Lebendes Fossil
Debian 4.0r5 im Test
Desktop
Debian bietet von Haus aus eine ebenso reichhaltige Palette an Programmen aus allen Bereichen wie andere Distributionen. Allerdings haftet den meisten davon der Makel an, dass sie eineinhalb bis zwei Jahre alt sind. So kommt beispielsweise noch OpenOffice 2.0 zum Einsatz, aktuell ist Version 3.0. Als Desktops verwendet die Distribution Gnome 2.14 und KDE 3.5.5 (Abbildung 3). Das neue KDE 4 steht auch auf den offiziellen Repositories nicht zur Verfügung.
Den technischen Unterbau liefern Kernel 2.6.18 sowie X.org 7.1. Dieses Festhalten an alten Programmen hat bei Debian Tradition, da die Entwickler mehr Wert auf Stabilität als auf Funktionalität legen und nur ausgereifte Produkte in das "stable"-Repository aufnehmen.
Auffallend sparsam geht Debian mit den Systemressourcen um. So belegte es im Test mit dem Desktop Gnome lediglich 80 MByte Hauptspeicher und begnügte sich mit 2,2 GByte freiem Speicher auf der Festplatte. Kommt KDE zum Einsatz, verbraucht die Distribution 63 MByte Hauptspeicher. Ein Wert, den keine andere Distribution im Test auch nur annähernd erreicht.
Multimedial zeigt sich die Distribution auch von ihrer besten Seite. Für die meisten Video- und Audioformate bringt sie bereits die benötigten Bibliotheken mit. Selbst das Abspielen von Dateien, die proprietäre Codecs wie MP3 oder Real Media verwenden, stellte kein Problem dar. Allerdings kommt in der Grundeinstellung der zum Abspielen von AVI- und MPEG-Dateien der in seiner Schlichtheit kaum zu überbietende Videoplayer Noatun zum Einsatz.
Paketverwaltung
Zweifellos zählt Debians Paketmanagement DPKG (Debian Package Manager) zusammen mit APT (Advanced Packaging Tool) zum besten seiner Art. Als Frontend kommt Synaptic (Abbildung 4) zum Einsatz, welches nicht nur das Installieren und Deinstallieren von Programmen ermöglicht, sondern auch eine Quellenverwaltung mitbringt. Auf der ersten Installations-DVD befinden sich über 4600 Pakete; Debian wirbt auf seiner Webseite mit einem Gesamtumfang von etwa 18000 verfügbaren Paketen.
Die Debian-Entwickler untergliedern ihre Software-Archive in vier Hauptkategorien, die sie wie folgt klassifizieren:
- stable: Enthält Pakete der zuletzt veröffentlichten offiziellen Version.
- testing: Enthält Pakete der kommenden Release.
- unstable: Ist der erste Anlaufpunkt für Pakete, die in testing und damit in die kommende Release augenommen werden sollen.
- experimental: Vorstufe von unstable. Die darin enthaltene Pakete befinden sich im Experimentierstadium und eignen sich nicht zum Einsatz auf Produktivsystemen.
Um mit der eigenen Paketverwaltung auf diese Repositories zuzugreifen, genügt es, diese mit Synaptics Paketquellenverwaltung einzubinden. Vom Aktivieren des Experimental-Zweigs sollten Sie jedoch absehen, da dieses Programme enthält, die noch nicht hinreichend getestet wurden.



