Wer sich gerade Kubuntu 8.04 auf die Festplatte gespielt hat, stellt sich eventuell die Frage: "Warum soll ich Kubuntu 8.10 nutzen?". Die Antwort lautet: "Never change a running system!" Wenn Sie mit Ihrem Kubuntu 8.04 zufrieden sind, das ja eine mehrjährige Versorgung mit Updates garantiert, tauschen Sie es nicht gegen die neue Kubuntu-Version aus. Wollen Sie jedoch ein neues System ausprobieren, mit KDE 4.1 arbeiten oder funktionieren Ihr WLAN oder Ihre Webcam nicht, könnte Kubuntu 8.10 etwas für Sie sein. An Bord hat die Distribution den Kernel 2.6.27, der zahlreiche Treiber für viele Webcams aber auch für neue WLAN-Hardware mitbringt. Zudem setzt Kubuntu erstmals auf den KDE-4-Desktop, der im Gegensatz zur bekannten KDE-3-Version viele Neuerungen mitbringt und dabei extrem gut aussieht. Allerdings läuft KDE 4 weniger stabil, die Übersetzungen haben noch Mängel, und die Bedienung funktioniert zu weiten Teilen anders als gewohnt. Nicht zuletzt versperrt Kubuntu 8.10 den Weg zurück zu KDE 3, da es Voreinstellungen für KDE-Anwendungen permanent verändert.
Zu den Stärken von Kubuntu gehört das Paketsystem (Abbildung 1), das auch Debian Linux verwendet: Damit spielen Sie Software sehr einfach ein, zudem erhalten Sie Zugriff auf ein riesiges Arsenal an Anwendungen. Die Kubuntu-Entwickler sorgen dafür, dass sich das System auch Ein- und Umsteigern intuitiv erschließt: Wenn der Kernel Ihre Hardware unterstützt, bleibt der Griff zur Konsole die Ausnahme.
Nutzen Sie Kubuntu 8.04, genügt ein einfaches Upgrade (siehe Kasten Kubuntu 8.04 upgraden). Aber auch sonst müssen Sie Kubuntu nicht gleich installieren: Dank eines integrierten Live-Systems schauen Sie sich die Distribution zunächst einmal an. Legen Sie dazu die Heft-DVD in Ihr Laufwerk und starten Sie die Distribution direkt von der DVD als Live-System (siehe Kasten Live-System).
Live-System
Live-Systeme leben von der enormen Größe der heutigen Arbeitsspeicher. Der Computer lädt die Systemkomponenten komplett ins RAM und lässt die Festplatte des Rechners unberührt. Am Ende sitzen Sie vor einem Kubuntu-Desktop (Abbildung 2) – ohne irgend etwas installieren, partitionieren oder formatieren zu müssen. Der Live-Desktop hat noch kleine Macken und arbeitet nicht so fix wie eine installierte Version, aber zum Ansehen und Ausprobieren genügt er völlig. So prüfen Sie bereits im Vorfeld, ob Sie sich mit KDE 4 anfreunden können. Um das Live-System zu starten, muss Ihr Rechner über ausreichend Arbeitsspeicher verfügen – 512 MByte sollten es schon sein (offiziell 384 MByte). Andernfalls dauert es ewig, bis der Desktop bereit steht.
Um Kubuntu anschließend fest zu installieren, genügt ein Klick auf den Button Install auf dem Desktop. Wollen Sie darauf verzichten, fahren Sie das System wieder herunter, und alles ist wie vorher. Zur Installation empfehlen die Macher mindestens 3 GByte freien Plattenplatz. Nehmen Sie 8 GByte, dann bleibt noch Luft für weitere Software. Erfüllt Ihr System die Anforderungen nicht, lesen Sie den Kasten Ältere Systeme.
Kubuntu 8.04 upgraden
Zum Upgraden von Kubuntu 8.04 auf 8.10 legen Sie die Heft-DVD ein, drücken Sie [Alt]+[F2] und geben kdesudo /media/cdrom/cdromupgrade ein. Der Paketmanager Adept startet und fragt in einem längeren englischen Text, ob Sie auch Quellen aus dem Internet einbeziehen wollen. Klicken Sie auf No, setzt das den Prozess in Gang, der sich recht lang hinziehen kann. Zwischendurch öffnen sich einige Dialogfenster, die Ihnen die Wahl zwischen Keep (Behalten) und Replace (Ersetzen) lassen. Hier will der Installer Konfigurationsdateien aktualisieren – Keep ist meist die richtige Wahl, um die von Ihnen angelegten Konfigurationen zu behalten. Gegen Ende der Installation taucht noch die Frage auf, ob Sie alte Pakete Beibehalten oder Entfernen wollen – wählen Sie die letzte Option. Ein Klick auf Neu starten bootet Ihr neues System.
Ältere Systeme
Wer einen älteren Rechner betreibt, muss nicht zwangsweise auf Kubuntu verzichten. Beim Booten der Heft-DVD gibt es die Optionen Kubuntu installieren und Kubuntu im Textmodus installieren. Letztere startet eine sehr spartanische Variante der Installation, die komplett im Textmodus stattfindet. Wählen Sie Kubuntu installieren, führt Sie ein grafischer Wegweiser durch die Installation. Die Schritte in der Textmodusvariante ähneln den im Abschnitt Linux am Start beschriebenen.
Als bessere Alternative zu Kubuntu bietet sich aber Xubuntu an, das auf den schlankeren XFCE-Desktop setzt. Der läuft auch auf Rechnern mit 128 MByte RAM gut, lässt sich aber nur über die Konsole konfigurieren.
Was bringt Kubuntu 8.10?
Kubuntu 8.10 beinhaltet durchaus ein paar handfeste Vorteile. Mit KDE 4.1 erhalten Sie einen optisch ansprechenden Desktop, der sich nach ein wenig Übung gut bedienen lässt und den die KDE-Programmierer ständig weiterentwickeln. Das neue KDE bringt zudem eigene grafische 3D-Effekte mit. Sie können den Desktop dank der so genannten Plasmoiden mit praktischen Funktionen ausrüsten (Abbildung 3). Sie lassen sich einen Bilderrahmen mit wechselnden Bildern anzeigen, ein Plasmoid fischt Ihren Lieblingscomic aus dem Netz, ein weiteres bietet einen Client für das Twitter-Netzwerk an. Dank Kernel 2.6.27 unterstützt Kubuntu zudem mehr Hardware.
Ansonsten bringt Kubuntu alles mit, was Sie im Arbeitsalltag brauchen. Im Internet surfen Sie zum Beispiel mit Konqueror, der unter KDE 4 nur noch als Webbrowser zum Einsatz kommt. Als offizieller Dateimanager dient Dolphin. Sie lesen mit KMail E-Mails und sehen im neuen Dragon Player Videos an. Der Audioplayer Amarok ist in der KDE-3-Version an Bord, ebenso das Brennprogramm K3b, mit dem Sie CDs und DVDs beschreiben. Ihre Büroarbeit erledigen Sie mit OpenOffice 2.4, und Ihre Kontakte verwaltet Kontact. Bevor Sie Kubuntu 8.10 installieren oder per Upgrade auf den Rechner spielen, sollten Sie jedoch wichtige Daten auf einer DVD oder einem Netzlaufwerk sichern, damit Sie keine Daten verlieren, falls etwas schief geht.
Linux am Start
Um das System zu installieren, muss Ihr Rechner zunächst von der DVD booten. Dazu drücken Sie nach dem Einschalten meist [Esc],[Entf] oder [F1], um in das BIOS zu gelangen. Zwar unterscheiden sich die BIOS-Versionen von Computer zu Computer, aber sicher gibt es auch in Ihrem BIOS die Möglichkeit, die Boot-Reihenfolge für die Geräte zu verändern. Sie schieben Ihr DVD-Laufwerk über [F5]/[F6] oder [+]/[-] in der Liste bootfähiger Geräte ganz nach oben, speichern die Änderung und verlassen das BIOS wieder. Nach einem Reboot sollte das Bootmenü der DVD erscheinen, das von ein Fenster mit einer Auswahl an Sprachen überlagert wird. Steuern Sie mit Hilfe der Pfeiltasten Deutsch als Sprache an, drücken Sie [Eingabe] und wählen Sie den Punkt Kubuntu ausprobieren, der ganz oben steht, um das Live-System zu starten. Alternativ rufen Sie hier den Installer auf (Punkte 2 und 3) oder überprüfen die CD auf Beschädigungen, wenn Sie glauben, dass die DVD die Reise nicht gut überstanden hat.
Drücken Sie [Eingabe], lädt Ihr Rechner den Kernel und dann den Kubuntu-Desktop, was ein paar Minuten dauert. Ein Klick auf das Desktop-Icon Install schiebt die Installation an.
Wählen Sie Deutsch als Sprache und Berlin als Ausgewählte Stadt, um die Zeitzone zu bestimmen (Abbildung 4). Dann probieren Sie als Tastaturbelegung zunächst Germany und Germany (Deutschland) aus. Im Feld unten links tippen Sie ein paar Sonderzeichen (@, ä, ö, ü) ein und prüfen, ob Kubuntu die Tasten richtig identifiziert.



