Familienalbum

KDE und Gnome sind, auch wenn man das bei einigen Linux-Distributionen dank angepasster Oberflächenstile nicht mehr bemerkt, von Grund auf unterschiedlich, weil sie verschiedene Bibliotheken verwenden, um die Fenster darzustellen und mit Elementen wie Menüs, Buttons und Symbolleisten zu versehen: KDE nutzt die Qt-Bibliothek von Troll Tech und Gnome die Gtk-Bibliothek, die einst als Basis für das Grafikprogramm Gimp entwickelt wurde. Das ist der Grund, warum Anwendungen wie die Musikverwaltung Amarok oder Gimp als typische KDE- bzw. Gnome-Programme gelten, auch wenn sie mit dem eigentlichen Desktop-Projekt wenig oder gar nichts zu tun haben: Sie benutzen einfach nur dieselben Bibliotheken.

Unter Gnome finden Sie zum Verwalten Ihrer Fotosammlung meist das Programm F-Spot (Abbildung 5). Für den schnellen Klick auf ein Foto haben sich unter den Distributoren verschiedene kleine Tools durchgesetzt. F-Spot geht den eigenwilligen Weg, Ihre Fotos an Hand einer Zeitleiste zu sortieren und über Tags, also Schlagwörter, wie "Freunde", "Familie" oder "Landschaften" zu suchen. Wer die Fotoalben bisher ebenfalls mit großen Jahreszahlen auf dem Umschlag verzierte oder thematisch geordnet in Schuhkartons aufbewahrte, findet in F-Spot einen gelungenen Verwalter für seine Bilder.

Abbildung 5: Die Fotoverwaltung F-Spot sortiert Ihre Bilder in einer Zeitleiste.

Wollen Sie allerdings lieber wissen, wo genau auf der Festplatte ein bestimmter Foto-Ordner zu finden ist, greift zum KDE-Programm Digikam (Abbildung 6). Digikam bietet zwar, wie auch F-Spot, die Suche über das Datum oder bestimmter Schlagwörter, ordnet seine Inhalte aber in Alben an, welche den tatsächlichen Ordnern auf Ihrer Festplatte entsprechen. Gerade versierte Computernutzer mit einem "Verzeichnisbaum-Blick" bevorzugen eine solche Ansicht. Außerdem beschleunigt diese Vorgehensweise den Import neuer Fotos erheblich. F-Spot benötigt sogar bei kleineren Alben einige Zeit, um diese in seine Datenbank einzupflegen.

Abbildung 6: Digikam verwaltet Ihre Fotos, indem es die Ordnerstruktur auf der Festplatte einliest und daraus Fotoalben macht.

F-Spot und Digikam verfügen über kleine Tools und Plug-ins, mit denen Sie über wenige Mausklicks Ihre Fotos zuschneiden, entfärben oder rote Augen verschwinden lassen. Bedarf es einmal einer aufwändigeren Retusche, starten Sie unter beiden Desktops Gimp.

Stereoanlage

Viele KDE-Anwender verwalten ihre Musiksammlung mit Amarok: Angelehnt an Apples iTunes, bietet das Programm alles, was das audiophile Herz begehrt. Über Plug-ins lässt sich die Software beinahe grenzenlos um Codecs oder Internetfunktionen erweitern. Sie verwalten Ihre Sammlung über die Namen der Interpreten, Albentitel oder Schlagworte, erstellen nicht nur Wiedergabelisten per Hand, sondern lassen Amarok auch "intelligente" Wiedergabelisten nach Ihren Hörgewohnheiten bilden und schließen bequem einen tragbaren MP3-Player zum Befüllen an.

Zwar bietet Gnome gleich mehrere recht gute Programme für diese Zwecke, doch keines davon kommt an die Funktionsvielfalt von Amarok heran. Trotzdem verwalten Sie unter Gnome mit Rhythmbox, Banshee oder Exaile Ihre Musik sehr bequem. Mittlerweile bieten auch die meisten Programme Internetfunktionen, wie etwa Zugriff auf das musikalische Social Network last.fm oder auf Podcasts. Doch fehlen den Gnome-Kandidaten entweder der direkte Wikipedia-Zugriff für Künstlerinformationen oder andere nützliche Plug-ins. Am nächsten an Amarok heran reicht das Programm Rhythmbox, das zum Beispiel die aktuelle Ubuntu-Version als Standardplayer einrichtet.

Im Videobereich halten weder KDEs Kaffeine noch Gnomes Totem mit den Desktop-unabhängigen Programmen Xine, MPlayer und VLC mit. Daher entscheiden sich die meisten Distributoren auch dafür, einen dieser drei Player mitzuliefern, so weit keine rechtlichen Bedenken (etwa wegen integrierter DVD-Entschlüsselungsfunktionen) dagegen sprechen. Um aber eine DVD oder eine avi-Datei (installierte Codecs vorrausgesetzt) anzuschauen, reichen Kaffeine und Totem allemal. Nur wer erweiterte Funktionen, wie das Skalieren des Videobildes, wünscht, muss auf MPlayer oder VLC ausweichen.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • gDesklets installieren und nutzen
    Mit ebenso nützlichen wie optisch attraktiven Desktop-Extensions verleiht gDesklets der Gnome-Oberfläche einen persönlichen Charakter. Setzen sie die piffige Desktop-Erweiterung auch mit anderen GUIs optimal ein und entwickeln Sie Ihre eigenen Desklets.
  • Überwachen und Spielen
    Schöner arbeiten: Mit Gdesklets überwachen Sie Ihr System, ohne auf Ästhetik zu verzichten. Die transparenten Fenster verschmelzen nahtlos mit dem Desktop.
  • Alter Name, neuer Desktop: Gnome 3
    Der Wechsel auf Gnome 3 ist für Anwender ein großer Schritt: Konzept und Philosophie von Gnome 3 unterscheiden sich deutlich vom Vorgänger. Gnome-Freunde müssen sich entscheiden, ob sie erheblichen Lernaufwand in die Bedienung eines quasi neuen Desktops investieren oder sich mit der gleichen Energie besser der Konkurrenz KDE 4.7 zuwenden. Wir helfen bei der Entscheidung.
  • Desktopumgebung XFCE und Dreamlinux aus Brasilien
    Das schlanke XFCE fristet in vielen Distributionen im Schatten der Giganten KDE und Gnome sein Dasein – zu Unrecht: Was die clevere Arbeitsumgebung alles kann, zeigt eindrucksvoll das brasilianische Dreamlinux.
  • Teile und herrsche
    Peter Norton schuf vor über 20 Jahren einen einfach zu bedienenden Dateimanager mit Zweifenster-Modus. Der Gnome Commander tritt an, um den Veteran zu beerben.
Kommentare

Infos zur Publikation

title_2014_04

Digitale Ausgabe: Preis € 9,80
(inkl. 19% MwSt.)

EasyLinux erscheint vierteljährlich und kostet EUR 9,80. Weitere Informationen zum Heft finden Sie auf der EasyLinux-Homepage.

Das EasyLinux-Jahresabo mit Prämie kostet ab EUR 33,30. Details zum EasyLinux-Jahresabo finden Sie im Medialinx-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!      

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

WLAN-Signalqualität vom Treiber abhängig
GoaSkin , 29.10.2014 14:16, 0 Antworten
Hallo, für einen WLAN-Stick mit Ralink 2870 Chipsatz gibt es einen Treiber von Ralink sowie (m...
Artikelsuche
Erwin Ruitenberg, 09.10.2014 07:51, 1 Antworten
Ich habe seit einige Jahre ein Dugisub LinuxUser. Dann weiß ich das irgendwann ein bestimmtes Art...
Windows 8 startet nur mit externer Festplatte
Anne La, 10.09.2014 17:25, 6 Antworten
Hallo Leute, also, ich bin auf folgendes Problem gestoßen: Ich habe Ubuntu 14.04 auf meiner...
Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...