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Lebendes Fossil

Debian 4.0r5 im Test

09.01.2009 Debian blickt nicht nur auf eine lange Tradition zurück, sondern ist auch Mutter vieler Distributionen wie Ubuntu.

Kaum eine Distribution blickt auf eine längere Tradition zurück als Debian [1]. Nur zwei Jahre, nachdem Linus Torvalds seinen ersten Kernel im Jahre 1991 vorstellte, hob Ian Murdock Debian GNU/Linux aus der Taufe. Auch ist kaum ein System bei den Anwendern umstrittener als Debian: Während die einen wegen seiner Stabilität und Zuverlässigkeit darauf schwören, ist es den anderen zu altbacken und zu kompliziert. Gerade in den Anfangsjahren war es alleine schon wegen der Komplexität der Installation tatsächlich versierteren Linux-Anwendern vorbehalten, Debian einzurichten. Allerdings haben die Entwickler die Zeichen der Zeit erkannt und die Installationroutine so weit vereinfacht, dass auch der normale Anwender davon nicht mehr überfordert wird.

Installation

Als Systemvoraussetzung nennt Debian für den Einsatz als Desktop mindestens 64 MBbyte Arbeitsspeicher sowie 5 GByte freien Speicherplatz auf der Festplatte, was im Vergleich zu anderen Systemen wie OpenSuse oder Mandriva außergewöhnlich wenig ist.

Debian verfügt sowohl über eine text-basierte als auch eine grafische Installationsroutine. Letztere starten Sie mit der Eingabe von installgui am Boot-Prompt. Die beiden Versionen unterscheiden sich lediglich optisch, die Logik bleibt die gleiche. Für die kommende Release 5.0 kündigt Debian aber einen überarbeiteten grafischen Installer an, womit Debian auch in dieser Hinsicht zu den anderen Distributionen aufschließen wird. Die grundlegende Handhabung vereinfachten die Entwickler bereits jetzt soweit, dass inzwischen tatsächlich mehrmalige Betätigen von [Eingabe] genügt, um Debian auf dem Rechner zu installieren.

Allerdings kommt der Einsteiger spätestens dann ins Schleudern, wenn es beispielsweise darum geht, eine bestehende Partition zu verkleinern um im freien Platz Debian zu installieren. Hier zeigt der Installer mit einer eher verwirrenden Benutzerführung seine alten Schwächen. Ein automatischer Partitionierungsvorschlag, wie ihn beispielsweise OpenSuse unterbreitet, fehlt.

Im geführten Standardmodus erlaubt Debian lediglich das Verwenden der kompletten Festplatte. Hier wählen Sie unter anderem, ob Sie nur eine Partition anlegen oder das Home-Verzeichnis in einer eigenen unterbringen möchten. Da Debian in diesem Fall 70% des Platzes dafür verwendet, das aber nicht mitteilt, kann es passieren, dass bei kleineren Platten auf der Root-Partition schnell der Platz zu Ende geht. Im Test waren nach der Installation nur noch wenige MByte frei, was im Betrieb zu fatalen Fehlern geführt hätte, wenn temporäre und Logdateien den restlichen Platz aufgebraucht hätten.

Bei der Auswahl der zu installierenden Komponenten lässt der Installer lediglich die Wahl zwischen Gruppen (Abbildung 1) wie Desktop oder Server. Das An- oder Abwählen einzelner Pakete ist nicht möglich.

Abbildung 1: Die Softwarekonfiguration lässt lediglich das An- und abwählen bestimmter Kategorien zu.

Auch fehlt eine Auswahl, welcher Desktop installiert werden soll. Debian nimmt von Haus aus Gnome. Allerdings können sie nach Abschluss der Installation problemlos über den Paketmanager Synaptic KDE 3.5.5 nachinstallieren. Dafür benötigen Sie etwa 500 MByte zusätzlichen Plattenplatz.

Beim Einrichten des Bootloaders berücksichtigt der Installer existierende Systeme, etwa Windows, und bindet sie automatisch mit ein.

Generell glänzt der Installer eher mit Schlichtheit denn mit ausufernden Einstellungsoptionen, was zwar die Bedienung vereinfacht, aber auch die Flexibilität einschränkt. Eine Möglichkeit, festzulegen, dass sich ein angelegter Benutzer automatisch beim Systemstart einloggt, fehlt. Hier hilft nur das manuelle Einrichten nach der Installation.

Konfiguration

Zentrale Konfigurationsprogramme wie sie OpenSuse oder Mandriva bieten, fehlen Debian. Stattdessen setzen die Entwickler ähnlich wie bei Kubuntu auf Insellösungen und stellen für jeden Bereich ein eigenes Einstellungsprogramm bereit. Allerdings erschwert die unübersichtliche Programmzuordung die Konfigurationsarbeit unnötig. So befindet sich ein Teil der Verwaltungsprogramme in System, ein anderer in Einstellungen und ein dritter in Dienstprogramme. Das KWiFi zum Einrichten von WLANs verbannten die Entwickler gar in die Rubrik Internet unter Weitere Programme.

Sofern sich die Konfiguration im üblichen Rahmen bewegt, etwa das Einrichten von Benutzern oder Druckern, steht Debian den anderen Testteilnehmern kaum nach. Allerdings fehlen einigen Konfigurationshelfern, beispielsweise dem Runlevel-Editor KSYsV, ein Modus, mit dem auch Einsteiger zurecht kommen.

Mit dem Netzwerkmanager richten Sie komfortabel den Anschluss ans Internet ein. Allerdings unterstützt das Verwaltungsprogramm lediglich Ethernet-Geräte und Modems. Besitzer von ISDN-Karten müssen den Anschluss auf der Konsole einrichten. Benutzer, die Debian als Zweitsystem neben Windows verwenden möchten, erleben unter Umständen eine böse Überraschung: Debian war mit Bordmitteln nicht zu überreden, NTFS-Partitionen einzuhängen. Ein Klick auf das Icon im Dateibrowser offenbarte, dass Debian die NTFS-Partition fälschlicherweise als Wechseldatenträger identifiziert und das Mounten mit einer entsprechenden Fehlermeldung verweigert (Abbildung 2).

Abbildung 2: Kein Anschluss unter dieser Nummer: Debian erkennt eine NTFS-Partition fälschlicherweise als Wechseldatenträger und verweigert das Einhängen des Geräts. Auch der Versuch, es manuell zu mounten, scheiterte.

Auch das Nachinstallieren des Pakets ntfsprogs und der anschließende Versuch, die Partition manuell über die Konsole zu mounten, führten nicht zum Erfolg. Das zwischenzeitlich von den meisten Distributionen eingesetzte NTFS-3G steht weder auf dem Installationsmedium noch im Online-Repository zur Verfügung.

Auf Konfigurationstools, die über das generelle Einrichten des Systems hinausgehen, verzichtet Debian weitgehend. Der vom Namen vielversprechende Konfigurationseditor stammt von Gnome, und bleibt wegen seiner komplizierten Bedienung fortgeschritteneren Anwendern vorbehalten bleibt. Es erlaubt Ihnen, Verhaltensweisen und Funktionen von Programmen in einer Art zu beeinflussen, die für den normalen Anwender relativ wenig Nutzen bringen.

Auch sicherheitstechnisch fordert die Distribution vom Anwender viel Handarbeit. Mangels einer grafischen Oberfläche gilt es beispielsweise, die Firewall mit Iptables-Regeln manuell einzurichten, was selbst für erfahrenere Anwender keine leicht Aufgabe darstellt. Anders als Ubuntu und OpenSuse ist unter Debian Sudo nicht eingerichtet. Stattdessen starten Sie Programme mit privilegierten Rechten durch die Eingabe von su -c Programmname, gefolgt vom Root-Passwort.

Zusammenfassend wirkt Debian in mancher Hinsicht bei der Konfiguration sperriger und unhandlicher als andere Distributionen. Auch das Fehlen vieler, in anderen Systemen selbstverständliche, Funktionen fördert nicht unbedingt die Benutzerfreundlichkeit. In jedem Fall lohnt sich ein Blick ins ausführliche Debian-Handbuch [2], das Antworten auf viele Fragen liefert.

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Thomas Leichtenstern

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