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Grün Computing

OpenSuse 11.1 auf dem Prüfstand

09.01.2009
OpenSuse gehört in Deutschland nach wie vor zu den populärsten Linux-Distributionen. Wir zeigen, was die neue Version 11.1 leistet.

Die Neuheiten von OpenSuse 11.1 fallen unspektakulärer aus als beim Vorgänger 11.0. Die Distribution glänzt hauptsächlich mit aktualisierten Programmen, darunter Firefox 3 und OpenOffice 3, dem schnellen Paketmanager Zypper in Version 1.0.1 sowie einer Testversion von Amarok2. Letztere beherrscht noch nicht alle Features des alten Amarok (es fehlen etwa die Unterstützung für portable Media-Player und für Visualisierungen), sie integriert aber mehr Webdienste, darunter Jamendo, Mp3tunes und Ampache. Nutzer von 64-Bit-Rechnern können erstmals auch eine Live-Version von OpenSuse 11.1 nutzen.

Der frische Kernel in Version 2.6.27.1 bringt deutlich mehr Treiber für Webcams und WLAN-Karten mit: Mit der Integration der UVC- und GSPCA-Treiber unterstützt der Kernel 2.6.27 nun deutlich mehr Webcams. Das aufwändige Übersetzen der Kernel-Module von Hand entfällt dadurch. Sie stecken die Webcam an den Rechner und OpenSuse installiert automatisch den passenden Treiber.

Da OpenSuse in der Ausgangsversion keine proprietären Programme mehr mitbringt, müssen Sie als Anwender beim Installieren neuerdings auch keine EULA mehr abnicken. So lässt sich die OpenSuse-DVD problemlos weiterverteilen, ohne die Rechte Dritter zu verletzen. Kaufen Sie OpenSuse 11.1, erhalten Sie eine Dual-Layer-DVD mit freier Software und installieren die proprietären Komponenten über eine mitgelieferte Add-on-CD nach. Laden Sie die Distribution aus dem Internet herunter, spielen Sie die proprietäre Software über eine externe Paketquelle auf Ihr System. Die Idee ist gut, allerdings verwirrt es ein wenig, dass OpenSuse sein Vorgehen in diesem Bereich offenbar mit jeder neuen Version wieder ändert.

Neue Module

Während der Installation versucht OpenSuse 11.1, die angeschlossenen Geräte automatisch zu erkennen, was abhängig von der Unterstützung durch den Kernel mehr oder weniger gut funktioniert. Nicht konfigurierte Geräte richten Sie nach einem Neustart über OpenSuses Konfigurationstool YaST. Für OpenSuse 11.1 wurden einige YaST-Module überarbeitet, etwa das Drucker-Modul. Durch die Vereinfachung benötigen das Einrichten und die Freigabe von Druckern deutlich weniger Klicks. Auch das Modul zum Partitionieren von Festplatten haben die Entwickler übersichtlicher gestaltet und unter anderem das Einrichten von verschlüsselten Dateien und Netzwerk-Partitionen vereinfacht (Abbildung 1).

Abbildung 1: Über YaST richten Sie im überarbeiteten Partitionierungs-Modul schnell ein verschlüsseltes Laufwerk ein.

In der Systemleiste sehen Sie ein orangefarbenes Icon, mit dem Sie Software-Updates einspielen. Ein Klick darauf öffnet ein Fenster, das neue Aktualisierungen meldet, über Installieren spielen Sie diese ein. Das erste Update installiert übrigens automatisch den MP3-Codec von Fluendo sowie Smolt. Letzteres sammelt Informationen über Ihre Hardware und schickt diese auf Wunsch in anonymisierter Form an einen Fedora-Server. Dort werden die Daten gesammelt, um Hardware-Hersteller basierend unter Druck zu setzen, der Open-Source-Community die Hardware-Spezifikationen zur Verfügung zu stellen.

Gefällt Ihnen die Bildschirmauflösung nicht, ändern Sie diese nach wie vor über das Tool Sax2 (Abbildung 2). Um die Änderungen anschließend in Kraft zu setzen, drücken Sie auf [Strg]+[Alt]+[Rückschritt]. Anders als früher müssen Sie die Tastenkombination nun zweimal drücken: Beim ersten Mal ertönt ein Warnton, erst beim zweiten Mal wird der Bildschirm schwarz, und Sie landen mit der neuen Auflösung wieder beim Login-Manager, wo Sie sich erneut anmelden. Das Audio-Feedback soll verhindern, dass Sie Ihren Desktop aus Versehen neu starten.

Abbildung 2: Die Bildschirmauflösung ändern Sie über Sax2, anschließend starten Sie mit Hilfe einer Tastenkombination die grafische Oberfläche neu.

3D-Beschleunigung

Sie können sich glücklich schätzen, wenn Sie eine Grafikkarte nutzen, für die es einen quelloffenen 3D-Treiber gibt. Wahrscheinlicher ist aber, dass Ihre Grafikkarte von Nvidia oder ATI stammt. Um normale Büroarbeit zu erledigen oder die grafischen Effekte von KDE 4 zu verwenden, brauchen Sie keine 3D-Beschleunigung. Selbst Filme können Sie auf neueren Rechnern ohne Grafikbeschleunigung ansehen. Wollen Sie jedoch unter Linux spielen oder den 3D-Desktop mit den tollen Effekten verwenden (sie sind standardmäßig deaktiviert), benötigen Sie die proprietären 3D-Treiber für Ihre Grafikkarte. Deren Installation ändert sich fast mit jeder Distributions-Release ein wenig. Das liegt daran, dass Nvidia und AMD (ATI gehört zu AMD) die Spezifikation für die Treiber nicht herausrücken bzw. nur Teile davon. Nvidias Treiber lassen sich am besten mit einem Klick auf einen One-Click-Install-Button einspielen, den eine Webseite [1] anbietet. Wer eine Grafikkarte von ATI nutzt, folgt am besten der Beschreibung im OpenSuse-Wiki [2].

Paketmanagement

Neue Software spielen Sie in OpenSuse über YaST ein. Anstelle von EXE-Dateien, die in der Regel nichts anderes sind als ausführbare Archive, gibt es Software für OpenSuse in Form von RPM-Paketen. Diese enthalten mehrere Dateien, welche die Distribution bei der Installation an die dafür vorgesehenen Verzeichnisse im System kopiert. In YaSTs Reiter Software finden Sie unter Software installieren und löschen einen grafischen Paketmanager, mit dem Sie neue Pakete installieren und nicht mehr benötigte entfernen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Ein RPM-Paket enthält meist mehrere Dateien, die YaSTs Software-Verwaltung beim Installieren an die passenden Orte des Systems kopiert.

Unter Linux ergibt es aufgrund zahlreicher Paketabhängigkeiten selten Sinn, einzelne RPM-Pakete von einer Webseite zu holen und zu installieren. Anstatt nun Dutzende von Paketen herunterzuladen, binden Sie eine Paketquelle ein, die das Auflösen automatisch regelt. Die externe Paketquelle von Packman bietet beispielsweise nicht nur die Videoabspielsoftware MPlayer an, sondern auch alle Pakete, von denen MPlayer abhängt (Abbildung 4) – Sie brauchen lediglich eine Verbindung ins Internet. Neben Packman finden Sie noch zahlreiche weitere Paketquellen (Abbildung 5), etwa ein Videolan Repository, das den Videoplayer VLC anbietet. Die openSUSE BuildServices bieten stets aktuelle Varianten einer bestimmten Software an, etwa eine neue OpenOffice-Version oder brandneue Wine CVS-Pakete.

Abbildung 4: Pakete einzeln zu installieren, ergibt unter Linux oft keinen Sinn. Binden Sie hingegen eine Paketquelle ein, löst YaST Abhängigkeiten automatisch auf.
Abbildung 5: Packman ist eine beliebte externe Paketquelle für OpenSuse, die unter anderem viele Multimedia-Pakete enthält.

Tipp

Deutlich schneller als mit YaST installieren Sie Software mit der neuen Version 1.0.1 von Zypper über die Kommandozeile. Eine ausführliche Anleitung zum Umgang mit Zypper lesen Sie in dieser Ausgabe ab Seite 22 und im OpenSuse-Wiki [3].

Externer Speicher

Was passiert unter OpenSuse 11.1, wenn Sie Daten von einem USB-Stick laden? Sobald Sie den Stick in die USB-Buchse schieben, öffnet KDE 4 ein kleines Fenster mit der Überschrift Kürzlich angeschlossene Geräte, das den Stick auflistet. Ein Mausklick zeigt die darauf enthaltenen Daten im Dateimanager Dolphin an. OpenSuse hängt USB-Sticks, CDs und DVDs im Verzeichnis /media ein.

Speichern Sie Daten auf USB-Sticks, müssen Sie diese wieder sauber aus dem System entfernen – andernfalls schreibt OpenSuse die Daten nicht auf den Stick, und sie gehen verloren. Deutliche Warnungen in dieser Richtung fehlen in OpenSuse 11.1 allerdings. CDs und DVDs mit Inhalten behandelt OpenSuse 11.1 wie USB-Sticks. Größere Probleme gab es mit leeren Medien, auf die wir mit K3b Daten brennen wollten. Das Programm erkennt CD/DVD-Brenner nur dann, wenn Sie es über [Alt]+[F2] und die Eingabe von kdesu k3b mit Root-Rechten starten.

Drucken

Bereits während der Installation versucht OpenSuse 11.1, Drucker korrekt zu erkennen und einzurichten. Möglicherweise funktioniert Ihr Gerät ja bereits. Tut es das nicht, verwenden Sie womöglich den falschen Druckertreiber. Die englischsprachige Webseite Openprinting.org [4] gibt Auskunft, welchen Treiber Ihr Drucker unter Linux benötigt bzw. ob es überhaupt einen Treiber gibt. Über das Modul Drucker in YaSTs Hardware-Bereich wählen Sie den passenden Treiber aus und drucken eine Testseite.

Netzwerken

Hängen Sie über ein Kabel an einem Router, der im internen Netzwerk IP-Adressen via DHCP vergibt, gelangen Sie rasch und ohne Probleme ins Internet. Beim Booten erhält die Netzwerkkarte automatisch eine IP-Adresse, allerdings startet OpenSuse in diesem Fall nicht den Networkmanager, den Sie brauchen, wenn Sie Ihren Rechner nachträglich mit einer WLAN-Karte ausstatten.

WLAN-Karten richten Sie unter OpenSuse 11.1 recht einfach ein – wenn die Distribution einen Treiber für die Karte mitbringt. Der Kernel 2.6.27, den OpenSuse 11.1 einsetzt, kennt inzwischen eine Menge WLAN-Treiber. Über den Networkmanager (den grünen Globus in der Systemleiste) wählen Sie nicht nur das richtige WLAN-Netz aus (Abbildung 6), sondern geben auch die Zugangsdaten für verschlüsselte Drahtlosverbindungen ein.

Abbildung 6: Funktioniert die WLAN-Karte, findet der Networkmanager automatisch Netze in der Umgebung. Nun geben Sie noch die Zugangsdaten für die Verschlüsselung ein.

Erkennt OpenSuse 11.1 eine WLAN-Karte nicht automatisch, gibt es noch einen weiteren – etwas merkwürdigen – Weg, um diese einzurichten. Dazu stecken Sie diese an den Rechner und rufen YaSTs Paketverwaltung auf. Klicken Sie darin lediglich auf Annehmen, schlägt YaST vor, die passende Firmware für Ihren Stick herunterzuladen und einzuspielen – vorausgesetzt, es kennt diese. Danach richten Sie die Drahtlosverbindung über den Networkmanager ein.

Schwieriger wird es, wenn der Kernel Ihre WLAN-Karte nicht unterstützt. In diesem Fall kaufen Sie sich am besten einen von Linux unterstützten Typ. Eine aktuelle Liste funktionierender WLAN-Karten gibt es hier [5]. Klicken Sie auf einen Hersteller, zeigt eine Tabelle die Unterstützung für die jeweiligen Geräte an. In der Spalte Works out of the box (funktioniert ohne Probleme) muss yes stehen. Achten Sie darauf, dass es WLAN-Karten oft mit unterschiedlichen Chipsets gibt: So kennt die Datenbank acht verschiedene Versionen des D-Link DWL-G122 USB-WLAN-Sticks. Eine weitere Liste mit WLAN-Karten finden Sie unter [6].

Fazit

Nutzen Sie von Linux gut unterstützte Hardware, richten Sie OpenSuse 11.1 ohne große Umstände ein. Etwas holpriger wird es, wenn das System zum Beispiel die WLAN-Karte nicht auf Anhieb erkennt. Für die meisten Aufgaben bietet jedoch der überarbeitete Konfigurationsmanager YaST eine grafische Oberfläche an. Die mitgelieferte KDE-4-Version wirkt stabil und durchdacht, auch in punkto Bedienkomfort muss sich OpenSuse 11.1 nicht vor der Konkurrenz verstecken. Die Trennung von freier und proprietärer Software bringt dem Endanwender eher wenig, ist jedoch der rechtlichen Situation geschuldet.

Glossar

One-Click-Install

Über diese Buttons auf Webseiten spielen Nutzer von OpenSuse Software per Mausklick ein. Der Link enthält Informationen, über die OpenSuse erfährt, wie es neue Paketquellen einbindet, um eine bestimmte Software mitsamt ihren Abhängigkeiten zu installieren.

RPM

ein von Red Hat erfundenes Paketmanagement-System, mit dem Sie unter einigen Linux-Distributionen Software verwalten. Die Software-Archive heißen RPM-Pakete.

DHCP

Dynamic Host Configuration Protocol, Router vergeben darüber IP-Adressen dynamisch auf Anfrage.

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