EasyLinux 02/2008, S. 24 ff.

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