Knoppix und Ubuntu

Tipps und Tricks zu Knoppix und Ubuntu

09.01.2009
Ubuntu und Knoppix haben eine Gemeinsamtkeit: Sie basieren auf Debian. Hier verraten wir Tricks und Kniffe, welche die Arbeit auf diesen Distributionen angenehmer machen.

Tipp: Ubuntu: Mit Update-Manager auf 8.10 aktualisieren

Da es sich bei der Vorgängerversion (Hardy Heron, 8.04) der aktuellen Ubuntu-Release (Intrepid Ibex, 8.10) um eine so genannte LTS-Version (Long Term Support) handelt, müssen Sie dem Update-Manager (System / SystemverwaltungAktualisierungsverwaltung) explizit mitteilen, dass Sie Wert auf die neue Version 8.10 legen. Andernfalls bietet das Tool erst wieder ein Distributions-Upgrade an, wenn eine neue LTS-Version das Licht der Welt erblickt. So gehen Sie vor, damit der Update-Manager auch die "Zwischenversionen" anbietet:

  1. Starten Sie das Konfigurationstool für die Softwarequellen aus dem Menü System / Systemverwaltung und authentifizieren Sie sich mit Ihrem eigenen Passwort.
  2. Wechseln Sie zum Reiter Aktualisierungen und ändern Sie im Drop-down-Menü Release Upgrade den Eintrag Nur langzeitunterstützte Freigaben auf Turnusmäßige Freigaben.
  3. Die Änderung greift sofort, und der Update-Manager zeigt nun an, dass eine neue Version der Distribution verfügbar ist (Abbildung 1).

    Abbildung 1: In der Voreinstellung möchte Hardy Heron auf die nächste LTS-Release warten. In diesem Dialog schalten Sie das Verhalten ab.

Tipp: Ubuntu: Verbesserte Suchfunktionen in Adept

Es läuft zwar noch nicht alles rund in der neuen Adept-Version (3.0 Beta 4), die Kubuntu 8.10 verwendet, aber der grafische Paketmanager ist definitiv auf dem richtigen Weg. Sofort ins Auge fällt nach dem Start das neue Layout, das für mehr Übersicht sorgt. In der Voreinstellung bringt Adept Sie nach dem Aufruf über das Startmenü / Programme / System / Paketverwaltung direkt zur Suchen-Funktion. Diese haben die Entwickler deutlich verbessert (Abbildung 2).

Abbildung 2: Die Suchergebnisse verfeinern und filtern Sie per Klick auf die Symbole und Tag-Namen.

Hier helfen verschiedene Icons und Tags unter dem Suchfeld beim Fahnden nach den Paketen. Die Treffer erscheinen anschließend in der rechten Fensterhälfte. Mit Klicks auf die Symbole neben State (Status) und Requested (Ihre geplanten Änderungen) verfeinern Sie die Suche. Welche Filter sich hinter den Symbolen verstecken, verraten die Tooltips, die das Programm anzeigt, wenn Sie mit der Maus über einem Icon verweilen. In der ersten Reihe neben State sind das:

  • verfügbare, aber nicht installierte Pakete (leeres Quadrat mit blauem Rahmen),
  • auf dem System installierte Pakete (grünes Quadrat) und
  • Pakete, von denen es aktuellere Versionen gibt (gelbes Dreieck).

Die Symbole darunter bedeuten:

  • Pakete, für die keine Änderungen, wie etwa das Entfernen oder Aktualisieren, geplant sind (leeres Quadrat mit blauem Rahmen),
  • Pakete, die zur Installation vorgemerkt wurden (Quadrat mit grünem Rahmen und Pfeil),
  • Pakete, die zum Entfernen vorgemerkt wurden (rotes Quadrat mit Pfeil), und
  • Pakete, die Sie zur Aktualisierung markiert haben (gelbes Dreieck mit Pfeil).

Die Ergebnisse im rechten Fensterbereich können Sie über die Tags (unter den Symbolen) filtern: Bei diesen "Debian Package Tags" handelt es sich um eine spezielle Auszeichnung für die Pakete auf Debian-basierten Distributionen. Debian-Pakete wurden ursprünglich nach Abschnitten ("Sektionen") sortiert. Da ein Paket immer nur genau einer Sektion zugeordnet werden konnte, führten die Entwickler immer mehr Sektionen für die Programme ein, was schnell unübersichtlich wurde. Die Package Tags, die sich in den Paketbeschreibungen finden, lösen dieses Problem. Wenn Sie auf der Kommandozeile mit dem Befehl aptitude show <paket> Informationen über ein Paket abrufen, sehen Sie die Tags ganz am Ende der Ausgabe (Marken).

In Adept suchen Sie per Klick auf eine Kategorie in den Tags nach dieser Kategorie; klicken Sie hingegen auf [not] neben dem Tag, zeigt Adept alle Pakete an, in deren Tags diese Kategorie nicht auftaucht. Sie deaktivieren den Tag-Filter mit einem Klick auf [clear] neben Relevant Tags.

Tipp: Ubuntu: Aufrufoptionen für Adept

Kubuntus Paketverwalter kommt in drei "Geschmacksrichtungen": Abhängig davon, ob Sie die grafische Oberfläche für APT über das Menü Programme / System / Paketverwaltung, Programme / Add/Remove Software oder per Doppelklick auf das Update-Notifier-Symbol in der Kontrollleiste starten, bietet die Anwendung in der linken Hälfte unterschiedliche Menüpunkte.

Für die erste Aufrufvariante sehen Sie links Symbole für die Verwaltung der Softwarequellen (Sources), die im vorigen Tipp beschriebene Suchfunktion (Suchen), eine Detailansicht für ausgewählte Pakete (Details), geplante Aktionen (Changes) und eine Fortschrittsanzeige für laufende Operationen (Fortschritt). Diese Oberfläche des Paketverwalters starten Sie aus einer Shell oder einem Schnellstartfenster heraus mit dem Kommando sudo adept oder auch sudo adept manager.

Eine lange Suche nach Paketnamen und/oder -beschreibungen sparen Sie sich, wenn Sie stattdessen die zweite Variante wählen. Anstelle der Suchfunktion erscheint der Menüpunkt Browse, der es Ihnen erlaubt, in den einzelnen Kategorien (zum Beispiel Edutainment, Games, Graphics usw.) nach verfügbaren Paketen zu stöbern (Abbildung 3). Auf diese Weise finden Sie manches Schmankerl und Anwendungen, die Sie vielleicht gar nicht gesucht hätten. Für diese Variante starten Sie Adept mit sudo adept installer.

Abbildung 3: Im Ubuntu-Paketarchiv findet sich so mancher Schatz, hier einige Programme aus der Grafikkategorie.

Wer einfach alle Pakete auf den aktuellsten Stand bringen will, kann die entsprechenden Filter für die Adept-Suche anklicken – schneller geht's über Doppelklick auf das Update-Notifier-Symbol. Das Icon mit dem Zahnrad verrät, wie viele Updates verfügbar sind, wenn Sie die Maus darüber bewegen. Nach dem Start der Update-Variante stehen drei verschiedene Menüs zur Verfügung: Fetch Lists (Paketquellen anpassen und Liste der verfügbaren Pakete aktualisieren), Upgrade (zeigt die Software, die zur Aktualisierung ausgewählt ist und startet das Update über Klick auf Änderungen anwenden) und Progress (Fortschrittsanzeige). Sie starten Adept im Aktualisierungsmodus, indem Sie das Kommando sudo adept updater verwenden.

Tipp: Ubuntu/Knoppix: Informative APT-Logdateien

Ob aptitude, apt-get, Synaptic oder Adept – egal mit welchen Paketverwaltungstools Sie auf Debian-basierten Distributionen arbeiten: Die Information, welche Software Sie zuletzt installiert haben, finden Sie am einfachsten über die Kommandozeile.

Starten Sie ein Terminalprogramm, zum Beispiel KDEs konsole oder das gnome-terminal. Sämtliche Logdateien befinden sich im Verzeichnis /var/log/ und sind nur mit Administratorrechten lesbar. Im Unterverzeichnis apt sehen Sie verschiedene Dateien: term.log, term.log.1.gz, term.log.2.gz usw. In term.log stehen die aktuellsten Informationen; alle anderen Dateien mit der Endung .gz sind alte Logfiles, die logrotate in komprimierter Form dort archiviert hat.

Diese Dateien betrachten Sie mit dem Programm less in der Shell – auch die komprimierten Textdateien mit der Endung .gz zeigt das Tool anstandslos an, lediglich die Darstellung der Umlaute klappt nicht, das ist aber zu verschmerzen. Um less mit Administratorrechten zu starten, stellen Sie das Kommando sudo voran, zum Beispiel:

sudo less /var/log/apt/term.log

In less selbst blättern Sie mit den Pfeiltasten vor und zurück, über [Umschalt]+[7] (/) suchen Sie vorwärts und über [Umschalt]+[ß] (?) rückwärts nach bestimmten Begriffen. Beachten Sie, dass less Groß- und Kleinschreibung unterscheidet, also "case sensitive" arbeitet.

Die einzelnen Einträge im APT-Protokoll term.log sind nach Datum sortiert, zum Beispiel:

Log started: 2008-11-25  17:11:52
…
Log ended: 2008-11-25  17:12:24

Zwischen den Informationen, wann das Protokollieren gestartet und beendet wurde, tauchen die Meldungen zur Installation und Einrichtung der einzelnen Pakete auf. So erfahren Sie schnell, wann Sie welche Software eingespielt haben (Abbildung 4).

Abbildung 4: Hilft dem Gedächtnis auf die Sprünge: Ein Blick ins APT-Logfile verrät, wann Sie welche Pakete installiert haben.

Tipp: Knoppix: Online mit HSDPA-USB-Stick

Ein schneller Internetzugang über DSL oder Kabel ist für viele Benutzer mittlerweile ganz selbstverständlich. Stehen diese Techniken (noch) nicht zur Verfügung, greifen viele auf ISDN zurück. Alternativen sind UMTS und seine Nachfolger HSDPA und HSUPA – damit sind Sie mobil und schnell im Internet unterwegs. Ein Artikel in unserer Schwesterzeitschrift LinuxUser [2] erklärt die Grundlagen zu diesen Techniken und gibt Empfehlungen zum Kauf von UMTS-Hardware. Dieser Tipp zeigt, wie Sie einen HSDPA-USB-Stick unter Knoppix verwenden. Als Testgerät diente der Huawei-E160-HSDPA-USB-Stick, auch unter dem Namen O2 Surf Stick vertrieben [3].

Nach dem Einstecken des USB-Sticks starten Sie das Programm konsole zum Beispiel über einen Klick auf das Terminal-Symbol in der Kontrollleiste. Am Prompt geben Sie danach das Kommando dmesg ein, um zu prüfen, ob Knoppix das Gerät erkannt hat:

usbcore: registered new interface driver usbserial
…
drivers/usb/serial/usb-serial.c: USB Serial support registered  or
GSM modem (1-port)
…
usb 1-3: GSM modem (1-port) converter now attached to ttyUSB0
…

Die Ausgabe verrät, dass der Stick über die Gerätedatei /dev/ttyUSB0 ansprechbar ist; diese Information benötigen Sie für die Einrichtung der Internetverbindung mit KDEs Dienstprogramm KPPP:

  1. Starten Sie die Anwendung über das K-Menü / Internet / KPPP und klicken Sie im folgenden Dialog auf Einrichten.
  2. Legen Sie auf dem Reiter Zugänge über Neu eine neue Verbindung an; wählen Sie die Manuelle Einrichtung aus. Im nächsten Dialog geben Sie der Verbindung zunächst einen frei wählbaren Namen; dann klicken Sie auf Hinzufügen, um die Telefonnummer einzutragen. (Bei den meisten Anbietern ist das die *99***1#.) Unter Authentifizierung wählen Sie PAP.

  3. Auf dem Reiter IP klicken Sie die Checkbox Dynamische IP-Adresse an, unter Gateway belassen Sie alles bei der Voreinstellung (Standard-Gateway), und auf dem Reiter DNS wählen Sie Automatisch und klicken in die Checkbox Während Verbindung existierende DNS-Server deaktivieren. Über OK schließen Sie die Einrichtung des Zugangs ab.
  4. Wechseln Sie danach zum Reiter Modems, um den USB-Stick mit KPPP bekanntzumachen. Klicken Sie auf Neu; dann geben Sie Ihrem Modem einen Namen und wählen aus dem Drop-down-Menü Modemgerät die vom dmesg-Kommando gemeldete Gerätedatei (im Beispiel: ttyUSB0). Bei Flusskontrolle und Zeilenende übernehmen Sie die Voreinstellungen, und unter Geschwindigkeit stellen Sie 460800 ein. Alle restlichen Vorgaben können Sie übernehmen und die Modemeinrichtung über OK beenden.

Danach ist KPPP bereit, eine Internetverbindung herzustellen. Ist Ihr USB-Stick mit einer PIN-Nummer gesichert, gilt es vor dem Verbindungsaufbau, diesen zu entsperren. Das erledigen Sie komfortabel im Terminal mit dem Programm gcom:

$ gcom -d /dev/ttyUSB0
Enter PIN number: 1111
Waiting for Registration..(120 sec max)…..
Registered on Home network: "o2 - de",2
Signal Quality: 7,99

Geben Sie danach beliebige Werte in die Felder für den Benutzernamen und das Passwort im KPPP-Verbindungsdialog ein, zum Beispiel zweimal o2, und klicken Sie auf Verbinden. Wenn Sie die Checkbox Protokollfenster anzeigen angeklickt haben, sehen Sie, was im Hintergrund passiert. KPPP minimiert nach erfolgreichem Verbindungsaufbau das Programmfenster. Wenn Sie dieses wieder nach vorne holen und auf die Schaltfläche Details klicken, sehen Sie den Statistik-Dialog, der weitere Informationen zur Verbindung zeigt (Abbildung 5).

Abbildung 5: Auch unter Knoppix sind Sie dank KPPP schnell und unkompliziert online.

Glossar

logrotate

Damit die Logfiles des System nicht ins Unendliche wachsen und zum Speicherfresser werden, räumt das Programm logrotate (aus dem gleichnamigen Paket) auf: Das Tool komprimiert automatisch die Protokolldateien, löscht diese nach einer bestimmten Zeit und erlaubt es auch, diese per Mail zu versenden. Wann logrotate normalerweise den Dienst aufnimmt (täglich, wöchentlich, monatlich und so weiter), ist über die Dateien in /etc/logrotate.d/ geregelt [1].

UMTS

Das Universal Mobile Telecommunications System" ist ein Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G), der Übertragungsraten von 384 kBit/s bis 7,2 MBit/s bietet.

HSDPA

High Speed Downlink Packet Access, oft auch 3.5G, 3G+ oder UMTS-Broadband genannt, ist ein UMTS-Übertragungsverfahren, das DSL-ähnliche Übertragungsgeschwindigkeiten im Mobilfunknetz ermöglicht. Abhängig von der Qualität der Funkverbindung sind 3,6 MBit/s bis 13,98 MBit/s möglich. In Deutschland stellen mehrere Netzbetreiber, darunter Vodafone, T-Mobile und O2 UMTS mit HSDPA zur Verfügung.

HSUPA

High Speed Uplink Packet Access ist ein weiteres UMTS-Übertragungsverfahren, das höhere Uplink-Raten (bis zu 5,8 MBit/s) ermöglicht. Der Ausbau der Mobilfunknetze in Deutschland läuft. Eine Übersicht über Provider und Tarife sowie Neuigkeiten zu HSUPA, HSDPA und UMTS bietet die deutsche HSUPA-Webseite http://www.hsupa.de.

Infos

[1] Artikel über Logdateien unter Linux: Thomas Leichtenstern, "Such und find", EasyLinux 06/2006, S. 60 ff., http://www.easylinux.de/2006/06/060-logs/

[2] Einführung in UMTS und HSDPA: Erik Bärwaldt, "No Limits", LinuxUser 10/2007, S. 72 ff., http://www.linux-user.de/ausgabe/2007/10/072-umts/

[3] O2 Surf Stick: http://www.o2online.de/nw/active/laptop/modem/surfstick

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